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VALKYRJA: Von der Verseuchung der Erde

04.02.2010 | 18:33

"Wer würde schon die Möglichkeit wählen, die Pest in einem kleinen Dorf auszustreuen, wenn man die Möglichkeit hat, die verpestete Nadel in die ganze Welt insgesamt zu stecken?"

Wenn die Black-Metal-Sympathisanten im Soundcheck-Team jeweils 8,5 Punkte ziehen, muss was dran sein. VALKYRJA aus Schweden haben mit "Contamination" nicht nur ein tolles Album, sondern vor allem ein in sich geschlossenes, homogenes Werk geschaffen. Gerade im Hinblick auf das Debüt hat die Band einen großen Schritt nach vorne gemacht. Grund genug, sich in den verseuchten Geist der Schweden hineinzuversetzen.


Julian Rohrer:
Was hat unsere Erde verseucht?

VALKYRJA:
Vieles. Aber du musst deine Frage spezifizieren...

Julian:
Wie könnte die Erde geheilt werden?

VALKYJRA:
Ich habe kein Interesse an einem Heilmittel, also muss ich mich auch nicht weiter mit dieser Frage beschäftigen.

Julian:
Sollte man die Erde denn überhaupt heilen? Oder lieber zerstören?

VALKYRJA:
Es gibt hier kein Leben, keine Dynamik. Schau dich um, überall findest du faule Strukturen, die in einem Bad aus Säure, ätzender Galle und kranker Hüllen untergehen. Rechne eins und eins zusammen und du kennst die Antwort.

Julian:
Warum macht ihr Musik? Was wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

VALKYRJA:
Wir haben einen Weg gesucht, unsere Kunst zu formen. Am meisten bewährte sich dabei die Musik. Sie beinhaltet einfach am meisten Potential.

Julian:
Wie lauten eure musikalischen Einflüsse?

VALKYRJA:
Was wir sind, aus unserem tiefsten Herzen genommen, präsentieren wir in unserer Musik. Wenn wir von unserem Umfeld getrennt sind, sind wir erst wirklich dazu in der Lage, aufrichtige Arbeit zu leisten. Und diesen Zustand erstreben wir immer.

Julian:
Wenn ihr die Zehn Gebote neu schreiben könntet - wie würden sie lauten?

VALKYRJA:
Es werden keine Beschränkungen benötigt. Entferne die schlimmsten Schlangen aus den faulen Ecken dieser Welt und lass dich in die Welt des Widerspruchs führen. Keine Befehle, keine Restriktionen, keine Bindungen, keine Werte, keine Gesetze, kein Nichts. "Dog eat dog, man eat man."

Julian:
Favorisiert ihr Aggression oder Melancholie?

VALKYRJA:
Aggression ist meiner Existenz übergeordnet, da mir so nicht die niederschmetternde Lähmung der Melancholie über den Rücken gejagt wird. Ich bin dann überlegen, wenn mich die Essenz erfüllt, die mich die Ketten brechen lässt. Jene Ketten, die mich binden wollen.

Rüdiger Stehle:
Gibt es eine hörbare Veränderung oder Entwicklung zwischen eurem Debüt und dem neuen Album?

VALKYRJA:
Die Entwicklung ist gewaltig. Im Vergleich zum Debüt haben wir uns eigentlich in jeder Hinsicht entwickelt. Man kann alle Elemente des Vorgängers finden, nun allerdings mit einem weit großartigeren Motiv. Im Allgemeinen zeigt "Contamination" eine gereiftere Band, die ihre Grundaussage besser kanalisieren konnte und dadurch konkreter ist als jemals bevor.

Julian:
Habt ihr Drogen oder Gifte während der Produktion des Albums verwendet?

VALKYRJA:
Die Hingabe für dieses Album war deutlich bewusstseinserweiternder als eine Überdosis LSD und heißer als tausend Feuer. Nichts durfte zwischen uns und der Manifestation dessen stehen, was wir zu kreieren gedachten.

Julian:
Für was steht das Wort "Black" in Black Metal eurer Meinung nach? Spielt ihr "Black Metal"?

VALKYRJA:
"Gesetzlos" ist eine recht passende Parallele. Ich beziehe mich grundsätzlich nicht auf irgendeine Gesellschaft, aber das Genre selbst ist frei von Bindungen und bodenloser Leere. Es liegt an jedem, sich seine Verhältnisse selbst aufzubauen.
Wir werden von unseren Hörern als "Black Metal" kategorisiert, haben dieses Wort aber selbst nie in den Mund genommen. Ich finde es absolut unnötig, unsere Musik in eine spezifische Kategorie zu pressen, gerade weil wir nicht daran interessiert sind, irgendwelche Genre-Beschränkungen auf uns zu nehmen oder unsere Musik derart zu beeinflussen. Alles, was weitere Details in unser Schaffen integriert, wird genutzt werden.

Julian:
Ist die Menschheit vom Aussterben bedroht?

VALKYRJA:
Wie immer tanzt sie auf der Linie zwischen Allem und Nichts. Ich habe kein Interesse daran, diese Diskussion zu beginnen, also lass uns nicht weiterspekulieren.

Rüdiger:
Habt ihr Pläne, das Album in Deutschland durch eine Tour zu promoten?

VALKYRJA:
Wir schauen uns gerade nach Möglichkeiten um. Es ist noch nichts verifiziert, aber wir hoffen, dass wir mit der Veröffentlichung von "Contamination" deutlich aktiver werden können.

Rüdiger:
Würdet ihr eher eine kleine Headliner-Club-Tour, einige ausgewählte Festivals oder als Opener für einen größeren Act bevorzugen?

VALKYRJA:
Unabhängig von mitspielenden Bands, deren Bekanntheitsgrad oder der Bühne: VALKYRJA würde immer die gleiche Leistung abliefern. Aber natürlich würden wir die größtmögliche Crowd bevorzugen, solange sie das schlucken können, was wir ihnen vorsetzen. Wer würde schon die Möglichkeit wählen, die Pest in einem kleinen Dorf auszustreuen, wenn man die Möglichkeit hat, die verpestete Nadel in die ganze Welt insgesamt zu stecken?

Redakteur:
Julian Rohrer

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