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STAGEWAR: Interview mit Kimon und Dominik

05.11.2021 | 14:54

Obwohl sie mit "Danger To Ourselves" ihr erst drittes Album an den Mann gebracht haben, können die Jungs von STAGEWAR schon auf eine 18-jährige Historie zurückblicken. Was lange währt, wird gut und laut und somit schnappten wir uns mit Dominik Dezius und Kimon Roggenbuck die Gitarrenfraktion der Hessen-Thrasher und fühlten den beiden ein wenig auf das Zahnfleisch. Welcher rote Faden hinter dem Album steckt, was den Sound der Band ausmacht und wie die beiden die Zukunft des Underground Thrash Metals sehen, erfahrt ihr hier.

Jungs, schön dass es mit dem Interview klappt. Wie geht es euch? Wie ist die Stimmung bei STAGEWAR?
Danke. Uns geht es allen gut und die Stimmung ist gut, jetzt wo "Danger To Ourselves" veröffentlicht wurde, fällt uns natürlich ein Stein von Herzen. Wir haben viel Zeit und Mühe in das Album gesteckt. Nur die aktuelle Live-Situation trübt das Ganze ein wenig. Natürlich konnten wir nicht wie geplant die Platte live promoten. Das müssen wir jetzt leider auf das nächste Jahr verschieben. Wir hatten zwar schon einiges an Shows geplant und auch teilweise gebucht, die wurden aber alle nach und nach wieder verschoben oder abgesagt. Das ist für uns leider nicht zufriedenstellend. Wir nutzen die Zeit aber um kreativ zu arbeiten und auch sonstige Baustellen anzugehen, die so über die Jahre angefallen sind, wie zum Beispiel das Durchhören von Ideen auf alten Tapes. Es ist nicht so als ob uns die Ideen fehlen für neue Songs, aber wir haben in der Vergangenheit wirklich viel Zeug geschrieben, das wir aufgrund der Masse einfach vergessen haben. Wir haben auch ein paar Liveaufnahmen im Proberaum gestartet, bei unserem Merchandise aufgestockt, eine neue Homepage gemacht und neue Biersorten entdeckt.

Klar, gut Ding will Weile haben. Dennoch sind fünf Jahre zwischen zwei Alben doch eine recht lange Zeit. Gebt mir doch mal ein kleines Update, was nach der Veröffentlichung von "Killing Fast" bei euch so passiert ist?
Ich weiß, die Zeit rennt. Nach dem Release von "Killing Fast" haben wir unseren Proberaum umgebaut und ein wenig optimiert und natürlich auch erstmal unser neues Material live gespielt. Dann haben wir auch schon angefangen die ersten Songs für das neue Album zu schreiben und hatten während der Produktion auch noch einen Besetzungswechsel. James kam nach knapp zehn Jahren zurück in die Band, da Alex aus beruflichen Gründen die Band verlassen musste. "Danger To Ourselves" haben wir selbst produziert. Kimon hat sich der Aufgabe angenommen und Aljoscha Sieg hat mit dem Mastering einen wirklich unglaublichen Job gemacht. Es gab wirklich viele Hürden zu nehmen und viel zu lernen. Wir haben die letzten fünf Jahre also nicht dafür genutzt ein Album zu schreiben und aufzunehmen, sondern wir haben auch die Bedingungen für unsere zukünftigen Produktionen ausgebaut und verbessert, sodass es keine fünf Jahre mehr bis zum nächsten Release dauern wird.

Nun steht mit "Danger To Ourselves" ein neues Album seit September in den Startlöchern. Mit welcher Zielsetzung seid ihr an die Arbeiten herangetreten und wie lang haben die Arbeiten generell gedauert?
Von Beginn der Aufnahmen bis hin zum Release der Platte waren es ungefähr zwei Jahre. Unser Ziel war es außerdem das komplette Album selbst aufzunehmen und aus jedem Song das Bestmögliche rauszuholen. Das war zwar viel Arbeit, hat uns aber auch erlaubt, dass wir uns die Zeit für die Musik nehmen konnten, die sie gebraucht hat. Es war außerdem das erste Mal, dass wir in diesem Ausmaß experimentiert und ausprobiert haben, bis wir alle mit allem zufrieden waren. In dieser Hinsicht kam die Pandemie für uns zeitlich im richtigen Moment, weil wir dadurch mehr Zeit hatten. Natürlich war es für uns alle keine leichte Zeit, aber wir haben das Beste daraus gemacht.

Worin genau liegt die Gefahr für euch selbst? Warum habt ihr euch für diesen Titel für euer drittes Album entschieden?
Unserer Meinung nach ist jeder für sich selbst die größte Gefahr. So ist es auch bei uns. STAGEWAR gibt es nun seit 18 Jahren und in dieser Zeit haben wir viel erlebt. Der Titeltrack beschreibt gut unsere musikalische Entwicklung und dass man uns auch nicht mit anderen Bands in eine Schublade stecken kann. Sicher haben wir das Rad nicht neu erfunden, aber was unsere Entwicklung angeht, haben wir uns selbst neu erfunden. Es liegt auf der Hand, dass wir damit auch Exzesse verbinden, die eine Gefahr für den eigenen Körper sind.

Trotz der Parallelen zu den Großen der Bay Area und deutschen Szene steckt auch viel Eigenständiges in eurem Sound. Von welchen Bands habt ihr euch aktuell am meisten beeinflussen lassen?
Das ist eine Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Wir haben in der Band musikalisch gesehen natürlich große gemeinsame Nenner wie METALLICA, BLACK SABBATH, SLAYER, IRON MAIDEN, MOTÖRHEAD. Aber es sind wahrscheinlich auch die kleinen Bands, die den Unterschied machen, warum STAGEWAR so klingt. Wenn wir Songs für STAGEWAR schreiben, dann sind wir nicht beeinflusst von irgendeiner Band, die wir gerade besonders gern hören, sondern von allem was um uns herum gerade passiert. Das kann ein Radio-Song sein, ein Film oder ein Streit. Das alles inspiriert beim Songwriting. Wir haben noch nie versucht zu klingen wie eine andere Band. Natürlich haben wir unsere Favoriten und du findest beim Hören auch sicher schnell raus, dass wir keine moderne Märchen- oder Seemanns-Pop-Rock-Band sind. Was wir auf jeden Fall nicht wollen, ist mit der Masse zu schwimmen, wir haben schon unseren eigenen Sound. Bei uns heißt es auch nie "Geht das?", sondern die Frage bei uns lautet: "Ist es gut?". Und wenn es das ist, dann ist es egal, ob es gerade in das Genre passt. Hauptsache es macht Spaß und es ist ein guter Song.

Ich muss leider zu meiner Schande gestehen, dass ich mit dem Artwork der neuen Scheibe nicht recht warm werde. In welcher Verbindung steht es zu den einzelnen Songs auf "Danger To Ourselves"?
Jeder hat seinen Geschmack und das ist auch völlig in Ordnung, wenn du ehrlich bist. Wir stehen nicht auf diese digitalen Artworks und sind ziemlich happy mit dem Old-School-Artwork. Das Cover stammt aus der Feder unseres Bassisten James, er ist im echten Leben Tattoo-Artist ist ("Remember Tomorrow Tattoos" in Neu-Anspach). Sein Statement zum Artwork: "Eine dystopische Endzeit-Vision, in der Technologie und Natur zusammenstoßen und den Untergang der Menschheit hervorbringen. Die Schlangen repräsentieren die Natur und die Technologie die Arroganz der Menschheit gepaart mit der barocken Ornamentik um die Dekadenz unserer sterbenden Gattung zu unterstreichen. Und das Arrangement ist dem eines stürmischen Gewässers gleich, welches wiederum auf die oben angeführte Thematik zurückgreift. Am Ende hat der sterbende Mensch dieses Ende hervorgerufen." Wenn du dir das gesamte Album anhörst, findest du die Verbindung sicher in jedem Song auf eine oder andere Art und Weise wieder.

Anders sieht es aber mit der Musik aus, die mir extrem gut gefällt. Die Mid-Tempo-Parts haben sehr viel Wucht und Tiefe, die schnelleren Momente verleihen den Songs sehr viel Zunder. Wie wichtig ist euch generell die Abwechslung in eurem Sound?
Erstmal Danke für die Blumen. Abwechslung ist für uns das A und O, nicht nur unbedingt in unserem Sound. Bei dem Vorgänger "Killing Fast" wollten wir die Songs auf das runterbrechen, was die Songs ausmacht. Das Album sollte roh klingen, keine langen Intros oder sonstiger Schickschnack. Deshalb ist das Album auch so knackig geworden. Bei "Danger To Ourselves" haben wir versucht alles aus den Songs rauszuholen was geht. Selbst als schon alles im Kasten war, haben wir noch Kleinigkeiten verändert, weil wir noch nicht 100%ig damit zufrieden waren.

Allen voran gefallen mir 'Follow Me', 'Enough Is Enough' oder der Bilderbuchstampfer 'Nothing For Nothing', weil sie das STAGEWAR-Potential sehr gut zusammenfassen. Wie seht ihr das? Welcher Song wäre ein guter Stellvertreter des gesamten 2021er Sounds von STAGEWAR?
Der Titeltrack 'Danger To Ouselves' zählt auf jeden Fall zu unseren gemeinsamen Favoriten auf dem Album. Er ist kein typischer Song, aber er hat uns wirklich viel abverlangt. Der Song war lange Zeit eine große Baustelle und wir wussten nicht, wie es weiter gehen soll. Wir haben viel experimentiert und wirklich Stunden, Tage und Wochen nur wegen diesem Song im Proberaum verbracht. Wahrscheinlich haben wir deswegen auch eine besondere Beziehung zu diesem Song. Aber es ist ein Song, den manche erst beim 5. Mal Hören komplett verstehen. 'Box Of Dirt' ist auf jeden Fall auch etwas Besonderes. Wenn man unsere Diskographie kennt und dann diesen Song auf dem neuen Album hört, merkt man sicher schnell, dass er der erste seiner Art ist, den wir aufgenommen haben – und das nicht nur, weil auf dem Track eine Orgel dabei ist. Er zeigt aber auch, dass wir nicht festgefahren sind und dass wir mit Sicherheit vielschichtiger sind als uns einige Leute aus der Vergangenheit kennen.

Steckt eigentlich eine spezielle Geschichte oder ein Konzept hinter der Scheibe oder vereinzelten Songs? Woher nehmt ihr die Inspiration zu den Texten?
Bei uns gibt es sowas wie ein Konzept im klassischen Sinne nicht. Die Songs erzählen meist ihre eigenen Geschichten. Teilweise gibt es aber schon Zusammenhänge. Inhaltlich ist 'Box Of Dirt' zum Beispiel der Nachfolger zu 'Hands Of Time'. Inhaltlich geht es in den Songs um den Verfall und den Abschied eines geliebten Menschen. Aber es ist nicht so als ob wir uns als mystische Band sehen, die irgendwelche kryptischen Zeichen erstellt und Botschaften in ihren Songs versteckt. Musik soll in erster Linie Spaß machen. Und wenn man mal alles runterbricht, dann sind wir einfach eine Rock'n'Roll-Band. Die Inspiration für die Songs/Texte liefert uns das Leben. Da draußen passiert schließlich genug jeden Tag. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja das Konzept.

Das Album erschien Ende September – was könnt ihr mir über die Resonanz seitens eurer Fans und Freunde berichten? Gab es auch kritische Töne oder überwiegend zufriedene Gesichter?
Es gab überwiegend zufriedene Gesichter. Aber du weißt, wie das ist, wenn man Bekannte und Freunde danach fragt wie sie die Platte finden. Da würde wahrscheinlich sogar die eigene Oma sagen, dass sie Metal nicht mag, aber deine neue Platte ganz toll ist. Aber natürlich gab es auch von hier und da Kritik. Dem stehen wir auch immer offen gegenüber, solange es nicht in bloße Beleidigungen ausartet. Das kam leider auch schon das eine oder andere Mal vor. Aber selbst die schlechteste Kritik kann die Art wie wir klingen nicht ändern. Kritik ist super, aber bei einer kreativen Sache auch irgendwie kontraproduktiv. Wenn der Künstler sich die Kritik so zu Herzen nimmt, dass er beim nächsten Mal alles anders macht, wieviel eigenständige Kunst steckt dann noch in seinen Werken? Und trotzdem nehmen wir die Kritiken wahr und reflektieren.

Wie werden die kommenden Monate im Hause STAGEWAR aussehen? Gibt es Pläne, künftig die neuen Songs auch auf die Bühne zu bringen?
Wir brennen natürlich darauf wieder live zu spielen. Dafür schreiben wir Songs und nehmen Alben auf. Das ist unser Job. Solange das aber nicht möglich ist, werden wir uns auf das Songwriting und das Aufnehmen konzentrieren. Wir planen auf jeden Fall die nächste Veröffentlichung für das kommende Jahr und die nächsten Ideen sind auch schon in der Entstehung.

Wie denkt ihr eigentlich generell über die Zukunft des Thrash Metals? SLAYER ist in wohlverdiente Rente gegangen, zwar sind EXODUS, TESTAMENT, SODOM und wohl bald auch OVERKILL und DEATH ANGEL mit neuen Alben unterwegs, aber die alten Helden des deutschen und amerikanischen Thrash Metals machen auch nicht mehr ewig so weiter. Welche Bands sind eurer Meinung nach dann an der Reihe den Thron zu erklimmen?
Der Thrash Metal wird sich zwar nicht stark verändern und es wird weiterhin gute Bands geben, die diesen Sound spielen, aber es wird die Musik wahrscheinlich genauso treffen wie alle anderen Musikrichtungen auch. Die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörer, die Streaming-Dienste etc. Das macht es den Bands nicht unbedingt leichter eine Band zu sein. Die Frage ist, ob es in Zukunft überhaupt noch so große Bands wie METALLICA geben wird? Für den Underground sehe ich die Zukunft nicht so finster. Die Bands machen die Musik aus einem anderen Antrieb. Wir würden ohne Liveauftritte genauso im Proberaum rumhängen, weil es für uns um die Sache an sich geht und wir es für uns machen. Wir haben in den letzten 18 Jahren mit unglaublich vielen Bands zusammengespielt und auch viele Bands live gesehen. Darunter waren auch ein paar wirklich sehr gute Bands und hohes Niveau. EXORCIZPHOBIA aus Tschechien oder auch ERADICATOR aus NRW. Die Liste an guten Bands da draußen ist echt lang.

Jungs, damit wäre ich mit meinen Fragen auch durch und möchte mich vielmals für eure Zeit und die Antworten bedanken. Euch gebühren selbstverständlich die letzten Worte – was möchtet ihr euren Fans noch mit auf den Weg geben?
Vielen Dank für das Interview. Wir sind gerührt, wie viele Nachrichten wir nach der Veröffentlichung des Albums von Fans bekommen haben. Viele Leute haben uns auch Sprachnachrichten über Instagram geschickt und uns gesagt, wie sie das Album finden. Das ist für uns eine tolle Bestätigung. Wir haben Bock endlich das neue Zeug live zu spielen und unsere ganzen Freunde und Bekannten wieder auf Tour zu treffen. Das passiert hoffentlich 2022!

Redakteur:
Marcel Rapp

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