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SAINT: Interview mit Richard Lynch

09.04.2010 | 09:46

Sechs Jahre ist es her, dass ich mit Richard Lynch ein Interview geführt habe. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht und sehr viel hat sich in dieser Zeit bei SAINT getan. Nach dem sehr guten, neuen Werk "Hell Blade", das auch den Langzeittest besteht und eine herausragende Veröffentlichung im traditionellen Heavy-Metal-Bereich darstellt, war es nun an der Zeit, dem Bandkopf ein paar Fragen durch das Netz zu jagen..

Stefan Lang:
Hallo Richard! Ich freue mich sehr, nach längerer Zeit mal wieder ein Interview mit dir zu führen und kann es kaum glauben, dass so viel Zeit seit unserem letzten verstrichen ist. In der Zwischenzeit ist viel passiert und SAINT waren (Gott sei Dank) sehr aktiv. Kannst du uns sagen, wie es sich anfühlt, wieder so richtig zurück und als Band aktiv zu sein? Vielleicht kannst du auch in ein paar Worten sagen, was sich in der letzen Zeit bei euch getan hat?

Richard Lynch:
Hallo Stefan, vielen Dank, dass ich mit dir reden kann! Die letzten sechs Jahre sind nur so vorbeigerast. In dieser Zeit haben wir sechs CD's aufgenommen oder wieder aufgenommen. Wir haben Dee Harrington (Gitarre) zurückkehren sehen und Tim Lamberson war unser Schlagzeuger. Dann sahen wir den Abgang von Jerry Johnson (Gitarre) und die Rückkehr von Larry London (Schlagzeug). Jerry kehrte wieder zurück und Bill Brost nahm die Position am Schlagzeug ein (wobei er sie kurzzeitig wieder verlassen hatte) und Dee Harrington ging. Nach dieser Geschichte sind SAINT jetzt komplett und die Bandbesetzung lautet heute: Richard Lynch (Bass), Josh Kramer (Gesang), Jerry Johnson (Gitarre) und Bill Brost (Schlagzeug).


Stefan Lang:
Worin liegen die Unterschiede eine Band wie SAINT zu führen, ich meine zwischen heute und vor 25 Jahren?

Richard Lynch:
Der größte Unterschied ist das Internet und die Computertechnologie. Jeder in der Band meint, er sei immer noch 25 - demnach hat sich sonst nicht viel geändert.

Stefan Lang
:
Ihr habt gerade mit "Hell Blade" ein sehr gutes Album veröffentlicht. Ich habe mich auch besonders über das old-schoolige, richtig gelungene Cover gefreut. Für mich ist es zumindest die beste SAINT-Veröffentlichung seit "In The Battle" (2004) und euere Fans zählen "Hell Blade" zu den stärksten Veröffentlichungen seit dem Debut "Warriors Of The Son" (1984). Es sieht so aus, als seien die Ideen noch lange nicht erschöpft und man sieht immer noch eine Weiterentwicklung. Was sind deiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren dafür, dass "Hell Blade" so erfolgreich ausgefallen ist?

Richard Lynch
:
Anstatt alles selbst zu übernehmen, also das CD-Cover, den Mix und das Mastering der CD, habe ich einen professionellen Künster namens Dakin Costillo engagiert und Jared Knowland als Tontechniker. Beide sind die größten Veränderungen in unserem Prozess.

Stefan Lang:
Für mich gibt es drei herausragende Lieder auf "Hell Blade": 'The Blade', 'To The Cross' und natürlich 'Hell Blade'. Außerdem mag ich besonders 'Sinner Peace' und 'New World Order' ist ebenfalls ein Hammer! Welches sind deine Favoriten und was denkst du über "Hell Blade" nachdem die Scheibe jetzt einige Zeit lang veröffentlicht ist und im Vergleich zu älteren SAINT-Veröffentlichungen?

Richard Lynch:
"Hell Blade" war eines der Projekte, das im Endergebnis viel besser ausgefallen ist, als ich gedacht hatte. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt - es gibt da jemand anderes, der für mich (Anmerkung Übersetzer: Vor 2000 Jahren) Blut und Wasser geschwitzt hat - und darauf habe ich mich fokusiert. Ab diesem Zeitpunkt liefen die Dinge etwas besser. Ich würde mit dir einstimmen, die genannten Lieder sind auch meine Favoriten.

(Anmerkung des Übersetzters: Richard spielt hier möglicherweise darauf an, dass er nicht wieder alleine die ganze Last (z. B. Aufnahme, Cover, Produktion, Gesang, Vertrieb) eines SAINT-Albums tragen musste - wie es bei "In The Battle", "The Mark" und "Crime Scene Earth" der Fall war - sondern die Lasten auf mehrere Schultern verteilt hatte.)


Stefan Lang:
Da ist ein Typ namens J. Powell, der scheinbar jeder CD von RETROACTIVE RECORDS den Feinschliff verpasst. Kennst du ihn persönlich und was denkst du über seinen Anteil des Erfolges von "Hell Blade"? Ich denke, dass er einen großartigen Job macht und ich mag die neue SAINT-Produktion ebenso wie die neue BRIDE ("Tsar Bomba").

Richard Lynch:
Nun, die meisten von uns kennen ihn als "Cliffy" und die Antwort lautet: JA!!! Cliffy hatte einen großen Einfluss auf das Projekt. Ich habe Cliffy 2005 auf dem TOM FEST in Washington, USA, getroffen. Es gibt ein Bild von ihm in der Menge auf unserer "Live 05"-CD von unserem Konzert auf dem XFEST in diesem Jahr. Cliffy ist ein wunderbarer Freund.

Stefan Lang
:
"Hell Blade" hat wieder diese apokalyptische Athmosphäre, die euch ja auch auszeichnet. Zwar nicht so intensiv wie auf euerem Meisterwerk "Times End" (1986), aber das ganze Album hat eine düstere Atmosphäre und ich fahre da voll drauf ab, weil das zu SAINT gehört! War das im Besonderen geplant auf der neuen CD oder hat es sich einfach so entwickelt?

Richard Lynch:
Nun Stefan, wir sind SAINT und ich neige zu dieser "Apokalyptischen Atmosphäre", sie ist in meinem Blut. Ich vermute mal, dass das meiste Material von mir einen dunklen Sound hat, mit einer Vorstellung der Endzeit. Demnach war es weder geplant noch Zufall, es ist einfach was wir sind.

Stefan Lang:
Natürlich muss ich fragen, wieso Dee Harrington nicht mehr länger in der Band ist?

Richard Lynch:
Dee kümmert sich inzwischen um seine eigenen Projekte und ich muss sagen, dass er einige sehr gute Sachen in seinem Ärmel hat.

Stefan Lang:
Wer hat auf "Hell Blade" Schlagzeug gespielt? Ich habe von Bill Brost gelesen und davon, dass er die Band wieder verlassen hatte. Habt ihr auch einen Schlagzeug-Computer benutzt?

Richard Lynch:
Bill hat auf der CD gespielt und wir haben auch vom Computer generierte Sounds benutzt, damit im Endeffekt dieser überwältigende Drumsound steht.

Stefan Lang:
Ich bevorzuge Heavy Metal Bands mit zwei Gitarristen. Als Dee die Band verlassen hatte war ich etwas skeptisch über den zukünftigen Sound, aber Jerry hat eine herausragende Leistung auf "Hell Blade" abgeliefert, ich war sehr positiv überrascht! Was denkst du ist besser für SAINT – ein oder zwei Gitarristen und wie wollt ihr weitermachen?

Richard Lynch:
Es gibt nichts besseres als zwei Gitarristen zu haben, aber momentan machen wir nur mit Jerry weiter. Das ist günstiger, um Konzerte zu spielen.

Stefan Lang:
Ihr habt vor kurzem ein Konzert gegeben. Wie war es und gibt es davon Material zu sehen oder hören? Wie sieht es in Zukunft mit Konzerten aus? Ich wette, dass Deutschland die bessere Gelegenheit für Konzerte wäre.

Richard Lynch:
Ja, wir haben hier in Oregon gespielt im Februar. Wir hatten eine tolle Zeit und konnten die Show auf Video aufzeichnen. Im Sommer planen wir eine DVD herauszubringen mit SAINT Konzerten von 1985 bis 2010 darauf, zudem Interviews usw. (Anmerkung des Verfassers: Inzwischen sind auf Youtube zwei Musikvideos aufgetaucht)

Stefan Lang:
Vor einigen Jahren hattet ihr die Möglichkeit auf dem legendären KEEP IT TRUE-Festival in Deutschland aufzutreten. Ist es inzwischen möglich für SAINT nach Europa zu reisen und kannst du dir ein Konzert beispielsweise in Deutschland vorstellen?

Richard Lynch:
Wir würden liebend gerne nach Deutschland kommen und da auftreten. Es war richtig schade, als ich das KEEP IT TRUE absagen musste, aber ich hatte damals gesundheitliche Probleme, die sich inzwischen aufgelöst haben. Also wären Konzerte derzeit kein Problem, es ist jedoch teuer zu reisen.

Stefan Lang:
Ihr habt einige ältere SAINT-Veröffentlichungen neu eingespielt und überarbeitet in der letzten Zeit. "Crime Scene Earth II" ist meines Erachtens auch viel besser geworden als die Originalveröffentlichung. Wie steht's mit "The Mark"? Dieses Album ist auch sehr gut, aber die Produktion nicht so gelungen wie "Hell Blade". Kannst du dir vorstellen, irgendwann "The Mark" nochmals überarbeitet herauszubringen? Natürlich würde ich eine neue SAINT-Veröffentlichung einer Wiederveröffentlichung vorziehen...

Richard Lynch:
"The Mark" wäre eine viel bessere Produktion, wenn sie einfach von Jared Knowland gemixt worden ware und wir den gleichen Schlagzeugsound hätten, den wir auf "Hell Blade" haben. Wenn dann Cliffy das Album noch mastern würde, wäre es sicherlich auch ein Meisterstück.

Stefan Lang:
Ich weiß, dass du der Hauptverantwortliche für SAINT bist und die meiste Zeit für die Band opferst. Wie viel Zeit geht dafür drauf? Als Haupt-Songwriter, der bisher auch die Aufnahmen gemacht hat, bist du bestimmt sehr viel mit der Band beschäftigt. Macht denn das meiste davon Spaß und woher nimmst du die ganze Energie dafür?

Richard Lynch:
Eine Band zu haben bedeutet sehr viel Arbeit. Arbeit ist kein Spaß. Mit unterschiedlichen Persönlichkeiten auszukommen kann frustrierend sein und die Leute dahin zu führen, wo du ein Projekt gerne hättest, kann sogar unmöglich sein. Es sieht so aus, als hätte ich den Großteil der Zeit, wenn ich nicht auf der Arbeit bin, damit verbracht, an der Musik zu arbeiten oder nun an den Videos. Ich würde bis zu 30 Stunden in der Woche dafür schätzen. Die meisten Aufnahmen mache ich in meinem Studio daheim, aber manches lagere ich aus, wie beispielsweise die Schlagzeugspuren – dennoch muss ich mich auch darum kümmern und anwesend sein. Dann kostet es natürlich Zeit zu komponieren und Texte zu schreiben – ja, es ist eine Menge Arbeit aber ich liebe es. Es ist eine große Ehre, meinem Gott zu dienen.

Stefan Lang:
Was steht für die Zukunft an? Plant ihr ein paar Konzerte und gibt es bereits Ideen für ein weiteres SAINT-Album?  

Richard Lynch:
Ich bin sicher, dass wir im nächsten Jahr an einer neuen Scheibe arbeiten werden. Für den Moment bin ich mit den Gedanken bei der DVD. Es gibt Gespräche für eine Festival-Tour 2011 mit einigen anderen Bands von RETROACTIVE RECORDS, aber da ist noch nichts in trockenen Tüchern. Vielleicht spielen wir im Sommer ein paar Konzerte.

Stefan Lang:
Vielen Dank für das Interview!

Richard Lynch
:
God bless, Keep it Metal and Keep it True!!!

Redakteur:
Stefan Lang

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