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SALTATIO MORTIS: Interview mit Die Fackel

01.01.1970 | 01:00

SALTATIO MORTIS kommen bereits ein halbes Jahr nach "Das Zweite Gesicht" mit einem fabelhaften neuen Werk angestürmt, um die Musikwelt zu erobern. Diesmal wieder ganz ohne Elektronik und Gitarren, aber in einer herausragender Güte, die mich nur so mit den Ohren schlackern lässt. "Die Fackel" beantwortete meine per Mail gesandten Fragen zu diesem und ihrem letzten Album:


Andreas:
Salvete et pax vobiscum an das Spielmannsvolk!
Erst einmal dicken Respekt für die geniale neue Scheibe, ich war ziemlich überrascht, dass ihr von dem Stil auf „Das Zweite Gesicht“ wieder abgekommen seid. Was hat euch dazu bewogen, die Gitarren und elektronischen Spielereien wieder abzulegen und euch eher einer Form der Modernisierung mittelalterlichen Spielmanntums zuzuwenden, die von CORVUS CORAX bislang ziemlich allein auf weiter Flur einem größeren Publikum näher gebracht wurde?

Die Fackel:
Dein Gruß sei erwidert! Ich bin die Fackel von SALTATIO MORTIS und danke Dir herzlich für Dein Lob. Um Deine Frage zu beantworten: Wir haben weder die Gitarren noch die elektronischen Instrumente entgültig wieder abgelegt, sondern nur vorübergehend zur Seite gestellt. Uns ist jedes Mittel recht, um Lieder zu erschaffen, die nach unserem Geschmack sind und den Zuhörer zum Tanzen bringen. Von den mittelalterlichen Instrumenten werden wir dabei wohl niemals abkommen. Aber es macht uns sehr viel Spaß, sie auch immer wieder mit modernen Klängen zu kombinieren. Mit unserer CD „Heptessenz“ wollen wir zeigen, dass man auch mit einem rein mittelalterlichem Instrumentarium zeitgemäße Musik machen kann.

Andreas:
Habt ihr eigentlich vor, weiterhin im Halbjahresabstand Alben zu produzieren? Ist ja geradezu erstaunlich, ihr scheint mehr Zeit für Aufnahmen übrig zu haben als ich vermutet hätte. Da hilft sicher ein Stapel Leute im Hintergrund beim Produktionsvorschub mit.

Die Fackel:
Unsere Kompositionen, Arrangements und Texte machen wir auf jeden Fall alle selbst. Da wir alle von unserer Musik leben, haben wir viel Zeit, kreativ zu sein. Und irgendwie gehen uns die Ideen für neue Lieder niemals aus. Dennoch gibt es viele Leute, ohne die ein Vorankommen auf diese Weise nicht möglich wäre. All diesen lieben Menschen sind wir zutiefst dankbar.
Es ist auch immer ein Unterschied, was gerade produziert werden soll. Da uns das Mittelalter einfach im Blut liegt, gehen uns solche Produktionen eher schnell von der Hand. Für die Moderne werden wir uns nun wieder ein Jahr Zeit nehmen.

Andreas:
Stichwort CC (ich weiß, Vergleiche sind buh….): Habt ihr euer Klangbild von diesen Vorreitern des Genres inspirieren lassen? Der glockenreine Sound kommt trotz traditioneller Instrumente und einer Menge Geräuscherzeuger ziemlich modern rüber, teils fast schon im Dancefloor-Beat. Benutzt ihr dafür spezielle Abnahmetechniken?

Die Fackel:
Inspirationen bekommen wir von allen Seiten. Oftmals genügt ein Spaziergang an einem Fluss oder eine andere Erfahrung, um sich daraus für eine Melodie inspirieren zu lassen. Wir legen großen Wert darauf, unseren eigenen Charakter zu bewahren.
Im Studio arbeiten wir mit modernsten, hochempfindlichen Mikrophonen, um den Klang eines jeden Instrumentes so naturgetreu wie möglich aufzunehmen. Wichtig ist auch eine sehr präzise Spielweise, die wir penibel miteinander üben. Das lässt so manchen Hörer irrtümlicherweise denken, unsere Sackpfeifen seien gesampelt. Zudem ist das Studio, in dem wir aufnehmen, mittlerweile sehr gut darauf eingerichtet, mit den seltsamen Dingen umzugehen, die wir anschleppen.

Andreas:
War „Das zweite Gesicht“ nur ein Experiment; hattet ihr also ohnehin vor, auf andrem Wege weiterzumachen oder kann man auf eine Weiterentwicklung dieser Richtung auf der nächsten Scheibe gespannt sein?

Die Fackel:
Wir sind tatsächlich schon an den Vorbereitungen eines neuen Albums, es wird voraussichtlich Anfang 2004 erscheinen. Dieses wird neben unseren typischen Sackpfeifen und Schalmeien auch wieder Gitarren und Synthesizer sowie ein modernes Schlagzeug enthalten und eine Weiterentwicklung unseres modernen Albums darstellen.

Andreas:
Ich persönlich hielt den Ausflug in Gefilde, die eher von TANZWUT oder UMBRA ET IMAGO dominiert werden, für interessant, aber nicht konsequent und ausgereift genug, um sich gegen „Konkurrenz“ abheben zu können, insbesondere den Gesang hatte ich in meiner Rezension dazu kritisiert und die Diskrepanz zwischen den Texten und dem fehlenden Biss der Produktion ebenso. Wie seht ihr das? Wart ihr selbst zufrieden mit dem Ergebnis? (Oder hab ich keine Ahnung von Musik? ;-) )

Die Fackel:
Wir sind mit dem Resultat, das sich bei der Produktion unserer zweiten CD „Das Zweite Gesicht“ ergeben hat, zufrieden. Es war für uns etwas völlig Neues und Interessantes, im Studio mit modernen Instrumenten zu arbeiten. Es haben sich vollkommen neue Möglichkeiten dadurch ergeben. Auf diese Erfahrungen und das daraus resultierende Wissen werden wir in Zukunft aufbauen.

Andreas:
Wie war der Erfolg der zweiten CD? Wie kam die Scheibe so allgemein an?

Die Fackel:
Der Erfolg von unserem „Zweiten Gesicht“ ist nicht von der Hand zu weisen. Wenn auch im ersten Moment kritisch beäugt, wurde der völlig ungewohnte Klang von SALTATIO MORTIS recht schnell von unserem Publikum förmlich aufgesaugt. Wir haben sehr viel Lob gehört ob der Energie und der Stimmung, die dieses Werk vermittelt.

Andreas:
Ebenfalls noch zur zweiten CD: Irgendwo bei den Kollegen las ich damals etwas von "typisch mittelalterlichen Texten" - also ich für meinen Teil fand die Texte schon ziemlich besonders und eher verschieden von ähnlichen Projekten. Ihr seid textlich ziemlich forsch, teils kritisch, teils geradezu unverschämt, was ich sehr erfreulich finde. Überdies vermeidet ihr, ebenso wie SUBWAY TO SALLY es tun, altbackene Texte und greift auf moderne Ausdrücke zurück, passend zur Entwicklung der Spielmannsmusik. Wie viel moderne Sichtweise steckt hinter diesem Gewand poetischer Sprachbilder? Gibt es wesentliche Grundzüge, die euren Texten zugrunde liegen? Messages, die rübergebracht werden sollen? Oder gehen die Ideen dahinter nicht so sehr in die Tiefe?

Die Fackel:
Obwohl es viele wohl nicht glauben mögen, aber auch wir sind Bürger der modernen Welt. Und genau so wie wir in unserer Musik unsere Gefühle ausdrücken wollen, so beinhalten unsere Texte Themen, die uns beschäftigen oder gar direkt betreffen. Im Großen und Ganzen denken wir, damit auch unser Publikum anzusprechen, das darin eigene Gedanken oder Ängste widergespiegelt findet. Unsere Message ist: „Sag was du denkst und bleib dir treu!“ Denn das tun wir auch. Es ist immer hilfreich, sich manche Dinge einfach von der Seele zu reden.

Andreas:
Da „Heptessenz“ auch textlich den traditionellen Pfaden folgt: Vermisst ihr die Möglichkeit, eigene Worte und damit Stimmungen und Gedanken in das Werk einzubringen?

Die Fackel:
Auf unserer neuen CD „Heptessenz“ haben wir die Melodien und Harmonien dazu genutzt, die gewünschte Stimmung zu erzeugen. Die alten Stücke so neu zu formen, dass sie unsere Gefühle vermitteln, ersetzt oftmals jedes gesprochene Wort.

Andreas:
Was glaubt ihr selbst, hebt euer aktuelles Album aus der Masse die Veröffentlichungen zu mittelalterlicher Musik heraus?

Die Fackel:
Wir zeigen auf diesem Silberling, dass man allein mit akustischen Instrumenten ein Klangbild erzeugen kann, das sowohl in Klarheit als auch in seinem umfangreichen Spektrum mit jedem anderen Werk auf der Tanzfläche mithalten kann.

Andreas:
Ständig hatte ich in meinem Bekanntenkreis jemanden von einem eurer Konzerte berichten hören, ihr müsst ja ziemlich viel herumgekommen sein im letzten Jahr. Und vor allem live so einiges zu bieten haben, wie es scheint. Erzählt uns doch, mit welchen Besonderheiten auf euren Shows die Gäste rechnen dürfen; allein die Kostüme und Instrumente sollen ja schon eine Augenweide sein.

Die Fackel:
Das Besondere an unseren Konzerten sind, neben unserer mitreißenden Musik, die Geschichten, die wir zu jedem Lied und über jeden von uns zu erzählen wissen. Unsere selbstgebauten Instrumente sind Original-Abbildungen nachempfunden. Die Verzierungen und Beschnitzungen waren damals üblich, um Aufmerksamkeit zu erregen. Unsere Kleidung ist eine Symbiose mittelalterlicher Schnitte mit modernem Sex-Appeal.
Die Hauptattraktion auf unseren Auftritten ist jedoch der mehrstündige Dia-Vortrag über die Reisen unseres Quoten-Adligen Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein. [laut vernehmliches Schenkelklopfen des Redakteurs]

Andreas:
Da ihr auf den Märkten groß geworden seid, gehe ich davon aus, dass die Livepräsentation vor Publikum euch wichtiger ist als die Studioarbeit, ist das richtig? Was bereitet euch mehr Freude, die Marktauftritte oder die "Rockkonzerte"? Welches davon hat mehr Energie für euch und das Publikum zu bieten? Wo steckt mehr Herzblut drin? Und wo liegen Probleme in der Live-Kombination von alt und neu? Das gilt sowohl für den Ausflug in Bereiche von Elektronik und Gitarren als auch für die ungewöhnliche Spielweise auf „Heptessenz“ – das dürfte live auch schwer zu reproduzieren sein.

Die Fackel:
SALTATIO MORTIS ist unzweifelhaft eine Live-Band. Das wird jedem klar, der uns auf einem oder mehreren unserer Konzerte erleben durfte oder noch darf. Durch unsere unzähligen Auftritte in der Vergangenheit sollte dazu ja für jeden einmal die Gelegenheit da gewesen sein. Durch unsere Erfahrungen, die wir bei den Aufnahmen unserer bisher drei CDs machen durften, sind wir dennoch ebenso zu ambitionierten Studiomusikern geworden. Es ist uns immer wieder eine Freude, im Studio zu arbeiten, in dem wir unserer Kreativität dank modernster Technik freien Lauf lassen können. Unser Herzblut steckt in jedem unserer Werke.
Dank der modernen Technik haben wir keine Probleme, auf unseren Rock-Auftritten mittelalterliche mit elektronischen Instrumenten klanglich zu vereinen. Magister Flux, unser Mann am Mischpult, beherrscht diese Kunst perfekt.
Da die „Heptessenz“ von uns auf diese Weise eingespielt wurde, ist es selbstverständlich, dass diese Musik für uns live kein Problem darstellen wird. Aber davon kann sich ja jeder diesen Sommer oft genug auf unseren Konzerten selbst überzeugen.

Andreas:
Wie hat sich eure Combo eigentlich zusammengefunden? Wo liegen die Ursprünge eurer Bandgeschichte?

Die Fackel:
Zusammen fanden wir am Beginn des neuen Jahrtausends auf einem Markte auf einer Burg. Wir trafen uns, jeder mit seinem Instrument bewaffnet und spielten und zechten gemeinsam bis zum ersten Hahnenschrei. Selbstredend, dass wir von da an zusammen bleiben würden. Wir hatten zunächst nicht die Absicht, eine "Band" zu gründen, sondern wollten lediglich gemeinsam laute und schnelle Musik machen. Dass daraus dann solch eine beliebte harmonische Musikgruppe geworden ist, ist wohl einzig und allein Fortuna zu verdanken.

Andreas:
Seid ihr zufrieden mit der allgemeinen Beachtung und dem Erfolg soweit oder ist noch - auch im Geldbeutel - zu spüren, wie jung euer Projekt ist? Reicht es, um sich auf das musikalische Schaffen konzentrieren zu können? Und wie sieht es bisher außerhalb von Deutschland aus?

Die Fackel:
Wie schon gesagt, leben wir alle von unserer Kunst. Natürlich sind wir, was unsere Popularität betrifft, noch recht am Anfang. Aber das wird sich dank unserer intensiven Live-Präsenz und unserer kreativen Studioarbeit wohl in näherer Zukunft ändern.
Auch in anderen europäischen Ländern haben wir schon die Massen zum Tanz bewegt. So waren SALTATIO MORTIS bisher auch in Schweden, Italien, Dänemark, Portugal, Holland, Österreich und Frankreich zu sehen. Unser Ziel ist es jedoch, auch auf anderen Kontinenten zu spielen.

Andreas:
Wer hat denn für euch das Artwork gebastelt? Ich finde das ziemlich genial und ausgesprochen lecker anzusehen. Auch die Symbolik mit Bandnamen und Albumnamen zusammen mit dem Artwork zeigt, dass ihr euch viele Gedanken dazu gemacht habt, zumindest bei den beiden Alben, die mir derzeit vorliegen.

Die Fackel:
Unsere Artworks arbeiten wir alle gemeinsam selbst aus. Der bereits erwähnte Magister Flux, unser achter Mitstreiter, ist ein ausnehmend begabter Grafiker und schafft es immer wieder, unsere Ideen überzeugend in die Tat umzusetzen. Wichtig ist uns dabei vor allem, dass unsere CDs den Käufer förmlich auf sich ziehen, indem sie ihn anzublicken scheinen.

Andreas:
Wie sieht es bei euch in Sachen Internet aus?

Die Fackel:
Wie wir zum Internet stehen, sieht man am besten auf unserer Homepage , auf der – neben sehr viel Wissenswertem über uns, unsere Musik und das Mittelalter – von allen unseren CDs ein Hörbeispiel als MP3 zu hören ist.
Ebenso sind dort all unsere Termine verzeichnet, wir haben einen Online-Shop und man kann sich in unserem Gästebuch verewigen.

Redakteur:
Andreas Jur

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