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SANDERS, KARL: Interview mit Karl Sanders

01.01.1970 | 01:00

Mit seiner Hauptband NILE hat sich Karl Sanders in den letzten Jahren nicht zuletzt aufgrund des orientalischen Bezugs zu der Kultur Ägyptens einen guten Namen innerhalb der Death-Metal-Szene machen können, doch hat ihm dies nicht ausgereicht, um den gesamten Fundus seiner Ideen im Hinblick auf die Kultur im nahen Osten verwirklichen zu könne. So hat er nun mit "Saurian Meditation" ein Album herausgebracht, dass mit den Klängen von NILE nur noch minimal etwas zu tun hat, aber sicher nicht minder fesselnd ist als deren brutale Klänge. Das sieht Mr. Sanders ähnlich und erklärt in unserem gemeinsamen Gespräch, warum ihm anno 2004 mal zum Entspannen zumute war.

Björn:
Hi Karl, wie geht's dir?

Karl:
Fein, und wie schaut's bei dir aus?

Björn:
Nun, ich kann nicht klagen. Wir haben nur 15 Fragen für dieses Interview, deshalb sollten wir direkt mal loslegen. Zunächst einmal würde mich die Intention hinter deinem ersten Soloalbum "Saurian Meditation" interessieren.

Karl:
Oh, die Intention ist simpel. Die Musik auf "Saurian Meditation" ist eine Art Zusammenstellung von Sachen, an denen ich während meiner freien Zeit in den letzten Jahren gearbeitet habe - irgendwann zwischen Tourneen, nachts beim Relaxen und so weiter. Es ist meine Art Spaß zu haben und zu entspannen, dabei auch mit Freunden zusammenzuarbeiten und eine Pause vom großen Stress mit dem Death Metal bei NILE zu nehmen.

Björn:
Wie lange hast du denn insgesamt an der Platte gearbeitet?

Karl:
Nun, es hat so einige Jahre gedauert, da ich mal hier und mal dort was geschrieben habe, aber eben nur in meiner freien Zeit. Dann habe ich ungefähr einen Monat lang in meinem Haus an den Aufnahmen gearbeitet. Dann habe ich noch einige Tage im Sound Lab verbracht und es schließlich innerhalb von vier Tagen in Tampa mixen lassen.

Björn:
Wann hattest du zum ersten Mal die Idee, ein solches Projekt anzugehen?

Karl:
Ich weiß nicht genau - die Idee hierfür besteht schon seit einer Weile und während der Auszeit bei NILE dachte ich, es wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um die Sache voranzutreiben und zu beenden - und es schlussendlich mit den Leuten zu teilen.

Björn:
Wiederum hast du diese ägyptischen Sounds verwendet, genauso wie wir es von NILE auch kennen. Konntest du diese Klänge nicht für ein weiteres NILE-Album gebrauchen oder war es gerade wichtig, die ganzen Sachen ohne Death-Metal-Gitarren zu veröffentlichen?

Karl:
Tja, mit NILE geht es immer so direkt vorwärts, doch ich fühlte, dass der neue Stoff von NILE einige neue Sounds vertragen konnte. Über die Jahre haben sich so viele Arten des musikalischen Ausdrucks ergeben, dass sie nicht mehr alle innerhalb dieses Death-Metal-Kontextes zu realisieren waren. Genau diese Sachen habe ich mir dann schließlich für dieses Soloprojekt aufbewahrt.
In erster Linie ging es aber darum, Spaß zu haben, sich zu entspannen und ruhige Musik zu komponieren. Ich liebe Death Metal wirklich sehr, und wahrscheinlich wird dies auch immer so sein, aber manchmal brauche ich einfach meine Ruhe, um mein Leben ein bisschen auszugleichen.

Björn:
Was ist für dich so faszinierend an der ägyptischen Kultur? Und wann bist du das erste Mal damit in Kontakt getreten?

Karl:
Ich glaube, dass dieses Interesse schon seit der Zeit besteht, als ich noch ein Kind war. Vielleicht erweckt irgendwas an dieser heidnischen Kultur ja eine versteckte Resonanz in meiner Seele. Ich weiß es echt nicht. Aber ich würde auch nicht sagen, dass die Musik auf "Saurian Meditation" ausschließlich ägyptisch klingt. Es finden sich auch noch einige andere Einflüsse außerhalb der mittelöstlichen Kultur auf "Saurian Meditation". Aber ich denke, auf Grund der Verbindung zu NILE ist es für viele Leute einfach darauf zu beziehen. Ich denke aber nicht, dass alles authentisch ägyptisch klingt, aber die Einflüsse lassen sich natürlich nicht leugnen, das ist klar.

Björn:
Bist du denn schon einmal in Ägypten gewesen?

Karl:
Noch nicht. Es ist ein sehr großer Wunsch, einmal dorthin zu reisen, doch eine Reise von den Staaten nach Ägypten ist sehr teuer. Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, kostete ein Ticket 2600$. Ironischerweise werde ich, zumindest so lange ich Death Metal spiele, niemals die finanziellen Möglichkeiten haben, um einen solchen Trip anzutreten.

Björn:
Die Songs hast du ja alle selber geschrieben. Wie sieht es mit den Instrumenten aus. Hast du da auch alle selbst in die Hand genommen oder hast du auf fremde Hilfe zurückgegriffen?

Karl:
Ich habe die Baglama Saz, die akustische Gitarre, die Keyboards und den Computerkram eingespielt. Die Vocals stammen von Mike Breazeale, den manche vielleicht noch von 'Unas Slayer Of The Gods' kennen. Das Schlagzeug hat Pete Hammoura übernommen. Außerdem hatten wir einige Gäste, so zum Beispiel Dave Vincent, der einige gesprochene Texte beigefügt hat. Dallas hat Backing-Vocals übernommen, mein Gitarrenlehrer hat einen Gastpart in 'Whence No Traveller Returns' und Punchy hat Percussions gespielt und ebenfalls Hintergrundgesänge beigesteuert.

Björn:
Was genau meinst du denn mit "Saurian Meditation"?

Karl:
Bevor der Mensch unseren Planeten beherrschte, wurde die Erde von einigen großen Reptilien dominiert. Zu der Zeit, als der Mensch an die Macht gelangte, war das einst so mächtige Volk der Schlangen schon längst zu Staub geworden. Die überlebenden Reptilien haben den Aufstieg der menschlichen Rasse lange Zeit verachtet und warten weiterhin darauf, dass wir selber dem nuklearen Holocaust verfallen werden. Sie hoffen, dass die Erde wieder von ihnen beherrscht wird. Das ist es, wovon sie schon lange träumen, wenn ihre kalten Augen emotionslos und wie in Trance ins Leere starren.

Björn:
Was heißt dies im Bezug auf Meditation. Ist diese ein wichtiger Teil deines eigenen Lebens?

Karl:
Uh, eigentlich nicht. Was ich hauptsächlich brauche ist innerer Frieden und Ruhe, sozusagen um meine eigenen Gedanken zu entwickeln. Dies kann ich zum Beispiel erreichen, indem ich lange Zeit mit Niemandem rede und stattdessen tibetanische buddhistische Musik auflege. Andererseits mag ich es, diese ganzen Kriegsspiele auf dem PC zu spielen, wie zum Beispiel "Wolfenstein", "Call Of Duty" und "Medal Of Honor". Diese Brutalität und Rücksichtslosigkeit hat etwas Genugtuendes, aber auch Entspannendes. Finde es selbst heraus!

Björn:
Ist diese Platte nur ein einmaliges Projekt oder können wir in Zukunft mehr solchen Stoff von dir erwarten?

Karl:
Ich denke schon, das es eine Fortsetzung geben wird. Wir werden im nächsten Jahr mit NILE sehr beschäftigt sein, aber danach werde ich unter Umständen wieder Gelegenheit haben, mich vom ganzen Chaos des Death Metal zu erholen und ein weiteres solches Album einzuspielen.

Björn:
Was passiert denn gerade bei NILE? Wie weit seid ihr mit dem neuen Stoff vorangeschritten?

Karl:
Wir arbeiten gerade hart an unserem neuen Album. Wir haben einen neuen Schlagzeuger. Außerdem sind die neuen Songs sehr brutal, wir sind also sehr aufgeregt, wie sie von den Fans empfangen werden. Im Dezember wollen wir ins Studio und anschließend so im März und April auf Tour gehen.

Björn:
Könntest du dir vorstellen einige deiner Solosongs mit ins NILE-Set zu nehmen?

Karl:
Es ist schwer genug zu entscheiden, welche NILE-Songs wir aus dem Set lassen um unser Zeitlimit einzuhalten. Ich kann also nicht auch noch versuchen diese Songs zu integrieren. Und es wird auch keine Tour zu "Saurian Meditation" geben. So lange ich mit NILE auf Tour gehen kann, reicht mir das völlig aus. Ich habe einen neun Jahre alten Sohn und ich denke, mit zwei Bands auf Tour zu gehen, wäre im Hinblick auf meine Fürsorgepflicht einfach zu viel für ihn. Also: keine "Saurian Meditation"-Tourneen zu diesem Zeitpunkt. An dem Tag, wo wir NILE zu den Akten legen werden, gut, dann kann ich mir über so was Gedanken machen, aber jetzt definitiv nicht.

Björn:
Das nächste Projekt ist also jetzt erst einmal die neue NILE?

Karl:
Ja, ganz genau!

Björn:
Und wann kommt ihr zurück nach Europa.

Karl:
Im März und April im Rahmen der "No Mercy Festivals".

Björn:
Irgendwelche letzten Worte?

Karl:
Danke, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast, ich habe die Unterhaltung wirklich sehr genossen. Hoffentlich werden wir auf der demnächst anstehenden Tournee mit NILE die Chance haben, persönlich in Kontakt zu treten.

Björn:
Na, das will ich doch hoffen!

Redakteur:
Björn Backes

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