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THRESHOLD: Im Rückspiegel, Part II - "Extinct Instinct", "Clone" & "Hypothetical"

08.10.2012 | 20:10

Nachdem wir uns im ersten Teil des THRESHOLD-Rückspiegels auf die Anfangstage der Band und die ersten beiden Alben konzentriert haben, befassen wir uns im zweiten Teil mit den Werken "Extinct Instinct", "Clone" und "Hypothetical".

"Extinct Instinct"


Für den Verfasser dieser Zeilen ist "Extinct Instinct" vielleicht das am wenigsten großartige Album der Band, aber das sehen viele Menschen auch anders. Damian Wilson kehrte dafür zurück zur Band, nachdem Glynn Morgan ausgestiegen war, um sich seiner Band MINDFEED zu widmen.

Karl Groom erinnert sich zurück: "Ich denke, dass "Extinct Instinct" unser anspruchsvollstes Album ist und deshalb nicht ganz so leicht und schnell ins Ohr geht, wie die meisten anderen Scheiben von uns. Wir waren alle glücklich darüber, dass Damian von seinem Versuch mit einer anderen Band etwas zu reißen, wieder zurückgekehrt ist. Ich kann mich gar nicht mehr an den Namen dieser Band erinnern, aber das Album wurde auch nie veröffentlicht, und das hat uns einen echten Kick gegeben. Das Album hat dann mit 'Parts Of The Chaos', das wir erst neulich wieder live gespielt haben, oder 'Exposed' auch einige meiner Favoriten dabei. Ich denke, "Extinct Instinct" war sehr individuell und klingt schon deutlich anders, als der Rest unserer Alben. Ich meine, unsere ersten vier Alben klangen alle natürlich schon dadurch etwas unterschiedlich, da ja jedes Mal ein anderer Sänger zu hören war, aber von "Clone" an, waren die Unterschiede dann vielleicht etwas kleiner. Und auch wenn hier alle Zutaten zu hören sind, die THRESHOLD ausmachen, ist es wohl das Werk, das vom typischen THRESHOLD-Sound am Weitesten entfernt ist." Da gibt es keinen Einspruch.

Überhaupt war die Veränderung die größte Konstante in den ersten Jahren von THRESHOLD. Alles hat sich stets geändert: der Sänger, das Logo, der Drummer. "Hahaha, ja, da hast du recht. Es hat sich wirklich immer viel geändert, aber eines ist eben auch immer gleich geblieben und das war die Art, wie wir Songs geschrieben haben. Zu der Zeit von "Extinct Instinct" dachte ich noch, das läge an Nick, Jon und mir, weil wir nun einmal die Hauptsongwriter waren, aber auch nachdem erst Jon und später auch Nick ausgestiegen sind, hatten wir immer noch den typischen THRESHOLD-Sound und ich glaube mittlerweile fast, dass dies auch immer noch so wäre, wenn ich einmal aussteigen sollte.", philosophiert Karl.

An die anschließende Tour mit ENCHANT erinnert sich Karl mit gemischten Gefühlen zurück: "Nun, du hast es ja neulich schon selbst angesprochen, dass dir der Gig auf der Tour nicht so gut gefallen hat, weil es etwas statisch war und das haben wir natürlich auch so gesehen. Damian hat zwar hervorragend gesungen und jeden Ton getroffen, konnte aber keine Verbindung mit dem Publikum aufbauen, weil er dafür noch zu unsicher war. Dennoch waren wir nicht unzufrieden mit ihm, weil wir ja wussten, dass ihm nur die Erfahrung fehlt, und hätten auch mit ihm weitergemacht und daran gearbeitet." Es sollte anders kommen, womit wir eine smarte Überleitung zum nächsten Werk geschaffen haben.


"Clone"


Auch "Clone" hat einen besonderen Platz in der Historie von THRESHOLD, da hier Andrew "Mac" McDermott seinen Einstand gab. Richard übernimmt wieder: "Wir waren bereits mitten in den Vorbereitungen zum neuen Album, als Damian das Angebot bekam, eine Hauptrolle bei "Les Miserables" zu übernehmen. Damit das zeitlich alles klappte, musste er uns quasi sofort verlassen. Er bat uns, mit den Aufnahmen zu warten, aber das konnten wir uns nicht erlauben, denn das hätte mehr als zwei Jahre Pause bedeutet. Ein Bekannter von InsideOut hat uns dann Andrew vorgeschlagen, für ihn einen Flug gebucht und ihn zu uns ins Studio geschickt. Wir hatten also überhaupt keine Ahnung, was da auf uns zukommt, aber er hat dann im Studio einen fantastischen Job abgeliefert. Seine Stimme passte perfekt zu der bewusst gewählten, etwas härteren Ausrichtung mit Songs wie 'Freaks' oder 'Angels'."

Doch mit Mac gab es auch Schattenseiten, wie Richard unumwunden zugibt. "Mac war ein sehr netter Kerl und ein fantastischer Sänger, aber auf Tour wussten wir nie, was geschehen würde. Er hat ziemlich viel getrunken und darunter haben natürlich auch manche Shows gelitten. Und so war die Tour dann auch zur Hälfte brillant und zur Hälfte eher miserabel." erzählt Richard. Der Gig 1998 in der Essener Zeche Carl war wohl einer der Guten. Mac sprang wie ein Derwisch über die Bühne und passte zwar optisch mit Tarnhose und weißem T-Shirt überhaupt nicht zum Rest (der allerdings auch eher uneinheitlich gekleidet war), brachte aber eine unglaubliche Energie in die Band und sang grandios. "Ja, ich kann mich an den Gig erinnern und er war wirklich gut. Und wir haben auf der Tour auch gemerkt, dass es mit den Klamotten etwas aus dem Ruder lief und uns darauf verständigt, in Zukunft etwas einheitlicher aufzutreten. Dennoch war die Zeit mit Mac schon etwas bittersüß. Wir kannten ihn ja überhaupt nicht und mussten uns immer auf alles gefasst machen, was manchmal wirklich anstrengend war.", erzählt Richard.

Vor dem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass Mac anschließend beinahe 10 Jahre bei THRESHOLD war und fünf Alben einsang. "Uns war natürlich klar, dass wir bereits das vierte Album mit einem unterschiedlichen Sänger aufgenommen hatten und wir wollten vermeiden, dass wir wie ein Kollektiv wirkten. Uns war es immer wichtig, eine Band zu sein, die im besten Fall gar keine Line-up-Wechsel hat. Keiner der Wechsel, die bis dahin stattfanden, war von uns gewollt. Karl hat nie jemanden gefeuert, es waren immer andere Umstände, die dazu geführt haben, dass uns ein Mitglied verlassen hat. Und bei Mac haben wir einfach sein Potenzial gesehen, sowohl auf der Bühne als auch auf im Studio und wir haben gehofft, dass sich die Situation verbessern würde. Doch es blieb ein ständiges Auf und Ab, sodass wir uns irgendwann fast nicht mehr auf Tour gewagt haben. Doch immer dann hat uns Mac total überrascht und ganz tolle Shows abgeliefert."

Dass "Clone" nicht einen ganz so hervorragenden Ruf genießt, wie viele andere der Alben der Band erstaunt Richard auch heute noch. "Ich finde, auf "Clone" sind einige wirklich hervorragende Nummern, die aber immer etwas untergehen. Klar, zu einem Song wie 'Sunrise On Mars' habe ich eine sehr besondere Beziehung, da ich ihn ja einige Jahr mit mir herumtrug und ihn schon auf "Psychedelicatessen" einbringen wollte, aber auch 'Voyager II' finde ich ganz hervorragend und ist sicher einer unserer besten Longtracks. Da haben Nick und Karl fantastische Arbeit geleistet. Und auch die härteren Nummern wie 'Angels' oder 'Freaks' spielen wir immer noch gerne live.", erzählt Richard. Dass 'Sunrise On Mars' ähnlich ungewöhnlich klingt wie einst 'Space-Dye Vest' auf DREAM THEATERs "Awake" empfindet Richard als nicht ganz zulässigen Vergleich. "Ich verstehe, was du meinst, da beide Songs schon eine Sonderstellung auf dem jeweiligen Album hat und beide sehr atmosphärisch sind, aber als ich damals "Awake" hörte, dachte ich bei dem Song schon, dass Kevin Moore (damaliger DREAM THEATER-Keyboarder - PK) lieber etwas Anderes machen würde, was sich dann ja auch bald bestätigte, denn der Song war ja so etwas wie die Grundlage für CHROMA KEY. Ich hoffe, das Gefühl kam bei 'Sunrise On Mars' nie auf.", lacht Richard.


"Hypothetical"


Das zweite Album mit Andrew "Mac" McDermott am Mikro, "Hypothetical", ist wieder ein absoluter Klassiker aus dem Fundus von THRESHOLD und hat mit 'The Ravages Of Time' einen der All-Time-Favoriten des Autors in seinen Reihen.

"Danke, das freut mich zu hören. Ich denke auch, dass 'The Ravages Of Time' einer unserer besten Songs überhaupt ist. Er fließt so hervorragend und jeder Wechsel passt hervorragend. Ich bin immer noch sehr, sehr stolz auf den Song.", erzählt Karl. Mit "Hypothetical" war man dann auch (endlich) bei InsideOut gelandet, was für Karl immer noch ein Quantensprung ist. "Ja, "Hypothetical" war ein kleiner Durchbruch für uns. Giant Electric Pea war ja ein wirklich kleines Label, im Grunde nur ein Ein-Mann-Betrieb und da war natürlich nicht viel möglich in Sachen Promotion oder Touring. Mit InsideOut hatten wir da viel mehr Power im Rücken und konnten dann auch endlich mal vernünftig auf Tour gehen. Zudem hat "Hypothetical" meiner Meinung auch das beste Coverartwork. Es lief einfach gut. Die Songs sind stark, wir hatten es endlich geschafft zwei Alben in Folge mit dem gleichen Sänger einzuspielen und so ist es für uns natürlich ein sehr wichtiges Album geworden."

Die Ansicht, dass mit 'Keep My Head' hier aber auch einer der seltenen eher schwachen Songs zu finden ist, kann Karl zumindest verstehen. "Ich könnte ja jetzt die Schuld auf Richard schieben, weil er den Song geschrieben hat, aber er wird dir dann erzählen, dass ich ihn überzeugt habe, den Song aufs Album zu packen.", lacht Karl. "Ich finde, er wirkt ähnlich wie 'Keep It With Mine' auf "Wounded Land" und sorgt für eine gewisse Dynamik und hält so das Album zusammen. Aber du bist wahrlich nicht der Einzige, der den Song nicht sonderlich mag oder als unpassend für THRESHOLD empfindet und das kann ich schon gut verstehen."


Die Tour zusammen mit den norwegischen Proggies von ARK besuchte der Autor dieser Zeilen gleich drei Mal und erlebte dabei auch einen nicht ganz so brillanten Tag von Mac. "Wir wussten, wie es werden könnte, und haben immer versucht, das Beste an dem Abend zu bieten. Bei der Tour hatte Mac es aber schon raus bei schwachen Gigs einfach das Publikum stärker einzubeziehen und so seine Schwächen zu überspielen. Dennoch war die Tour viel besser als die zu "Clone" und hat uns durchaus vorangebracht."

Eine Anekdote dazu möchte euch Karl außerdem nicht vorenthalten: "Es war der 11. September 2001, ein Tag, an den sich wohl jeder erinnert und an dem bei uns wirklich alles schiefzugehen schien. Der Drummer unserer Vorband ARK, John Macaluso, konnte sein Haus in all den Berichten aus New York sehen und wusste nicht, ob sein Heim noch stehen würde, wenn er wieder zu Hause ist. Wir waren natürlich alle sehr niedergeschlagen und besorgt. Wir haben den Gig dann aber tatsächlich gespielt, auch weil Richards Schwiegereltern eingeflogen waren, um uns zu sehen. Es waren so 150 Leute dort und es war ein sehr merkwürdiger Gig, der eine ganz eigenartige Atmosphäre hatte. Und immer, wenn man denkt, dass ein Tag nicht noch schlimmer werden kann, gibt es natürlich noch mehr Probleme. So hatte der Busfahrer vergessen, das Licht im Bus auszuschalten und die Batterien waren leer. So mussten die Bands und die gesamte Crew also einen Doppeldeckerbus irgendwo in Tschechien anschieben, um ihn wieder in Gang zu bekommen. Später in der Nacht hat er es dann noch geschafft so über den Straßenrand zu fahren, dass wir mit zwei Reifen in der Luft und über einem Abgrund hingen und nicht mehr vor oder zurück konnten. Es war fünf Uhr morgens und wir sind alle davon wach geworden, dass der Bus so gewackelt hat. Das war sehr, sehr gefährlich und wir konnten froh sein, dass ein Lkw-Fahrer uns dann aus dem Schlamassel gezogen hat. Das war wirklich der schlimmste Busfahrer, den wir je hatten.", lacht Karl.

Abgestürzt sind die sympathischen Briten glücklicherweise nicht und konnten in der Folgezeit ihrer Diskographie noch einige Höhepunkte hinzufügen. Mehr dazu dann im dritten Teil unseres Rückspiegels, wo wir mit Karl und Richard über "Critical Mass", "Subsurface" und "Dead Reckoning" sprechen und wir auch noch einmal über Macs Ausstieg sprechen.

Der dritte Teil wird Anfang November bei POWERMETAL.de online sein.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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