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TURISAS: Interview mit Olli Vänskä

24.09.2013 | 10:41

Disneys Aladdin hier, billige NIGHTWISH-Kopien dort und über allem thront ein höchst unterhaltsames TURISAS-Album. "Turisas2013" ist das genaue Gegenstück zum Vorgänger "Stand Up And Fight". So sieht es auch Olli Vänskä, der bei den Finnen die erste Geige spielt. Was der gute Herr über das neue Album, den neuen Stil und die baldige "Heidenfest"-Tour noch zu sagen hatte, erfahrt ihr hier.

Hi Olly, 2011 und 2012 musstet ihr viele Wechsel innerhalb des TURISAS-Line-Ups vermelden. Würdest du uns kurz die neuen Mitglieder bekannt geben? Wie brachten sie sich in das Songwriting für das neue Album "Turisas2013" ein?

Ja, das waren schon schwierige Zeiten, aber die Entscheidung lag vor allem an den engen Tourplänen, die wir hatten. Weißt du, ab einem gewissen Punkt neigen die Jungs dazu, einen neuen Boss zu Hause zu haben und es ist nicht mehr ganz so einfach, Monate um Monate auf der Straße zu verbringen. Ihr Weggang hatte aber keinen Einfluss auf das Songwriting, obgleich sich natürlich die Arbeitsmethoden verändert haben.

Aber das liegt nun der Vergangenheit an und ich könnte nicht glücklicher über die neuen Jungs sein. Jaakko Jakkuu ist ein exzellenter Drummer und hat einen sehr variablen Rock-Style. Das mag ich ziemlich gerne und ein toller Typ ist er obendrein. Jesper Anastasiadis spielt nun unseren Bass, was er auch in einer eigenen Funk-Band macht, wodurch wir so einen richtig tollen Groove bekommen. Das Songmaterial war jedoch schon längst fertig, als die Jungs in die Band kamen. Sie spielten dann ihre Teile im Studio, wo sie natürlich auch hervorragende Arbeit machten.

 

Die vergangenen Alben hatten jeweils alle ein Konzept bzw. eine nähere Geschichte hinter den Songs. "Turisas2013" hat das nicht, oder? Was sprach im Vorfeld eigentlich dagegen?

Konzept oder nicht, ich denke, dass die neuen Songs ihren Zweck erfüllen. Wir entschieden uns dafür, unserem Songwriting ein wenig mehr Freiheit zu gönnen. Ein Konzept oder eine Geschichte kann eine tolle Hilfe sein, wenn du Material sammelst. Auf der anderen Seite schnürt es dich natürlich auch ein. Also wollten wir uns selbst als Band nicht einengen. Ich wollte uns neue Möglichkeiten eröffnen und neue Styles ausprobieren und nicht als Wikinger-Story-Box herhalten. Vielleicht gehört dieser Stil der Zukunft an, wer weiß...

Warum habt ihr euer neues Album "Turisas2013" getauft? Ist der Titel repräsentativ für die neue Ära, die mit dem veränderten Line-Up zu verzeichnen ist?

So gesehen ist es schon ein Statement – "Das sind wir nun, vergesst die Vergangenheit, öffnet eure Augen und Ohren". Es gibt einfach keinen Songtitel oder anderen Namen, der dieses Album besser präsentiert hätte. Zudem ist es natürlich ein Titel, der die Zuhörer anpissen wird und Aufmerksamkeit bekommt. Und das ist auch gut so!

 

Was waren die Hauptunterschiede zwischen der Produktion von "Stand Up And Fight" und dem neuen Album? Objektiv kann man einen durchaus differenzierten Sound feststellen. "Turisas2013" kommt für meine Begriffe sehr erdig, rau und barbarisch rüber. Ist das "Battle Metal" in Perfektion?

Hmmm, es ist nicht unbedingt DER Sound für Battle Metal. Aber sicher, er ist anders und frisch. Die Produktion von "Stand Up And Fight" war wie ein riesiges Puzzle: Es war überwiegend orchestriert und die Band fungierte da lediglich als "Featured Artist". Nun wollten wir einfach etwas mobiler, etwas flexibler und weniger poliert wirken. Zudem wollen wir uns natürlich damit auch von diesen Bands unterscheiden, die einen größeren Sound erreichen wollen. Mit diesen modernen, symphonischen Samples wirken viele Amateurbands, die nicht solch einen Sound haben, etwas farblos, aber am Ende wirst du damit nur klingen wie eine billige NIGHTWISH-Kopie oder so.

 

Lass uns noch kurz zu den einzelnen Songs kommen: Meine Lieblinge sind 'Into The Fire' mit seiner kraftvollen Aura, 'The Days Passed' ist ein toller Ohrwurm und 'We Ride Together' hat eine aufregende Songstruktur. Ich finde, dass man in diesen Songs die Wurzeln TURISAS am deutlichsten merkt. Stimmst du mir da überein? Was sind die markanten Punkte von TURISAS anno 2013?

Haha, ich habe keine Ahnung, was unsere originalen Wurzeln sind, aber cool, dass sie dir gefallen. Wir haben einfach nur das gemacht, was sich gut angefühlt hat und ich bin so stolz, dass es funktioniert. Persönlich versuchte ich natürlich anderes Material zu machen, mit einigen Punkeinflüssen, etwas mehr Speed und solchen Dingen. Wir waren ja schon fast an der Grenze dieser bombastischen Dreifach-Rhythmus-Songs im mittleren Tempo. Ich bin froh, dass wir solch einen deutlichen Wandel vorgenommen haben.

Unsere Trademarks? Hmmm, Energie und Innovation, denke ich.

Im Mittelteil von 'Run Bang-Eater, Run!' kann man stöhnende Frauen hören. Habt ihr im Vorfeld etwas zu häufig MANOWARs 'Pleasure Slave' gehört?

Hahaha, ja vielleicht. Aber in diesem Song gibt e seine kleine Storyline, wie in dieser Szene von Disneys "Aladdin", wo der Protagonist von den Wachtruppen flüchtet und im Bazaar landet. Ich denke, da könnte er glücklich werden.

 

Wo wir schon einmal beim Thema sind: Habt ihr vorher auch DROPKICK MURPHYS, ALESTORM oder KORPIKLAANI gehört, als ihr beispielsweise  'No Good Story Ever Starts With Drinking Tea' entworfen habt? Ich denke, das ist ein ziemlich typisches Trinkerlied…

Das ist nicht Humpaa, das ist Punk! Das ist ein typischer Party-Punk-Song, hat aber nichts mit all den anderen Bands zu tun. Und um eines klar zu machen: Ich versuche so deutlich wie möglich etwaige ALESTORM-Einflüsse in unserer Musik zu vermeiden, sodass auch keine Einflüsse daherkommen, haha!

 

Im Herbst kommt ihr mit SUIDAKRA, EQUILIBRIUM und ENSIFERUM auch nach Deutschland. Auf was können sich Fans bei solch einem bombastischen Line-Up einstellen? Welche neuen Stücke werdet ihr auf diesen Shows zum Besten geben?

Yeah, ich denke auch, dass dieses Paket ziemlich gut ist. Wir werden eine ziemlich coole Show mit Lichtern und so haben (wow! Lichter! - PK), dem Publikum wird es definitiv gefallen! Wir haben in diesem Sommer schon 'Into The Free' gespielt und werden ihn dann stets mit Songs wie 'Ten More Miles', 'No Good Story…', 'Piece By Piece' und vielleicht 'Greek Fire' austauschen. Ich hoffe zudem, dass wir 'The Days Passed' irgendwo unterbringen können.

 

Was sind eigentlich eure Pläne nach der "Heidenfest"-Tour?

Nach dem Heidenfest werden wir fünf Headliner-Shows im Vereinigten Königreich spielen und im Dezember stehen dann fünf Co-Headliner-Gigs in Finnland mit ENSIFERUM an. Vielleicht werden wir dann im kommenden Frühling wieder zurück nach Europa und eventuell auch nach Amerika kommen. Ich denke, ich werde versuchen, so schnell wie möglich zurück zu kommen, um an Material zu basteln. Warten wir einfach mal ab, was die Zukunft so bringt.

 

Sodann wäre ich mit meinen Fragen auch am Ende und bedanke mich vielmals für das Interview. Die letzten Worte an unsere Leser und die TURISAS-Maniacs außerhalb gebühren dir.

Vielen Dank auch dir und all den deutschen Fans, die uns all die Jahre treu unterstützten. Es fühlt sich brillant an, zurück nach Deutschland zu kommen – Eine gewisse Zeit hatte ich sogar Sehnsucht nach einer Currywurst, haha! Testet auch unser neues Album an und öffnet dabei eure Ohren und eure Seele. Hoffentlich wird euch die Musik gefallen – das ist das, was wirklich in diesem ganzen Zirkus zählt.

 

 

Redakteur:
Marcel Rapp

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