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VANDEN PLAS: Interview mit Günter Werno

24.04.2006 | 23:06

Interview mit Günter Werno

<img src="http://powermetal.de/pics/interview/998.jpg" alt="Vanden Plas" float="right"/>


 


_Stefan Kayser:_


Hallo. Zunächst Gratulation zum neuen Album "Christ 0", das wirklich gelungen ist.

_GünterWerno:_
Vielen Dank, wir sind auch mächtig stolz darauf.

_Stefan Kayser:_
"Christ 0" ist ein Konzeptalbum nach Alexander Dumas' Roman "Der Graf von Monte Christo". Wie kam es zum Titel in der Schreibweise "Christ 0", gesprochen "Christ Zero"?

_Günter Werno:_
Zum einen ist es ein Teil von Monte Christo, zum anderen drückt die abgesetzte Null aus, dass beim Protagonisten kein Glaube an Christus oder Gott vorhanden ist.

_Stefan Kayser:_
Was kannst du zum Konzept der CD überhaupt sagen? Wird eine Geschichte erzählt oder sind es einzelne Gedanken und Assoziationen zum "Grafen von Monte Christo"?

_Günter Werno:_
Es ist eine Adaption des Hauptthemas des Buches, nämlich zu unrecht erlittene Qual und die darauf folgende Rache, in eine moderne Zeit. Die Geschichte geht eher in Richtung "Schweigen der Lämmer", weil wir den Hauptcharakter als Serienkiller sehen. Verfolgt wird dieser von einem Fahnder von Interpol, Inspektor X, der sich am Ende selbst findet.

_Stefan Kayser:_
Die Chorgesänge auf eurem Album sind nicht synthetisch generiert, sondern wurden von einem echten Chor - und zwar dem Chor des Pfalztheaters Kaiserslautern - gesungen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

_Günter Werno:_
Ich bin musikalischer Leiter der Rockoper "Abydos" und arbeitete im Vorfeld mit dem Chor zusammen, um die Stimmen für "Abydos" einzuproben. Im Zuge dieser Proben hatte ich einfach mal die Frage gestellt, ob sich die Chorleute vorstellen könnten, für unsere neue CD zu singen. Viele waren sofort bereit, Chordirektor Ulrich Nolte - ihm sei hier nochmals besonders gedankt - organisierte noch mehr Sänger und Sängerinnen (bei "Abydos" stehen uns 16 zur Verfügung), und so hatten wir einen Chor von 36 Leuten. Ich habe dann den Chor vierstimmig arrangiert, Noten geschrieben und ausgedruckt, und die Aufnahmen konnten beginnen. Die Ideen zu den Chorstellen hatte ich vorher mit Andy zusammen vorbereitet, der wieder mal sein Talent für Hooklines zeigte.

_Stefan Kayser:_
Wurden die orchestralen Passagen auf "Christ 0" auch von einem echten Orchester eingespielt?

_Günter Werno:_
Nein, wir haben Orchestersamples benutzt. Die Samples wiederum wurden allerdings von den Prager Symphonikern in der Dvorak-Halle in Prag eingespielt, insofern kann man schon von richtigen Instrumenten sprechen, aber nicht von lebendigen Musikern.

_Stefan Kayser:_
Wo steht "Christ 0" musikalisch in der Entwicklungsgeschichte von VANDEN PLAS?

_Günter Werno:_
Ich selbst habe das Gefühl, dass es unser reifstes Album ist. Die angesprochenen orchestralen Stellen, die Chorspots und die bewusst gewählte härtere Gangart zeigen, dass wir wussten, was wir wollten.

_Stefan Kayser:_
Die meisten Stücke auf "Christ 0" wie auch auf den früheren Alben wurden von Gitarrist Stephan Lill oder von dir komponiert und von Sänger Andy Kuntz getextet? Wie läuft die Zusammenarbeit bei der Entstehung eines Stückes zusammen, ist zuerst die Musik oder der Text da?

_Günter Werno:_
Bei uns ist immer zuerst die Musik da. Andy kriegt die Demos und entwickelt die Gesangsmelodien und die Texte dazu. Deshalb müsste er eigentlich auch als Komponist aufgeführt sein, er verzichtet aber großmütig darauf, was auch zeigt, dass wir gut zusammen arbeiten. Beim Arrangieren kommen wir dann zusammen, und es kann sein, dass sich wegen des Gesangs musikalisch im Song etwas ändert, etwas dazukommt oder weggelassen wird. Wir helfen uns da gegenseitig. Zum Beispiel war der Mittelpart von 'Fireroses Dance' zunächst nicht vorhanden. Wir hatten das Gefühl, dass da noch was fehlt, und Stephan kam dann mit dem LED ZEPPELIN-Riff, Andy hatte die Idee für den Chor. So ist das Lied noch mal ein großes Stück gewachsen.

_Stefan Kayser:_
Die Keyboardsounds erinnern mich an einzelnen Stellen an SAGA oder STYX. Ist das nur mein persönlicher Eindruck oder haben euch diese Bands wirklich beeinflusst?

_Günter Werno:_
Ich bin weniger von STYX, aber um so mehr von SAGA beeinflusst. Ich würde nur gerne wissen, welche Stellen du genau meinst, weil man als Keyboarder meist ein anderes Verhältnis zu den Sounds hat als der Hörer.

_Stefan Kayser:_
Etwa die Instrumentalpassage gegen Ende von 'Silently' und das Intro von 'Shadow I Am', dessen Thema später im Stück noch mal aufgegriffen wird, haben mich ein wenig an diese Gruppen oder auch an die TOTO der "Hydra" erinnert.
Neben euren eigenen Stücken befindet sich noch ein Cover von 'Gethsemane' aus Andrew Lloyd Webbers Musical "Jesus Christ Superstar" auf der Platte. Kompliment, es klingt überhaupt nicht nach Musical, sondern passt genau in das Prog-Metal-Album. Wie kamt ihr auf diese Nummer und warum habt ihr sie für das Album ausgewählt?

_Günter Werno:_
Das erste Engagement am Theater war für uns "Jesus Christ Superstar". Wenn wir das 1992 nicht bekommen hätten, bezweifle ich, ob wir jemals das Geld aufgebracht hätten, eine komplette CD aufzunehmen. Von daher besteht eine gewisse Verbindung zu diesem Stück. Der Hauptsong von Jesus, der Gott fragt, warum er als Märtyrer sterben muss, passt in gewisser Hinsicht auch zum Thema des Albums, weil unser Christ.o am Ende Selbstmord und somit seine größte Sünde begeht. Außerdem spielt Andy in "Jesus Christ Superstar", das an Ostern in Kaiserslautern wieder aufgenommen wird, die Rolle des Judas. Er wollte auch einmal die Arie des Jesus singen. ;o)

_Stefan Kayser:_
Hast du ein Lieblingslied auf "Christ 0"?

_Günter Werno:_
Eigentlich nicht, aber es kristallisiert sich im Moment 'Postcard To God' heraus, das wir am Wochenende live gespielt haben und riesigen Spaß gemacht hat. Ansonsten sehe ich die Songs eher auf gleichem Level.

_Stefan Kayser:_
Bisher sind nur einzelne, zum Teil zeitlich weit auseinander liegende Konzerttermine bekannt gegeben worden. Gibt es keine große Tour oder wird sie noch zusammengestellt?

_Günter Werno:_
Wir haben, vor allem Andy, im Sommer viele Termine, die eine straffere Planung unmöglich machen. Im September haben wir vier Konzerte am Stück in Holland, vielleicht können wir das als Basis nehmen, um eine größere Tour daraus zu machen.

_Stefan Kayser:_
Seit dem letzten Album "Beyond Daylight" sind vier Jahre vergangen. Andy Kuntz hat dazwischen sein Soloalbum "Abydos" herausgebracht. Was habt ihr sonst noch in dieser Zeit getan?

_Günter Werno:_
Die Musiker hatten wie auch Andy diverse Engagements an verschiedenen Theatern. Ich habe mit KAMELOT getourt, während Stephan, Torsten und Andreas für andere Projekte (SECTION A, da bin ich auch mit einem Solo-Spot vertreten, IAN PERRY) eingespielt haben. Zusätzlich habe ich bei "Place Vendome" (Michael Kiskes Solo-CD) die Keyboards eingespielt. Außerdem unterrichten alle Instrumentalisten an Musikschulen, wir können also nicht ausschließlich für die Band da sein.

_Stefan Kayser:_
Ihr veröffentlicht seit nun schon über zehn Jahren Platten, nach wie vor in derselben Besetzung. Was ist das Geheimnis eurer personellen Beständigkeit?

_Günter Werno:_
Ich glaube, nein ich weiß, dass sich über die Jahre eine Freundschaft zwischen uns entwickelt hat. Wir haben alles zusammen erlebt, vom Spielen in einer überdachten Steckdose bis hin zu großen Konzerthallen und Festivals. Das schweißt zusammen. Außerdem ergänzen wir uns gut. Die Aufgaben, die jeder für die Band zu erledigen hat (ja, es gibt auch Pflichten), haben wir mehr oder weniger gerecht aufgeteilt, und wir können uns auf den anderen verlassen.

_Stefan Kayser:_
Wer waren eure musikalischen Vorbilder zu Beginn eurer Karriere? Hat sich das mittlerweile geändert?

_Günter Werno:_
Als ich 1989 in die Band kam, spielten wir zu den Eigenkompositionen Cover von BON JOVI, VAN HALEN, DAVID LEE ROTH. Plötzlich wagten wir uns an QUEENSRYCHE, und auch die Richtung unserer eigenen Songs veränderte sich.

_Stefan Kayser:_
Unabhängig von VANDEN PLAS, wo siehst du den Progressive Metal im Moment?

_Günter Werno:_
Ich glaube, dass er boomt, weil die Leute nicht mehr so viel Scheu haben, sich Prog Metal anzuhören. Es hat sich auch herumgesprochen, dass diese Musik nicht unbedingt kompliziert und verfrickelt ist.

_Stefan Kayser:_
Welche CDs, außer eurer eigenen, haben dir in der letzten Zeit gut gefallen? Hast du einige Empfehlungen für unsere Leser?

_Günter Werno:_
Ich hatte wegen des Arrangements für "Abydos" und unseres neuen Albums wenig Zeit, Musik zu hören. Was ich dann hörte, war die letzte DREAM THEATER und zuletzt die neue EVERGREY.

_Stefan Kayser:_
Letzte Frage: Wo wird am Ende der Bundesligasaison der 1. FC Kaiserslautern stehen?

_Günter Werno:_
Ich kann Dich akustisch absolut nicht mehr verstehen, tut mir leid...


Schade, dass die Verbindung abgerissen ist! Wobei ich mich nicht des Verdachtes erwehren kann, dass Günter Werno diese Frage vielleicht gar nicht beantworten wollte ;-). Und jetzt kann ich mich nicht mal mehr verabschieden und ihm und VANDEN PLAS noch viel Erfolg wünschen.

Redakteur:
Stefan Kayser

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