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SOLUTION .45: Interview mit Anders Edlund

25.04.2010 | 13:03

SOLUTION .45 heißt die neue Band um Christian Älvestam, und wer seinen über die Jahre immer größer werden Anteil an klarem Gesang bei SCAR SYMMETRY genauso liebte wie ich, sollte sich das Debüt "For Aeons Past" unbedingt ins Regal stellen. SOLUTION .45-Bassist Anders Edlund wehrt sich jedoch vehement gegen Vergleiche mit Christians bisher erfolgreichster Ex-Combo und definiert den neuen Sound lieber als "eine Art EDGE OF SANITY für das 21. Jahrhundert".

Elke:
Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass sich entweder Jani Stefanovic als Bandgründer und Songwriter oder Christian Älvestam als Sänger meinen Fragen stellen. Wie kommt es, dass sich bei SOLUTION .45 der Bassist mit der Presse herumschlagen darf?

Anders:
Das liegt im Grunde an unserer bandinternen Aufgabenteilung. Einige schreiben die Songs und andere kümmern sich um die Pressearbeit - wir versuchen, die Lasten irgendwie aufzuteilen. Ich denke aber nicht, dass es sooo ungewöhnlich ist, dass jemand anderes als der Bandgründer oder Sänger die Interviews gibt, oder?

Elke:
Stimmt auch wieder. Herzlichen Glückwunsch jedenfalls zu eurem tollen Debütalbum "For Aeons Past"! Ich habe mich sofort in diese Platte verliebt, was mir heutzutage nicht mehr so oft passiert. Erzähl mir doch bitte kurz, wie SOLUTION .45 überhaupt entstanden sind.

Anders:
Vielen Dank für das Kompliment! Es freut mich sehr, dass dir die Platte gefällt, und wenn du dich sogar in sie verliebt hast und das eher ungewöhnlich ist, umso besser [lacht]. Die Idee für SOLUTION .45 reicht bereits ein paar Jahre zurück - bis 2006 oder so - als Jani ein Demo mit seiner alten Band ESSENCE OF SORROW aufnahm. Er war nicht hundertprozentig glücklich mit dem Gesang, weshalb er Christian fragte, ob er ein paar andere Gesangslinien ausarbeiten könnte. Das Ergebnis muss ihm so gut gefallen haben, dass sie gleich beschlossen, eine neue Band zu gründen mit dem Material von ESSENCE OF SORROW als Basis.

Elke:
Der Name SOLUTION .45 stammt von einem Stück von UNMOORED, Christians erster Band. Warum habt ihr genau diesen Songtitel ausgewählt?

Anders:
[Augenzwinkernd:] Wir wollen uns halt alle umbringen. Nein, im Ernst, es ist einfach ein cooler Titel und ein guter Song und wir dachten, dass er auch einen coolen Namen für eine Band hergeben würde. Heutzutage ist es außerdem eher selten, dass eine Death-Metal-Combo Buchstaben und Ziffern in ihrem Namen vermischt, was ebenfalls eine Rolle spielte. Wir haben viele verschiedene Namen ausprobiert, aber SOLUTION .45 passte einfach am Besten.

Elke:
Ich finde, dass sich sogar die Logos von UNMOORED and SOLUTION .45 ein bisschen ähnlich sehen. War das beabsichtigt?

Anders:
Das liegt vielleicht einfach daran, dass der selbe Typ, Pär Johansson von SATARIEL und THE FEW AGAINST MANY, beide Logos gestaltet hat. Ich finde allerdings nicht, dass sie sich sehr ähnlich sehen. Das UNMOORED-Logo ist mehr arabisch orientiert, während das SOLUTION .45-Logo eher einen ikonischen oder vielleicht sogar keltischen Stil hat.

Elke:
Einigen wir uns einfach darauf, dass Pär Johansson seine Handschrift in beiden Werken hinterlassen hat ... War es leicht für euch, den Plattenvertrag mit AFM an Land zu ziehen?

Anders:
Ehrlich gesagt nein. Wir haben uns gründlich umgeschaut, bevor wir beschlossen, bei AFM zu unterschreiben. Viele Labels zeigten Interesse, aber es dauerte eine Weile, bis wir einen für beide Seiten lukrativen Deal finden konnten. Wir hatten einen Demo-Teaser auf unserer MySpace-Seite, der weltweit bei vielen Leuten Beachtung fand, was vielleicht das Interesse von AFM geweckt haben könnte - keine Ahnung. Leicht war es jedenfalls nicht. Unser Manager hat quasi Tag und Nacht geschuftet, bis er einen ernstzunehmenden und guten Vertrag für uns gefunden hatte. Er hat wirklich ganze Arbeit geleistet.

 

Elke:
Es freut mich besonders, dass Christian wieder mit Klargesang arbeitet. Nach seinem Ausstieg bei SCAR SYMMETRY hat er ja lediglich bei ein paar reinrassigen Death-Metal-Bands ausgeholfen. Weißt du, warum er plötzlich wieder Lust hatte, melodischer zu singen?

Anders:

Dieser vielfältige Gesangsstil hat schon immer zu Christian gehört. Er ist ein großer Fan von Dan Swanö und EDGE OF SANITY und ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass das nicht unbedingt an Swanös Musik, sondern vor allem an seinem Gesang lag. Auf dem ersten UNMOORED-Demo im Jahre 1993 verwendete Christian diesen Wechselgesang zum ersten Mal. Und wenn man etwas sehr gut kann, warum sollte man dann etwas anders machen wollen? Die Fragestellung, was ihn dazu bewogen hat, wieder zurück zu diesem Stil zu gehen, ist also nicht korrekt. Er hat das ja von Anfang an gemacht, nur dass klarer Gesang einfach nicht zu Bands wie MISERATION oder THE FEW AGAINST MANY [Christians letzten beiden Formationen - die Verfasserin] gepasst hätte.

Elke:
Hättet ihr euch diese Band mit einem anderen Sänger vorstellen können oder musste es unbedingt Christian sein?

Anders:

SOLUTION .45 wären ohne Christian nicht SOLUTION .45, denn er war von Anfang an eine treibende Kraft innerhalb der Band. Ohne ihn wären die Songs vielleicht unter dem Namen ESSENCE OF SORROW erschienen, wenn sie nicht gleich halbfertig in Janis Schublade versauert wären.

Elke:

Unter welchen Kriterien wurden die anderen Mitglieder ausgewählt? Die meisten scheinen ja bereits in unterschiedlichen Konstellationen unter anderem Namen zusammen gearbeitet zu haben.

Anders:

Tom [Gardiner, Gitarre] und Rolf [Pilve, Schlagzeug] waren bereits Mitglieder von ESSENCE OF SORROW, aber wie Jani ursprünglich mit ihnen in Kontakt gekommen ist, weiß ich echt nicht. Und als Jani und Christian MISERATION gründeten, baten sie Rolf ebenfalls als Schlagzeuger dazu. Zu dieser Zeit war Tom, glaube ich, gerade mit MORS PRINCIPUM EST beschäftigt, sonst wäre er bei MISERATION denke ich auch eine gute Wahl für die E-Gitarre gewesen.

Elke:
Und du selbst hast mit Jani und Christian zusammen noch THE FEW AGAINST MANY am Start. Es bleibt also alles in der Familie ... Obwohl die ersten Songs für SOLUTION .45 bereits entstanden, als Christian noch bei SCAR SYMMETRY war und ihr diese beiden Bands auch grundsätzlich nicht in einen Topf geschmissen haben wollt, ist die Musik auf "From Aeons Past" für mich doch eine Art Weiterentwicklung von Christians letztem Album mit SCAR SYMMETRY: "Holographic Universe" war melodischer als "Pitchblack Progress", genau wie "For Aeons Past" melodischer als "Holographic Universe" ausfällt. Vor allem beeindruckt mich, wie Christians klarer Gesang von Album zu Album noch immer besser wird. Weißt du, ob er jemals Gesangsstunden genommen hat?

Anders:
Zunächst einmal ist es, wenn du mich fragst, müßig und wirklich unnötig, darüber zu spekulieren, wie SCAR SYMMETRY klingen würden, wenn Christian noch dabei wäre. Ich denke ehrlich gesagt, das einzige, was SOLUTION .45 mit SCAR SYMMETRY gemeinsam haben, ist, dass Christian früher Mitglied bei letzteren war und den Gesangslinien seinen Stempel aufgedrückt hat, genau wie er es jetzt bei uns tut. Nicht mehr und nicht weniger. Der klare Gesang von Lars [Palmqvist, einer der beiden neuen Sänger von SCAR SYMMETRY - die Verfasserin] klingt für mich sogar noch sanfter, als wenn Christian diesen Part auf "Dark Matter Dimensions" übernommen hätte, aber ich vermute, du siehst das anders [lacht]. Nicht dass Lars einen schlechten Job machen würde - ganz im Gegenteil - aber ich finde, er hat eigentlich eine etwas schwächere Stimme, auch beim Klargesang, als Christian. Ich weiß, dass Christian ein paar Gesangstunden hatte, um zu lernen, wie er vor einem Konzert seine Stimmbänder aufwärmen kann, aber das war alles.

Elke:

Dann lass mich wenigstens behaupten, dass "For Aeons Past" das abwechslungsreichste Album ist, auf dem Christian bisher mitgewirkt hat. Man findet darauf alles von romantischen Balladen über epische Longtracks bis hin zu melodischem Death Metal. Eure Plattenfirma nennt diesen Mix "Modern Metal", was mir persönlich nicht sehr passend erscheint. Wie würdest du euren Stil nennen?

Anders:
Was ist überhaupt "Modern Metal"? SONIC SYNDICATE? DEAD BY APRIL? DEADLOCK? Wir haben unsere Wurzeln im Achtziger-Metal und dem schwedischen Death Metal der Neunziger und ich denke, das spiegelt sich in unserer Musik wieder. Sie ist eine Mischung zwischen den Stilen, die wir mögen. Ich würde sagen, wir sind eher eine Art EDGE OF SANITY für das 21. Jahrhundert als eine "Modern Metal" Band. Aber die Labels müssen halt jeder Veröffentlichung einen Stempel aufdrücken und jeder Journalist muss sie in ein bestimmtes Genre packen können und wir Musiker müssen dann damit leben. Ich denke nicht, dass wir etwas völlig Neues erschaffen, genauso wenig wie die ganzen jungen Bands heutzutage. Es ist einfach der gleiche alte Metal in einer vielleicht etwas abgewandelten Form.

Elke:
Hattet ihr von Anfang an geplant, dem "gleichen alten Metal" genau diese etwas abgewandelte Form zu verpassen? Wer ist bei euch überhaupt für das Songwriting zuständig?

Anders:
Ich denke, du kannst das nie so genau vorausplanen. Wie ich zum Beispiel bereits erwähnte, hätten die Songs sicher mit einem anderen Sänger ganz anders geklungen. Jani und Christian haben lange an den ursprünglichen Arrangements rumgefeilt, wobei Jani den Großteil der Musik schrieb und Christian sämtliche Gesangslinien. Christian durfte auch entscheiden, wo er welchen Gesangsstil einsetzt. Aber da er derjenige ist, der das auf der Bühne und im Studio umsetzen muss, sollte er hierfür auch verantwortlich sein.

Elke:
Ich finde, obwohl ihr auf einem hohen technischen Level spielt, ist eure Musik stets nachvollziehbar. Sogar der epische 16-Minuten-Track 'Clandestinity Now' wirkt zu keiner Minute langweilig oder überladen.

Anders:

Das ist ein Ergebnis von Christians und Janis harter Arbeit, die sie in die Arrangements gesteckt haben. Als sie sich an 'Clandestinity Now' setzten, wollten sie einen sehr langen Song erschaffen, durch den sich ein roter Faden zieht und der nie langweilig wird. Und um genau das zu erreichen, waren die Arrangements besonders wichtig. Sie sagten, das sei eines der schwierigsten Stücke gewesen, die sie je geschrieben haben.

Elke:

Meine persönlichen Lieblinge des Albums liegen definitiv im melodischen Bereich, weil ich Christians Klarstimme einfach liebe und jedes Mal wieder überrascht bin, dass so ein hart aussehender Kerl solch wunderschöne Melodien erschaffen kann. Zieht diese Art von Musik eigentlich mehr weibliche Fans an, als das zum Beispiel bei THE FEW AGAINST MANY der Fall ist?

Anders:

Du hast ihn wohl noch nie persönlich kennengelernt. Er ist nämlich nicht so hart, wie er aussieht [lacht]. Ich kann dir gar nicht sagen, ob wir mit dieser Musik mehr weibliche Fans ansprechen. Zumindest ist das nicht unsere Absicht. Bei SOLUTION .45 geht es einzig und allein um die Musik, und jeder, dem sie gefällt, ist willkommen.

Elke:
Wie habt ihr Mikael Stanne von DARK TRANQUILLITY dafür gewinnen können, nicht nur als Gastsänger mitzuwirken, sondern auch sämtliche Texte zu schreiben?

Anders:
SCAR SYMMETRY und DARK TRANQUILLITY waren vor einigen Jahren gemeinsam auf US-Tour, während der Mikael und Christian gute Freunde wurden. Zunächst fragte Christian Mikael, ob er gerne ein paar Gastbeiträge auf dem THE FEW AGAINST MANY-Album "Sot" machen würde, was er auch tat. Und da Christian schon immer ein Fan von Stannes Texten war, fragte er Mikael einfach, ob er auch die Texte für "For Aeons Past" schreiben könnte. Das ist die ganze Geschichte dahinter.

Elke:

Ich finde, dass die verschiedenen Gesangsstile und die darin ausgedrückten Gefühle den Inhalt der Texte perfekt ergänzen. Wie wichtig sind die Texte für eure Musik?

Anders:
So wichtig wie jeder andere Aspekt auch - das Konzept aus Musik und Texten sollte sich zu einem harmonischen Ganzen verbinden.

Elke:
Es gibt noch zwei weitere Gäste auf dem Album: Mikko Härkin (CAIN'S OFFERING) und Patrik Gardberg (THE FEW AGAINST MANY). Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Anders:

Sie sind beide einfach extrem talentierte Musiker. Mikko war früher unter anderem bei SONATA ARCTICA, arbeitet aber heute hauptsächlich als Studio-Keyboarder und sein Können ist unglaublich. Patrik ist ein alter Bekannter von Christian und mir. Er arbeitet als Gitarren-Techniker und ist ein fantastischer Lead-Gitarrist. Sein Solo in 'Lethean Tears' gehört zum Besten, was ich je gehört habe.

Elke:

Mikko war ursprünglich als vollwertiges Mitglied eingeplant. Sucht ihr nach einem Ersatz für ihn?

Anders:
Wir haben uns darüber eigentlich noch keine großen Gedanken gemacht. Mal schauen, was die Zukunft bringt. Wir schließen es nicht aus, irgendwann einen Live-Keyboarder zu verpflichten, aber im Moment geht es auch ohne.

Elke:

Was mich ein wenig wundert, ist, dass ihr bisher nur eine MySpace-Seite besitzt. Ich dachte immer, sobald man einen Plattenvertrag in der Tasche hat, geht man auch mit einer professionellen Webseite an den Start. Steckt da irgendeine Absicht dahinter?

Anders:
Nein, dahinter steckt keine besondere Absicht. Ich denke auch, dass es heutzutage fast normal ist, dass sogar Bands mit Plattenvertrag nur eine MySpace-Seite haben. Die Band-Homepages scheinen eine nach der anderen zu verschwinden. Aber wir haben durchaus schon über eine echte Homepage für die Band nachgedacht und werden uns vermutlich eine zulegen, sobald wir jemanden finden, der das Layout entwerfen und möglicherweise auch den ganzen Verwaltungskram übernehmen könnte.

Elke:
Noch viel brennender interessiert mich natürlich, ob man SOLUTION .45 demnächst live sehen kann. Habt ihr bereits Pläne für eine Tour?

Anders:
Es gibt immer irgendwelche Pläne, aber im Moment noch keine ernsthaften. Wir warten erst mal ab, wie sich das Album verkauft, und danach entscheiden wir über den Zeitpunkt. Die Veröffentlichung ist ja gerade erst erfolgt und wir sind eine Newcomer-Band, also ist das alles eine Frage der Zeit, wann wir auf Tour gehen. Aber wir haben es definitiv vor.

Elke:
Angesichts der zahlreichen anderen Bands, in welche die Mitglieder von SOLUTION .45 involviert sind: Welche Priorität räumt ihr eurem neuesten Ding überhaupt ein? Und gibt es Pläne für ein zweites Album?

Anders:
Wir geben der Band so viel Priorität, wie nötig. Es gibt im Moment genug Zeit dafür, außerhalb von SOLUTION .45 anderen Verpflichtungen nachzugehen, und wie das in der Zukunft aussehen wird, kann niemand sagen. Und ja, wir planen ein zweites Album. Allerdings kam unser erstes gerade erst raus, so dass wir im Moment noch nicht allzu konkret darüber nachdenken.

Elke:
Ich danke dir für deine Zeit, Anders, und überlasse dir hiermit das letzte Wort.

Anders:

Ich danke dir für dein Interesse an SOLUTION .45 und hoffe, dass alle Leser von POWERMETAL.de zum nächsten Plattenladen gehen und "For Aeons Past" kaufen. [Auf Deutsch:] PROST!

Redakteur:
Elke Huber

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