THE INTERSPHERE: Interview mit Christoph & Thomas

24.01.2012 | 07:42

Das Jahr beginnt mit einem frühen musikalischem Höhepunkt. Das dritte Album von THE INTERSPHERE, "Hold On, Liberty!" ist ein echtes Meisterstück in Sachen progressiven alternativem Rock geworden. Wir trafen die Mannheimer Jungs im Rahmen des "Winter Rocks! X-Mas"-Festivals in Berlin kurz vor Weihnachten.


Das "Winter Rocks! X-Mas"-Festival allein ist schon ein reichlich skurile Anekdote. Ein neuer Veranstalter hat in Berlin dieses Festival auf die Beine gestellt, sich dabei aber reichlich verkalkuliert. Sechs relativ unbekannte Bands, die in einer nicht ganz so zentral gelegenen, relativ großen Halle mit einer 1.000er-Kapazität für recht teure 30,- EUR auftreten, locken ohne viel Werbung keine Heerscharen an. Wenn sich 50 Leute in der Halle verirrt haben, ist das großzügig geschätzt. Diese sitzen auf den bequemen Ledersofas, die im Raum stehen und sind nur von Strippern (zwei Damen, ein Herr) während der Umbaupause vor die Bühne zu locken. Und so erlebt der Autor quasi ein Privatkonzert, als THE INTERSPHERE auf die Bretter betreten, da sonst niemand vor der Bühne steht. Dass Sänger Christoph schon auf der Bühne vom skurilsten Auftritt ihrer Karriere spricht, ist da kein Wunder. Wir setzen uns nach dem einstündigen Gig im VIP-Bereich zusammen, um ausführlich über "Hold On, Liberty!" und die Zukunft THE INTERSPHERE zu sprechen.

Den oben beschriebenen Gig streifen wir nur kurz zum Einstieg. "So etwas haben wir auch noch nicht erlebt, das war natürlich schon desatrös und wird in der Rubrik "Anekdote" abghakt.", eröffnet Sänger/Gitarrist Christoph, der zur Verstärkung Gitarrist Thomas mitgebracht hat. Besser als das Konzert liefen da schon die Aufnahmen zum neuen Album "Hold On, Liberty!". Wie die Band bereits beim Interview auf der Tour im Mai erzählt hat, wurde "Hold On, Liberty!" in sieben Tagen live im Studio eingespielt. Dies und der sehr transparente Mix haben dem Material hörbar gut getan. "Ja, mit dem Ergebnis sind wir wirklich sehr zufrieden. Wir haben die Songs genau so gespielt, wie wir es auf die Bühne bringen werden. Von dem Rumgehampel einmal abgesehen, weil wir natürlich schon sauberer spielen wollten. Dazu lief halt eine erste Aufnahme vom Gesang als Orientierung.", erzählt Christoph. Separat aufgenommen wurde lediglich der Gesang. "Genau, den haben wir im Vocalstudio von Frank Bornemann aufgenommen. Dadurch war das ein sehr entspannter Prozess." Auch dies schlägt sich auf dem Album nieder, ist Christophs Gesangsleistung doch seine beste bisher. Gerade das sehr persönlich klingende 'Over' ist herausragend gesungen. Doch bei der Frage nach dem Text weicht der sympathische Sänger etwas aus. "Ja, das ist schon ein persönlicher Text. Aber zu 'Over' muss man auch sagen, dass wir zum ersten Mal mit einem befreundeten Songwriter zusammengearbeitet haben. Mit dem Chris Busick haben wir gemeinsam studiert, von daher kennen wir ihn schon eine Weile. Der Song sticht daher vielleicht auch ein bisschen heraus, weil man merkt, dass es da einen neuen Einfluss gab, den man so vorher bei THE INTERSPHERE nicht gehört hat." Wenn die Texte sich nicht um persönliche Geschichten drehen, läuft Christoph vor allem mit offenen Augen und Ohren durch die Welt: "Ich denke, dass die Texte dieses Mal etwas direkter und für den Hörer verständlicher geworden sind. Songs wie 'Sleeping God' oder 'Capitall' beschäftigen sich schon mit der Finanzkrise und diesem ewigen Drang nach Wachstum und diesem scheller, weiter, höher, das auf der Welt vorherrscht, aber so einfach nicht möglich ist. Ansonsten habe ich eben immer mein dickes Textbuch dabei und notiere mir Sätze, sobald sie mir einfallen und bastele dann daraus die Lyrics für unsere Songs."


Prägnante Songs gibt es auf "Hold On, Liberty!" diverse. Auffällig ist zum Beispiel 'Capitall' mit eingebautem Fingerschnipsen und "Woohoohoo"-Backings. "Ich hatte im Proberaum irgendwann die Idee, dass man die Gitarrenmelodie prima mitsingen könnte", beginnt Christoph, "und das war dann so der Aufhänger für den Song." Und Thomas ergänzt: "Gerade zu der Bridge mit dem Fingerschnippsen hatten wir wirklich viele Ideen. Die Akkorde, die war da benutzen, sind die gleichen wie bei der Tetris-Melodie und so haben wir auch damit herumgespielt, aber das war uns dann noch ein Spur too much und so ist es letztendlich beim Schnippsen geblieben." Ein anderer prägnanter Song ist 'We Are', der am Ende mit beinahe Hardcore-artigen Backings mitreißt und gut als zukünftige Bandhymne durchgehen dürfte. Eine Art Bandstatement? "Ja, das kann man durchaus so sehen.", stimmt Christoph zu. "Man kann das als 'hier sind wir' interpretieren. Zumal der Song schon auch einfach wichtig ist für das Album, weil er gleich mitreißt. Daher haben wir ihn jetzt auch zusammen mit dem Opener 'Masquerade' vorab als digitale Single veröffentlicht." Ein dazugehöriges Video gibt es allerdings nicht, denn dafür wurde 'Sleeping God' ausgewählt. Glücklicherweise ist es kein typisches Video, in dem die Band den Song in einer Halle performt. "'Sleeping God' hat sich für ein Video einfach besser geeignet. Der Song springt ein gleich an und es ist ganz klar, worum es geht.", beginnt Christoph und Thomas ergänzt: "Das ist vielleicht das einzige Lied, wo an der Gitarre mehr passiert als am Schlagzeug." Die Idee kein Performance-Video zu machen, kam von der Band selbst, die auch den Kontakt zu den Produzenten herstellten. "Ja, der Sebastian (Wagner, b. - PK) kennt die Kadimann-Brüder, die sonst eher so Dokumentationen machen und ingesamt sehr künstlerisch arbeiten. Und die fanden die Idee ein Musikvideo zu machen sehr reizvoll. Wir haben ihnen dann den Song geschickt mit der Vorgabe, eben kein Performance-Video zu machen. Und im Grunde haben wir sie dann einfach machen lassen.", erzählt Christoph. "Unsere Promoter waren erst etwas skeptisch und fragten, warum wir uns so etwas antun wollen, aber nach zwei Tagen hieß es dann, dass wir das doch machen sollten." Das Ergebnis könnt ihr hier bewundern.

Die im Mai bereits diskutierte Suche nach einem Label hat auch zum Erfolg geführt. SPV/Long Branch haben das Rennen gemacht. "Ja, am Ende haben sie einfach das beste Angebot gemacht.", erzählt Christoph. "Und sie haben auch einfach verstanden, was und wohin wir wollen. Da merkt man, dass da auch selbst Musiker sitzen, die in Bands spielen, die eine ähnliche Größe haben wie wir selbst. Da erfährt man einfach mehr Wertschätzung als bei einem größeren Label. Zudem haben wir alle Freiheiten behalten. Egal, ob es um das Video oder das Artwork ging, da hatten wir völlig freie Hand. Das war uns natürlich auch sehr wichtig." Und Thomas ergänzt: "Wir haben neulich auch das ganze Team mal getroffen und es war einfach ein gutes Gefühl zu sehen, dass da ein kompetentes Team dahintersteht, das unsere Vorstellungen teilt."


Und auch wenn diese Worte ein wenig widerspiegeln, dass sich die Band etwas vorgenommen hat, sind die näheren Ziele schon noch bescheiden. "In erster Linie wollen wir natürlich, dass mehr Menschen auf THE INTERSPHERE aufmerksam werden. So würden wir gerne mal in UK touren, werden natürlich hier in Deutschland eine Tour spielen und so einfach den nächsten kleinen Schritt machen." Und livehaftig weiß das Quartett einen sehr nachhaltigen Eindruck zu machen. Erleben könnt ihr das auf der kurzen Record-Release-Tour, die noch wenigen Tage läuft, bevor es im April/Mai dann auf Deutschland-Tour geht. "Genau, die offizielle Record-Release-Party findet im Colos-Saal in meiner alten Heimat Aschaffenburg statt, die Pläne für April/Mai gedeihen gerade, aber druckreif ist davon noch nichts.", erzählt Christoph. Wann immer die Jungs in eurer Nähe sind: Geht hin! Es lohnt sich.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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