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UNLEASHED: Interview mit Johnny

01.01.1970 | 01:00

Ganze vier Jahre hat es gedauert bis das einst mächtigste Flackschiff der schwedischen Death Metal Flotte, erneut Segel gen Walhalla setzte. Die Rede ist von UNLEASHED, die 1997 in ihren Heimathafen einliefen um fortan dem Leben an „Heim und Herd“ zu frönen. Bis zum Jahre 2001, wo man des trägen Daseins überdrüssig wurde und gewillt war neue Schlachten auf den Weltmeeren des Metals zu führen …
Tja und hier sind sie nun … mit „Hell’s Unleashed“ wurde vor kurzem auch in Sachen Konserve nachgelegt und man ist bereit der Hochkonjunktur, die man Mitte der 90‘er erlebte, ein weiteres Mal Leben einzuhauchen. „Kapitän“ Johnny gibt im folgenden kurz und knapp zu Protokoll was sich die letzten Jahre im Hause UNLEASHED so zugetragen hat.

Oliver: O.k. Johnny, lass uns doch als erstes über Eure Auszeit reden. Eine Pause von 4 Jahren (97’ bis 01’) ist nicht grade wenig. Hatte dieser Abgang etwas mit dem geringen Erfolg Eurer letzten Platte “Warrior” zu tun, die doch weit hinter den Verkäufen früherer Werke zurücklag?

Johnny: Erstens, wir hatten eine Pause nach 8 Jahren non stopp Tour- und Aufnahmestress dringend nötig. Einfach um später wieder hungrig auf der Bildfläche zu erscheinen. Zweitens, die Szene damals war wirklich am Boden und somit war es genau der richtige Zeitpunkt um einen Abgang zu machen.

Oliver: Wie Du eben erwähntest war es zum Zeitpunkt als für Euch der Vorhang fiel in Sachen Todesblei tote Hose. Wie siehst Du die Szene heutzutage und ist UNLEASHED in der Lage wieder an die Erfolge alter Tage anzuknüpfen?

Johnny: Immer! Ich sehe die gesamte Death Metal Szene nicht als etwas, das nur 10 Jahre dauert und dann einfach endet. UNLEASHED sind für die Ewigkeit! Wir werden auf die eine oder andere Art immer am Start sein. Mir ist es egal ob im Jahre 1993 oder 2010!

Oliver: Was hab Ihr eigentlich während der Auszeit so getrieben?

Johnny: Ich habe Wirtschaftwissenschaften studiert, Tomas hat seine eine T-Shirt-Bedruckerei aufgezogen und Fredrik hat Tontechnik studiert. Tja, und Anders hat weiter die Sau rausgelassen … glaube ich zumindest.

Oliver: Habt Ihr keine Angst davor, dass Euch nach einer so langen Auszeit viele Leute vergessen haben?

Johnny: Letztes Jahr haben wir 3 große Festivals gespielt und alle waren sie da. Hat so ausgesehen, als ob sie ein oder zwei Metalheads zusätzlich mitgeschleppt hätten, was natürlich nicht das schlechteste ist …

Oliver: War es von Anfang an klar, dass UNLEASHED nach der Pause mit den selben Leuten weitermachen oder musste jemand überredet werden?

Johnny: Da wir uns zu keinem Zeitpunkt aufgelöst hatten, gab es auch keine Zweifel wer nach der Pause wieder im Line-Up sein wird.

Oliver: O.k. dann kommen wir mal zum neuen Album. Wie sind die Reaktionen auf “Hell’s Unleashed” bis dato ausgefallen?

Johnny: Bestens! Das Feedback auf unserer Homepage war wirklich gut und gleiches gilt für die meisten Reaktionen der Presse. Natürlich kannst Du es nicht allen recht machen, aber das war auch nie unsere Absicht. Zudem haben wir die neuen Songs noch gar nicht live gespielt … man wird also sehen!

Oliver: Wo habt Ihr “Hell’s Unleashed” aufgenommen und wer hat das Teil produziert?

Johnny: Aufgenommen wurde die Scheibe im A-MUSIC in Stockholm. Produziert hat das ganze unser Lead-Klampfer Fredrik.

Oliver: Ihr hattet schon immer einen sehr eigenständigen Sound auf Euren Alben … wie auch auf der neuen Scheibe, der meiner Meinung nach nicht sonderlich up-to-date ist. Für mich sieht es so aus, als ob Ihr soundtechnisch gesehen in den 90’ern stehen geblieben seit. Wie siehst Du das?

Johnny: Wir finden eigentlich dass es gerade anders herum ist. “Hell’s Unleashed” hat bis dato die beste Produktion unserer bisherigen Scheiben und das sehen auch die meisten Leute so mit denen wir bis dato gesprochen haben.

Oliver: Der Song “Death Metal” ist nur auf der Promo-Version des Albums zu hören. Wieso hat es der Song nicht aufs reguläre Album geschafft und wie und wann wird der Song erscheinen?

Johnny: Leider haben wir die Erlaubnis den Song benutzen zu dürfen nicht rechtzeitig bekommen. Vielleicht erscheint der Track auf irgend einer Compilation oder etwas ähnlichem in der Zukunft.

Oliver: Könntest Du etwas näher auf die Lyrics folgender Songs eingehen: “Mrs. Minister”, “Don’t Want To Be Born” und “Joy In The Sun”?

Johnny: “Don’t Want To Be Born” ist von dem alten Klassiker “The Evil Dead” inspiriert. Im Song geht es um “ES”, das nicht raus will, sondern im Leib der Mutter bleiben will.
“Mrs. Minister” handelt von einer schwedischen Politikerin, die den arbeitenden Mann hasst … aber wenn es dunkel wird träumt sie von seinem Körper … schnappt sich ihren Dildo und steckt ihn sich in … (den Rest kann sich jeder selber denken … Anm. d. Verf.).
“Joy In The Sun” ist einfach nur eine kranke Story über einen todkranken Typen, der vor seinem Abgang noch einmal einen draufmachen will …

Oliver: Wenn Du Eure Scheibe einem bestimmten Film bzw. Filmgenre als Soundtrack zuordnen müsstet, wohin würdest Du das Album stecken?

Johnny: Irgend ein Horror-Film oder vielleicht ein Wikinger-Streifen mit dem Song “Fly Raven Fly”!

Oliver: Wie muß ich mir das Songwriting von Unleashed vorstellen? Irgendwelche Besonderheiten?

Johnny: Im Prinzip können Songs von uns zu jeder Zeit entstehen. Mir selbst kommen die Ideen meistens dann, wenn ich am wenigsten damit rechne. Für gewöhnlich komponiere ich sehr viel in meinem Ferienhaus auf dem Lande. Die anderen haben ähnliche Methoden Songs zu kreieren. Anschließend kommen wir dann halt zusammen, checken das Material gegenseitig und hinterher wird das Zeug zu fertigen Songs arrangiert.

Oliver: Nach all den Jahren seit Ihr noch immer bei CENTURY MEDIA. Warum habt Ihr fürs neue Album nicht mit einem andere Label weitergemacht? Getreu dem Motto: neues Album, neue Firma, neues Glück!!!

Johnny: Ganz einfach weil sie mit dem besten Angebot rüberkamen, die Band kennen und noch immer gute Arbeit leisten.

Oliver: Du bist ja erklärter Fußballfan. Was denkst Du, wie weit wird das Schwedische Team bei der Weltmeisterschaft kommen? Dein Tipp, wer wird Weltmeister? (Das Int. wurde schon vor dem Ausgang der WM geführt – Anm. d. Verf.)

Johnny: Leider nicht weit genug … haha. Inzwischen wissen wir ja wie’s ausgegangen ist und eigentlich kann man nur beiden Teams zu ihrem Erfolg gratulieren. Brasilien, wie auch Deutschland haben ein gutes Turnier gespielt und sind somit würdige Endspielteilnehmer gewesen. Natürlich stand ich hinter den Schweden, aber bzgl. Erfolge müssen wir wohl das nächste Mal abwarten …

Oliver: Wo siehst Du UNLEASHED in 10 Jahren?

Johnny: Wir sind was wir sind. Das wird sich nicht ändern, egal ob das den Leuten passt oder nicht. Solange uns unsere Fans hören wollen, wird es uns geben.

Oliver: Was steht für Euch in nächster Zeit so an? Touren? Festivals? …

Johnny: Bis jetzt ist noch keine Tour gebucht, aber wir werden am 3. August in WACKEN spielen. Also aufgepasst!!!!!

O.k. dann kommen wir mal zu meinen berühmt, berüchtigten Standards.

Oliver: Heutzutage ist es gang und gäbe Scheiben die gerade mal 30 Minuten auf dem Buckel haben als Longplayer zu verticken. Findest Du das o.k. oder sollten diese CD’s evtl. billiger verkauft werden?

Johnny: Wir ziehen unser Ding durch und was die anderen Bands machen müssen sie selbst entscheiden. Der Inhalt ist letztlich entscheidend.

Oliver: Thema “Frauen”: wurdest Du schon jemals von einer Frau vor die Wahl gestellt: „Ich oder Band / Musik“?

Johnny: Ich würde es nie soweit kommen lassen.

Oliver: Wie gehst Du mit Kritik um? Wann ist für Dich der Bogen kritikmäßig überspannt?

Johnny: In dem Geschäft kannst Du einfach nicht jeden zufrieden stellen. Mir sind die Leute scheißegal, die unsere Mucke und Texte nicht mögen. Wenn mich das belasten würde, hätte ich mir wohl schon längst die Kugel gegeben.

Oliver: Was hältst Du von MP3 Tauschbörsen und dem Internet im Allgemeinen?

Johnny: Es ist sicher gut, dass unsere Fans sich Tracks im Netz anhören können. Dennoch denke ich mal, wenn wir unsere Musik nicht verkaufen könnten, könnten wir sie doch erst gar nicht aufnehmen. Wenn alle Nahrungsmittel umsonst wären, wer würde das Zeug dann im Laden kaufen???

Oliver: Was ist Dein bevorzugtes, nicht-schwedisches Bier?

Johnny: Carlsberg. Und ich werde dafür auch nicht bezahlt …

Oliver: Kommen wir kurz vor knapp noch zu einer eher makaberen Frage: angenommen Du wärst tot, hättest aber davor noch die Möglichkeit gehabt, Deinen eigenen Nachruf zu verfassen. Was hättest Du geschrieben?

Johnny: Don’t you fuckin’ stare!!!! I’ll fuck you and your mother when you come to hell!!!! (Manche Sachen sollte man einfach nicht übersetzen … die wirken im Original einfach besser – Anm. d. Verf.)

Oliver: Gut, dann machen wir mal hier Schicht im Schacht. Danke für die Antworten. Du hast das letzte Wort ... come on!

Johnny: Thanks! UNLEASHED sind zurück! Danke für Euer Interesse an der Band. Man sieht sich auf Tour.

Cheers!!!
Johnny / UNLEASHED


Redakteur:
Oliver Kast

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