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SCHANDMAUL: Interview mit Thomas Lindner

01.01.1970 | 01:00

In der hartumkämpften Welt des Mittelalter-Rocks haben sich unlängst SCHANDMAUL aufgemacht, Kollegen wie SUBWAY TO SALLY und IN EXTREMO den Thron der Medievalkönige streitig zu machen. Die sechsköpfige Truppe aus bayrischen Landen besticht besonders live durch ihre folkig-frische und fetzige Gangart, die kein Auge trocken und kein Bein lange stillhalten lässt. Nachdem das Sextett 2001 mit „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ einen gelungenen Nachfolger ihres Erstlingswerks „Wahre Helden“ (1999) hinlegen konnten, präsentieren die passionierten Musiker mit „Narrenkönig“ (VÖ: 07.10.2002) nun ihren neuesten Streich – Grund genug, den sympathischen Sänger und Frontmann Thomas Lindner ein wenig über Band, musikalische Hintergründe, das neue Album und gar ein paar politische Themen auszuquetschen...


Kathy:
Thomas, es gibt euch bereits seit 1998, trotzdem seid ihr erst seit etwa diesem Jahr in aller Munde – deshalb würde ich dich zum Einstieg bitten, kurz die Band SCHANDMAUL vorzustellen und wie ihr alle zusammengefunden habt.

Thomas:
Nun, wir sind sechs Leute, die sich aufgrund der damaligen Idee unseres Bassisten und unserer Geigerin, für sich selbst ein paar Folksongs zu covern, zusammengetan haben: Da die beiden festgestellt haben, dass das zu zweit langweilig ist, haben sie andere Musiker – die üblichen Verdächtigen aus dem Landkreis, also uns – zusammengetrommelt, um ein Konzert zu spielen, das war der Plan. Unser Programm damals bestand aus wahnsinnig vielen Covernummern von THE SEER aus Augsburg, BOB GELDORF und was man noch so kennt. Als wir das Programm draufhatten dachten wir uns, dass das so ganz ohne eigene Sachen eigentlich langweilig ist, also haben wir ein Lied geschrieben, und dann ging’s los. Vorher haben wir uns auch gar nicht überlegt, was für einen Stil wir denn nun spielen, jeder kam mit seinen eigenen Ideen daher, hat seinen eigenen Senf dazu gegeben. Und als man dann die ganzen Einflüsse verrührt hat, zu so einem großen Eintopf, da kam schon mit der ersten Nummer, die wir damals geschrieben haben, der Stil raus, den wir heute noch haben. Das Konzert war dann auch ein Supererfolg, jeder wollte eine CD haben, die wir dann auch aufgenommen haben, und schließlich wurden die Kreise, in denen wir Konzerte spielten, immer größer, erst München, anschließend Bayern und dann ganz Deutschland. Das ging ziemlich ratzfatz und wir sind immer noch überrascht und erstaunt, wie das alles passiert ist – wir stehen nach wie vor da wie die Kuh vorm Weihnachtsmann (lacht).

Kathy:
Ihr habt für euch den Namen SCHANDMAUL gewählt, das erweckt in mir das Bild einer Bande von Narren und Spielleuten, die sich auf einer Bühne stehend das Maul über die Leute zerreißen. War das auch eure Intention, als ihr euch diesen Titel zugelegt habt?

Thomas:
Also vor dem Namen war eigentlich das Symbol, was uns total fasziniert hat. Das hat angefangen auf unserer allerersten CD „Wahre Helden“ mit diesem Kartenjoker, und den haben wir dann weiterentwickelt bis zu seiner heutigen Form. Dieser Hofnarr, der das Bild in unseren Köpfen war, der neben dem König steht und ihn zum Lachen bringt oder wütend werden lässt, aber trotzdem die Freiheit hat, das alles zu tun, eben die Narrenfreiheit – und so haben wir uns irgendwie auch gesehen. Aber nebenbei: Es gibt nichts Schlimmeres als einen Bandnamen zu finden (lacht), da hockt man zusammen und ein Brainstorming crasht das nächste. Aber in Verbindung mit diesem Hofnarren kam dann irgendwann das SCHANDMAUL, das Lästermaul zustande. Gut, wir machen jetzt hier grundsätzlich keine Kabarett-Lästertexte, aber wir haben doch das gewisse Augenzwinkern und einen guten Schuss Selbstironie beibehalten.

Kathy:
Da ihr mittelalterlich/folkloristisch angehauchte Rockmusik spielt, werdet ihr – insbesondere von der Presse – oft mit Bands wie SUBWAY TO SALLY oder IN EXTREMO verglichen bzw. in einen Topf geworfen. Was ist deiner Meinung nach aber das primäre Element, welches euch gerade von den genannten Formationen unterscheidet?

Thomas:
Wenn ich jetzt konkret auf die beiden eingehe: IN EXTREMO sind viel härter als wir, die machen Mittelalter-Hardrock bis -Metal meiner Meinung nach, und SUBWAY TO SALLY sind böser von den Textthemen her, sphärischer und mystischer. Das Lustige ist, dass sich unser Stil tatsächlich von alleine gefunden hat, ein Großteil von uns kannte die ganzen anderen Bands noch gar nicht, wegen unterschiedlichen privaten Musikgeschmäckern. Erst nach etwa eineinhalb Jahren kam dann einer her und sagte: Hey, schaut mal, das ist eine alte SUBWAY-Platte, die klingen wie wir. Und plötzlich waren wir ohne unser Zutun in dieser Mittelaltersubkultur, in dieser Branche drinne. Aber wir haben, wie ich finde, eine eigene Nische gefunden, wir sind folkiger als die anderen, wir benutzen keine authentischen Themen und Melodien, es ist alles der eigene Mist, den wir da fabrizieren. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass wir keinem ans Bein pissen – auch dadurch bestätigt, dass wir die anderen alle kennengelernt und mit ihnen auf den großen Festivals zusammengespielt haben und die sich in keinster Weise angegriffen fühlen.

Kathy:
Fühlt ihr euch dann Bands wie FIDDLER’S GREEN oder SKYCLAD, die ja auch mit viel Folklore arbeiten, verbundener?

Thomas:
Hm, wir machen so den Spagat irgendwo dazwischen, zwischen FIDDLER, IN EXTREMO und SUBWAY ist ein Eckchen Kuchen freigeblieben, und das haben wir uns geschnappt.

Kathy:
Ein Großteil von euch hat eine klassische Ausbildung sowohl Instrumente als auch Gesang betreffend genossen, du selbst hast sogar mal in einer Punkrockband gespielt. Wie kommt es, dass ihr alle, trotz der verschiedenen Backgrounds, schlussendlich im Mittelalterrock zusammengefunden habt?

Thomas:
Hmja, das ist echt lustig..., also unser Schlagzeuger (Stefan Brunner – Anm. d. Verf.) war früher in einer Funk Band, die Anna (Kränzlein, Geige und Drehleiher – Anm. d. Verf.) kommen so richtig pur aus der Klassik raus, mit dem Gitarristen (Martin Duckstein – Anm. d. Verf.) zusammen hab ich nebenher noch sporadisch eine Deutschrockband, WETO, die Birgit (Muggenthaler, Flöten, Dudelsäcke und Schalmeien – Anm. d. Verf.) war in einer Mittelalterkapelle und der Hubsi (Widmann, Bass und Mandoline – Anm. d. Verf.) war schon immer so der Folkmusiker. Es waren eben einfach diese Ideen, die uns zusammengeführt haben, es war als Projekt gedacht. Der Erfolg, der sich daraus entwickelt hat, hat uns dann dementsprechend rechtgegeben, es waren ja auch unsere Lieder, halt anders arrangiert als vorher gewohnt, aber da hört man dann ja nicht auf, da merkt man: Hey, da zieht was, da hat man Spaß dran. Und es ist ja auch schöne Musik, dieses Mittelalterliche. Punkrock, nun, das ist etwas, wo wohl jeder mit anfängt, aus der Schülerband wird die erste Punkrock-Band, mit drei Akkorden und auf geht’s (lacht). Dann kam, zumindest bei mir, wie gesagt der Deutschrock, jetzt machen wir eben Folkrock, und es ist ein schönes Gefühl mit der Musik, die man selber macht, auch Feedback zu kriegen und nicht nur im eigenen Landkreis spielen zu müssen.

Kathy:
Ingo Hampf von SUBWAY TO SALLY hat mal zu mir gesagt, er spiele mittelalterlich beeinflusste Musik mit teils authentischen Texten, weil er der Ansicht ist, dass die Musik den Ursprung der jeweiligen Band wiederspiegeln sollte und Gruppen wie z.B. die GUANO APES ihm da zu sehr nach Amerika klingen würden. Wie stehst du zu dieser Aussage?

Thomas:
Ich sag mal so: Diesen Flair, den das Mittelalter ausströmt – und ich red jetzt nicht vom tatsächlichen – dieses Romantisierte, Idealisierte, diese Alltagsflucht, das Entrückte und Schöne daran, das kenne ich persönlich auch, ich lese mir lieber ein Fantasy-Buch durch oder schau mir den Herrn der Ringe im Kino an als dass ich mir einen knallharten, auf Tatsachen basierenden Dokumentationsbericht reinziehe. Man kann da einfach irgendwie abschalten und rumträumen. Jetzt aber zu sagen, deutsche Rockmusik hat ihren Ursprung im Mittelalterlichen, puh... . Nun, jede Musik kommt doch irgendwie da her, oder? Und die Amis kommen ja auch nicht ursprünglich aus Amiland. Es ist eine musikalisch-geschichtliche Entwicklung, historisch gesehen, das haben wir alles schon mal gehabt und es ist schön, sich solch alter Elemente oder gerade den alten Klangfarben zu bedienen. Diese exotischen Klänge in Rockmusik einzubauen, das ist eine feine Idee, es aber als Intention für SCHANDMAUL zu sehen, sich zusammengetrommelt zu haben, das ist verkehrt – es ist einfach nur die Begeisterung, mit diesem Flair zu spielen.

Kathy:
Wie genau läuft das bei euch bandintern ab, wenn’s ums Songwriting und die Ideenzusammentragung für Texte geht? Habt ihr bestimmte Inspirationsquellen im Alltag, aus Büchern, Filmen oder Ähnlichem?

Thomas:
Also die Texte schreiben Birgit und ich, jeder für sich. Ich lass mich inspirieren durch Bücher, durch Gedichte, durch Filme, durch Alltagssituationen und und und. Ein Text auf der neuen CD handelt ja z.B. von diesem Seemann, der rausfährt, die Nixe sieht, ihr verfällt und sie nimmt ihn dann irgendwann mit in die Tiefe – das ist so ein Ding, das kennt man seitdem man vier Jahre alt ist und zum ersten Mal ein Märchen vorgelesen bekommen hat, diese kindlichen Mythen und Sagen eben. Da kommt halt dann mal irgendein Satz zusammen, dann eine Passage, dann trägt man das noch ein paar Tage mit sich rum und plötzlich fluppst es raus, der Text ist da. Bei mir ist es dann so, dass ich gleich beim Textschreiben eine Melodie entwickle, die ich fast schon summen kann und dann eigentlich nur noch meine Schrammelgitarre oder ein Klavier finden muss, wo ich das dann in Akkorde reinzwängen kann. Mit diesem Grundgerüst geht’s dann in den Proberaum, man stellt es vor, und wenn’s den anderen gefällt, basteln die auch gleich an der eigenen Stimme dazu rum. Der Ducky (Martin Duckstein – Anm. d. Verf.) ist dann auch einer, der noch mitkomponiert und richtig grundsätzlich miteingreift mit den Melodien usw., da wird dann noch mal rumgefeilt. Das Arrangement, das passiert einfach in der Gemeinschaft und ist riesig stressig, bis es mal steht kann’s ein paar Wochen dauern. Man ist ja nie zufrieden (lacht), aber irgendwann kommt dann doch ein Song dabei raus.

Kathy:
Euer neues Album „Narrenkönig“ kommt mir persönlich noch eine Spur verspielter vor als „Von Spitzbuben und anderen Halunken“. Was genau hälst du von dem Endresultat und wie siehst du es bezogen auf den Vorgänger?

Thomas:
Ich persönlich bin hochbegeistert von „Narrenkönig“ und stolz auf das, was wir geschafft haben. Irgendwie bin ich auch total gespannt – es ist total unfair: Die Platte ist fertig, liegt da, und man muss jetzt noch wochenlang warten, bis das Publikum sie mal hören kann und man endlich mal ein Feedback bekommt. Die Songs sind meiner Meinung nach ausgereifter, nicht zuletzt aufgrund von weiteren hundert Konzerten, die wir gespielt haben seit der letzten CD. Manche der Stücke haben wir bereits vor einem Jahr geschrieben und immer wieder daran herumgefeilt. Desweiteren haben wir zum ersten Mal diesen neugierigen Schritt gewagt und uns durch externe Produzenten helfen lassen und da auch das Glück gehabt, zwei ganz tolle Männer kennenzulernen, die schon die ganzen IN EXTREMO-Alben produziert haben. Dementsprechend hatten die auch schon einiges an Erfahrung auf diesem Gebiet, und die haben uns so was von weitergeholfen... . Die ganzen Ängste, die man als Nasenbohrerband – wie wir es ja nun mal sind – hat von wegen die Produzenten reden dir nur rein, die machen dich fertig, die verdrehen dich, du bist nachher nicht mehr du selber, das hat sich alles nicht bewahrheitet, die beiden waren einfach nur „befruchtend“, sag ich mal. Unterm Strich haben wir alle zusammen es geschafft, diese verschiedenen Elemente, derer wir uns bedienen – Folk, Mittelalter, Rock, Balladeskes – noch mal zu kanalisieren, eine Rocknummer rockt jetzt richtig und eine Ballade schnulzt nun wirklich dahin. Genau das, was wir wollen, der SCHANDMAUL-Stil ist jetzt noch viel klarer geworden.

Kathy:
Angenommen du müsstest das neue Album selbst promoten bzw. an den Mann oder die Frau bringen, was daran würdest du am positivsten hervorheben, einige bestimmte Songs vielleicht? Was genau macht eine Anschaffung von „Narrenkönig“ in deinen Augen lohnenswert?

Thomas:
Ich hab da jetzt folgendes Problem, das ich bis heute nicht kapiert habe, und zwar ist es das Phänomen, dass in unserem Publikum Metaller stehen, Gothics – schwarze Vampire und weiße Gesichter – aber dann auch Folker mit langen Pullis und Birkenstock, Papis, Mamis und auch manchmal Kids, also dieses Spektrum, das da rumsteht, da staun ich jedes Mal. Wie kann das nur zusammen in eine Konzerthalle oder auf ein Festivalgelände kommen? Ich müsste also wirklich sagen, dass für jeden auf der Platte etwas dabei ist: Für jemanden, der Herzschmerz aufarbeiten will, haben wir eine Nummer, jemand, der Party machen und einfach nur gnadenlos Tanzen will, der kriegt das. Und der, der so „Reinhard Mey“-Nummern mag oder Folksongs, in denen sich Flöte und Geige ein Soloduell liefern, ist auch bestens versorgt. Alles ist drauf, jeder kann was finden, das ist das, was auf den anderen beiden Alben eigentlich mehr oder weniger auch schon so war. Und aller guten Dinge sind drei, wir haben eine weitere Chance gehabt und versucht, sie zu nutzen.

Kathy:
Bei euren Live-Gigs legt ihr große Spielfreude und Energie an den Tag. Was magst du lieber, Konzerte geben oder im Studio an Songs herumtüfteln?

Thomas:
Das sind zwei Welten. Live-Konzerte sind unersetzlich, das macht einen Riesenspaß. Dieses Improvisierte, was wir da oben betreiben, das kommt aus dem Bauch heraus, und nicht selten rennen wir uns über den Haufen oder kriegen einen Geigenbogen ins Auge gepiekst. Die Nähe zum Publikum, das Feedback direkt zu kriegen, das ist das wahre Brot. Im Studio könnte ich mich aber auch Tage und Wochen aufhalten und einfach nur tüfteln und feilen, das ist auch eine ganz tolle Sache, das möchte ich auch nicht missen müssen. Da arbeitet man halt für sich mit einem kleinen Kreis von Leuten – Bandmitglieder, Produzenten und befreundete Musiker, die mal vorbeikommen und ihren Senf dazu geben – das ist auch eine schöne Arbeit, aber auf die Bühne zu gehen und was zu präsentieren und zu sehen, dass es im glücklichen Fall auch gleich ankommt, das ist dann der wahre Lohn dafür.

Kathy:
Ich habe euch bereits zweimal live gesehen, allerdings bisher nur auf Festivals, und zwar dem Feuertanzfestival in Aalen und dem M’Era Luna in Hildesheim. Ist es euch lieber, euch auf einem Festival einer breiteren Masse präsentieren zu können oder sind die eigenen Konzerte mit ihrer intimeren Atmosphäre schöner?

Thomas:
Es ist schön, das trennen zu können: Im Winter und Frühling macht man die Clubtouren, wo wirklich jeder, der kommt, wegen dir kommt, das ist dann was ganz Persönliches wo auch mal Zwischenrufe und –fragen kommen. Die Leute gehen auf die Ansagen ein, die Band geht auf die Zwischenrufe ein, das ist was total Schönes. Die Festivals oder Stadtfeste oder so was, die haben den Vorteil, dass man eben neue Leute kennenlernt, die gar nicht wegen dir da sind. Beim M’Era Luna haben ja beispielsweise HIM gespielt, da kommen dann zig Leute nicht zuletzt wegen ihnen, die haben’s dann um 12 Uhr in der Frühe aber auch schon geschafft, sich aus dem Schlafsack zu quälen und hören dich dann. Und die sind dann begeistert und kaufen eine CD, kommen zur Autogrammstunde und quatschen mit dir, das ist auch toll, weil man vergrößert einfach definitiv seinen Anhängerkreis – grade bei so einem Festival wie dem M’Era Luna, wo wir noch nie verstanden haben, was wir da überhaupt tun. Wir schauen uns an, laufen da in unseren bunten Klamotten durch die schwarz gekleideten und weiß geschminkten Prinzessinnen und Vampirkönige... . Bei unserem ersten Gothic-Konzert überhaupt in Glauchau bei den Orkus-Herbstnächsten oder wie das heißt, da sind wir hingekommen und uns sind die Augen rausgefallen, wir dachten: Hilfe, wir gehen jetzt auf die Bühne und kriegen zum ersten Mal Plastikbecher ans Hirn geworfen. Und was war? Die haben Party gemacht, sind voll abgegangen! Und in Leipzig beim WGT, beim Zillo und beim M’Era Luna war’s genau das Gleiche und uns ist klargeworden, dass diese Leute ein absolut feines Publikum sind, so offen für neue Sachen, obwohl ich mir sicher war, als ich einen Blick aufs restliche Programm geworfen habe: Wir können denen doch gar nicht gefallen! So kann man sich irren (lacht), und es ist dann natürlich auch schön, genau diese Leute bei den Clubtouren wiederzusehen.

Kathy:
Fast jeder von euch beherrscht mehrere Instrumente, was man live sehr schön bewundern kann. Hat denn jeder von euch „sein“ bzw. „ihr“ persönliches Lieblingsinstrument?

Thomas:
Nun, das wird bei jedem wohl irgendwie so sein. Also die Birgit hat z.B. Flöte gelernt und dann irgendwann den Dudelsack gefunden – ich glaube, sie könnte den ganzen Abend Dudelsack spielen. Die Anna mit ihrer Geige, nun, Drehleiher macht sie sicherlich auch supergern, aber die Geige ist glaube ich ihr Hausinstrument. Ich könnte mir durchaus vorstellen, Gitarre und Akkordeon beiseite zu lassen und nur zu singen, das ist halt mein Bereich. Jeder setzt sein Instrument eben banddienlich ein, man kann z.B. nicht in jeder Nummer einen Dudelsack verwenden. Nur nichts überreizen.

Kathy:
Gab es, bei der Vielzahl an Konzerten, die ihr in eurer bisherigen Laufbahn schon absolviert habt, ein ganz besonderes, an das du dich immer wieder gern zurückerinnerst?

Thomas:
Ich kann mich sehr positiv an diesen ganzen Festivalsommer zurückerinnern, diese ganzen großen Dinger waren toll, M’Era Luna, Taubertal, Zillo, die Feuertanzfestivals. Da haben auch so improvisierte Sachen wie die, dass FIDDLER’S GREEN zwei oder drei Leute von uns zum Mitmachen auf die Bühne hochgebeten haben, perfekt funktioniert. Wenn ich weiter zurückdenke, das war im Jahr 2000, da haben wir einen Folk-Preis gewonnen in Rüdelstadt (?) und beim Abschlusskonzert dieser Veranstaltung auf dem Marktplatz waren bestimmt 15 000 bis 20 000 Leute, das ist auch was, das einfach hängen bleibt, auf einer Bühne, auf der man sich verlaufen kann. Das war auch z.B. das letzte Konzert, wo ich meine Gitarre mit einem Kabel versehen habe, das war 10m lang und ich konnte mich nicht bewegen auf dieser Bühne, weil das Teil einfach zu kurz war. Danach musste ich mir gleich einen Sender kaufen (lacht).

Kathy:
Zum Ende würde ich dir gerne, da ich ja ein neugieriger Mensch bin, noch ein paar Fragen zu aktuellen Themen stellen: Heute ist der 11.9., vor genau einem Jahr fanden die Terroranschläge auf das WTC in New York statt. Was für Gedanken beschleichen dich da?

Thomas:
Dass es unglaublich schwierig ist, das alles zu durchsteigen. Durch Nachrichten und Zeitungsberichte alleine traue ich mich gar nicht, mir da Urteile zu erlauben. Die Terroranschläge waren der reine Wahnsinn und ich hoffe, dass wir als Ganzes hier von so einem Scheiß in Zukunft verschont bleiben, dass das einfach nicht mehr passieren kann und darf. Ich will es mir gar nicht vorstellen, wie schlimm das wäre, wenn man selber die Freundin, die Frau, ein Familienmitglied, einen Freund in so einem Bürogebäude drinhat und man sieht im Fernsehen das ganze Ding zusammenstürzen. Da will ich gar nicht weiter drüber nachdenken, denn das macht einen nur fertig. Das Große und Ganze eben, wo ich mir kein Urteil drüber erlauben will ist die Problematik an sich – woran liegt’s? Wo kommt das her, diese wahnsinnig aggressive Energie auf beiden Seiten und wo ist die Schuld? Es ist so schwierig, dieses Thema, allein wenn ich da runterschaue nach Afghanistan, wie die ganzen Staaten da Staub fressen... . Hier im gemütlichen Wohnzimmer kann man es sich gar nicht richtig vorstellen, wie schlimm das alles ist.

Kathy:
Schlussfrage: Bald sind Wahlen, verrätst du mir, bei wem du dein Kreuzchen setzt?

Thomas:
Ist irgendwie immer komisch, über Politik zu reden (lacht). Also, ich hab meine Kreuzchen schon gemacht sozusagen, jeder hat eine zweite Chance verdient...(na, was wird der gute Thomas denn da wohl gewählt haben? :-) – Anm. d. Verf.).

Kathy:
Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die Zukunft.

Redakteur:
Kathy Schütte

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