top banner 77
side banner 78

STAR ONE: Interview mit Arjen Lucassen

02.11.2010 | 07:38

Arjen Lucassens hat mit STAR ONE und "Victims Of The Modern Age" einmal mehr ein tolles Album eingespielt, das die klassische Arjen-Atmosphäre atmet, sich aber dennoch von AYREON und GUILT MACHINE unterscheidet. Dies und der dritte Platz in unserem Soundcheck sind schon gute Gründe, um mit Arjen zu sprechen. Dass ein Kernthema dabei eine Ideensammlung zur nächsten AYREON-Scheibe wurde, darf durchaus dem ausführenden Redakteur zugeschrieben werden.

Die Nachricht vom dritten Platz im POWERMETAL.de-Soundcheck und die Höchstnote des Kollegen Frank Jäger sind natürlich ein erfreulicher Gesprächseinstieg. "Ha, welche Bastarde haben mich geschlagen?", lacht der sympathische Riese. "SLOUGH FEG und HELLOWEEN? Nun, damit kann ich leben. Und Dritter von 30 ist auch ein wirklich tolles Ergebnis. Die ersten Reaktionen auf das Album sind auch sehr positiv." Dass der Fan dabei bekommt, war er erwartet, sieht Arjen ähnlich. "Ja, das wollte ich auch so. Ich hatte nicht den Anspruch ein bahnbrechendes Album zu machen und das Rad neu zu erfinden. Ich wollte einfach ein etwas härteres Album machen, bei dem ich meine Idee umsetze, es von Science-Fiction-Filmen beeinflussen zu lassen, da ich auch einfach ein Science-Fiction-Nerd bin." Warum es diese Verbindung zwischen SciFi und Prog gibt, ist Arjen auch nicht ganz klar. "Ja, diese Frage habe ich mir auch gestellt. Es ist wirklich erstaunlich, dass viele Fans meiner Musik auch ganz besonders Fans von Science-Fiction-Filmen sind. Wir hatten ja jetzt auch das Gewinnspiel online, wo die Fans die Songs anhand einiger Textzeilen erraten sollten. Und ich war wirklich nervös, wie dieses Spiel und die Musik aufgenommen würden. Ich hatte wirklich Angst, weil ich dachte, dass es doch sehr schwierig wäre daraus den Film zu erraten. Tja, und dann ging es online und innerhalb der ersten Minuten hatten wir zehn Antworten, von denen acht richtig waren. Es war unglaublich. Woher das kommt, weiß ich nicht genau. Aber die Metalfans sind oft Fans von Horror-Filmen und die Prog-Fans von Sci-Fi-Filmen. Ich bin da wohl auch ein Stereotyp. Ich mag Horror- und Sci-Fi-Filme.", lacht der Niederländer. Das neue AYREON-Album wird also eine Horrorgeschichte werden. "Um ehrlich zu sein, habe ich darüber schon nachgedacht. Mit dem letzten AYREON-Album habe ich diese riesige Sci-Fi-Story abgeschlossen und ich muss nun mit etwas Neuem kommen. Aber KING DIAMOND, ICED EARTH und andere Bands haben das schon gemacht, von daher bin ich da noch unentschlossen." Allerdings gab es das in der Prog-Szene noch nicht so oft. Und mit King Diamond, Alice Cooper oder Jon Oliva gäbe es auch schon logische Sänger für ein solches Album. "Ja, Alice Cooper müsste ich dann wirklich unbedingt bekommen. Und auch King Diamond wäre wohl Pflicht. Ja, die Idee gefällt mir durchaus." Vielleicht wäre dann auch mein Lieblingssänger John Bush eine Option. Einer meiner wenigen Favoriten, der noch nicht mit Arjen gearbeitet hat. "Ja, er ist eine Option. War das auch früher bereits, hat aber nie so richtig ins Konzept gepasst. Aber für eine solche Story wäre er vielleicht doch eine gute Idee.", grübelt Arjen.


Die Sängerwahl für STAR ONE war im Vergleich dazu eine leichte Übung. "Diese vier gehören nicht nur zu meinen zehn Lieblingssängern, sondern sind auch meine Freunde. Ich habe schon häufiger mit ihnen zusammengearbeitet und es passt einfach perfekt. Dazu kommt, dass sie mit ihren vier völlig unterschiedlichen Stimmen auch dem Album diese Abwechslung mitgeben. Aber es war schon schön, dass es diesmal so leicht mit den Sängern war. Das ist bei AYREON immer ein Alptraum, die Leute auch alle in mein Studio zu bekommen. Wenn ich an Jorn denke, das hat mich Monate gekostet, bis er mal kommen konnte, weil er einfach immer extrem beschäftigt war. Und normalerweise nehme ich ja lieber Leute, die nicht schon überall gesungen haben, aber Jorn ist einfach so gut, dass es sein musste.", erzählt Arjen. Die Problematik, dass es immer schwieriger wird, originelle Sänger zu finden, sieht auch Arjen so. "Ja, das wird wirklich immer schwieriger. Schon auf "01011001" war der Cast nicht mehr ganz so originell wie auf "The Human Equation"", gibt Arjen zu. "Ich meine, da hatte ich Devin Townsend, Mikael Akerfeldt, Devon Graves oder Eric Clayton, die alle noch nie auf einem ähnlichen Album zu hören waren und so etwas normalerweise auch nicht machen. Dies in ähnlicher Breite noch einmal hinzubekommen, wird sehr sehr schwierig." Eine Liste mit Vorschlägen ist bereits unterwegs.

Sprechen muss man auch über die zweite CD, die der Erstauflage beiliegt. "Das Label nennt es ja "Special Edition", aber für mich ist das die reguläre Edition.", erzählt Arjen. "Diese Songs sind mir auch sehr wichtig, sie hätten nur stilistisch nicht zum Rest gepasst. Der eine Song klingt ein wenig nach SISTERS OF MERCY und auf einem Hardrock-Song singt mit Tony Martin (BLACK SABBATH) einer meiner Lieblingssänger. Also, es lohnt sich definitiv, diese Version zu kaufen." Wo er Recht hat, hat er Recht. "Überhaupt denke ich, dass es eine gute Idee war dieses Mal eine CD statt einer DVD beizulegen. Die Songs auf der DVD hören die Leute kaum, während CDs häufiger wieder aufgelegt werden. Außerdem kann man Musik immer wieder hören, während ein "Making Of" nur einmal angesehen wird. Daher haben wir das "Making Of" diesmal als mpeg-Datei mit auf die CD gepackt." Eine sinnvolle Variante, die zudem auch den Preis ein wenig nach unten drückt.


Dass AVANTASIA auf Tour gehen, hat auch ein bisschen die Hoffnung genährt, dass Arjen da mit AYREON oder STAR ONE nachzieht. "Gut, der Tobias ist natürlich auch ein Performer, der muss auch auf der Bühne stehen. Aber ich bin halt doch eher Komponist und habe nicht mehr so das große Bedürfnis live aufzutreten. Es ist nicht so, dass ich zu alt dafür bin, ich bin schon noch physisch in der Lage dazu, aber es ist meine Sache eigentlich nicht. Dennoch möchte ich das natürlich nicht ausschließen. Und wenn alle bzw. genügend Sänger von AYREON oder STAR ONE Zeit hätten, dann würde ich es auch machen. Aber das ist halt die Schwierigkeit, ich kann nicht wie SLASH einen Sänger nehmen, der dann einfach alle Songs singt, sondern bin ja darauf angewiesen mindestens vier Sänger dabei zu haben, die die unterschiedlichen Stimmen innerhalb eines Songs wiedergeben sollen. "Jesus Christ Superstar" kann man ja auch nicht mit nur einem Darsteller aufführen.", witzelt Arjen. "Es hat ja nicht mal geklappt, dass es jetzt alle zu einer Record-Release-Party schaffen, da sie ja auch alle extrem beschäftigt sind. Ed (Warby, dr. - PK) hat gerade mit HAIL OF BULLETS ein Album veröffentlicht, Russell hat "The Showdown" mit Jorn fertiggestellt und arbeitet mit SYMPHONY X am neuen Album, das auch in den letzten Zügen liegt und Damien, Dan und Floor waren auch beschäftigt. Aber alle haben gesagt, dass sie es wirklich gerne machen würden, wenn es denn zeitlich nur passt. Warten wir also mal ab." Oh ja, das tun wir wohl.

Zu guter letzt müssen wir noch über das Cover sprechen, das fatal an das Holocaust-Mahnmal erinnert. "Ja, daran erinnert es fatal, denn es ist tatsächlich das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Das Witzige daran ist, dass mir das gar nicht bewusst war, als der Coverdesigner damit ankam. Ich mochte diese riesigen Blöcke und das Bild das daraus entsteht. Als der Coverartist mir dann verriet, dass es das Holocaust-Mahnmal aus Berlin ist, war ich erst etwas irritiert. Aber als ich dann darüber nachgedacht habe, wofür es steht und dass das Album "Victims Of The Modern Age" heißt, fand ich es schon sehr passend." Ist es auch.

Redakteur:
Peter Kubaschk

Login

Neu registrieren

Wir verwenden Cookies, um unsere Website besser gestalten und verbessern zu können. Diese nutzen wir unter anderem für die Reichweitenmessung und zu Marketing- und Optimierungszwecken. Durch die weitere Nutzung der Website stimmst Du der Verwendung von Cookies zu (weitere Informationen gibt es hier).