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THRESHOLD: Interview mit Karl Groom

26.08.2012 | 22:56

THRESHOLDs neues Album "March Of Progress" wird nicht nur bei POWERMETAL.de mit Lob überschüttet, was sich hoffentlich auch einmal für die Band auszahlt. Nachdem im ersten Teil des Interviews Keyboarder Richard West zu Wort gekommen ist, sprechen wir nun mit Bandgründer/Songwriter/Gitarrist Karl Groom.

Wir eröffnen das Gespräch mit Karl ähnlich wie zuvor den Chat mit Richard, denn gute Nachrichten sollen natürlich persönlich überbracht werden. "Bestes Rating ever?", staunt Karl, "Das ist natürlich sehr erfreulich, denn wir alle sind sehr gespannt darauf, wie das neue Album aufgenommen wird." Während Richard uns erzählt hat, dass ich durch Damians Einstieg das Songwriting für ihn verändert hat, ist dies für Karl nicht der Fall. "Ich schreibe Songs immer, ohne einen Sänger dafür im Kopf zu haben. Bei mir geht es eher um die Riffs und das Grundgerüst eines Songs. Und dann erst kommen die Gesangsmelodien. Aber mir war natürlich klar, dass wir mit Damian wieder ein wenig anders klingen würden. Das liegt natürlich zum Einen daran, dass Damian nicht so rau und kräftig wie Mac (Andrew McDermott, von 1998 - 2007 Sänger bei THRESHOLD - PK) klingt und zum Anderen daran, dass er auch eine andere Arbeitsweise als Mac hat.", erläutert Karl und ergänzt: "Während Mac im Grunde die Demos, die wir aufgenommen haben, kopiert hat und diese einfach durch seine spezielle Stimme zum Leben erweckt hat, weicht Damian von unseren Vorgaben immer ein wenig ab und singt noch eine Melodie an Stellen, wo wir sie nicht erwartet haben. Und fast jede dieser Veränderungen ist gut und wir lassen es dann so, wie er es vorschlägt. Zudem hat Damian mit 'That's Why We Came' dieses Mal auch einen eigenen Song geschrieben, der sich auch ein bisschen von den restlichen Songs unterscheidet."

Wieder einmal eine eher balladeske Nummer, wie es sie früher schon gegeben hat und die meist nicht aus der Hand Karls stammt. "Hahaha, stimmt. Das ist mir noch nie so aufgefallen, aber 'Innocent' auf "Psychedelicatessen" war von Glynn, danach die Balladen fast immer von Richard, nur bei 'The Destruction Of Words' hatte ich meine Finger im Spiel und das ist so balladesk auch nicht." Dass auf "March Of Progress" die Balance zwischen Melodie und Härte besser denn je gelingt, ist für Karl auch keine große Überraschung: "Ich dachte schon, als wir das Album geschrieben haben, dass es wahrscheinlich irgendwie wie eine Mischung aus "Extinct Instinct" (die letzte Scheibe mit Damian aus dem Jahr 1997 - PK) und dem Vorgänger "Dead Reckoning" klingen würde. Ich finde, die Songs sind insgesamt eine Spur progressiver als zuletzt und nicht mehr so direkt wie es bei "Dead Reckoning" der Fall war, wo wir uns dachten, dass wir bei diesem Label vielleicht auch ein etwas härteres Album aufnehmen sollten. Wie dem auch sei, ich denke, dass man THRESHOLD immer sofort erkennt, ganz unabhängig, wer gerade in der Band ist. Selbst jetzt, wo Jon Jeary (Bassist, Songwriter, Gründungsmitglied) und Nick Midson (Gitarrist, Songwriter, Gründungsmitglied) nicht mehr dabei sind, klingt immer noch alles nach THRESHOLD und ich glaube, das wäre auch immer noch der Fall, wenn irgendwann Richard oder ich selbst nicht mehr dabei wären. Und das ist auch etwas, was ich sehr an unserer Band schätze. Wir haben einen eigenen Sound geschaffen, den man sofort erkennen kann. Das ist auch, was ich von meinen Lieblingsbands immer wollte. Sie sollten sich zwar in einem gewissen Rahmen verändern, aber nie so sehr, dass man denkt, es ist eine komplett andere Band. Im Grunde wollte ich diese Band mit neuen Songs hören. Und das ist genau, was wir auch mit THRESHOLD versuchen zu erreichen." Eine löbliche Einstellung, die dazu geführt hat, dass die Band noch nie ein auch nur annähernd schwaches Album veröffentlicht hat.


Dabei ist auch beachtenswert, dass die Band bisher immer auf einen externen Produzenten verzichtet hat und ihre Alben selbst aufgenommen hat. Dass "March Of Progress" deutlich besser klingt als "Wounded Land" ist dabei wohl logisch. "Ich wäre traurig, wenn es nicht so wäre.", lacht Karl. "Wir hatten für "Wounded Land" ein 1.000-Pfund Budget und haben es in einem Wohnzimmer auf einer 8-Track-Maschine aufgenommen, von der ein Track kaputt war, sodass es eigentlich eine 7-Track-Maschine war. Zudem war es meine erste oder zweite Produktion, die ich überhaupt je gemacht habe. Unter diesen Umständen bin ich auch heute mit dem Sound eigentlich ziemlich zufrieden, aber natürlich haben Richard und ich uns immer gefragt, was wir beim nächsten Album besser machen können. Ab "Clone" (das vierte Album aus 1998 - PK) hatte ich dann ein vernünftig eingerichtetes Studio und ab da wurde dann auch die Produktion der Alben deutlich besser. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team und versuchen nur noch Nuancen zu verändern, die dem jeweiligen Charakter des Albums besser einfangen. Ich denke, das ist uns zuvor noch nie so gut gelungen wie "March Of Progress"." Da kann er keinen Widerspruch erwarten.

Einen externen Produzenten zu benutzen, kommt Karl daher auch gar nicht mehr in den Sinn. "Wir haben ein paar Mal darüber nachgedacht, aber immer wenn wir darüber nachgedacht haben, hatten wir kein Budget dafür.", lacht Karl und ergänzt: "Ich mus ehrlich sagen, dass ich gar nicht so viele Produzenten kenne und bei denen, die ich kenne, ist es so, dass sie mir zu sehr ihren Sound den Bands aufdrücken. Da verstehe ich aber auch die Bands nicht, die sich solche Produzenten holen und sich damit ihren Signature-Sound wegnehmen lassen. Ich weiß, dass es gerade im Metal einige Bands gibt, die immer nach dem Produzenten klingen und es scheint für sich auch zu funktionieren, aber für mich selbst kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Wir hatten als Band immer eine klare Vorstellung davon, wie wir klingen wollen und da habe ich dann auch gerne alles selbst in der Hand und stelle sicher, dass es am Ende so klingt, wie wir es wollen."


Genau so geht Karl auch bei den Alben vor, die er selbst für andere Bands produziert: "Ja, ich finde das einfach so unglaublich wichtig, dass die Band ihr eigenes Gesicht nicht verliert, dass ich da auch überhaupt nicht dominant bin. Ich versuche immer, das Album dann so aufzunehmen, dass es zur Band passt und nicht so, dass es nach THRESHOLD klingt. Wäre ja auch komisch, wenn ARENA oder DRAGONFORCE auf einmal wie THRESHOLD klingen würden. Aber es gibt natürlich Bands, die auf mich zukommen und sagen, dass sie eine meiner Arbeiten gehört haben und so einen Sound haben wollen und dann nehme ich das auch als generelle Ausrichtung, aber selbst da versuche ich immer, dass die Band ihr Gesicht wahrt." Na ja, wer will schon wie DRAGONFORCE klingen?! "Hahaha, ja, die Jungs sind schon sehr speziell. Ich kann absolut verstehen, warum man die Band nicht mag, weil es schon arg over-the-top ist, was sie machen, aber immerhin haben sie etwas wirklich Neues im heutigen, sogenannten Power Metal erschaffen und das finde ich aller Ehren wert, denn gerade in diesem Genre finde ich, dass die Bands sich alle sehr, sehr ähnlich sind und da so anders zu sein, ist bemerkenswert. Aber sie sind natürlich absolut eine Band, die polarisiert, kein Zweifel. Vor allem an einem Montag morgen kann das schon einmal sehr, sehr anstrengend sein.", lacht Karl zum Abschluss.

Das war es für den Moment mit Richard West und Karl Groom, doch schon in zwei Wochen erscheinen die ersten Re-Releases von "Wounded Land" und "Psychedlicatessen", bevor im Oktober und November der Rest des Bandkatalogs bis einschließlich "Subsurface" sukzessive wiederveröffentlicht ist. Wir nutzten die Gelegenheit, um noch einmal mit Richard West und Karl Groom auf die Geschichte von THRESHOLD und die einzelnen Alben zurückzublicken. Diese Rückschau wird es in ebenfalls zwei Teilen im September exklusiv auf POWERMETAL.de geben. Stay tuned.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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