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STORMWIND: Interview mit Thomas Wolf

01.01.1970 | 01:00

Mit dem grandiosen "Resurrection" ist STORMWIND diesmal der große Coup gelungen. Und so stand mir Mastermind Thomas Wolf Rede und Antwort. Der überaus sympathische schwedische Karate-Meister plauderte gemütlich aus dem Nähkästchen. Aber lest selbt...

Christian:
Erstmal möchte ich dir zu "Resurrection" gratulieren. Das Album ist einfach purer Wahnsinn

Thomas:
Oh danke, das hört man gerne.

Christian:
Wie sind denn die bisherigen Resonanzen darauf ?

Thomas:
Die Resonanzen waren einfach großartig. Wir haben sehr viele Platten verkauft und von allen Ländern her, ob jetzt von Europa, Japan oder woher auch immer bekommen wir sehr gute Kritiken.

Christian:
Könntest du unseren Lesern ein wenig Hintergrund über STORMWIND liefern, da die meisten euch kaum kennen werden.

Thomas:
Klar. Ich habe STORMWIND 1995 gegründet. Dabei war es mein Ziel ein neues Konzept mit klassischem, melodischem Metal zu bringen. "Straight From Your Heart" war unser erstes Album, es erschien 1996, allerdings nur in Japan. Daraufhin folgte eine Promo-Tour durch Japan bei der wir sehr gut ankamen. Während dieses Debut starke AOR-Tendenzen aufwies, so war unser zweites Album "Stargate", welches 1998 erschien, deutlich metal-lastiger, was auch an den neuen Musikern lag. Damals waren wir noch nicht sehr beständig. Nach dem "Stargate"-Release ging ich in Frankreich auf Tournee. Diese lief auch sehr erfolgreich, doch danach setzte ich mich hin und überlegte wie es weitergehen sollte mit STORMWIND. Ich beschloss, eine neue Ära beginnen zu lassen und dabei die besten Musiker, die ich kriegen kann zu nehmen. So kam ich zum Beispiel auf Thomas Vikström, der nach meiner Meinung einer der größten Sänger Schwedens ist und weltweit betrachtet in einem Atemzug mit zum Beispiel Joe Lynn Turner zu nennen ist. Nach einigen Monaten hatte ich also meine Wunschband zusammengestellt. Im Mai 1999 haben wie dann "Heaven Can Wait" veröffentlicht. Diesmal wurde es nicht nur in Japan veröffentlicht, sondern weltweit. Stilistisch sind wir um einiges mehr in die Richtung "Neoklassischer Metal mit einprägsamen Melodien und schönen Refrains" gegangen.

Christian:
Anschließend folgte ja der Labelwechsel.

Thomas:
Genau. Wie du sicher weisst gingen High Gain-Records pleite. Mit ihrem amerikanischem Partner Digital Dimension waren wir überhaupt nicht zufrieden und so sind wir heute mit unserem aktuellen Album "Resurrection" bei Massacre gelandet. Um die Unterschiede der Alben und der Entwicklung noch einmal kurz zusammenzufassen: "Straight From Your Heart" war sehr stark AOR-lastig, "Stargate" wiederum war ein richtiges Metal-Album und "Heaven Can Wait" ist stark neoklassisch beeinflusst.

Christian:
Und euer neues Album wiederum weist starke progressive Einflüsse auf.

Thomas:
Genau. Wir sind deutlich progressiver geworden, was ich sehr positiv sehe.

Christian:
Was ist denn die prinzipielle Aussage deiner Texte bei "Resurrection" ?

Thomas:
Um es kurz zu fassen: Die Hauptaussage ist, daß du dein Leben geniessen und für den Tag leben sollst. Meine Texte vermitteln eine positive Botschaft. Aber man kann das auch nicht pauschal sagen fällt mir gerade ein. Wir haben auch einige "typische" Metal-Songs. Nimm zum Beispiel "Holy Land"... Darin geht es um eine Festung in der sich fast 1000 Menschen das Leben nahmen, weil sie mit ihrem Schwert in der Hand sterben wollten, da sie wussten, daß Rom am nächsten Tag die Festung erobern wird. Das ist also ein typischer "Metal-Spririt-Song".

Christian:
Wieso hat eigentlich keiner der anderen Musiker an den Songs mitgewirkt ?

Thomas:
Es ist folgendermaßen: STORMWIND ist mehr oder weniger MEINE Band. Die ersten beiden Alben kann man schon fast als Soloprojekt zählen. Seit "Heaven Can Wait" und "Resurrection" wurde STORMWIND jedoch zu einer richtigen Band. Ich habe dabei die gesamte Musik und alle Arrangements geschrieben. Ab dem nächsten Album denke ich jedoch, daß ich Thomas Vikström in das Songwriting involvieren werde. Bis jetzt lief es aber sehr gut so; sowohl für mich als auch für die anderen Musiker.

Christian:
Steht denn eine Tour in Planung ?

Thomas:
Ja, im Oktober werden wir eine Tour in Skandinavien machen, auf die ich mich schon sehr freue, da die Resonanzen aus den skandinavischen Ländern hervorragend waren. Und Anfang des nächsten Jahres werden wir dann wohl auch dem Rest von Europa eine Tour abstatten.

Christian:
Da würden sich ja auch Festivals anbieten, oder ?

Thomas:
Ja, auf jeden Fall. Wir wollen definitiv auf Festivals spielen. Wacken zum Beispiel wäre großartig.

Christian:
Ist es für dich eine Ehre, mit MALMSTEEN verglichen zu werden ?

Thomas (lacht):
Also: er ist ein großartiger Gitarrist, höchstwahrscheinlich der schnellste im Universum. (auf wievielen Planeten der gute Thomas da wohl schon nachgeguckt hat um sicher zu gehen ? - d.Verf.) Aber ich bin keinesfalls eine Kopie von ihm und bin sehr glücklich darüber, meinen eigenen Sound kreiert zu haben.

Christian:
Sind Klassik und Metal für dich zwei verschiedene Welten ?

Thomas:
Es sind auf keinen Fall verschiedene Welten, sondern man kann sie hervoragend miteinander kombinieren. Es gibt da keinen Rahmen, der einen bei der Zusammenführungen dieser zwei Musikarten hindert. Sowohl in der Klassik, als auch im Metal achtet man auf komplexe musikalische Zusammenhänge und Arrangements. Hier sind Profis am Werk, die ihre Arbeit wunderbar verrichten. Ganz im Gegensatz zur Pop-Musik beispielsweise, die nur auf Kommerz ausgelegt ist ohne irgendeinen musikalischen Anspruch zu besitzen.

Christian:
Dann lass uns mal über deine Einflüsse reden. Wo liegen diese im Klassik-Bereich ?

Thomas:
An erster Stelle ist hier definitiv Johann Sebastian Bach zu nennen. Aber ich höre da eigentlich alles und habe bereits sehr früh angefangen, klassische Musik zu hören.

Christian:
Und somit kamst du auch auf die Idee, eine Gitarren-Symphonie zu schreiben...

Thomas:
Ja, ich habe auch auf den ersten Alben immer klassiche Elemente hineingebracht, aber diesmal wollte ich wirklich etwas mit Hand und Fuss machen und so schrieb ich eine Gitarren-Symphonie, in der Flamenco, Bach und auch progressiver Metal vereinigt sind. Das war eine Art Herausforderung für mich.

Christian:
Wäre es dann nicht auch interessant, mal mit einem Orchester zu spielen ?

Thomas:
Auf jeden Fall. In Zukunft werde ich mehr in Richtung Filmmusik arbeiten und auch sonst habe ich großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit einem Symphonie-Orchester

Christian:
Wann hattest du deine erste Gitarre und wie kamst du zum Metal ?

Thomas:
Die erste Gitarre hatte ich mit zwölf Jahren. Ich habe mit den unterschiedlichsten Leuten dann zusammengespielt, aber man kann sagen, daß ich mit 17 oder 18 Jahren richtig dabei war. Ab dem Zeitpunkt war ich voll auf die Gitarre konzentriert und hatte mehrere Projekte und Bands am laufen. Kurz danach war ich allerdings auch sehr an Karate interessiert und ich wurde in das Nationalteam einberufen, so daß die Musik eher zu einer Nebensache wurde. Ich hing die Gitarre genaugenommen für zehn Jahre an den Nagel.

Christian:
Wenn du die Wahl hättest mit irgendjemandem mal ein Album einzuspielen... Auf wen würde die Wahl fallen ?

Thomas:
Hm, das ist schwierig. Also D.C. COOPER wäre hochinteressant und auf jeden Fall auch BRIAN MAY.

Christian:
Was sind zur Zeit deine Lieblingsbands ?

Thomas:
Auf jeden Fall DREAM THEATER und SYMPHONY X... Die beiden gehören mit zu dem Besten, was es derzeit gibt.

Christian:
Wie sehen die Pläne für die Zukunft von STORMWIND aus ?

Thomas:
Als ersten konzentrieren wir uns auf unsere Tournee. Danach werden wir uns nächstes Jahr an das Songwriting für das "Resurrection"- Nachfolge-Album setzen, welches wohl irgendwann vor Weihnachten 2001 erscheinen wird.

Christian:
Wie ist deine Meinung über das Internet ?

Thomas:
Das Internet ist eine großartige Möglichkeit, heutzutage alle möglichen Dinge zu promoten.

Christian:
Das würden METALLICA jetzt aber anders sehen... Siehe Napster...

Thomas:
Ich muss dir sagen, daß ich Napster nicht gerade positiv gegenüber eingestellt bin. An einem Song arbeiten viele Menschen mit, die alle für ihre Arbeit bezahlt werden sollen und durch so etwas wie Napster werden die Leute, die an der Musik arbeiten praktisch gesehen beraubt. Aber trotzdem bietet das Internet sehr viele Möglichkeiten.

Christian:
Sind STORMWIND denn auch im Internet vertreten ?

Thomas:
Klar. Die Adresse lautet: www.stormwind.nu

Christian:
Ich hatte vor kurzem ein Interview mit Richard Andersson von MAJESTIC, der von einer Art Tradition sprach, daß schwedische Musiker ihr bestes in punkto Geschwindigkeit auf den Instrumenten geben. Wie ist deine Meinung dazu ?

Thomas:
Schwierig zu sagen. Ich denke, daß ist primär YNGWIE MALMSTEEN's Verdienst. Dadurch, daß er Bewegung in die Melodic Metal Szene gebracht hat, ist er eine wahre Legende geworden, vergleichbar mit der Arbeit von RITCHIE BLACKMORE bei RAINBOW und DEEP PURPLE. Und wir von STORMWIND versuchen weiterhin die Musik mit progressiven Elementen aufzufrischen, da es sonst doch zu eintönig wird.

Christian:
Was ist deine Meinung zu dem derzeigen Reunion-Wahn ?

Thomas:
Ich finde das wirklich gut. Metal war, wie wir alle wissen, in den Achzigern sehr groß. Und jetzt, wo einige Trends sich wieder abgeschwächt haben ist mehr Platz für die Melodic Metal Szene vorhanden, der durch Reunions von Bands aus den Achzigern ausgefüllt werden kann. Ich bin der Meinung, daß gute melodische Musik immer überleben wird, während viele andere Richtungen nur einen Trend beschreiben, an den sich nach einer gewissen Zeit kaum jemand mehr erinnern kann.

Christian:
Ich komm um diese Frage nicht herum: Wolf ist doch ein ziemlich unüblicher Name für einen Schweden...

Thomas (lacht):
Ja, mein Vater ist ein Deutscher. Er kam vor einigen Jahren hier hoch und traf eine schöne, blonde, skandinavische Frau. Als ich zehn Jahre alt war haben sich die beiden jedoch leider geschieden und so habe ich jetzt in gewisser Weise zwei Familien.

Christian:
Ich bedanke mich für das Interview und die letzten Worte gehören dir...

Thomas:
Liebe Leser von Powermetal.de... Vielen Dank für eure Unterstützung. Behaltet den Glauben an den melodischen Metal.

Redakteur:
Christian Debes

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