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SUBSIGNAL: Interview mit Markus Steffen.

17.03.2014 | 07:48

Der zweite Teil der "Paraiso"-Tour führte die Band auch nach Augsburg (Konzertbericht). Vor dem Gig traf ich Gitarrist Markus Steffen zu einem Plausch im Tourbus.

Früher hieß es ja immer, das dritte Album ist das, was über Sein oder Nichtsein entscheidet. Das ist natürlich in Zeiten des Internets Quatsch. Oder? Man kann ja nicht mehr von einer Katastrophe reden, würde man als Band von seinem Label entlassen. Nimmt man halt ein anderes. Oder keines. Online macht's möglich. Andererseits: ein Album ist keines, bei zwei Werken wird man registriert. Und bei drei Alben? Gehört man da zum Establishment?

SUBSIGNAL hat mit "Paraiso" 2013 das dritte Album veröffentlicht, das fast schon gewohnheitsgemäß großartige Kritiken erntete. Ein schöner Zweijahresrhythmus der Veröffentlichung. Dazwischen lagen Jahre des Songschreibens, und der Umzug von Gitarrist Markus Steffen von Wien nach München. Der Band wegen? Markus verneint. "Wien ist schön, aber nach sieben Jahren war es genug. Wir sind wieder nach München, da habe ich einen schönen Platz an der Isar, das ist besser für die Kinder als unsere Wohnung in Wien. Für die Band ist das eigentlich egal, es geht eh alles über das Internet. Ich arbeite sowieso lieber allein." Ja, die Progger von heute sind weniger Rebellen als, ja, Familienväter. Ist das vielleicht auch der Grund, warum "Paraiso" gradliniger und auch seichter ausgefallen ist? Markus verneint. "Ich kann das gar nicht so festmachen. Wir wollen immer etwas anders klingen, aber trotzdem unverwechselbar." Klar, welche Band will das nicht. Aber ist das wirklich der Grund für den Sprung in den Popbereich mit 'The Blueprint Of A Winter'? Markus denkt nach. "Pop? Wirklich? Ist doch einfach nur ein bisschen mehr Dur." Pop ist ja kein Schimpfwort, oder? "Nein, ich mag auch guten Pop. Aber eigentlich wollte ich einfach nur nicht nochmal das gleiche machen. Ich schreibe auch schon Songs für das nächste Album, das klingt bislang wieder ziemlich anders. Außerdem hat natürlich auch David Bertok einen Anteil daran, dass das Album so gut und opulent klingt und vielleicht dadurch eingängiger wirkt. Er hatte gerade sein Filmmusikstudium in Los Angeles beendet (Anm.: Übrigens mit einer brillanten Note!) und saß an der Quelle. Das hört man sicher auch."

Aus dem Hintergund meldet sich Manager Mike Möller zu Wort und ergänzt: "Das ist auch ein Erweitern der Möglichkeiten. Das haben wir damals mit SIEGES EVEN auch gemacht. 'Eyes Wide Open' war untypisch für die Band, hat aber das Spektrum erweitert und uns einen Support für JOURNEY beschert, weil die meinten, das wäre eine Stadionhymne. Wir haben SUBSIGNAL damit breiter aufgestellt. Gleichzeitig ist das zwar die Single, aber das Video ist zum Titelsong. Unüblich, aber auch das hat uns geholfen. Die aktuellen Abrechnungen der Plattenfirma zeigen, dass das neue Album vor allem "Touchstones" noch einmal ganz ordentlich angeschoben hat."

Markus ist der Hauptsongschreiber, nur gelegentlich mischen sich die anderen Bandmitglieder ein. Ist das so gewollt? Markus lacht. "Die anderen kommen mit dem Komponieren nicht hinterher! Aber David und Arno bringen sich ein, und am Ende muß alles noch durch die Qualitätskontrolle Menses." Apropos Arno. Diesmal hat er ja gar nichts zur Grafik beigetragen. Wie kam das denn? "Das war einfach zeitlich nicht drin. Und Thomas Ewerhard (www.thomas-ewerhard.com) hatte bei "Touchstones" schon einen guten Job abgeliefert."

Nochmal zurück zu 'The Blueprint Of A Winter'. Vielleicht klingt das ja auch so rund, weil es im Duett mit Marcela Bovio aufgenommen wurde, die man durch ihre Arbeit mit Arjen Lucassen kennt. Wie kamt ihr denn auf die Dame? Markus zuckt die Schulter. "Facebook." Mike fügt hinzu: "Eigentlich hatten wir erst Beth Hart gefragt, aber das Management hat aus Zeitgründen abgelehnt." Klingt ja unspektakulär. Ich hatte auf etwas Spannenderes gehofft. "Nein, leider nicht." sagt Markus, "Ich habe sie noch nicht einmal persönlich getroffen. Geht heute alles online." Tja, die Zeiten, als wilde Rockmusiker Studios belagerten oder in Trümmer legten, Drogen konsumierten und von besorgten Labelverantwortlichen zur Arbeit aufgefordert werden mussten, sind anscheinend passé. Weniger Rocklegenden. Aber die Ära derselben scheint unwiederbringlich vorbei zu sein.

Mittlerweile sind ja seit der Veröffentlichung von "Paraiso" bereits einige Monate ins Land gegangen. Kann man denn schon etwas zu den Verkaufszahlen sagen? Erfreut berichtet Markus, dass das Album ganz sicher die beiden anderen deutlich überflügeln wird. Das hatte sich auch in einem Platz 74 der deutschen Albumcharts niedergeschlagen. Mike fügt hinzu: "Die Vorverkäufe waren so stark, dass die Scheibe schon vor Veröffentlichung nachgepresst werden musste. Besonders die Großen, also Amazon und Müller, haben ihre Vorbestellungen stetig aufgestockt. Und die muss man natürlich unbedingt beliefern, die haben da eine gehörige Marktmacht." Aber mittlerweile dominieren die Downloads, bestätigt Mike. Trotzdem ist es für mich, der ich altmodisch das physische Produkt für das Wichtigste halte, schön zu hören, dass in unserer Musik noch nicht alles digital funktioniert.

Aber das ist ja ein toller Erfolg, oder? "Ja," bestätigt Markus, "es hatte aber auch einen kleinen Nachteil: Wir haben unser eigenes Album erst nach dem Release bekommen. Es waren einfach keine CDs verfügbar." Und grinst.

Redakteur:
Frank Jaeger

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