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SORCERER: Interview mit Anders Engberg

24.05.2020 | 21:38

Es ist schon bemerkenswert, welchen tollen Eindruck SORCERER vor allem in den letzten Jahren machte. Speziell live haben die schwedischen Epic-Doom-Metaller ein ums andere Mal die Bühnen zum Beben gebracht. Nun steht mit "Lamenting Of The Innocent" das dritte Bollwerk in den Startlöchern, doch durch die momentane Corona-Situation ist die Stimmung bei Sänger Anders und seinen Mannen verständlicherweise nicht so ausgelassen wie es sich die Band erhofft hat.

"Wir sind schon ein wenig frustriert aufgrund der Covid-19-Situation, in der sich alle Beteiligten der Unterhaltungsbranche befinden. Natürlich steckte sehr viel Hoffnung in dem Release des neuen Albums. Aber so müssen wir uns den Fakten stellen und eben das Beste aus der Situation hinsichtlich der Veröffentlichung machen. Wir möchten allen, die von diesem schrecklichen Virus betroffen sind, unser Beileid aussprechen!" Das möchten wir an dieser Stelle natürlich auch! Eine schreckliche Zeit erfordert Dinge, die einen glücklich machen. Und hier betritt unsere geliebte Musik die Bühne, die uns zumindest psychisch und für eine gewisse Zeit in eine andere Sphäre versetzt. "Lamenting Of The Innocent" ist abermals ein absoluter Schweden-Hammer geworden. Doch bevor wir über das dritte SORCERER-Album sprechen, gibt uns Anders ein kleines Update, was seit dem letzten Album passiert ist. "Nach der "The Crowning Of The Fire King"-Veröffentlichung vor drei Jahren spielten wir einige Shows um den Release zu supporten und waren auch recht glücklich mit den Reviews, die unsere Scheibe bekam. Zudem taten wir uns mit Dragon Productions zusammen um mehr Live-Shows spielen zu können. Im letzten Jahr fingen dann die Arbeiten zum neuen Album an, die sich dann bis Ende letzten Jahres durchzogen."

Doch auch das Personalkarussell drehte sich bei den Metallern aus dem hohen Norden. Wir gingen der Sache auf die Spur und fragten zunächst nach Justin Biggs, dem neuen Bassisten bei SORCERER. "Der Kontakt mit Justin kam durch Kristians damalige Beziehungen mit THERION und durch Justins Frau Suvi zustande. Wir brauchten einen Live-Bassisten und so kam eins zum anderen, er ist ein toller Typ. Justin hat auch ein paar Riffs geschrieben und wir haben dann die lyrischen Aspekte unter uns aufgeteilt." Und was geschah mit Johnny Hagel, der vor Justin die Saiten zupfte? "Johnny ist noch immer ein großer, wichtiger Teil von SORCERER, er schreibt weiterhin Musik und ist noch tief mit der Band verwurzelt - sowohl aus geschäftlicher als auch künstlerischer Sicht. Er ist sehr wichtig für uns, er hat sich nur vom Spielen zurückgezogen, weil er daran nunmehr weniger Interesse hat." Soviel zum alten und neuen Bassisten bei den Schweden. Doch auch hinter dem Drumkit sitzt ein neues Gesicht. Neu? Nun, Richard Evensand saß schon einmal Anfang der 1990er bei SORCERER hinter der Schießbude. Ein alter Bekannter, oder? "Wir haben ihn früh rekrutiert, als die letzte Scheibe rauskam. Und gemeinsam mit Justin hatte er auch einen großen Einfluss auf den SORCERER-Sound auf der neuen Scheibe. Wir waren auf der Suche nach einem Schlagzeuger mit der passenden, richtigen Einstellung und so wurde Ricky der richtige Mann."

Damit sind die Personalangelegenheiten geklärt. Kommen wir also zum neusten Streich, "Lamenting Of The Innocent". Der Titel schreit nahezu nach einem tieferen Sinn, nicht wahr, Anders? "Das Album ist ein konzeptionell orientiertes Album, in dem es textlich um die Hexenverbrennungen im 16. Jahrhundert geht. Hierfür haben wir einige fiktive Ereignisse zu dieser Zeit geschrieben. Das Album besteht nicht aus neun Songs, die eine zusammenhängende Geschichte erzählen, sondern aus neun Songs, die für sich alleine stehen und lediglich dieses Thema behandeln. Das Cover stammt im Übrigen von Dusan Marcovic, einem tollen, talentierten Künstler, der uns ein paar großartige Vorschläge machte, von denen wir uns für einen letztendlich entschieden haben."

Als erste Duftmarke setzten die SORCERER-Jungs den Song 'The Hammer Of Witches' als Singleauskopplung an. Wir fragten, ob der Song uns einen guten Querschnitt des gesamten Albums bietet. "Ich denke nicht, dass der Song für sich alleine so repräsentativ für die neue Scheibe ist. Wir werden in der kommenden Zeit zwei weitere Singles veröffentlichen und mit diesen drei gemeinsam bekommt man einen guten Eindruck, wie das Album klingt. Die Songs unterscheiden sich recht deutlich voneinander, ich denke, dass die neuste Scheibe unser bisher vollständigstes Album ist." "The Crowning Of The Fire King", der Vorgänger, hat drei Jahre auf dem Buckel und obwohl auf beiden Alben der rote Faden SORCERERs sehr deutlich ist, unterscheiden sie sich bei genauerer Betrachtung doch deutlicher als man zunächst denkt. "Der größte Unterschied liegt sicherlich im Abwechslungsreichtum und der Variabilität der Songs. Ich meine, man erkennt uns schon am Sound, aber Rickys Drumming und Justins Bassspiel hört man schon sehr gut heraus. Generell ist uns die Abwechslung sehr wichtig, es ist jetzt unsere dritte Scheibe und wir müssen ja irgendwie innovativ bleiben. Wir probieren uns sogar am Growlen und haben einige Parts in unseren Songs, die man von uns so eventuell nicht gewohnt ist. Also ja, Variation ist eine wichtige Sache für uns."

Ein weiterer Song, der heraussticht, ist 'Deliverance', der mit Johan Langquist von CANDLEMASS und dem renommierten schwedischen Cellisten Svante Henryson auch die einzigen Gäste auf dem Album zu Gehör bringt. Wie kam es zu den Kooperationen? "Als ich mit Conny [Welén, unterstützte SORCERER als Songwriter - Anm. d. Red.] zusammen die Melodien für 'Deliverance' geschrieben habe, wusste ich einfach, dass ich ein Duett mit jemandem machen möchte. Johan und ich sind seit 30 Jahren miteinander befreundet und ich habe seine Art des Singens immer bewundert. Also fragte ich ihn auf der Hochzeit seines Bruders und er sagte sofort zu. Svante kam dazu als wir den Song arrangierten. Ich kenne ihn noch aus meiner Zeit bei LION'S SHARE und er zögerte auch nie, die Cello-Parts zu schreiben. Das Endergebnis finde ich echt schön."

Da stellt sich natürlich die Frage, welche generelle Bedeutung Bands wie CANDLEMASS, aber auch SOLITUDE AETURNUS, RAINBOW und BLACK SABBATH für SORCERER hatten. "Natürlich haben uns die Bands ungemein beeinflusst. Wir sind große Anhänger von diesen älteren Jahrgängen, aber auch Bands wie PINK FLOYD haben uns beeinflusst. Wir neigen auch dazu, beim Schreiben unserer Musik auf die 1970er und 80er Jahre zurückzublicken. Nicht mit Absicht, aber wir sind eben Kinder dieser Zeit."

Zu guter Letzt wollten wir wissen, wie es in diesem Jahr mit der Band weitergeht. Zumindest lesen wir zwischen den Zeilen, dass sich die Epic-Doom-Jungs nicht von Corona unterkriegen lassen. "Unser Fokus liegt klar auf dem neuen Release. Mit Metal Blade Records haben wir auch ein tolles Label im Rücken, das an uns glaubt und uns unterstützt mit dem, was wir tun wollen. Die Shows, die angekündigt waren, werden entweder verschoben oder bis nächstes Jahr auf Eis gelegt. Also wird eine andere Form von Promotion für die Scheibe anstehen. Wir haben schon einige Ideen, aber die verraten wir euch erst, wenn diese realisierbar sind. Folgt uns einfach auf den sozialen Medien und ihr werdet sie nicht verpassen. SORCERER ist mit neuer Musik zurück und wir sind gespannt, euch endlich die Songs auch so schnell wie nur möglich live zu präsentieren. Wir danken euch allen für den Support, wir sehen uns!"

Dem können wir uns an dieser Stelle nur anschließen. "Lamenting Of The Innocent" erscheint am 29. Mai via Metal Blade Records.

Redakteur:
Marcel Rapp

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