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TRAITOR: Interview mit Lorenz Kandolf

05.06.2018 | 22:08

Ich mag die Jungs von TRAITOR. Nicht nur, weil das total sympathische Burschen sind, wie uns Bassist Lorenz heuer unter Beweis stellt. Sondern auch, weil sie meinen Thrash-Zahn der Zeit treffen und mit "Knee-Deep In The Dead" ein wirklich formidables Baller-Werk eingetütet haben. Was dahinter steckt, welch bitterböse Geschichte sich hinter 'Pieces Of Pale' verbirgt und welche Verbindung die Jungs mit THE RAMONES haben, verrät uns der Bassist im folgenden Gespräch.

Lorenz, schöne Grüße aus dem etwas entfernten Grevenbroich und vielen Dank für das Interview. Bevor es ans Eingemachte geht: Wie geht es euch und wie ist die Stimmung im TRAITOR-Lager?
Hallihallo und Grüße ins Ausland nach Grevenbroich! Die Stimmung ist sehr gut: Wir GEBEN viele Interviews, begutachten Reviews und planen auch schon nächste Schritte. Also wir liegen nicht auf der faulen Haut.

Seit eurem letzten Album "Venomizer" sind genau zweieinhalb Jahre ins Land gezogen. Gib uns doch ein kleines Update, was in der Zwischenzeit so passiert ist.
In diesen zweieinhalb Jahren haben wir eine Menge Liveshows gespielt, viele neue Kontakte geknüpft und natürlich auch das neue Material geschrieben und aufgenommen. Persönlich kam mir die Zeit auch relativ kurz vor, dass das schon zweieinhalb Jahre zurückliegt.

Euer neues, nunmehr drittes Studioalbum hört auf den geilen Titel "Knee-Deep In The Dead". Steckt ein spezielles Konzept oder eine besondere Geschichte hinter dem Album oder einigen Songs, die du uns nicht vorenthalten möchtest?
Es handelt sich hierbei um kein Konzeptalbum. Wir haben uns an genretypischen Themen bedient, mit denen wir uns identifizieren können und natürlich auch darüber etwas sagen können. Daher die oft aus verschiedenen Popkulturen stammenden Themen. Beispielsweise ist "Knee-Deep In The Dead" der erste Roman zur DOOM-Reihe. DOOM ist den meisten vermutlich nur als Ballerspiel bekannt und viele wissen vermutlich nicht, dass es sich dabei um eine Romanreihe von Dafydd ab Hugh und Brad Linaweaver handelt.
Es gibt mehrere Songs, die sich mit der Gaming-Thematik oder diversen Filmen beschäftigen. Dennoch gibt es auch ernstere Themen auf der CD. 'Pieces Of Pale' handelt von der Menschenjagd in Tansania. Dort werden Albinos, also Menschen mit einer angeborenen Pigmentstörung, als magisch gesehen. Ihnen wird auf jeden Fall eine heilende, fast magische oder göttliche Kraft zugesprochen. Daher werden dort immer noch die betroffenen Personen gejagt und getötet. Das Fleisch wird von den dortigen Schamanen benutzt, um beispielsweise die Mineralförderung in Minen zu steigern. Also kurz gefasst: Du hast ein Problem mit deiner Mine, dann schmeiß einen abgetrennten Arm eines Albinos in die Mine rein und fertig, alle Probleme gelöst. Wirklich kranker Scheiß...
Ja, aber sonst gibt's natürlich noch andere Themen. Aber ich möchte hier auch nicht alles vorwegwehmen.

Das ist wirklich krank! Wie lange habt ihr insgesamt an der neuen Platte gearbeitet und worin unterscheidet sie sich deiner Meinung nach musikalisch vom Vorgänger "Venomizer"?
Ich kann's gar nicht genau sagen. Wir haben eher so kontinuierlich an der Platte gearbeitet. Aber dieses Mal sind wir beim Songwriting auch anders vorgegangen. Der größte Unterschied liegt meines Erachtens in den Soli. Jeder Song hat auch mindestens ein Solo, wenn nicht sogar zwei. Das hatten wir auf den letzten beiden Platten nicht. Des Weiteren haben wir auch strukturierter die Songs geschrieben. Gerd, Matze und ich haben uns öfters unter der Woche getroffen und zusammen Ideen gesammelt und die Songs quasi zu 90% fertig gemacht. Dann haben wir eine Demo aufgenommen und es dem Andi präsentiert. Er konnte sich dann viel genauer Gedanken machen; also was für ein Drumming passt, welches Thema besprochen werden soll usw. Daher war der ganze Prozess des Schreibens wirklich angenehm.

Eine allseits beliebte Frage ist die nach den musikalischen Einflüssen. SODOM, KREATOR, EXODUS und SLAYER dürften klar sein. Aber steckt in eurem Sound auch ein Einfluss, auf den man im ersten Moment eventuell nicht kommt?
Bei uns geht's von LANA DEL REY, ZZ TOP, N.W.A, 2 LIVECREW über MOZART zu WAGNER und dann wieder zu DEATH, CANNIBAL CORPSE, JIMI HENDRIX und THE DOORS. Wir hören wirklich sehr viel Musik und aus fast allen Richtungen ist auch was dabei.

Ich finde, dass ihr speziell mit 'Predator', 'Ebola' und gerade auch 'Xenomorph' absolut geiles Material am Start habt. Welche Songs ragen für dich heraus und weshalb?
Uhhh schwierig, aber geile Frage! 'Predator' finde ich auch sehr cool! Super schnell, cooler Mittelpart - ist halt solch eine Walze! 'Ebola' finde ich auch sehr geil, groovt wie die Sau. 'Nuke 'Em All' finde ich aufgrund des "Dampfwalzencharakters" grandios und 'Demonic Possession' besticht durch seinen komplexen Aufbau und die Abwechslung. Außerdem ist da ein richtig krankes Solo drin! Respekt an den Matze, hehe.

Warum habt ihr euch ausgerechnet für 'Blitzkrieg Bop' als Cover-Version entschieden?
Eigentlich aus Jux. Wir spielen den Song sehr oft live, gerade in dieser Version und er kommt richtig gut an! Da dachten wir uns "Fuck it!" - komm wir nehmen den einfach auf und hauen ihn als Bonus raus. Wem es gefällt - geil! Wenn nicht, dann einfach skippen!

Ein Herzstück der Platte ist sicherlich auch das äußerst geile und für Thrash so typische Artwork. Wer war für das Cover zuständig?
The one and only: Ed Repka! Für die Leute, die nicht wissen, wer das ist: schwach! Der Kerl hat DIE Artworks in den 80ern und 90ern gemalt. Sei es DEATH, MEGADETH oder EVIL DEAD, NOFX und VIO-LENCE. Gibt natürlich noch jede Menge mehr.

Wie wird es nach "Knee-Deep In The Dead" weitergehen? Eine ausgiebige Tour geplant? Zumal nächstes Jahr TRAITOR auch zehn Jahre alt wird. Habt ihr etwas Besonderes geplant?
Die zehn Jahre werden auch gefeiert. Es gibt auf jeden Fall was auf die Ohren. Verraten wird es aber noch nicht. Sonst wird dieses Jahr ausgiebig getourt, Konzerte werden gespielt und die Platte wird promotet. Wir sind also ordentlich unterwegs und auch am planen.

Lorenz, damit wäre ich mit meinen Fragen auch am Ende. Dir noch einmal ein herzliches Dankeschön und viel Erfolg mit "Knee-Deep In The Dead". Möchtest du noch etwas an unsere Leser richten?
Vielen Dank für die guten Fragen und das Interview. Gönnt euch "Knee-Deep In The Dead" - die Platte ist überall erhältlich - und bildet euch selber eine Meinung, ob es gefällt oder nicht, hehe. Seid alle nett zueinander, schaut auf einer Liveshow von uns vorbei, trinkt Bier mit uns und nächstes Jahr wird es auf jeden Fall eine Überraschung geben. Man wird schließlich nur einmal zehn!

Redakteur:
Marcel Rapp

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