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VAMP: Interview mit Ricolf Cross

09.07.2014 | 09:35

Im vorangegangen Review zur Wiederveröffentlichung von "The Rich Don't Rock" hatte ich mich ja geradezu euphorisch gezeigt, dass dieser Klassiker, dieses vergessene Juwel deutscher Hard-Rock-Geschichte wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Im Gespräch mit Gitarrist und Hauptsongwriter Ricolf Cross erfahrt Ihr, ob er diese Begeisterung mit mir teilt und wie scheidungswillige bzw. ihrer besseren Hälften überdrüssige Männer, diese auf unkomplizierte und gleichzeitig legale Art loswerden können.

VAMP

Ricolf, seit gut 20 Jahren habe ich in regelmäßigen Abständen versucht, Eure erste und auch einzige Scheibe in einer Originalversion zu ergattern. Ich hätte sogar Vinyl (trotz erklärtem Vinyl-Hasser) gekauft, wenn ich das Ding gefunden hätte. Umso glücklicher war ich, als es im letzten Jahr dann endlich geklappt hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass Du solche und ähnliche Stories seit Eurer Auflösung vor gut 24 Jahren öfters gehört hast, oder?

Naja, bei Ebay, insbesondere USA, gab es eigentlich immer wieder CDs. Allerdings wurden diese in den letzten Jahren mit Preisen ab 80 Dollar gehandelt. Insofern ist der Re-Release eine sehr coole Angelegenheit.

Waren solche Nachfragen eigentlich die Initialzündung zum Re-Release von "The Rich Don't Rock" oder gab es noch andere Gründe?

Matt von Divebomb Records USA hatte mich angesprochen, ob ich mit einem Re-Release einverstanden wäre. Ich war sofort dabei und habe dann noch mit viel Aufwand und Liebe die ganze zweite CD, auf der sich fast alle Demos befinden, zusammengetragen.

Bevor wir jetzt aber weiter ins Detail gehen, machen wir hier erst einmal einen Cut. VAMP ist ja alles andere als eine Newcomerband. Eure Wurzeln gehen bis ins Jahr 1985 zurück. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass speziell viele jüngere Leser mit VAMP nicht unbedingt viel anfangen können. Deshalb wäre es nett, wenn Du ein paar Worte zu Eurer Historie verlieren könntest.

Historie in ein paar Worten? Band geformt mit amerikanischem Sänger, Demo aufgenommen, Demo abgegangen, erste deutsche Band mit Debütalbum auf amerikanischem Mega-Label. Auftritte und Tourneen in Deutschland, Europa (sehr viel England) und USA.

"The Rich Don't Rock" hatte damals sicher das Potential groß durchzustarten, speziell über dem großen Teich. Leider kam es nie dazu, da die Scheibe von verschiedenen Seiten aus nicht die nötige Unterstützung erfahren hat. Aus heutiger Sicht, was würdet Ihr anders machen, damit das Ding den Erfolg hat, den es damals verdient gehabt hätte? Abgesehen vom Mix der Scheibe, den Ihr ja nicht unbedingt "ansprechend" findet, wie ich gelesen habe.

Es war sicher ein Fehler bei Atlantic Records zu unterzeichnen. Labelgenossen von AC/DC und LED ZEPPELIN klingt zwar irre, wir waren aber eine in Deutschland beheimatete Band und sind so ziemlich schnell unter die Räder des Mega-Konzerns geraten. Wir hatten gleichzeitig Angebote von namhaften deutschen Labels, da hätten wir zwar kleinere Brötchen gebacken, aber wären sicher erst einmal in Deutschland mehr durchgestartet. Aber macht nix, so ein weltweiter Release hat auch Vorzüge: Ich freue mich immer noch, wenn ich in Miami in einen Second-Hand-CD-Laden gehe und unser Album finde.

Hattet Ihr damals im Studio nicht die Möglichkeit etwas stärker in den Mix einzugreifen, um diesen nach Euren Vorstellungen anzupassen oder war die Ehrfurcht vor dem Namen Tony Platt einfach größer?

Mit Ehrfurcht hat das nichts zu tun. Mit dem Mix hatten wir nichts zu tun. Altantic diktierte die Vorgehensweise, da gab es nichts zu rütteln. Punkt. Basta. Ich glaube auch nicht, dass sich das Gebaren der großen Plattenfirmen in den letzten 25 Jahren geändert hat.

Beim Song 'All Nite' habt Ihr ein Schlagzeugsolo eingebaut, das über gut 1,5 Minuten geht. Nicht gerade üblich für ein Album. Wer hatte die Idee dazu und gab es eine bestimmte Absicht dahinter?

Dicki ist ein super Drummer, da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich war immer schon inspiriert von DEEP PURPLEs "Made In Japan". Im Song 'The Mule' ist ein ähnlich langes Schlagzeugsolo, das so publikumswirksam aufgebaut ist, dass es nicht langweilig wird. Wir dachten: So etwas machen wir auch, das wäre etwas Außergewöhnliches. Hat auch geklappt, es gab entweder herbe Kritik oder volles Lob in der Presse darüber. Polarisieren ist immer gut!

Der Re-Release enthält einen zweiten Silberling, auf dem diverse Demo-Tracks veröffentlich wurden. Alle in einem sehr ansprechenden Sound. Von den Demo-Songs zu "The Rich Don't Rock" haben es letztlich nur drei von den sieben Stücken auf den Longplayer geschafft. Warum fielen die angesprochenen Songs dem Rotstift zum Opfer und gab es noch mehr Songs, die Ihr uns komplett vorenthalten habt?

Zunächst: Es gibt noch Songs, die nicht oder nicht mehr auf Demos existieren. Schau'n wir mal ... Zunächst waren viele unserer Titel sehr Glam Rock. Bei der Produktion mit Tony Platt und Atlantic wollten wir aber gemeinsam in die ernstere Schiene. Dadurch sind natürlich Titel wie 'What About Love' weg gefallen, aber auch Hammertracks wie 'Heartbreak Heartache' und 'Renegade' entstanden.

Die Album-Version des Songs 'Love Games' unterscheidet sich doch in einigen Punkten deutlich von der Demo-Version. War das der Einfluss von Atlantic Records oder ist dies einem natürlichen, bandinternen "Verbesserungsprozess" geschuldet?

Wie bereits erwähnt, haben wir versucht musikalisch erwachsener zu werden. Da bleibt es nicht aus, bestehende gute Songs zu überarbeiten.

Hat Euch diese Art der Beeinflussung von außen wirklich nichts ausgemacht und bis zu welchem Grad habt Ihr diese Einflussnahme zugelassen?

Nein, wir wollten selber das Gleiche. Die Zeiten ändern sich stetig. 1985 war gerade Party Metal angesagt, ein Jahr später schon nicht mehr so. Da muss man einen Weg finden, um nicht als Momenterscheinung zu verblassen.

Apropos Glam Rock/Party Metal - was geht Dir/Euch so durch den Kopf, wenn Du/Ihr Euch die alten Bandbilder von früher anschaut? Eher "Verdammt sahen wir gut aus!" oder "War das wirklich nötig?"

So war's halt. Schau die jetzt eine Fernsehserie aus der Zeit an. Heute finden wir uns alle cooler und besser gekleidet als damals, ist aber Quatsch. In 20 Jahren sagen wir das Gleiche über heute.

Ich dachte immer VAMP wäre ein Quartett. Umso überraschter war ich, als ich das Livevideo von 1989 zu 'Heartbreak Heartache' sah. Dort ist ein zweiter Klampfer zu sehen. Wie kommt's und wer war der Typ?

Unser guter Freund Mike Richie aus Stuttgart. Live braucht man einfach zwei Gitarren, damit es richtig rumst. Er hat uns live unterstützt, war aber kein offizielles Bandmitglied. Wir hatten aber gemeinsam den vollen Spaß auf Tour und bei den Konzerten! Traurig, denn er ist bereits vor einigen Jahren verstorben. Wir denken noch oft an ihn!

Ende der 80er wart Ihr wohl ziemlich dicke mit Bruce Dickinson. Steht Ihr heute noch in Kontakt mit Bruce und warum konnten Euch die damaligen Beziehungen (Touren bzw. Shows mit etlichen namhaften Bands waren für Euch damals keine Seltenheit) nicht zum Durchbruch verhelfen?

Na klar, er war immer voll der Nette, immer best buddy, bis er uns für seine "Tattood Millionaire"-Tour den Dicki "geklaut" hat. Im Showbiz ist einfach jeder ein Ar***!

Wart Ihr nach Eurer Auflösung untereinander noch in Kontakt oder kam dieser erst wieder zum Re-Release zustande?

Es ist erst zum Re-Release wirklich wieder zum Dialog gekommen. Wir sind bislang alle eigene Wege auf verschiedenen Kontinenten gegangen.

2015 ist ein neues VAMP-Album geplant. Was bewegt eine Band nach fast 30 Jahren Funkstille ein weiteres Album nachzuschieben? War der Re-Release von "The Rich Don’t Rock" die Initialzündung dafür?

Nach 25 Jahren merkt man plötzlich, dass man noch mal voll Bock drauf hätte ... die Musik, den Spaß, die Party!

Wo wir schon bei dem Thema sind, das mich natürlich brennend interessiert, will ich selbstverständlich Fakten hören. Gibt es schon Songs, Ideen, wer wird auf dem Album zu hören sein, wo wird es aufgenommen, wer veröffentlicht die Scheibe und wird das Ding auch live von Euch promotet?

Dazu kann ich Dir zurzeit nichts sagen.

Jaja, das Business. Ist aber verständlich. Dann mal eine eher etwas ketzerische, nicht unbedingt ernst gemeinte Frage: Als Veterinär, Uni-Professor, erfolgreicher Berufsmusiker und Studiobetreiber nagt man doch sicher nicht am Hungertuch. Wie lässt sich Euer beruflicher Werdegang heutzutage mit dem Albumtitel "The Rich Don't  Rock" in Einklang bringen? Ich gehe mal davon aus, dass Ihr Euren damaligen Albumtitel mit dem geplanten Album kräftig widerlegen werdet.

Ha! "The Rich Don't Rock" war bestimmt kein Werbetext für die SPD oder Linkspartei, sondern bezog sich auf unsere alten Heroen wie ZEPPELIN, DEEP PURPLE, AEROSMITH und viele mehr, die zu der Zeit einfach nichts Neues mehr zustande gebracht hatten und sich auf ihrem Erfolg ausgeruht haben. "Laying Down Their Lives On A Mirror" ist eine treffende Textzeile aus unserem Song. Platz für die Jungen, die alles geben und es wissen wollen. Sind wir leider heute nicht mehr, zugegeben, rocken können wir trotzdem noch wie Bolle.

Was erwartet Ihr persönlich von einem neuen Album? Ich denke, Ihr seid sicher nicht so blauäugig und geht mit der Einstellung an die Sache, dass der Markt nur auf Euch gewartet hat und die Scheibe in die Charts einsteigt - ohne jetzt jemandem auf den Schlips treten zu wollen.

Ein fettes Rockalbum nach altem Stil und mit neuem Sound. Könnte leider geil werden und uns wieder auf die Bühne bringen. Die Charts überlassen wir Dieter Bohlen und Co.

Wenn man sich das Interview im Booklet zum Re-Release durchliest, wird jedem sofort klar, welches Hobby Euer Sänger Tom hat (das er auch gerne mit der Ex-Frau von Bruce Dickinson geteilt hat). Sollte es zur kommenden Scheibe eine Tour geben, wäre es ratsam allen männlichen Besuchern zu empfehlen Ihre Frauen daheim zu lassen oder hat er sein Alter-Ego des "Sex Gods" im Griff?

Nein, bringt sie alle mit, dann seid ihr sie endlich los ... haha!

Noch eine kurze Frage abseits vom Thema VAMP. Ricolf, als Betreiber eines Studios hast Du ja die ganze Entwicklung in Sachen Recording hautnah miterlebt. Inwieweit macht sich der allgegenwärtige Homerecording-Trend im Amateur- und Semiprofessionellen-Bereich auf Dein Studio bemerkbar? Bist Du gezwungen inzwischen auch Studio-Jobs zu machen, die Du früher evtl. abgelehnt hättest oder wie muss ich mir das vorstellen?

Man spricht hier vom Studiosterben der letzten 20 Jahre. Weltweit! Durch die digitale Verbreitung der Audio-Medien steckt auch einfach nicht mehr viel Geld darin. Schlechte Billigproduktionen überall, fast alles klingt mies. Ich habe zum Glück mein festes Klientel und biete auch Leistungen, die andere Mitbewerber so nicht bieten können. In Sachen Rock besitzt mein Studio sehr viele "klassische" Instrumente, Amps, Röhrenstudiotechnik, ein analoges großes Pult und große, gutklingende Räume.

So, das sollte es gewesen. Danke für Deine Zeit und auch die Tatsache, dass Ihr mir einen langgehegten Wunsch mit der Scheibe erfüllt habt. Ich würde mich sehr freuen ein weiteres Interview zur neuen Scheibe mit Euch führen zu dürfen. Die letzten Worte gehören Dir!

Es ist einfach unglaublich, dass es immer noch eine Menge Fans gibt! VAMP wird euch nicht enttäuschen und 2015 ein hammergeiles Album abliefern! Wir arbeiten bereits daran. RROOCCKK!!!

Redakteur:
Oliver Kast

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