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TOTAL KONFUS: Interview mit Leo

01.01.1970 | 01:00

Während der von TOTAL KONFUS selbst organisierten Räubertage, einem Punkfest in der Nähe von Meissen, im August, stellten sie auch gleich erstmalig ihr zweites Album - "Unverhoffter Realitätsverlust" - vor, welches kurz darauf für jeden käuflich erwerbbar wurde.
Aus diesem Anlass nahm ich mir mal Leo, seines Zeichens Sänger und Gitarrist bei TOTAL KONFUS, zu einem klärenden Interview vor, wodurch einige interessante Informationen an das Tageslicht traten.

Martin Kloß:
Hi, wie geht's? Alles klar bei euch derzeit?

Leo:
Ja schon, wir haben uns seit dem neuen Album vorgenommen, weniger zu proben, dafür aber mehr Gigs zu liefern.

Martin Kloß:
Demnach steht das Songwriting für euch derzeit erstmal im Hintergrund, oder?

Leo:
Hm.. das ist so verschieden wie das Wetter ...das heißt, du kannst das nicht beeinflussen - es kommt aus einer ganz bestimmten Situation heraus und diese kann man nicht erzwingen. Macht man es doch, sind die Texte sinnlos, bzw. nicht ehrlich. Zur Zeit habe ich ein totales Texte-Defizit, dafür aber die totale Erleuchtung hinsichtlich der Musik ..so is das eben.

Martin Kloß:
Zurückblickend zu euren Anfängen - wie kam es denn eigentlich zu dem Bandnamen Total Konfus?

Leo:
Hu hu, das ist 'ne Story. Also am Anfang hießen wir ja VERBOTENE ZENSIERUNG, die Idee kam nach unserem ersten Lied 'Bootsmann', wahrscheinlich dachten wir, unsere texte bleiben so krank. Naja, der Name war jedenfalls geil, so doppelt schlimm irgendwie. Doch das war es dann doch nicht und wir wurden noch vor unserem ersten Gig PANIKBELEUCHTUNG. Auch ne Story: Das hängt mit dem Kulturhaus Munzig zusammen, wo ein kleiner Schalter in die Wand eingelassen war, worauf stand "PANIKBELEUCHTUNG", "Bei Gefahr Scheibe einschlagen und Knopf drücken". Das war ja auch voll nach unserem Geschmack irgendwie. Wenn Gefahr ist, dann mach noch richtig Panik mit der PANIKBELEUCHTUNG. Und zu TOTAL KONFUS gibt es eher wenig zu sagen. Das war die Idee von Benni's (unser Trommler) Mutter, die meinte, nachdem sie uns 2 Wochen ertragen musste, da wir auf Benni's Heuboden geprobt hatten: Der ideale Name für euch wäre TOTAL KONFUS und so war es dann auch.

Martin Kloß:
Und kannst du mir kurz zu jedem Bandmitglied von Total Konfus ein paar Worte sagen?

Leo:
Geht los: Zuerst Thomson (Thomas) - Er ist der Bassist, soviel ich weiss, er kann prima Bass spielen, ist immer unterfordert und wollte nie bei uns spielen (sein Spruch: Im Winter bin ich weg. Aber ich glaube, langsam gefällt es ihm doch ganz gut und er ist echt ein prima Typ!

Willi spielt Gitarre, its der einzige Musikschüler der Combo, der einzig mobile und jüngste *g*. Ja, Willi kann saugeil Gitarre spielen und ist auch sonst jemand, der echt immer gute Laune verbreitet (was sehr wichtig ist).

Benni ist der, der sich am meisten für die Band einsetzt, fast alles organiesiert und einen Haufen Kohle in die Gruppe steckt, ansonsten ein begnadeter Trommler, auf den wir alle mächtig stolz sind.

Und ich schreib die Texte und die meisten Riffs und hab ein paar Ideen für Platten-Cover, Plakate und so weiter, das Künstlerische so eher.

Martin Kloß:
Welche hauptsächlichen Veränderungen fanden bei euch von eurem ersten Album, "König der Landstrasse", zu dessen Nachfolger, "Unverhoffter Realitätsverlust", statt?

Leo:
Uff. Naja, hör es dir an. Ne, also ich weiß nicht - technisch gesehen (vom Spielerischen), würde ich sagen, sicherer geworden, auch auf der Bühne irgendwie, und etwas besser, aber nicht viel. Ja, so macht auch die Aufnahme viel aus. Das erste Album haben wir ja mit zwei Mikros aufgenommen, das zweite dann richtig mit Mischpult. Sonst noch die CD an sich, Druck und so - ich denke, man sieht im Ganzen doch schon eine kleine Steigerung, kein Rückschritt.

Martin Kloß:
Was führte dazu, dass der Veröffentlichungstermin eures zweiten Albums auf April festgesetzt wurde und es am Ende doch erst im August, also vier Monate später, herauskam?

Leo:
Ha ha. FAULHEIT. Faulheit, die mehr stinkt als alte Eier. Naja, und wir hatten alle mächtig viel um die Ohren, Schule und so. Da ist kaum Zeit. Zudem kam auch nicht genug Planung, wo wir wieder bei total konfus wären.

Martin Kloß:
Kannst du mir etwas darüber sagen, wie man sich euer Studio und eure Albumproduktion vorstellen muss?

Leo:
Naja, ein total unordentlicher Proberaum mit ungewöhnlich vielen Kabeln drin, einem digitalen Mischpult, viel Bier, Essensreste, schwitzende Männerkörper, oben ohne - ja ja, war schon lustig, und anstrengend, also am Ende hatte ich echt keine Böcke mehr!

Martin Kloß:
Seid ihr mit den bisherigen Kritiken zu eurem Album zufrieden?

Leo:
Naja, von Kritik hören wir eher wenig, aber die, die es gab, war schon ok. Das freut einen irgendwo schon.

Martin Kloß:
Welche Songs von "Unverhoffter Realitätsverlust" gefallen euch persönlich am besten und warum?

Leo:
Uh uh. Irgendwo alle, weil ein Haufen Arbeit drinsteckt auch. Das ist nicht wie bei einer Platte, die man sich kauft und sagt: Die Songs sind okay und die nicht so. Du machst sie ja alle selber, deswegen sind sie auch alle okay. Natürlich muss man immer Kompromisse eingehen, aber es ist wichtig, auf einen Nenner zu kommen, damit sich die Band als Einheit versteht, nicht aus ein paar Typen, die Musik machen. Ich muss sagen, die Songs finde ich alle ganz toll, und manchmal flippe ich auch bei dem einen oder anderen total aus, so irgendwie totale Extase. Ich glaube, dann ist das Lied richtig geil.

Martin Kloß:
Wie lang dauert bei euch ungefähr die Entstehung eines Songs?

Leo:
Meistens ist der Text das erste. Aus irgendeiner Situation heraus. Trauer, Freude, du kennst das. Ja, aus diesem Gefühl sind die besten Songs von uns entstanden, jedenfalls vom Text her. Außerdem finde ich, einen Text sollte man im Ganzen schreiben, erst dann ist er richtig geil. Meistens habe ich da auch Grundgedanken der Musik schon dabei, was halt zum Text passt. Und das zeige ich dann den anderen Jungs, die sich dann einbringen oder was ergänzen, es wächst sozusagen wie ein Baum oder so.

Martin Kloß:
Und wie lange brauch einer dieser Bäume von euch dann so ungefähr zum wachsen?

Leo:
Jahre oder Stunden, das kommt ganz drauf an. Es gibt Lieder, die haben wir jetzt schon wirklich ein Jahr oder so herumliegen und es passiert nichts, andere (z.B. 'Breakout') sind in einer Probe fertig und das muss nicht heißen, dass die nicht so gut sind.

Martin Kloß:
Für welchen Song auf eurem zweiten Album habt ihr am meisten Arbeit investiert?

Leo:
'Ausgebrannt' würde ich meinen, da er so schnell ist und trotzdem sauber gespielt werden muss, um gut zu klingen, den haben wir bestimmt 3, 4 Mal aufgenommen.

Martin Kloß:
Wieso hat euer vierter Bonustrack auf dem Album eigentlich keinen Titel?

Leo:
Hm, Fehler unserer Seite - er sollte eigentlich nicht anwählbar sein (so wie 'In Gotha' auf unserem letztem Album) aber naja, verschlampt. Desweiteren ist der Song (ein Coversong von SLIME) immer noch verboten, was das Thema, ihn zu veröffentlichen, sehr heikel macht, aber wer nicht kämpft...

Martin Kloß:
Hat demzufolge das Original von Slime einen Titel?

Leo:
Ja, aber er ist kaum noch zu haben, da er überall zensiert ist. (Ausnahme: SLIME live - "Große Freiheit '94". Da war der song auch drauf hinter anderen Songs, auch nicht anwählbar, genauso wie 'Deutschland muss sterben') Aber am Anfang war er ganz normal auf SLIME-Platten vertreten.

Martin Kloß:
Ja und wie heißt der Song jetzt?

Leo:
Aha, ganz entfallen, ich bin total von der Rolle! (so heißt er natürlich nicht) - Der Songtitel heißt 'Polizei SA SS'

Martin Kloß:
Wer ist eigentlich der realitätsverlorene, junge Mann auf eurem Albumcover?

Leo:
Uff. Das ist ein Obdachloser, dem ich meine Klamotten geborgt hab und als er weggelaufen ist, haben wir noch schnell ein Foto machen können, für die Polizei halt. Ne ne, das bin ich.

Martin Kloß:
Wurde das Bild planmäßig für das Albumcover geschossen oder entstand es mehr zufällig und wurde später zum Cover auserkoren?

Leo:
Ja, planmäßig halt. Wir sind die ganze Nacht durch Dresden gefahren (mit dem Bike!!) und haben nach einem coolen Motiv gesucht, haben auch noch viele andere Fotos gemacht - ja und das war es irgendwie.

Martin Kloß:
Werdet ihr oft mit anderen großen Bands verglichen oder geht ihr eher davon aus, dass ihr mit eurer Musik einen eigenen Stil geschaffen habt?

Leo:
Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt, gute Frage. Ich weiß es nicht. Mir selbst fällt es immer schwer, unsere Musik zu beschreiben, und andere machen sich nie die Mühe, aber wie welche andere Band sollten wir denn klingen??? Ich weiß es nicht.

Martin Kloß:
Ich persönlich glaube, gewisse Parallelen zu den MISFITS zu erkennen. Was denkst du darüber?

Leo:
Uarg, also die höre ich ja überhaupt nicht. Das heißt, ich glaube nicht, dass die uns irgendwie beeinflusst haben. Wenn, dann wäre es Zufall, ziemlich schräg.

Martin Kloß:
In welche Richtung geht ihr, bzw. wollt ihr noch gehen, was die Lyrics und Aussagen der Songs betrifft?

Leo:
Eigentlich... also ich für meinen Teil vertone einfach irgendwie mein Lebensgefühl, auf eine bestimmte Art und Weise. Ja, was wir wollen? Wachrütteln, provozieren, eine tolle Zeit haben und irgendwie etwas verändern.

Martin Kloß:
Wie soll die Zukunft von Total Konfus aussehen oder welche Ziele habt ihr?

Leo:
Da gibt es einen tollen Satz, der leider nicht von mir ist. Der geht in etwa so: Die Zukunft ist deine dunkle Landstraße, man sieht nur 5 Meter weit ....ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber wir lassen uns treiben und hoffen, noch ein paar geile Jahre zu erleben. Ich für meinen Teil werde jedenfalls alles geben, damit es TOTAL KONFUS auch noch eine Weile gibt. Ich denke mal, die anderen sehen das auch so.

Martin Kloß:
Mit welcher großen Band bzw. mit welchem Musiker würdet ihr gerne 'mal zusammenarbeiten?

Leo:
SLIME, JELLO BIAFRA, viele große fallen mir nicht ein. Groß heißt nich immer gut. Genauso wie große Bands nicht immer toll sein müssen. Ohne Gewähr, CHAOSZ, BAMBIX, ich weiß nicht, was die anderen so denken....

Martin Kloß:
Bist du persönlich mit deiner Arbeit innerhalb der Band zufrieden?

Leo:
Ja schon, sie macht dem Namen alle Ehre. So wie es ist, so ist es gut. Ich meine - wir wollen ja nicht so wie andere regionale Bands am liebsten einen Plattenvertrag bei Sony.

Martin Kloß:
Was war euer peinlichstes Erlebnis bei einem Auftritt?

Leo:
Huch... dass die Leute zu besoffen zum Tanzen waren. Ja, nein. Es ist immer scheiße, wenn die Leute nicht so recht abgehen. Für was anderes muss man sich bei unserer Musik nicht schämen.

Martin Kloß:
Hört ihr noch andere Musikrichtungen außer Punkrock? Wenn ja, welche?

Leo:
Ach, alles. Ich zumindest und ich finde auch andere Richtungen cool, wobei der Punkrock mit Abstand das beste ist. Es ist so offen und du kannst einfach alles machen, ohne irgendwie eingeengt zu sein! Anderes Zeug... ja, ein bisschen D&B oder Reggae, Ska, HC, Elektro (nur wenig) alte 60er-Geschichten (CCR, ...)aber Punk ist meine Welt. Man sollte aber trotzdem für alles offen sein, sonst wird man engstirnig.

Martin Kloß:
Vielen Dank für das Interview und nun traditionsgemäß ein paar abschließende Worte von euch!

Leo:
Fight for jour klass, not vor your country!

Ach, und bitte, bitte!

Redakteur:
Martin Kloß

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