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SALTATIO MORTIS: Interview mit Falk

01.01.1970 | 01:00

SALTATIO MORTIS spalten die Gemüter. Während die einen die Band für einen schlechtgemachten Rip-Off von IN EXTREMO und SUBWAY TO SALLY halten, schwelgen die anderen zu den tollen Melodien und Singalongs der sieben Spielleute vor sich dahin. Ich selber zähle definitiv zur zweiten Sorte, weshalb ich mich mal mit Bandsprachrohr Falk in Verbindung setzte, um ihn über das neue Album "Erwachen" auszuquetschen:

Björn:
Hallo, alles klar bei euch?

Falk:
Ein begeistertes "Hallo" zurück! Bei uns ist alles klar. Wir sind sehr froh, dass endlich der 26. Januar vorüber ist und unser Album in den Läden steht.

Björn:
OK, kommen wir direkt zur Sache und reden über euer neues Album "Erwachen". Was erwartet ihr von dieser Veröffentlichung?

Falk:
Weltruhm, weniger wäre zu bescheiden.

Björn:
Im Gegensatz zum direkten Vorgänger "Heptessenz" habt ihr diesmal wieder die elektrischen Gitarren herausgeholt. War das akustische "Heptessenz" nur ein einmaliger Release oder können wir in Zukunft weitere derartige Alben von SALTATIO MORTIS erwarten?

Falk:
Wir werden mit Sicherheit auch in Zukunft mittelalterliche Stücke bearbeiten und akustische Stücke schreiben. Dennoch wollen wir bei der "Heptessenz" nicht stehen bleiben, sondern auch dort, wie immer, Experimente wagen und Neues ausprobieren.

Björn:
Liest man sich die Kritiken zu "Erwachen" durch, stößt man aus unerfindlichen Gründen oft auf eine ablehnende Haltung seitens der Print-Magazine (wie z.B. der letzte Platz in der Richterskala des Rock Hard). Wie denkt ihr über diese Verrisse und wie geht ihr damit um?

Falk:
Kritiken sind etwas Wichtiges, damit man sich über das, was man geschaffen hat, in dessen Außenwirkung im klaren wird. "Verrisse" sind eine ganz andere Sache. Leider steht im großen Handbuch "Wie mache ich eine erfolgreiche und glückliche Band" nichts drüber, wie man mit anfeindender Polemik umgeht. Gewichtheben und Marathonlauf haben sich da sehr bewährt. Dem Rock Hard und unserem neuen besten Freund Tobias Blum, dem Rezensenten, nehmen wir lediglich übel, dass sie uns zu dem letzten Platz in der Richterskala nicht auch noch die "Arschbombe des Monats" gegeben haben.

Björn:
Andererseits findet man in manchen Internet-Magazinen durchaus positive oder gar überschwängliche Reaktionen auf "Erwachen". Würdest du sagen, dass die Musik von SALTATIO MORTIS auf ihre eigens Weise so extrem ist, dass man sie entweder lieben oder hassen muss?

Falk:
Das Beste, was einem Künstler passieren kann, ist wenn er es schafft, durch seine Arbeit zu polarisieren. Man kann und sollte es nie allen Recht machen. Wenn irgendwann einmal alle Rezensionen überschwänglich positiv wären, dann wüssten wir, dass wir irgendwas extrem falsch gemacht haben. Liebe und Hass liegen sehr eng beieinander. Wenn uns jemand hasst, dann haben wir es immerhin geschafft, auch ihm eine bewegende Gefühlsregung abzugewinnen. Allemal besser als eine Larifari-Aussage, hinter der keine Meinung steht.

Björn:
In meinem Review bin ich natürlich nicht um die Vergleiche mit IN EXTREMO umhergekommen. Wo liegen denn deiner Meinung nach die Unterschiede zu den deutschen Branchenführern in der Mittelalter-Metal-Szene?

Falk:
Ziemlich einfach, wir machen kein Metal.

Björn:
Empfindest Du solche Vergleiche eher als nervig oder betrachtest Du sie als fördernd für SALTATIO MORTIS?

Falk:
Wenn man mit Bands verglichen wird, die es "geschafft" haben, dann ist es immer gut. Man wird ja nicht mit Hinz und Kunz verglichen. Man weiß, dass man auf dem richtigen Weg ist. Besonders wenn man unsere bescheidenen finanziellen Mittel bedenkt, mit denen wir ein vergleichenswertes Album gemacht haben.

Björn:
Was hast du den Leuten zu sagen, die euch als Rip-Off der Mittelalter-Szene betrachten?

Falk:
Solche Aussagen sind ziemlich traurig stimmend. Wir tun, was wir wollen und sind glücklich damit. Würde jeder seinen Träumen nachgehen und sich selbst nicht limitieren, wäre die Welt viel spannender, bunter und facettenreicher.
Es erinnert oft an die Erfindung des Rades. Wenn der zweite Mensch, der entdeckt hatte, dass Räder besser rollen als beispielsweise Quader, dann würden wir alle ständig in ziemlich lausigen Staus stehen.

Björn:
In welchem Verhältnis steht ihr denn zu den anderen Gruppen in diesem Genre?

Falk:
Es mag erstaunen, aber wir können alle ziemlich gut leiden. Mit den meisten verbindet uns eine jahrelange Freundschaft.

Björn:
Erstaunlicherweise sind es ausschließlich deutsche Bands, die den Mittelalter-Markt beherrschen. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Falk:
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass es uns allen im Blut liegt oder daran, dass wir einfach eine Unmenge an Burgen, Sagen, Legenden und Mythen haben, die dem förderlich sind, oder daran, dass wir das Land der Dichter und Denker sind. Ich weiß nur, dass die wichtigsten Minnesänger des Mittelalters eben auch aus unserer Gegend kommen.
Es kann aber auch daran liegen, dass Deutschland keine so wundervolle Folkmusik hat wie beispielsweise Irland oder Frankreich. Wenn hiesige Musiker sich traditioneller und dabei auch schöner Musik bedienen wollen, dann bleibt einem fast nichts anderes übrig als sehr weit zurückzugehen. Ein Umstand, vor dem der Ire ziemlich sicher ist. Ein Lied wie "Im Krug zum grünen Kranze" wird bestimmt nie auf solche Beachtung stoßen wie beispielsweise "Whisky in the Jar" oder "Greensleeves".

Björn:
Gut, kommen wir auf die Musik von "Erwachen" zu sprechen. Ihr habt eine ganze Reihe astreiner Ohrwürmer auf diesem Album platziert. Der Faktor Eingängigkeit scheint eine enorme Wichtigkeit für euch zu haben. Legt ihr großen Wert darauf, dass eure Fans die Songs direkt beim ersten Mal mitsingen können?

Falk:
Dieser Gedanke ist und beim Songwriting eigentlich nicht in den Sinn gekommen. Die Eingängigkeit kam ganz von allein.

Björn:
Ein Großteil der neuen Kompositionen hat durchaus kommerzielles Potenzial. Habt ihr das beim Schreiben der Lieder stets im Hinterkopf oder ergibt sich dies einfach so?

Falk:
Wir würden uns natürlich freuen, wenn dem so wäre. Zumindest unser Kühlschrank wäre mal wieder voll. Die Songs entstanden aber einfach so.

Björn:
Vielen deutschsprachigen Gruppen (speziell in diesem Genre) wird vorgeworfen, dass ihre lyrischen Ergüsse äußerst stumpf und ideenlos seien. Wie lautet dein Kommentar hierzu?

Falk:
Manch einer, der solche Vorwürfe erhebt, sollte sich seiner Fremdsprachenkenntnisse besinnen und mal in aller Ruhe seine persönlichen "Evergreens" daraufhin abklopfen.

Björn:
Durch die zahlreichen Melodien herrscht auf "Erwachen" eine recht positive optimistische Grundstimmung und dies, obwohl die Texte sich manchmal mit kritischen Inhalten befassen (siehe `Falsche Freunde´). Was ist euch wichtiger: Die Textbotschaft oder die Atmosphäre der Musik?

Falk:
Textbotschaft und Musik gehen bei uns Hand in Hand. Dennoch wollen wir keine belehrenden Texte schreiben. Wir freuen uns aber, wenn wir dem einen oder anderen aus der Seele singen oder ihn zum Nachdenken bringen. Ansonsten wollen wir natürlich, dass sich Menschen zu unserer Musik ausgelassen bewegen und tanzen können.

Björn:
Gibt es einen Text auf "Erwachen" mit dem du etwas Spezielles verbindest?

Falk:
Jeder von uns verbindet mit dem einen oder anderen Text der Scheibe etwas sehr Persönliches. Es ist unsere echteste Platte unser Innenleben betreffend. Für mich sind `Erwachen´ und `Hafen der Stille´ die intimsten Stücke.

Björn:
Mein absoluter Favorit auf "Erwachen" ist `Am Scheideweg´, welches über den absolut coolsten Chorus verfügt, den ich in diesem Genre bisher gehört habe. Wem haben wir dieses geile Singalong zu verdanken und wie stehst du zu dem Lied?

Falk:
`Am Scheideweg´ ist ein unendlich persönliches Stück für Lasterbalk, der den Text dazu schrieb. Was er dabei empfand und warum er dies tat, steht genau dort geschrieben. Dominor fand dann die passendste aller Melodien für diesen schmerzensreichen Text und so wurde 'Scheideweg' zu dem, was es ist.

Björn:
Könntest du dir vorstellen, diesen Song als Single zu veröffentlichen?

Falk:
Wir haben unsere "Erwachen"-Single bereits herausgebracht. Darauf haben wir uns für 'Falsche Freunde' entscheiden. Eine weitere Auskopplung wird es nicht geben.

Björn:
Wie waren die Reaktionen auf diese Single und warum habt ihr ausgerechnet diese Nummer ausgewählt?

Falk:
Wir haben die Single anlässlich der Tour mit Subway to Sally herausgebracht. Wir wollten einfach dort schon etwas von unserer neuen Musik dabei haben. 'Falsche Freunde' war genau die richtige Wahl dafür.

Björn:
Habt ihr auch einen Videoclip zu diesem Lied abgedreht?

Falk:
Nein. Leider fehlt uns hierzu der monetäre Hintergrund. Sollte sich bei dieser Gelegenheit ein edler Spender finden lassen, der uns diesen Traum ermöglichen möchte, dann soll er sich schleunigst bei uns melden!

Björn:
Gibt es einen Song in der Geschichte der Band, welcher genau auf den Punkt bringt, worum es bei SALTATIO MORTIS geht?

Falk:
Da gibt es zwei. Der eine ist natürlich die `Heptessenz´. Die Essenz von allen sieben Spielleuten zu diesem Moment und dieser Zeit auf den Punkt gebracht. Der andere ist natürlich `Erwachen´, denn damit beschreiben wir den wichtigsten Schritt in unserer Bandgeschichte nach Gründung der Band.

Björn:
Mit `God Gave Rock`n`Roll To You´ habt ihr einen ziemlichen prominenten Rocksong gecovert, der mit den Dudelsäcken völlig neue Facetten gewinnt. Welche Idee steckt dahinter? Warum habt ihr ausgerechnet dieses Stück ausgewählt?

Falk:
`God Gave...´ ist so etwas wie die Hymne unseres vergangen Jahres geworden. Angefangen hat alles ganz harmlos, als unser wundervoller Lichtmeister Kailight, mal so nebenbei KISS in den Bandbus geschmuggelt hat und die Scheibe fortan zu jeder Abfahrt nach einem Gig lief. Irgendwann kann man einfach nicht mehr ohne so eine Hymne einen erfolgreichen Abend beschließen. Der Song gehörte einfach dazu. Als es dann scherzhaft darum ging, einen Song zu covern, meinten alle spontan: `God gave...´. Also haben wir ihn gemacht.

Björn:
Bist du selber ein großer Fan von KISS?

Falk:
Wer hat früher kein KISS gehört?

Björn:
Ihr habt den Song in der englischen Originalsprache nachgespielt. Könntest du dir vorstellen mit SALTATIO MORTIS in Zukunft auch eigene englischsprachige Lieder zu komponieren oder würde dies nicht in euer Konzept passen?

Falk:
Wenn wir den Text übersetzt hätten, dann hätten wir das Lied zerstört. Zudem passen die Reime dann nicht mehr und das Versmaß ist hinüber.
Wir werden unserer Muttersprache weiterhin den Vorzug geben, da wir uns darin am besten ausdrücken können. Zudem verstehen die Leute dann ziemlich schnell, wovon wir da gerade singen.

Björn:
Ihr spielt ja teilweise einige recht altertümliche Instrumente. Liest man sich mal die Liste eurer Arbeitswerkzeuge durch, gerät man schon ins Staunen, dass ihr so viele Instrumente beherrscht. Wo habt ihr den Umgang mit diesen Instrumenten erlernt? Habt ihr euch das alles selber beigebracht?

Falk:
Zum größten Teil muss man ein begeisterter und motivierter Autodidakt sein, wenn man die meisten unserer mittelalterlichen Instrumente spielen können möchte. Für die jüngeren Instrumente gilt das, was jeder junge Padawan einmal durchgemacht hat. Er sucht sich einen Meister.

Björn:
Besteht das Interesse an dieser Musik und den Instrumenten schon von jeher oder hat sich dies erst im Kontext einer eigenen Band ergeben?

Falk:
Wir lernten uns alle kennen, als jeder schon begeisterter und motivierter Musiker war. Die Instrumente, die wir spielen, spielen wir schon ziemlich lange.

Björn:
Wie ist die Band SALTATIO MORTIS denn eigentlich entstanden? Hat sich da eine Gruppe von Gleichgesinnten gesucht und gefunden oder kennt ihr euch untereinander schon von Kindestagen an?

Falk:
SALTATIO MORTIS hat sich ganz klassisch getroffen. Januar 2000. Sieben Musikanten gehen, jeder für sich, zu einem Mittelaltermarkt auf der Ronneburg. Nach einer langen durchfeierten Nacht am Lagerfeuer gehen dann alle Sieben als eine Band wieder schwankend vom Plane. Eine berauschende Nacht voller Dudelsäcke, Trommeln und wärmender Getränke hinter sich lassend und auf der Suche nach einem Proberaum.

Björn:
Kommen wir von der Vergangenheit mal zurück in die Gegenwart. Was sind eure Pläne für die nächsten Monate? Werden wir SALTATIO MORTIS auf deutschen Bühnen sehen?

Falk:
Aber sicher doch! Wir sind beispielsweise vom 04.03.04 bis 03.04.04 fast fünf Wochen am Stück auf Tour. Und dann natürlich das ganze nächste Jahr immer und immer wieder. Am besten, man schaut mal auf unserer Homepage vorbei.

Björn:
Welche Eindrücke hast du denn auf der letzten Tour sammeln können?

Falk:
Wir waren praktisch das ganze letzte Jahr auf Tour. Das absolute Highlight aber war unsere Tour mit SUBWAY TO SALLY. Der wichtigste Eindruck war, dass wir uns kein anderes Leben mehr vorstellen können. Wir tun das, was wir immer tun wollten, wir sind auf der Straße unterwegs.

Björn:
Habt ihr auch schon mal im Ausland gespielt oder besteht dort kein Markt für derartige Musik?

Falk:
Wir lieben es im Ausland zu spielen. Es ist eine ganz eigene Sache, vor einem völlig fremden Publikum zu spielen und eine Herausforderung noch dazu. Unsere Musik scheint universell zu sein. Egal, wo wir auftreten, sei es in Österreich, der Schweiz, Italien, Portugal, Holland, Dänemark oder Schweden, die Leute haben uns lieben gelernt.

Björn:
Welche Wünsche hegst du, wenn du in die Zukunft von SALTATIO MORTIS schaust?

Falk:
Da gibt es einige. Unter anderem natürlich, entsprechenden Erfolg, dass wir irgendwann einmal, ohne von der Hand in den Mund zu leben, Musik machen können. Und natürlich, dass dir unser nächstes Album noch viel besser gefallen mag!

Björn:
Dann wollen wir mal hoffen, dass diese Wünsche auch in Erfüllung gehen. Wir sind nun am Ende dieses Interviews angekommen. Bevor wir aber endgültig Schluss machen, möchte ich dir hier noch mal die Chance geben, für euer neues Album Werbung zu betreiben, speziell für diejenigen, die sich von den schlechten Kritiken in den großen Magazinen haben abschrecken lassen. Also, los geht`s:

Falk:
Es ist unser bestes Album! Wer es nicht kennt, hat nicht gelebt.

Björn:
Gut. Ich bedanke mich für dieses Interview und hoffe, das Beantworten der Fragen hat Dir ein bisschen Spaß gemacht. Dir und SALTATIO MORTIS wünsche ich für die Zukunft alles Gute. Bis dahin, auf Wiedersehen!

Redakteur:
Björn Backes

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