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VOLKSTROTT: Interview mit Benjamin und Ronny von Volkstrott

12.05.2007 | 23:38

Sie erobern ihre Hörer mit einer Mischung aus Mittelalter, Folk, Metal und Rock: VOLKSTROTT ist eine siebenköpfige Band aus Berlin, die Ende März ihr neues Albern "Todeskunst" herausbrachten. Passend zu ihrem neuen Silberling mit jeder menger "modernem Folk Metals" haben sie ein paar Fragen dazu beantwortet.

Franzi:
Hallo VOLKSTROTT. Ich hatte das Vergnügen eurer Debüt-Album "Todeskunst" zu "begutachten" und hätte ein paar kurze Fragen dazu: Wie seid ihr zu eurem Bandnamen gekommen? – Von Trott kann auf eurem Album meiner Meinung nach schließlich keine Rede sein.

Benjamin:
Naja, auch als Band bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen individueller Kreativität und verführerischer Scheinbarkeit. Uns ging es ja beim Volkstrott immer um eine negative Tendenz, der wir uns gerade nicht zugehörig fühlen wollen, aber trotzdem die Gefahr des unreflektierten Zugehörigkeitsgefühls fast täglich beobachten können. Eine dumpf vor sich hin trottende Masse macht Angst, verspricht aber dem Einzelnen für die Zugehörigkeit einen direkten Lustgewinn, was die Sache noch gefährlicher macht. Diesen Moment zwischen Verführung und Reflexion wollten wir schon immer thematisieren.

Franzi:
Euer Debüt-Album hat einen starken Hang zu mittelalterlichen, folkigen Klängen. Ist das durch die Zusammenarbeit mit Meister Selbfried (ex-CORVUS CORAX/TANZWUT) entstanden? Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit ihm?

Ronny:
Die Zusammenarbeit mit Meister Selbfried ist eine glückliche Fügung, die sich eher zufällig ergeben hat. Einen Einfluss auf die musikalische Ausrichtung unseres Albums hatte sie jedoch nicht. Die Songs waren ja alle schon fertig geschrieben, als wir mit ihnen ins Studio gingen und die einzige Änderung, die sich durch Meister Selbfrieds Gastauftritt ergab, war es, noch die Stimme für die Bombarde anzupassen.

Benjamin:
Natürlich war es super, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der schon jahrelang in dieser Ecke musikalisch erfolgreich ist. Aber der folkige Einschlag ergibt sich bei uns ja fast automatisch durch die Instrumentierung, die bei uns neben der normalen Rockgarnitur eben noch Geige und Dudelsack umfasst. Wobei die Betonung deutlich auf ROCKmusik liegt, mit der klassischen Mittelalterecke haben wir gar nicht so viel zu tun. Musikalische oder textliche Überlieferungen haben wir auch nie genutzt. Wir möchten vielmehr versuchen, die natürliche Vitalität von Dudelsack und Geige eigenständig zu nutzen, auch mal ungewöhnliche Klänge versuchen.

Ronny:
Ich spiele ja auch gar keinen Marktdudelsack wie die meisten Kollegen aus der Mittelalterecke sondern eine Schäferpfeife, die heutzutage auf den Folkdudelsäcken aus Zentralfrankreich basiert.

Franzi:
Vor kurzem habt ihr CULTUS FEROX auf Tour begleitet – wie war die Tour?

Benjamin:
Es war für uns ganz fantastisch, zwei Wochen lang jeden Tag in einer anderen Stadt vor Publikum zu spielen, dass uns (größtenteils) nur wenig kannte! Für uns eine komplett neue Erfahrung, die schon ganz gut Adrenalin freigesetzt hat! Zum Glück lief es fast immer super, wir konnten die Leute sogar oft davon überzeugen, dass wir schon eine Zugabe verdient haben. ;-)

Ronny:
Auf jeden Fall ist so eine Tour etwas völlig anderes als das normale "Alltagsleben" und man hat jeden Tag einen sehr seltsamen Ablauf zu bewältigen, der sich wie bei dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" immer genau gleich wiederholt. Da alles aber meist mit einigen Bieren und anderen alkoholischen Getränken endet, lernt man auch sehr schnell, sich damit anzufreunden.

Franzi:
Plant ihr dieses Jahr noch eine eigene, weitere Tour?

Benjamin:
Vor kurzem hatten wir ein wunderbares Record-Release Konzert "zu Hause" im KATO, jetzt geht es Ende April mit TANZWUT auf Tour! Das war natürlich eine weitere Möglichkeit, die wir nicht ausschlagen konnten! Wir müssen uns als junge Band ja vor allem erst einmal möglichst vielen Leuten präsentieren, mit einer etablierten Band mitzufahren, ist für uns daher eine wunderbare Sache. Ob wir dann im Herbst (nach einigen Festivals im Sommer) selbst durch die Lande reisen, oder uns vielleicht noch mal einer Tour anschließen, ist noch offen.

Franzi:
Was hört ihr eigentlich privat? Eher mittelalterliche, folkige oder doch lieber rockige Sachen?

Ronny:
Mein persönlicher Musikgeschmack kennt eigentlich keine stilistischen Grenzen. Ich kann in nahezu allen Musikrichtungen etwas finden, dass mich anspricht. In der letzten paar Zeit beschäftige ich mich aber hauptsächlich mit dunkler, elektronischer Tanzmusik. Einfach auch dadurch, dass ich öfters als DJ diese Musik auflege und man dann wenig Zeit hat, sich noch auf Veröffentlichungen aus anderen Musikstilen zu konzentrieren.
Ausnahmen von dieser Regel waren die letzten beiden Alben von LETZTE INSTANZ, die ich mir sehr gerne anhöre. All-Time-Favourites, mit denen ich "groß geworden bin", sind für mich aber auch Bands wie die INCHTABOKATABLES oder die älteren Sachen der SCHNITTER.

Benjamin:
Dass im Hintergrund gerade die neue BLOC PARTY läuft, sollte ich bei einem Powermetal.de-Interview wahrscheinlich lieber verschweigen. ;-) Aber zur Entschuldigung: Ich habe sie gerade zusammen mit der "Graveyard Classics" von SIX FEED UNDER in der Post gehabt – was auch ganz gut den weiten Bogen meines Musikgeschmacks illustriert. Bei uns im Tourbus läuft ziemlich viel durcheinander, für die anstehenden Tage wurde von meinen KollegInnen u.a. schon die neue MACHINE HEAD, LETZTE INSTANZ und DEICHKIND (danke, Ronny) angekündigt...

Franzi:
Habt ihr einen Lieblingssong auf eurem Silberling? Falls ja, welcher und was macht diesen aus?

Benjamin:
Mir fällt es noch schwer, da das Album und die ganze Produktion noch zu nah dran ist, um einen halbwegs objektiven Blick zu werfen. Ich glaube aber, dass 'Scherbentanz' ein wirklich interessanter, kontrastreicher Song geworden ist. Bei 'Deine Welt' freut mich, wie LeBen dem Song gesanglich ein sehr schönes Gesicht gegeben hat. Und 'Zu schön' knallt halt einfach!

Ronny:
Auch für mich ist 'Scherbentanz' eines der Highlights des Albums. Weiterhin spiele ich 'Reißt die Mauern ein' wirklich sehr gerne. Und wenn ich auch die anderen Songs des Albums auch sehr mag, sind diese beiden wohl doch meine Lieblinge.

Franzi:
Was würdet ihr im Nachhinein an eurem Album ändern?

Benjamin:
Momentan weiß ich es auf das gesamte Album bezogen noch nicht, wie gesagt, es ist noch zu frisch. Und Wünsche wie "mehr Geld zur Produktion", "größeres Studio", "weniger Stress" etc. sind ja nichts, was wir jetzt ändern könnten. Es gibt da aber eine kleine Schlagzeug-Passage, bei der sich mir immer die Fußnägel umkrempeln ... die würde ich gern ändern. ;-)

Franzi:
Stimmt es, dass ihr bereits an neuen Liedern bastelt? – Habt ihr vor euren Stil beizubehalten oder auszubauen, also vielleicht weitere, neue Instrumente einzubauen?

Benjamin:
Ja, wenn wir von der Tour mit TANZWUT wieder da sind, werden wir uns an die Ausarbeitung der neuen Songs machen. Da ja mit LeBen jetzt eine neue Person mit in den Prozess eingebunden werden wird, können schon neue Nuancen hinzukommen. Unsere grundsätzliche Stilrichtung werden wir natürlich behalten und verfeinern, wobei garantiert wieder einige ungewöhnliche Ideen, wie der türkische Gesangspart bei 'Scherbentanz', Platz finden werden. LeBen hat sich bei den Aftershow-Parties mit CULTUS FEROX als ziemlich guter Percussionist gezeigt, vielleicht wird es ja in diese Richtung etwas geben.

Ronny:
Ansonsten haben wir nicht das Gefühl, dass wir noch mehr Instrumente bräuchten um unsere Musik besser zu machen. Auch wenn einem als Songwriter natürlich immer Ideen kommen, auch mal bis jetzt ungenutze Instrumente zu verwenden, wird sicherlich im Großen und Ganzen, auf die Instrumentierung bezogen, alles beim Alten bleiben.

Franzi:
Noch eine kleine, abstrakte Frage: Stellt euch vor, jedes eurer Bandmitglied wäre ein Nahrungsmittel. Was wäre jeder und was würde am Ende dabei herauskommen?

Benjamin:
Ich habe nicht die geringste Ahnung und übergebe an den Dudelsackspieler, da er derjenige ist, der eigentlich zu jeder Probe mit etwas Essbarem erscheint, das uns den Raum zumüffelt...

Ronny:
Also LeBen wäre irgendein komischer Pilz mit psychedelischer Wirkung. Micha wäre eine Kartoffel, Rene bitterer Chicoree, Ina eine Erdbeere, Benni ein Teller Nudeln und Stefan wäre das Stück Fleisch auf dem Teller. Ich wäre wohl ganz einfach ein Bier.
Und was ich aus uns kochen würde? Auf jeden Fall eine ausgewogene, leckere und interessante Mahlzeit, die glücklich und satt macht.

Franzi:
Habt ihr letzte Worte für eure Hörer?

Ronny:
Wir möchten uns gerne bei all unseren Hörern und Fans für den Support bedanken! Große letzte Worte liegen uns ansonsten aber nicht so sehr. Vielen Dank. :-)

Benjamin:
Wir bedanken uns bei dir für die Aufmerksamkeit und wünschen weiterhin viel Spaß mit der CD!

Franzi:
Vielen Dank für das Interview. :-)

Redakteur:
Franziska Böhl

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