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Underground, quo vadis? - Interview mit Veranstalter Torsten Schramm

14.05.2018 | 14:21

Kann man anno 2018 noch erfolgreich kleine Konzerte und Festivals veranstalten? Diese Frage wird sich wohl jeder stellen, der in den letzten Jahren auch mal abseits der großen Konzertsäle unterwegs war oder von einer der Absagen eigentlich etablierter Underground-Festivals betroffen war. Umso bemerkenswerter ist daher die Leistung von TaktArt-Chef Torsten Schramm, der mit seinen Events und Konzerten in Troisdorf, Bonn und Umgebung bereits seit zehn Jahren einen großen Anteil zum Erhalt der lokalen Metalszene im Rhein-Sieg-Kreis beiträgt. Natürlich konnten wir uns die Gelgenheit nicht entgehen lassen und haben den Fronter von SOBER TRUTH anlässlich dieses Jubiläums zu seinen Erfahrungen und Erlebnissen als Veranstalter befragt, und wollten natürlich auch wissen, wie er die Zukunft der lokalen Metalszenen sieht.

Hallo Torsten und natürlich erst einmal Glückwunsch zu zehn Jahren TaktArt Booking, denn in der heute doch recht schwierigen Underground-Szene ist es schon eine echte Leistung, sich solange zu halten und erfolgreich Konzerte zu veranstalten. Was hat dich denn damals eigentlich dazu bewogen, nicht einfach nur Konzerte für deine eigenen Bands zu veranstalten, sondern auch weitere Konzertreihen aufzuziehen?

Hallo Tobias, vielen Dank. Verdammt, die Zeit ist ein Dieb! (lacht) Erfahrungsreiche, intensive und sehr leidenschaftsvolle zehn Jahre seit dem ersten offiziellen Auftritt von TaktArt Booking liegen hinter mir. Das Interesse oder besser meine Liebe zur Underground-Musik ist tatsächlich nochmal zwei Jahrzehnte vorher entstanden. Zur Bandgründung meines, ja man kann bereits sagen, Lebenswerks, der Groove-Metal-Band SOBER TRUTH, kam mir die Idee, meine Bandprojekte und meine bereits sehr umtriebige Live-Akquise mit dem Hintergrund einer Booking-Agentur zu verstärken.
Nach den ersten Erfolgen und vielen kleineren Veranstaltungen, die ich dann über diese ausgeführt habe, entwickelte es sich nach und nach. Bereits in 2008 startete ich mehrere Event-Reihen und führte die ersten kleineren Festivals als Veranstalter durch. Ich merkte schnell, dass mich auch andere Bands packten und ich mich im sogenannten "Underground-Dschungel" wie zuhause fühlte. Meine ganze Erfahrung auf, vor und hinter der Bühne (immerhin startete ich schon 1991 mit meiner ersten Band NOTHAMMER) kann ich bei TaktArt sehr gut ausleben. Der direkte Kontakt mit Bands und Künstlern der Szene füllt tatsächlich mein Leben mit Sinn, sodass der berufliche Alltag mehr und mehr in den Hintergrund tritt. Morgens mit Musik raus aus dem Haus und abends/nachts jede freie Minute dafür nutzen. Das klingt bescheuert, aber das ist es, es fühlt sich richtig an.

Nun sind zehn Jahre ja eine verdammt lange Zeit, in denen es sicher auch einige Highlights gab. Was waren denn für dich die Konzerte oder Veranstaltungen, auf die du besonders stolz bist bzw. mit denen du besonders zufrieden warst?

Oh ja, es gab so viele Highlights, dass ich die hier nicht aufzählen kann, sonst hätten wir eine mega lange Liste. (lacht) Im Durchschnitt liegen wir bei 15 Veranstaltungen pro Jahr über TaktArt plus das Hauptbooking von SOBER TRUTH - die Band steht im Schnitt bei 30 Terminen im Jahr auf den Bühnen. Das heißt, so ein Jahr ist leider auch schnell wieder rum. Sehr zufrieden bin ich mit unserem Indoor-Festival "Til Someone Cries", der ständig steigenden positiven Entwicklung unserer Eventreihe "BAUHAUS LIVE" und der wieder neu aufgelegten Bonner Club Show. Aus den anfänglich doch mageren und spärlichen Besucherzahlen ist eine wahnsinnig coole Liveclub-Geschichte geworden. Die Leute schätzen es und wissen, dass wir ständig gut für neue und frische Bands sind. Diese mischen wir mit etablierten Acts und probieren natürlich auch verschiedene Styles und Genres aus. Den Konzertgängern gefällt es, sie kommen auf ihre Kosten und wir halten den Eintritt, so gut es geht, dauerhaft günstig. Mit dem Ziel, dass die Leute zum Merchstand der spielenden Acts gehen und von den Bands Merchandise-Produkte kaufen. Denn ohne diese Unterstützung verschwindet eine Band ganz schnell wieder. Die Fans und Besucher sollen was mit nach Hause nehmen, das sie daran erinnert, wie geil handgemachte, kreative Musik ist. So prägt sich dann das Konzerterlebnis auch am besten ein.

Nach den Höhepunkten ist klar, dass mich natürlich auch die Tiefpunkte interessieren. Gab es eine Veranstaltung, die einfach so überhaupt nicht klappen wollte, oder gibt es andere Dinge, die du in deiner Karriere als Veranstalter bereut hast?

Der Anfang gestaltete sich von den Besucherzahlen als eher schwierig. Es gab auch viel Gegenwind, kaum Unterstützung und leider auch viel Neid. Helfen wollten auch immer viele, sobald sie aber merkten, dass man mit kleinere Veranstaltungen kein Geld verdient, verschwanden sie und redeten sich quasi raus. Mittlerweile habe ich einen sehr guten Blick bekommen auf Laberer, Übermotivierte, Quacksalber und Trittbrettfahrer. Alles Halunken. (lacht) Seitdem diese konsequent aus unseren Reihen verschwunden sind, läuft es viel angenehmer und auch besser. Natürlich habe ich auch einige Events in den Sand gesetzt - hier ging es aber immer um Zuschauerzahlen, denn daran misst der Veranstalter ja seinen Erfolg. Auch im letzten Jahr gab es zwei bis drei Veranstaltungen, die nicht gut liefen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass mal ein Event nicht klappen wollte.

Ein anderer Punkt, der mich brennend interessiert, ist wie du das zeitlich alles unter einen Hut bekommst. Immerhin bist du ja auch bei SOBER TRUTH mächtig eingespannt und vor allem viel auf den Bühnen unserer Republik unterwegs. Kam dir je der Gedanke, TaktArt ruhen zu lassen und dich komplett aufs Musikmachen zu konzentrieren?

Oft erwische ich mich dabei, motzend durch die Gegend zu laufen und laut vor mich hin zu murmeln: "Ich brauche mehr Zeit für das Musikmachen". Denn eins ist klar, der Tag hat 24 Stunden und ist gefüllt mit dem Job, dann die Band und dann die Agentur. Es ist mein Leben und das war es schon immer, der Antrieb reißt nicht ab. Die Entscheidung auf den Karriere-Job zu verzichten und stattdessen mit weniger Geld, aber freier leben zu können, habe ich bereits im Jahr 2007 gefällt. Scheiß auf Rente und auf die Sklaverei! (lacht)

Seit langem leiden Undeground-Konzerte ja schon unter dem deutlich erhöhten Aufkommen von Konzerten und ich habe schon von vielen Veranstaltern gehört, dass sich kleine Clubshows kaum noch lohnen. Du steckst ja mittendrin in der Underground-Szene, wie ist deine Meinung dazu? Machen die größeren Kapellen mit ihrer dauerhaften Präsenz den Nachwuchs und die kleinen Konzerte kaputt?

Also aus meiner Sicht kann es gar nicht genug Events geben. Die Szene ist riesig und man kann oft nicht glauben, wie viele dieser Leidenschaft zur Musik verfallen sind. Das ist doch gut?! Das andere Leiden ist wohl eher dem geschäftlichen Aspekt zuzuschreiben, denn wer denkt, er könnte mit Eventreihen oder kleineren Konzerten viel Geld verdienen, der irrt und wird schnell unzufrieden. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn diese Leute werden schnell wieder verschwinden. Wir haben mit TaktArt eine feste Nachwuchs-Szene-Institution erschaffen im Rhein-Sieg-Kreis und ich sehe nicht, dass wir ein Überangebot haben. Die Leute wollen motzen und da findet man immer Gründe. Wenn's nicht läuft, sind die anderen schuld, nehmen mir das Publikum weg - dann macht halt was anderes. (lacht)

Als weiterer kritischer Punkt werden auch immer wieder die vielen Coverbands genannt, die mit ihrer regelmäßigen Präsenz die Zuschauer von anderen Konzerten abziehen. Wie stehst du zu dieser Thematik? Hat es dich schon einmal geärgert, dass manche Leute sich lieber eine Tributeband für einen deutlich höheren Preis anschauen, anstatt einfach ein paar jungen Kapellen für 5 € Eintritt eine Chance zu geben?

NO COVER! Ich konnte das mit den Coverbands noch nie nachvollziehen. Es ist ganz klar auf die schnelle Mark (Euro) aus und inspiriert mich persönlich null. Da hätte ich wirklich keinen Bock drauf und verstehe auch diesen ganzen Hype darum nicht wirklich. Wir fördern nur Bands, die nicht covern, mehr will ich gar nicht dazu sagen. Ist nicht mein Gebiet.

Angesichts all dieser Schwierigkeiten - wie siehst du denn die Zukunft für TaktArt? Aktuell hast du ja mit der "Bauhaus Live"-Reihe ein echtes Underground-Highlight installiert, das sich regelmäßig ordentlicher Besucherzahlen erfreut. Gleichzeitig bist du auch mit den TaktArt-Clubshows im Bonner RPZ inzwischen im zweiten Jahr. Hast du schon eine grobe Idee, wie es an diesen Fronten in den kommenden Jahren weitergehen wird?

Die Zukunft ist Rock'n Roll und das bis zum Ende. Das ist ja keine Phase, das ist eine Lebensphilosophie. Wir werden weiter schauen, ob wir unsere Eventreihen weiter durchführen können. Klar ist, am Ende ist es der Besucher, der das entscheidet. Wir stecken aber bereits in weiteren Planungen, zum Beispiel um unser Indoor-Festival "Til Someone Cries" größer werden zu lassen und evtl. schnuppern wir auch an größeren Locations für weitere Live-Specials. Die Eventreihen bleiben und werden einfach größer!

Abschließend habe ich noch eine fiese Frage: Du hast über die Jahre hinweg mit vielen Bands zusammengearbeitet und schon viele auf deinen Veranstaltungen zu Gast gehabt. Gab es eine Band, die es dir dabei besonders angetan hat?

Mittlerweile habe ich einige Jahre auf dem Buckel und kann meine Erfahrungen im Bandleben, Bandmanagement, Zusammenhalt und vielen weiteren Schritten, die innerhalb einer Band passieren oder sich entwickeln, nutzen. Ich erkenne ziemlich schnell, ob eine Band das als Hobby voranstellt, um sich somit zu schützen vor der eigentlichen Message einer Band! Das ist kein Hobby, das ist unsere Passion. Nur diese Acts haben eine theoretische Chance, ihr Ding durchzuziehen. Die Prioritäten einzelner Musiker in der Band sollten auf das gemeinsame Ziel gerichtet sein, es ist sonst nicht weit her mit der Nachhaltigkeit und die Band wird es höchstens zwei bis drei Jahre geben. Persönlich finde ich, dass das eine Übersättigung am Markt erzeugt. Schwieriger sind da schon Bands, die meinen, sie wären jetzt aus dem Nichts die große Nummer. Ohne Fleiß kein Preis kann ich dazu direkt sagen. Klar ist, dass man bekloppt sein muss, um sich in der Musik so durchzusetzen, dass man auch auf Tour seine Musik spielen kann.

Das war es dann auch schon mit meinen Fragen. Ich persönlich und auch das ganze POWERMETAL.de-Team wünschen dir auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft, die wir natürlich auch weiter mit unseren Präsentationen und Berichten begleiten werden. Das letzte Wort gehört aber natürlich dir - gibt es noch etwas, das du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?


Vielen Dank für die Möglichkeit eines Interviews, auch wenn ich dabei immer merke, dass ich lieber vor und auf der Bühne bin. TaktArt grüßt alle Freunde der gepflegten Unterhaltungsmusik im Hard / Heavy / Goth Bereich! Ihr seid großartig! Unterstützt weiter eure Bands und eure Szene. Das ist der Gegenpol zu dem, was ihr tagtäglich von den Massenmedien hingeworfen bekommt. Ehrlich halt! Besucht unsere Konzerte und wenn ihr an Informationen zu den Events kommen wollt, ist es eigentlich ganz einfach: Unter www.taktart-con.de sind immer die aktuellsten vier Events für euch aufgelistet.

Redakteur:
Tobias Dahs

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