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SPITFIRE: Studioreport zum Comeback

12.06.2021 | 20:46

Die badischen Speed-Metaller SPITFIRE sind wieder beisammen und arbeiten im Studio fleißig am Comeback-Album.

Bestimmt erinnert ihr euch an das Trio SPITFIRE aus der Karlsruher Gegend, das anno 2014 mit einer frischen, wilden und ungehobelten Debüt-MCD seinen Einstieg im traditionellen Speed-Metal-Underground gab, und zwei Jahre später das starke Debütalbum "Tectonical Power" nachlegte, auf dem sich bereits eine deutliche Weiterentwicklung zu etwas fokussierteren Strukturen abzeichnete. Danach wurde es allerdings trotz etlicher sehr cooler Gigs und einer wachsenden Anhängerschaft ruhig um die Band. Bassist Michl ging ins Ausland zum Studieren, Drummer Manuel legte aus familiären Gründen eine längere Pause ein und irgendwann musste man meinen, dass es das nun gewesen sein könnte mit SPITFIRE.

Doch manches Mal meint es das Schicksal dann auch gut mit Bands und Fans und es kommt mehr oder minder unerwartet dazu, dass es doch wieder weitergeht. So gab es zu Beginn des laufenden Jahres für SPITFIRE einen Lichtstreif am Horizont, denn Rico (Photo oben) und Manuel (Photo unten) liefen sich bei Ricos anderer Band STEALTH wieder über den Weg und die kompositorische Chemie zwischen den beiden hat direkt wieder gefunkt, so dass in kurzer Zeit etliche Trademark-Songs für SPITFIRE entstanden sind. Da nun auch Michl dieser Tage sein Studium an seiner Universität in Moldawien erfolgreich beendet, steht der Reunion nichts mehr im Wege, deshalb sind Manuel und Rico auch bereits im Soundtown Studio Germany in Stutensee bei Karlsruhe, wo sie mit dem Produzentenduo Luke und Fred gerade die Gitarre und das Schlagzeug auf Tape bannen, als wir das hochmotivierte Quartett besuchen.

Ganz offensichtlich sprudeln Kreativität und Motivation, seit die Band wieder zusammengefunden hat und so lässt Rico uns wissen, dass man Manuel und ihn ohne Weiteres als waschechtes Songwriting-Ehepaar ansehen könnte: "Manu und ich: Der eine weiß, was der andere will. Wir funktionieren in der Hinsicht perfekt", was Manuel auch bestätigt: "Wir haben seit Januar voll den Lauf!" - Außerdem genießt Manuel es sehr, wieder mehr Zeit zum Proben und für die kreative Arbeit zu haben, seit seine beiden Kinder im Kindergarten sind. Nicht ohne sichtbaren Stolz auf seine Leistungen berichtet er uns von drei verschiedenen Double-Bass-Techniken, mit denen er arbeitet, und die ersten Hörproben vom bisher aufgenommenen Material bestätigen wenig später, dass sich das Proben und die Arbeit an der Spieltechnik ganz offenbar gelohnt haben, denn die Jungs spielen ihr Material verdammt tight auf den Punkt, die Riffs sind messerscharf in Szene gesetzt und der Drumsound ist echt und natürlich - auch wenn wir einen Rough Mix zu hören bekommen.

Darauf legt auch Engineer Luke (oben links im Bild) großen Wert, denn er gibt doch sehr deutlich zu verstehen, dass er keine gesteigerte Lust darauf hat, mit Bands zu arbeiten, denen man alles hinschieben und hinbiegen muss, damit es nachher auf Platte so klingt, wie es die Musiker selbst live niemals reproduzieren könnten. Die Philosophie im Soundtown Studio ist: "Wir spornen die Musiker an, aber wir sagen ihnen auch, wenn etwas scheiße klingt oder falsch ist." - Auf diese Weise wollen Luke und Fred (Dritter von links) dafür sorgen, dass ihre Bands im Studio einen echten Livesound bekommen, den sie eben auch auf die Bretter bringen können. Auch hier geben die ersten Hörproben, die uns Luke vom Laptop vorspielt, dem ganzen Team recht: So wie das hier und jetzt aus den Boxen brettert, so klingt SPITFIRE auch auf der Bühne, wenn die Soundanlage und der Mixer vor Ort das hinbekommen, denn hier tönt nichts künstlich oder nach Pro Tools. Das Soundtown Studio ist zwar noch im Aufbau und es gibt für das Team vor Ort noch einiges zu tun, doch die Jungs wissen offenbar, worauf es ankommt. Das merkt man neben den klanglichen Zwischenergebnissen auch beispielsweise am Aufbau der Aufnahmebox für die Gitarre und am Extraraum für die Schlagzeugaufnahmen.

"Für den Moment sind drei Tage im Studio gebucht", erzählt Rico, und Manuel ist zuversichtlich, dass sie es hinbekommen werden, in dieser Zeit die Gitarren und Schlagzeugparts der neun fürs nächste Studioalbum geplanten Stücke in trockene Tücher zu bringen, denn schon der erste Tag war sehr effektiv, weshalb die drei schnellsten und spielerisch schwierigsten Stücke auch schon im Kasten sind. Unter den neuen Aufnahmen wird auch die Coverversion eines alten Klassikers einer bekannten deutschen Band sein, welche die Jungs den Fans der ersten Stunde, die von Anfang an dabei waren, als besondere Überraschung widmen möchten. Daneben erfüllt sich Rico mit 'Rebirth Of A Deadman' auch den lange gehegten Wunsch eines Instrumentals: "Das ist schon immer mein Wunsch gewesen, und wir hatten auch schon fürs letzte Album einen Song als Instrumental geplant, doch dann kam Manu mit einer Textidee dafür an."

Von vier weiteren Songs spielt uns das Team dann die bisher niedergelegten Spuren vor und hier und da singen Rico und Manuel ein paar Takte lang mit, so dass wir uns die Struktur des fertigen Stückes besser vorstellen können. Besonders stolz sind die Jungs hierbei ganz offensichtlich auf 'The Nightmare', ein Stück, das aus einer älteren Songidee entwickelt wurde, nachdem eine Freundin der Band von einem Albtraum berichtet hatte. So wurde der einst als 3:30-Speedkracher konzipierte Song um einen ausgedehnten, albtraumhaften akustischen Mittelpart erweitert, lässt in den harten Parts aber nach wie vor den Hammer ordentlich kreisen, so dass sich der Berichterstatter direkt zu einem Vergleich mit DEMOLITION HAMMER hinreißen ließ.

Überhaupt ist das bisher gehörte Material des kommenden Albums einen guten Schritt näher am Thrash Metal als die beiden Vorgängerwerke es waren. Doch keine Sorge, liebe Old-School-Banger: Die klassischen Speed-Metal-Roots sind sicher weiterhin dominant, doch durch die verbesserten Aufnahmebedingungen und den technischen Fortschritt wirkt das insgesamt einfach nochmal ein Stück tighter, bissiger, aggressiver. Wobei wir natürlich damit rechnen dürfen, dass sich auch die melodischen Aspekte des Bandsounds nochmal ein Stück mehr entfalten werden, wenn Michl in einigen Wochen zur Band stößt, seine von IRON MAIDEN beeinflussten Bassparts einspielt und Rico den Gesang und die Gitarrensoli hinzufügt.

Dass die Band nochmal ordentlich geprobt und ihre Rohkonzepte sauber überarbeitet hat, und dass die Produzenten ganze Arbeit leisten, belegt auch die aktuelle Version des Psychiatrie-Songs 'White Walls', den die Jungs als Demo bereits über die sozialen Medien verbreitet hatten, denn in der Albumversion brettert das Ding nochmal ein gutes Stück schneller, tighter und einen Halbton tiefer aus den Boxen. Mit 'To Take A Life (Walking Into Nowhere)' über die Geschichte des Kindermörders Erwin Hagedorn wird die bereits auf dem letzten Album mit 'Rades Will' begonnene Serienkiller-Thematik nochmals aufgegriffen, so wie sich das Album insgesamt mit den Abgründen der menschlichen Psyche befasst, was Rico als therapeutische Maßnahme versteht. Einzige konzeptionelle Ausnahme ist hierbei das neue Stück 'Never Stop The Madness', das dem positiven Wahnsinn der Metalszene gewidmet ist.

Was sich neben dem stiltreuen musikalischen Fortschritt und den professionelleren Produktionsbedingungen auf jeden Fall auch ändern soll im Hause SPITFIRE, das ist die Vermarktung. Dazu sagt Rico: "Wir suchen auf jeden Fall ein Label für das kommende Album." - "Denn", so ergänzt Manuel, "nach den beiden Eigenpressungen wünschen wir uns mehr Reichweite, mehr Konzertangebote und mehr Publicity: Man steckt so viel Herzblut in die Musik, da wünscht man sich dann auch, dass die Fans das zu hören bekommen und sich in den Texten wieder finden sollen." Man habe die Eigenpressungen stets an alle möglichen Magazine geschickt, doch gerade aus dem Printsektor sei kaum ein Feedback oder gar ein Review zurückgekommen.

Wenigstens diese Nachlässigkeit müssen wir uns nicht vorwerfen, denn uns war SPITFIRE stets einen Bericht wert, weshalb wir auch sehr glücklich darüber sind, dass uns die Jungs in einem so frühen Produktionsstadium einen so spannenden Einblick in die Studioarbeit und Zukunftsplanung der Band gestattet haben. Wir wünschen SPITFIRE daher eine weiterhin erfolgreiche Produktionsarbeit, freuen uns riesig aufs Endergebnis und drücken ganz fest die Daumen, dass sich ein Label findet, das zur Band passt und dem neuen Album den Rücken stärken wird.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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