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STONER KINGS: Interview mit Starbuck

10.04.2006 | 16:19

Stefan:
Hallo, Starbuck. Wie fühlst du dich mit eurem neuen Album "Fuck The World"?

Starbuck:
Ich bin echt glücklich damit, wenn man an die Geschichte um die Entstehung des Albums denkt. Wir sind durch die kälteste, bitterste und tiefste Hölle gegangen, um dahin zu kommen, wo wir jetzt mit "Fuck The World" stehen. Es gab so viele Hindernisse auf unserem Weg, so viele Leute, die uns umhauen oder ein Messer in den Rücken stoßen wollten, dass es für uns ein persönlicher Sieg ist, 2006 noch da zu sein und ein starkes und farbiges Album wie dieses zu haben. "Fuck The World" ist sehr echt, sehr ehrlich und sehr persönlich. Es waren vier lange Jahre seit unserem Album "Brimstone Blues", und ich hoffe, das neue hat bewiesen, dass es die Warterei wert war.

Stefan:
Die Scheibe heißt also "Fuck The World", ein provokanter Titel. Wer ist damit gemeint, wer nicht?

Starbuck:
Wir sagen "Fuck The World" zur heutigen Musikindustrie im allgemeinen. Nicht ein einziges Label wollte uns, nicht die großen, nicht die mittleren, nicht die kleineren. Jeder wies uns ab. Die sehen unseren Bandnamen und sagen "Stoner Rock können wir nicht verkaufen", oder denen ist der Namen zu umstritten. Und dann bringt eine Menge derselben Labels eine minderwertige geklonte Scheiße von Bands heraus, die Bands kopieren, welche Bands kopieren, und es bleibt kein Platz mehr für Originalität. Die Labels passen sich einfach den aktuellen Trends an und wollen nichts Neues riskieren. Indem sie kontroverse Bands wie die STONER KINGS ausschalten, gehen sie gegen die ganze Idee an, die Rock'n'Roll eigentlich ausmachen sollte. Natürlich hat es auch viel damit zu tun, dass die Musikpiraterie, MP3s frei zu kopieren, den Musikmarkt umbringt. Aber nichtsdestotrotz hat das eine negative Auswirkung auf Bands wie uns, die etwas Eigenständiges anzubieten haben, aber die Labels weigern sich, ein Risiko einzugehen. Es ist also sehr frustrierend, und zu der ganzen Musikklauerei sagen wir auch "Fuck you", denn diese Scheiße trifft uns als Künstler.
Dann gibt es Konzertagenturen, die nichts mit uns zu tun haben wollen, Bands, die sich weigern, mit uns zu aufzutreten, und Clubs, die uns nicht wollen. Zu all diesen Leuten sagen wir auch "Fuck you!" Wir gaben unser Bestes, und die wiesen uns immer noch ab, oft einfach nur wegen unseres Namens, das ist lächerlich. Also ist "Fuck The World" in alle Richtungen ein wohlverdienter Titel. Du willst Ehrlichkeit? Das ist brutal ehrlich. (Brutalstmöglich?- S.K.)
Zur selben Zeit, als so viele uns abwiesen, gab es immer noch Leute, die uns halfen wie Marco von NIGHTWISH, Pasi von THUNDERSTONE und Alexi von den CHILDREN OF BODOM. Die Musiker selber glaubten also an uns, als die labelpolitischen Interessen gegen uns waren, und ich stehe in der Schuld dieser Brüder und bin froh, dass es sie gibt!

Stefan:
Ihr nennt euch sehr selbstbewußt STONER KINGS, dabei ist eure Musik kein reiner Stoner Rock, sondern eher eine Mischung aus Stoner und Hard Rock. Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben? Wie habt ihr diesen Stil entwickelt?

Starbuck:
Wir haben in all den Jahren eine Menge Kloppe für den Namen STONER KINGS gekriegt. Besonders im Stoner-Rock-Lager hassen uns die Puristen wie die Pest, und einige Leute sehen uns wie SPINAL TAP an. Ich finde, es ist ein toller Name, weil er auffällt; wenn du ihn irgendwo liest oder hörst, wirst du dich verdammt sicher an ihn erinnern! Das ist größer als das Leben, und das muss Rockmusik meiner Meinung nach auch sein.
Ich wuchs mit dem Hard Rock und Heavy Metal der 80er auf wie OZZY, PRIEST, TWISTED SISTER, BILLY IDOL, MAIDEN, MÖTLEY CRÜE und anderen Bands dieser Art. Meine Neigung, griffige und eher einfache Stücke zu schreiben, kommt von diesem 80er Einfluss. Der Stoner-Rock-Sound traf mich richtig hart in den späten 90ern, als ich auf Bands stieß wie UNIDA, KYUSS, QOTSA, SPIRITUAL BEGGARS und besondere Bands von Frank Kozik's Label Old Man's Ruin wie etwa SOLARIZED. Ich fühlte eine bestimmte Schwingung vom Stoner-Rock-Sound zu meiner eigenen Art, Musik zu schreiben. Mir erschien das ganz natürlich, und so wurde das Mischen des bluesigen und urwüchsigen Stoner-Rock-Sounds mit der Griffigkeit des 80er Metals meine Spezialität. Ich glaube, am besten beschreibt man den Sound der STONER KINGS als eine Mischung aus... Die Härte und die Riffs der klassischen BLACK SABBATH treffen auf die Griffigkeit von MÖTLEY CRÜE oder GUNS N'ROSES treffen auf die mächtige Art von ENTOMBED, die auf den Soul von TROUBLE treffen. Er ist ganz sicher ziemlich einzigartig, und mir fällt echt keine einzige andere Band da draußen ein, die so wie wir klingt.

Stefan:
Eure CD, erst eure zweite Veröffentlichung, hat einen eigenständigen und charakteristischen Sound. Wie lange seid ihr schon musikalisch aktiv? Habt ihr vorher in anderen Bands gespielt?

Starbuck:
Ich bin seit über sieben Jahren aktiver Musiker, unser Bassist Blackie ist seit 15 Jahren aktiv, unser Gitarrist Shank seit zehn Jahren und unser Drummer Crash, glaube ich, auch seit fast zehn Jahren. Wir haben früher alle in verschiedenen Bands gespielt, aber wir haben uns entschieden, uns für unsere jetzige Identität, unser Produkt STONER KINGS, völlig von der Vergangenheit zu trennen.

Stefan:
Was an dem Album sofort auffällt, ist der abwechslungsreiche Hintergrundgesang. Das scheint ein Markenzeichen der STONER KINGS zu werden, nicht wahr?

Starbuck:
Auf dem ersten Album "Brimstone Blues" hatten wir eigentlich überhaupt keinen Hintergrundgesang. Ich machte alle Gesangslinien für diese Platte. Für "Fuck The World" wollte ich einen breiteren, einen reichhaltigeren Sound haben, und so schleppte ich ein paar Freunde an, die uns halfen. Ich unterstützte Pasi Rantanen, den Sänger von THUNDERSTONE, bei der englischen Aussprache und Ausdrucksweise für das gesamte letzte THUNDERSTONE-Album "Tools Of Destruction". Pasi hat eine fantastische Stimme im 70er-Jahre-Stil, in gewisser Hinsicht wie bei den alten RAINBOW, und die Färbung seiner Stimme passt unglaublich gut zu meiner. Also bat ich ihn, die meisten Harmoniestimmen in den Refrains von "Fuck The World" zu übernehmen, und er lieferte eine fantastische Arbeit ab! Marco Hietala von NIGHTWISH war eines Tages zufällig im Studio, als wir einige Gesangsspuren aufnahmen. Wir kamen ins Gespräch, und ich fragte, ob er beim Lied 'Doomsday Sunrise' mithelfen könne, und er tat uns den Gefallen. Ich wollte eine weibliche Stimme für 'Black Lotus', und es gibt keine bessere weibliche Rockstimme in ganz Finnland als die frühere LULLACRY-Sängerin Tanja Kemppainen. Tanja kam also rein, sang ihre Parts, und es wurde großartig. Was ich letztendlich wollte, war mehr Vielseitigkeit beim Gesang als Geschichtenerzählen und als Struktur, außerdem mehr Kraft und Masse, also nahmen wir echt eine Menge mehrstimmiger Gesänge für die Refrains auf, um diesen In-die-Fresse-Eindruck hinzukriegen. Auch deshalb bat ich diese unterschiedlichen Sänger, uns zu unterstützen.

Stefan:
Woher nimmst du die Inspirationen für die phantasievollen Texte?

Starbuck:
Ein großer Teil der ausgedachten Bilder meiner Texte ist durch Fatalismus, schwarzen Humor, Zynismus, ewige Verdammnis und die dunkle Seite der Bibel angeregt. Es gibt in meinen Texten eine Menge Parabeln darüber, seine Seele zu verlieren, seinen Verstand zu verlieren, in der Ewigkeit zu enden, zu einem Opfer des Schicksals zu werden und von Kräften herumgestoßen zu werden, die man nicht kontrollieren kann. Man findet schon faszinierendes Zeug, wenn man darauf achtet, was ich sage. Ich male ein Bild für euch, ich bringe euch in eine sonderbare Welt, die auf eine morbide Art interessant ist. Es ist wie bei einem schlimmen Autounfall mit mehreren blutigen Verletzungen; obwohl man eigentlich wegsehen sollte, kann man nicht, denn da ist etwas, das einen echt dabei interessiert.

Stefan:
Die CD ist sehr gut produziert. Was kannst du uns über den Produzenten und das Studio verraten?

Starbuck:
Wir nahmen das Album in den Sonic Pump Studios in Helsinki auf, die von Nino Laurenne von THUNDERSTONE betrieben werden; und das Mixing wurde von Finnlands führendem Stoner-Rock-Produzenten Arttu Sarvanne im Watercastle Studio in Jyväskylä übernommen. Arttu hat schon in der Vergangenheit für finnische Stoner-Bands wie SUNRIDE, ZEROCHARISMA, PLUTONIUM ORANGE and RITE produziert und gemischt, und auch unser erstes Album "Brimstone Blues" hat er 2002 aufgenommen und gemischt.

Stefan:
Welche Bands sind eure Vorbilder und haben euch beeinflußt?

Starbuck:
Die wichtigsten für mich persönlich waren definitiv TROUBLE, BLACK SABBATH, BILLY IDOL, SPIRITUAL BEGGARS, UNIDA, ENTOMBED und am denkwürdigsten die Band, die mich als erste in den Metal und Hard Rock hineinzog, als ich zehn Jahre alt war: MÖTLEY CRÜE.

Stefan:
Bei eurem Debütalbum wart ihr noch zu fünft. Mittlerweile hat einer eurer Gitarristen die Band verlassen; auch sonst hat es einige Umbesetzungen gegeben. Wie kam es dazu?

Starbuck:
Wolfenstein, unser früherer zweiter Gitarrist, ist nicht mehr bei den STONER KINGS, weil er einfach nicht die Disziplin hatte, zu üben und seine Zeit in die Band zu investieren. Er war an viel zu vielen anderen Projekten beteiligt, und er konnte sich nicht dazu durchringen, die STONER KINGS an die erste Stelle zu setzen. Und so kam der Punkt, an dem es besser war, dass er die Band verließ, zumal sein Herz nicht daran hing.
Gonzo, unser früherer Bassist, hatte ein paar persönliche Probleme außerhalb der Band, die ihn in eine andere Richtung als den Rest von uns führten. Er hing einfach nur über ein Jahr lang halbherzig bis zum Ende seiner Zeit Ende 2005 herum, und dann rief er mich an und sagte, dass er aufhört. Er war auch nicht mehr mit dem Herzen dabei, und so war es besser, dass auch er ging. Meine Philosophie ist die von Bobby Blitz von OVERKILL: Du musst wirklich in der Band sein wollen. Es ist echt wie eine Ehe in guten und in schlechten Tagen, du musst dich ganz daran binden.
Wir hatten echt harte Zeiten von 2003 bis 2005, und ich glaube, dass sowohl Gonzo als auch Wolfenstein den Mut verloren, als der Himmel um uns schwarz wurde und fast niemand etwas nach dem Ende des Stoner Rock-Booms Ende 2002 / Anfang 2003 mit uns zu tun haben wollte. Und jetzt arbeiten wir als vierköpfige Band genau so wie BLACK SABBATH oder MÖTLEY CRÜE, und wir haben mit Blackie einen wunderbaren neuen Bassisten gefunden, der der Band wirklich neues Leben eingehaucht hat, als er Ende 2005 an Bord kam.

Stefan:
Für "Fuck The World" habt ihr eine Menge zum Teil ziemlich bekannte Gastmusiker ins Studio geholt. Wie ist diese Zusammenarbeit zu Stande gekommen?

Starbuck:
Alexi von CHILDREN OF BODOM ist ein guter Freund von mir persönlich, und er mochte immer die STONER KINGS. Als ich ihn also fragte, ob er ein Solo für uns spielen würde, half er gerne. Ich habe eine SUICIDAL TENDENCIES-Coverband mit Alexi, in der ich singe und er Gitarre spielt. Wir wollen später in diesem Jahr einige Konzerte geben, wenn COB eine Pause machen. Viele der anderen Gastmusiker sind Freunde, denen ich geholfen habe, oder einfach Leute, die ich auf unserem Weg kennengelernt habe und die interessiert waren, uns zu helfen. Gott segne sie!

Stefan:
Gibt es eine Singleauskopplung aus dem Album?

Starbuck:
Ich glaube nicht, dass das dieses Mal der Fall sein wird. Aber wenn ich dafür ein Stück auswählen könnte, dann wäre es höchstwahrscheinlich 'Doomsday Sunrise'. Es ist vermutlich das kommerziellste Lied auf dem Album und macht richtig Spaß. Als B-Seite nähme ich ein Cover von TROUBLEs 'Psychotic Reaction' oder NORMAN GREENBAUMs 'Spirit In The Sky' von 1970 oder MARILYN MANSONs 'Fight Song' oder sogar eine Nummer aus dem ersten Album der FLOCK OF SEAGULLS.

Stefan:
Plant ihr Konzerte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz?

Starbuck:
Mein Gott, ich hoffe doch! Wir brauchen einfach einen guten Veranstalter, der was auf die Beine stellt. Wenn also jemand interessiert ist, lasst es mich wissen, und wir kommen und rocken die deutschsprachigen Länder verdammt noch mal durch, wie wir es 2002 getan haben. Veni, vidi, vici!

Stefan:
Danke für das Gespräch und viel Erfolg noch!

Starbuck:
Dank dir für die Gelegenheit, uns in einem Interview den großartigen Fans in den deutschsprachigen Ländern zu präsentieren. Ich weiß, wir haben einige treue STONER KINGS-Anhänger bei euch! Testet die STONER KINGS-Revolution an, falls ihr noch nicht auf uns gestoßen seid... ihr werdet überrascht sein, was ihr findet!

Redakteur:
Stefan Kayser

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