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THE PINEAPPLE THIEF: Interview mit Bruce Soord

25.06.2010 | 07:50

THE PINEAPPLE THIEF veröffentlichen seit Jahren erstklassige Alben irgendwo zwischen Pop, Rock und Prog. Wir sprachen mit Bandkopf Bruce Soord, der sich als wordgewandter und angenehmer Gesprächspartner erwies.

In einem bärenstarken Monat landeten THE PINEAPPLE THIEF mit "Someone Here Is Missing" auf einem beachtlichen 15. Rang. Doch auch außerhalb von POWERMETAL.de waren die Reaktionen mehr als positiv, wie Bruce zu erzählen weiß. "Ja, die Reaktionen auf "Someone Here Is Missing" sind wirklich toll und haben uns noch mal richtig gepusht. Natürlich gab es auch ein paar nicht ganz so glückliche Reaktionen, weil wir uns von der progressiven Melancholie etwas gelöst haben und ich hasse es, Fans zu verlieren, aber ich muss die Band nun mal so entwickeln, wie es sich für mich gut und richtig anfühlt." Dazu gehören auch die deutlich sparsamer instrumentierten Songs wie 'Barely Breathing' oder die elektronischen Parts im Opener. "Ja, da hast du völlig Recht. Die Essenz meines Songwritings hat sich seit den Anfangstagen schon merklich geändert. Damals habe ich die Songs noch ganz allein für mich im Studio geschrieben und hatte die Live-Situation noch nicht im Hinterkopf. Da gab es dann mehrere Ebenen mit Streichern, Synthies etc., was die Songs kaum mehr umsetzbar machte. Jetzt, wo wir auf Tour gehen, habe ich realisiert wie wichtig es ist, dass ein Song auch auf der Bühne funktionieren muss. Die Essenz eines Songs ist heute also, dass der Song auch vollkommen reduziert noch funktionieren muss. 'Barely Breathing' ist da ein gutes Beispiel, wo ich für diesen Song doch nur meine Gitarre und meine Stimme brauche. Doch auch alle anderen Songs des Albums sollten so funktionieren."

Der Höhepunkt ist sicherlich das etwas epischere 'So We Row'. Ein Song auf den auch Bruce stolz ist. "Was ich an dem Song so mag, ist, dass er mit einem ganz simplen 7/8-Riff startet und dann diese komplette Kehrtwendung mit dem beinahe fröhlichen 4/4-Vers macht, bevor wieder in das simple Riff vom Beginn zurückkehrt. Das alles reflektiert auch, worum es in dem Song geht: Lebe dein Leben, sei glücklich, vielleicht mal ein bisschen ängstlich, aber umgebe dich mit den Leuten, die du liebst bis du deinen Platz findest. Hier in London gibt es eine Werbung, die viel Wirbel verursacht hat, mit einem Zitat des Humanisten Richard Dawkings: "Es gibt vielleicht keinen Gott, also hör' auf dir Sorgen zu machen und genieße dein Leben." Das wäre auch ein guter Titel für diesen Song gewesen."


Die Lyrics basieren generell auf persönlichen Erfahrungen. "Ja, ich muss gestehen, dass viele Texte sich auf meine Beziehungen zu Menschen beziehen. Ich denke, dass dadurch die ehrlichsten Emotionen und echte Leidenschaft erreicht wird. Musikalisch lasse ich mich von allem inspirieren, was einen Sound hat. Mir egal, was das ist." Dass man THE PINEAPPLE THIEF häufig mit Bands wie COLDPLAY, ANATHEMA oder PORCUPINE TREE vergleicht und ihnen den Stempel Neo-Prog oder Post Rock aufdrückt, ist allerdings maximal für eine grobe Kategorisierung zulässig. Wirklich viel gemein mit diesen Bands haben die Briten eigentlich nicht. "Ich bin so froh, dass du das sagst. Neo-Prog sind wir sowieso nicht, da das für mich Bands wie MARILLION, PENDRAGON oder SPOCK'S BEARD beinhaltet. Das sind tolle Bands, aber davon sind wir doch weit entfernt. Und wir werden auch häufig mit den Bands verglichen, die du genannt hast, aber das liegt für mich an der Faulheit der Journalisten. Klar, wir sind näher an PORCUPINE TREE als an Celine Dion und meine Stimme ist näher an Chris Martin (COLDPLAY) als an Elvis, aber das bedeutet ja nicht, dass wir versuchen wie diese Bands zu klingen oder sie zu kopieren. Ich muss zugeben, dass es mich schon etwas stört, wenn ich solche Vergleiche lese." gibt Bruce zu Protokoll.

Das ausgefallene Cover trägt ebenfalls seinen Teil zum Gelingen des Albums bei. "Ich muss zugeben, dass ich unbedingt wollte, dass Storm unser Cover designt. Es ist ein tolles Cover und es wurde mir sogar erlaubt, für das Cover zu posieren, was bei Storm sehr selten vorkommt. Das Konzept, dass ich mit Post-its mit Teilen der Lyrics zugepflastert bin, soll Vergebung und Verlust symbolisieren. Themen, die in den Lyrics sehr oft zur Sprache kommen. Und die Person, die vermisst wird, bin entweder ich selbst, andere Personen oder Zeit, die ich verloren haben. Und die Notizen sollen daran erinnern, dass man seine Zeit genießen und so viel wie möglich aus der wenigen Zeit, die wir haben, machen soll." Dazu gehört auch, sich THE PINEAPPLE THIEF auf deutschen Bühnen anzusehen. "Ja, wir spielen im Oktober fünf Shows bei euch in Aschaffenburg, Karlsruhe, Essen, Hamburg und Berlin. Außerdem werden wir im Juli beim "Eier mit Speck"-Festival zu sehen sein." Freunde von Anspruch und Melancholie sollten da sein.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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