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SAMAEL: Interview mit Vorph

01.01.1970 | 01:00

Pünktlich zur Veröffentlichung der Doppel-DVD "Black Trip" gingen Samael auf Europa-Tour. Ich hatte die Gelegenheit mich in Cottbus mit Frontmann Vorph zu unterhalten. Was er mir alles verriet könnt ihr hier nachlesen.

Natalie:
Wie läuft die Tour ?

Vorph:
Es läuft alles sehr gut, heute ist das letzte von zehn Konzerten in Deutschland. Es ist ganz schön viel, aber es lief alles sehr gut. Das Ungewöhnliche an der Tour ist meine Verletzung (Anm.der Verf.: Vorph hat eine Beinverletzung, er muss im Sitzen spielen/singen), aber der Unfall fand bereits vor der Tour statt. Das macht alles ein bisschen komplizierter.

Natalie:
Ihr habt einen neuen Gitarristen?

Vorph:
Ja, die drei Festivals, auf denen wir im letzten Sommer gespielt haben: Summer Breeze, Fun and Crust und Metal Dayz, waren eine Erprobungsphase für unseren neuen Gitarristen (Anm. der Verf. Makro). Wir waren alle sehr zufrieden. Ich denke, Samael hat heute das beste Line Up, seitdem es die Band überhaupt gibt.

Natalie:
Ihr habt keine Feuershow wie bei den Festivals im letzten Sommer?

Vorph:
Nein, weil wir bei dieser Tour etwas anderes machen wollten. Die Leinwandshow sollte diesmal im Vordergrund stehen.. Das bedeutet aber nicht, dass es nie wieder eine Feuershow geben wird.

Natalie:
Wie sucht ihr die Songs für die Konzerte aus?

Vorph:
Wir diskutieren darüber. Es gibt Songs die uns schon länger begleiten und sie werden systematisch in die Setlist eingefügt. Wir versuchen auch immer, ein oder zwei Songs zu spielen, die wir noch nie live gespielt haben, das ist auch wichtig für uns. Das muss aber vorbereitet werden.

Natalie:
Gibt es Songs die ihr ungern live spielt?

Vorph:
Die spielen wir dann nicht! (lach)
Ich habe keinen Song im Kopf, den ich überhaupt nicht spielen möchte. Ich denke, dass viele der alten Songs ihren Sinn verloren haben. Wir haben sie damals live vorgestellt, wir wollen uns aber auf das konzentrieren, was wir jetzt machen. Falls wir ältere Songs doch spielen, dann müssen sie adaptiert werden, weil wir beispielsweise damals ein Schlagzeug hatten und heute alles programmiert werden muss. Und klar ist wohl auch, dass wir heute nicht alles so wir vor 10 Jahren machen wollen.

Natalie:
Habt ihr Lieblingssongs bei den Konzerten?

Vorph:
Nicht wirklich, das hängt wohl eher von den Konzerten ab. Es gibt Konzerte, bei denen einige Songs besser als andere ankommen, aber ich weiß nicht woran das liegt. Vielleicht liegt es am Publikum, vielleicht an uns, weil wir in Phase mit dem Song sind. Wir spielen einfach unsere Songs und geben unser Bestes. Du kannst nicht vorhersagen, was bei einem Konzert geschehen wird, oder warum bestimmte Songs an bestimmten Tagen besser ankommen, aber es ist immer eine schöne Überraschung.

Natalie:
Wann kommt das neue Album?

Vorph:
Das dauert noch ein Weilchen. Wir hatten letztens Unstimmigkeiten mit unserer Plattenfirma. Die Lage war zeitweilig sehr angespannt. Wir wollen zuerst die Lage klären bevor wir uns mit dem neuen Album beschäftigen. In der Zwischenzeit ist ein neues Projekt namens "Era One" entstanden, welches während der Tour vorgestellt wird. (Anm. der Verf. Era One ist während der letzten Umbaupause vor dem Samael Auftritt zu hören). Es handelt sich jedoch um etwas gänzlich anderes und hat sehr wenig mit Samael zu tun.

Natalie:
Was ist Era One in Bezug auf Samael?

Vorph:
Era One ist ein Projekt, das ich mit XY entwickelt habe. Wir haben von null angefangen. XY hat die Musik komponiert und ich habe die Texte geschrieben. Die Songs bestehen aus Gesang, Keyboards und Programmierung. - gänzlich ohne Gitarren. Wir hatten kein festes Ziel, wir waren offen, es sollte keiner bestimmten Richtung folgen und sich frei entwickeln. Wir haben nicht Samael als Referenz genommen. Demnach ist Era One keine Nachfolgeband von Samael.

Natalie:
Wird es ein "Era One" Album geben?

Vorph:
Ein Album mit 10 Songs ist fertig. Wir haben es der Plattenfirma übergeben. Ein Veröffentlichungstermin steht aber noch nicht fest.

Natalie:
Viele Leute sehen einen musikalischen Knick in der Karriere von Samael. Was meint ihr dazu?

Vorph:
Ich sehe den Knick nicht. Es gab eine erste Änderung als wir die Aufgabenbereiche festgelegt haben: XY komponiert jetzt die Musik und ich befasse mich ausschließlich mit den Texten. Die zweite Änderung ist, dass wir jetzt einen Drum-Computer haben und mehr elektronische Sounds nutzen. Ich sehe da aber keinen Bruch sondern eher eine Weiterentwicklung von dem was wir bereits vorher gemacht hatten.

Natalie:
Was steht im Vordergrund bei Samael, Text oder Musik?

Vorph:
Ich würde sagen, dass die Musik wichtiger ist, weil sie die ganze Sache kreiert. Was die Texte betrifft, sie werden erst interessant, wenn Du Dir ein wenig Zeit nehmen kannst um Dich mit ihnen zu beschäftigen und sie nicht nur oberflächlich betrachtest. Es gibt aber Leute, die sich nicht für das interessieren, was Du sagst, deswegen sind die Texte für einige Leute nicht so wichtig.

Natalie:
Sind die Texte persönlicher Natur?

Vorph:
Ja, aber ich versuche Worte zu finden, die andere Menschen ansprechen. Ich will nicht nur über mich sprechen. Ich erzähle Geschichten, die andere Menschen auch erlebt haben. oder die vielleicht andere Menschen berühren können.

Natalie:
Habt ihr schon mal Songs verworfen weil ihr euch nicht einigen konntet?

Vorph:
Nein, das ist noch nie geschehen. Ich kenne keine Schranken. Ich höre mir die Musik an und wir reden darüber und dann wird was daraus.

Natalie:
Wenn ihr die Möglichkeit hättet, Eure Karriere noch mal zu durchlaufen, würdet ihr alles genau so machen?

Vorph:
Ich denke wir würden einiges anders machen, weil man wohl aus Fehlern lernt. Aber wir möchten nicht wirklich alles nochmals durchleben. Es gab Unfälle und unsere Karriere war nicht geradlinig - und genau das ist interessant. Wenn Du deine Karriere genau planen könntest, dann weiß ich nicht, ob es wirklich Sinn machen würde. Es wäre kein Abenteuer mehr.

Natalie:
Was waren die schlimmsten Erlebnisse mit Samael?

Vorph:
Die Line-up Wechsel. So eine Situation ist immer sehr schwer für eine Band. Aber wir haben alles gut überstanden. Ich bin zufrieden.

Natalie:
Wie ist Eure Webseite entstanden?

Vorph:
Ein Freund hat die Samael Webseite gemacht (Anm. der Verf. www.samael.info). Er hat auch das Video für Infra Galaxia gemacht und das Cover für Eternal. Wir arbeiten also schon länger mit ihm zusammen. Wichtig ist, dass wir ihn gut kennen. Wir konnten ihn jederzeit anrufen, länger mit ihm diskutieren und bei Bedarf einiges noch ändern bevor es wirklich endgültig abgeschlossen war.

Natalie:
Es sind viele religiöse Symbole auf diese Webseite zu finden...

Vorph:
Ja, die Spiritualität war von Anfang an ein wichtiger Aspekt von Samael.

Natalie:
Kann man Samael und Okkultismus assoziieren?

Vorph:
Nicht ausschließlich. Ich denke, die Welt des Geistes ist umfangreich und offen, sie gehört nicht unbedingt der Religion, den Dogmen oder den geschriebenen Gesetzen. Es ist interessant zu wissen, was die Menschen, die vor uns hier waren, diesbezüglich gedacht und geschrieben haben. Es ist eine Art Suche, die nie endet, denn Du findest nie wirklich eine Antwort. Aber selbst wenn man denkt, dass es alles nichts bringst, gibt es doch Möglichkeiten, ihre Erkenntnisse im täglichen Leben umsetzen, beispielweise wenn man eine Entscheidung treffen muss. Es ist eine Reise in das innerste ich.

Natalie:
Eure Songs haben viel mit dem Weltraum zu tun?

Vorph:
Ja ich glaube, dass der Weltraum auch das Übersinnliche repräsentiert. Er lässt einem einen großen Interpretationsspielraum. Es gibt da noch vieles, was unerforscht ist.

Natalie:
Wie sieht die Zukunft für Samael aus?

Vorph:
Wie werden auf verschiedene Festivals spielen: in Portugal (Anm. der Verf.: Das Headbangers Fest ) und beim With Full Force in Deutschland. Wir werden auch die Ideen für das neue Album umsetzen. Wir haben da schon ziemlich genaue Vorstellungen.

Natalie:
Noch ein letztes Wort?

Vorph:
Ja, wir möchten alle Leute grüßen.

von Natalie (natalie@lostinberlin.com)

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