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THRESHOLD: Interview mit Richard West

03.09.2017 | 10:03

Es ist wieder an der Zeit. Die für mich beste Band der Welt veröffentlicht ein neues Album. Dieses Mal ist es aus dem Hause THRESHOLD sogar ein Doppelalbum mit Konzept und dem doch recht ungewöhnlichen Titel "Legends Of The Shires". Wir sprachen mit Keyboarder und Songwriter Richard West.

Wenn ich Richard erzähle, dass ich vor dem ersten Durchlauf extrem gespannt war und ein wenig die Befürchtung hatte, dass "Legends Of The Shires" ein sehr ungewöhnliches Album werden könnte, antwortet er sehr beruhigend: "Ich verstehe, warum du das gedacht hast, aber ich glaube nicht, dass wir uns jemals so stark verändern werden. Wir lieben es einfach THRESHOLD zu sein und die Musik zu spielen, die wir spielen. Ich denke sogar, dass "Legends Of The Shires" unser komplettestes Album geworden ist. Wenn du über alles nachdenkst, was THRESHOLD ausmacht, dann ist das alles auf dem Album vorhanden." Stimmt.

Natürlich müssen wir auch über den Split mit Damian Wilson sprechen. Die Reaktionen darauf fielen im Netz stellenweise sehr böse aus. "Bevor wir die Entscheidung publik gemacht haben, haben wir als Band darüber gesprochen, was passieren würde und uns war klar, dass es Kommentare pro Damian geben würde und dass es Fans geben würde, die damit nicht einverstanden sind und umter Umständen auch wirklich böse Kommentare schreiben würden. Und die gab es auch, aber ich habe auch sehr viele positive Kommentare gelesen von Fans, die sich freuen, dass Glynn zurückkehrt. Das Wichtigste aber ist für mich, dass wir die Gelegenheit hatten mit drei fantastischen Sängern zu arbeiten, die alle auch ihre eigene Note in den Sound der Band gebracht haben, aber letztendlich schreiben wir die Musik nicht wirklich mit einem bestimmten Sänger im Hinterkopf und so bleibt der THRESHOLD-Sound immer erhalten."

Kommentare, dass nur Damian Wilson der wahre THRESHOLD-Sänger sei, amüsieren Richard (und mich ehrlich gesagt auch) eher. "Na ja, wer das sagt, hat uns wahrscheinlich erst in den letzten zehn Jahren kennengelernt und wahrscheinlich auch ein paar unserer Platten verpasst. Immerhin gibt es mehr Platten ohne Damian als mit Damian am Mikro. Aber er ist und bleibt natürlich ein toller Frontmann und ich kann verstehen, wenn einige Fans ihn vermissen werden."

Es gibt natürlich auch die besonders klugen Fans, die bei Veröffentlichung des Tracks 'Lost In Translation' sofort behauptet haben, dass sie heraushören könnnen, dass die Melodien für Damian geschrieben wurden und nicht für Glynn. "Das sind möglicherweise die gleichen Fans, die denken, dass Damian der einzig wahre THRESHOLD-Sänger ist. Ich kann schon verstehen, warum sie das sagen, denn seit "Subsurface" (von 2004 - PK) schreibe ich die Gesangsmelodien und wenn man dann vor allem die letzten beiden Alben kennt, dann wirkt das natürlich so, als seien die Melodien in einem ähnlichen Stil. Und das stimmt natürlich auch, denn das ist einfach wie ich Melodien schreibe. Allerdings habe ich dabei nicht wirklich Damian, Mac oder Glynn im Hinterkopf, deshalb hat sich durch den Sängerwechsel am Album auch nichts geändert, bis auf ein paar kleine Details, wo Glynn einige Ideen eingebracht hat, wo Damian womöglich andere Ideen gehabt hätte", erklärt Richard.

Glynns Stimme hat sich in den 23 Jahren seit "Psychedelicatessen" nicht wirklich verändert, was dem Alt-Fan ein wohliges Gefühl beschert. "Ja, Glynn macht einen fantastischen Job und ich liebe es, ihn auf dem Album zu hören. Überhaupt liebe ich es das Album zu hören. Ich würde dieses Mal sogar so weit gehen zu sagen, dass es unser bestes Album bisher ist." Ein Statement, dass Richard nicht bei jedem Interview zu einem neuen Album tätigt. "Ja, das stimmt. Natürlich ist das neue Album immer frisch und aufregend, aber normalerweise vermeide ich es, das Werk in unserer Diskographie einzuordnen, weil ich einfach noch nicht die nötige Distanz dazu habe. Dieses Mal hatte ich allerdings von Beginn an das Gefühl, dass wir an etwas Besonderem arbeiten. Karl (Groom, Gitarrist & Songwriter) und ich hatten uns entschieden, wieder etwas progressiver zu werden und ab da öffneten sich die Schleusen und wir waren einfach unglaublich produktiv. Wir hatten so viel Spaß beim Aufnehmen und so viele Ideen, dass wir wohl noch einmal 80 Minuten Musik hätten schreiben können. Wir hatten einfach eine fantastische Zeit mit dem Album."

Dass "Legends Of The Shires" ein Konzeptalbum ist, ist nicht wirklich offensichtlich. Lediglich die drei 'The Shire'-Teile halten es musikalisch zusammen, textliche Anker gibt es nur sehr wenige. Tatsächlich könnte jeder Song auch für sich stehen. "Nun, das ganze Konzept ist relativ vage und springt einen nicht so sehr an. Ursprünglich sollten es auch eigentlich nur einzelne Geschichten werden über verschiedene Gegenden Englands bzw. eines Landes und erst mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass das Album die Geschichte und jeder Song ein Kapitel ist. Und du hast Recht, musikalisch sind es die drei 'The Shire'-Teile, die das Album zusammenhalten und als eine Art Erzähler fungieren. Textlich gibt es ein paar Passagen, die an andere angelehnt sind oder einmal sogar wiederholt werden. So kommt die Zeile 'and the wind blows' in 'Snowblind' und 'Lost In Translation' vor und 'Swallowed' beinhaltet eine Reprise von 'Stars And Satellites' mit verändertem Text. Es war uns aber auch wichtig, dass man trotz allem auch einzelne Songs hören könnte oder nur Disk 1 oder nur Disk 2, ohne dass gleich die ganze Atmosphäre verloren geht." Ein Unterfangen, das eindrucksvoll gelungen ist.

Die Tour startet im November und es dürfte interessant werden, welche Songs Glynn denn so zum Besten geben wird. "Ja, darüber zerbrechen wir uns auch schon den Kopf. Wir werden wohl 'Innocent' wieder im Set haben, denn das ist einfach ein fantastischer Song, den Glynn zudem ja auch geschrieben hat, außerdem gibt es ein paar Songs, die wir wohl spielen müssen wie 'Mission Profile', aber es wird auf jeden Fall Songs von allen drei Sängern geben, denn Glynn kann das natürlich auch alles singen. Zudem übernimmt er auch die zweite Gitarre, die vorher Pete Morten gespielt hat. Wir werden sehen, wie das funktioniert." Das ganze "Legends Of The Shires"-Album wird aber nicht gespielt. Zumindest noch nicht. "Ja, vielleicht machen wir wie bei "For The Journey" noch eine zweite Tour, wo wir dann das ganze Album spielen. Aber das ist bislang nur eine Idee und es ist noch nichts in der Richtung wirklich geplant." Würde auf jeden Fall locker funktionieren, denn die 83 Minuten sind durchgehend auf allerhöchstem Niveau. Fans dürfen sich auf ein einmal mehr absolut exzellentes Werk freuen.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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