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VULTURE INDUSTRIES: Interview mit Bjørnar Erevik Nilsen

29.12.2008 | 17:33

Im Zuge der Tour mit HELHEIM hatten wir Gelegenheit für euch auch VULTURE INDUSTRIES-Frontmann Bjørnar Erevik Nilsen zu interviewen, der auch Verantwortlicher des Bergener Labels Dark Essence ist.

Trotz einer sehr stressigen Anreise mit diversen Unwägbarkeiten und nach über fünfzehn Stunden "on the road", fand Bjørnar Erevik Nilsen, seines Zeichens Frontmann von VULTURE INDUSTRIES und Macher hinter dem Bergener Qualitätslabel Dark Essence, die Zeit uns ausführlich alle Fragen zu seiner Band, zur am Tag des Interviews startenden Tour und zu den geplanten Aktivitäten des Labels zu beantworten.

Rüdiger:
Grüß dich, Bjørnar. Ørjan hat mir eben von einem langen Trip nach Deutschland erzählt. Wie hast du den wahrgenommen?

Bjørnar:
Sehr stressig. Wir mussten schon so gegen halb Fünf aufstehen, haben dann im Auto auf der Fahrt zum Flughafen gefrühstückt. Dann mussten wir am Flughafen warten, ab nach Oslo, wieder warten, weiter nach München und von dort dann nach Aalen. Eigentlich wollten wir hierher mit dem Zug fahren, aber der hätte ein bisschen zu lange gebraucht, und außerdem waren die Züge ziemlich voll zu der Zeit. Also haben wir auf die Schnelle ein paar Autos gemietet. Leider war das Navi in unserem Auto nicht in Ordnung, so dass wir uns verfahren haben. Das hat uns nochmal anderthalb Stunden gekostet. Als wir dann anhielten, haben wir gemerkt, dass das GPS weiter gefahren ist (lacht). Da war uns klar, dass das so nichts mehr werden würde und haben die Karte ausgepackt. So haben wir dann doch noch hierher gefunden.

Rüdiger:
Endlich am rechten Fleck angelangt, sozusagen.

Bjørnar:
Das will ich hoffen.

Rüdiger:
Ich glaube schon. Scheint doch eine nette Location zu sein, oder?

Bjørnar:
Ja. Die Bühne ist ziemlich schön, glaube ich.

Rüdiger:
Der Sound hat sich während des Soundchecks auch schon recht passabel angehört. Ich hoffe, dass es nachher bei eurem Auftritt auch so klingt.

Bjørnar:
Ja. Es ist das erste Mal, dass wir mit dieser Art Soundcheck arbeiten. Wir werden das aber während der ganzen Tour so handhaben, so dass es nach ein paar Shows richtig gut klappen dürfte. Davon gehe ich zumindest aus.

Rüdiger:
Ist es eure erste Tour in Deutschland, oder wart ihr schon mal hier?

Bjørnar:
Nein, es ist das zweite Mal, dass wir in Deutschland touren. Wir waren sogar schon mal in Aalen. Allerdings nicht in dieser Location, sondern im "Rock It". Es waren aber die selben Leute, die das organisiert haben, und weil die damals richtig nett zu uns waren, wollten wir auch auf dieser Tour wieder eine Show mit ihnen zusammen machen.

Rüdiger:
Wen meinst du damit? Die Organisatoren?

Bjørnar:
Die Metalmaniacs. Die Promoter der Show.

Rüdiger:
Ah, okay. Welche anderen Locations werdet ihr auf dieser Tour sonst noch beehren?

Bjørnar:
Morgen ist die Festung Bitterfeld dran, wo wir mit Negura Bunget aus Rumänien spielen werden. Ich glaube, das wird eine gute Show werden, zu der hoffentlich sehr viele Leute kommen werden. Den dortigen Promoter kennen wir auch schon von unserer letzten Tour, als wir in Leipzig spielten. Das wird sicher ein toller Gig. Dann gehen wir zum ersten Mal nach Hamburg, in den Headbanger's Ballroom.

Rüdiger:
Was ja auch ein ziemlich legendärer Ort ist.

Bjørnar:
Oh, wirklich? Das freut mich. Wir waren schon mal in der Nähe, beim letzten Mal. Wie hieß es gleich? Lübeck! Das war auch toll dort. Eines der besten Konzerte auf der letzten Tour. Toller Zuspruch vom Publikum. Wir haben auch jede Menge T-Shirts verkauft. Ich hoffe also, dass einige der Leute von Lübeck nach Hamburg rüber kommen, um uns zu unterstützen. Dann spielen wir auch schon die letzte Show in Deutschland und zwar im "Helvete" in Oberhausen. Zwischendurch gehen wir auch noch nach Holland, Polen, Tschechien, in die Slowakei und nach Österreich. Es sind für uns also auch ein paar neue Länder dabei.

Rüdiger:
Spreading The Disease ... sozusagen ...

Bjørnar:
Ja, genau. (lacht)

Rüdiger:
Ich habe auch Ørjan schon drum gebeten, die jeweils anderen Bands in seinen eigenen Worten zu beschreiben. Jetzt bist du dran!

Bjørnar:
Nun, mal schauen ...

Rüdiger:
Keine schlechten Worte!

Bjørnar:
Natürlich. Fangen wir mit HELHEIM an: Großartige Jungs! Es ist fantastisch, mit ihnen zu touren. Großartige Musik. Wir lieben sie einfach. Sie sind für uns wie Brüder.

Rüdiger:
Das sieht Ørjan genauso.

Bjørnar:
Ja. Kommen wir zu ATROX: Es ist das erste Mal, dass wir mit ATROX zusammen spielen. Aber ich stehe sehr auf ihre Musik, weshalb ich mich sehr darauf freue, nachher die Gelegenheit zu bekommen, sie live zu sehen. Ich habe auch den Eindruck, dass sie richtig coole Jungs sind. Ich freue mich darauf, sie kennen zu lernen. Ab morgen werden uns PANCHRYSIA aus Belgien für sechs Shows begleiten. Die kenne ich ganz gut, weil die auf unserem Label Dark Essence sind und auch im März dieses Jahres beim Dark Essence Festival gespielt haben. Ich hab sie dort getroffen und als gute Jungs erlebt. Rabenschwarzer Black Metal, und das ist für mich eine gute Sache.

Rüdiger:
Wie war das Festival?

Bjørnar:
Das Dark Essence Festival? Das war gut. Es war das erste Mal, dass wir als Label ein Festival auf die Beine gestellt haben und für eine erstmalige Organisation war es echt ein riesiger Erfolg. Es war nicht ganz ausverkauft, aber nicht weit davon entfernt. Es lief alles gut. Die Bands waren sehr glücklich, das Label auch, weil wir viele Scheiben verkaufen konnten.

Rüdiger:
Wie viele Alben habt ihr eigentlich als Band schon draußen?

Bjørnar:
Wir haben mit VULTURE INDUSTRIES bisher ein Studioalbum und zwei Demos veröffentlicht.

Rüdiger:
Werdet ihr live auch Demosongs spielen, oder nur die vom Album?

Bjørnar:
Die Songs vom zweiten Demo sind alle auch auf dem Album drauf. Vom Demo davor werden wir einen Song spielen. Ein bisschen was für jeden.

Rüdiger:
Wird es bald eine neue Scheibe von euch geben?

Bjørnar:
Das hoffe ich doch. Wir sind schon dabei. Wir sind zwar noch nicht ins Studio gegangen, um die abschließenden Aufnahmen zu machen, aber wir sind in der Vorproduktion der Songs für das nächste Album. Hoffentlich werden wir bis Neujahr all das Material fertig geschrieben haben. Dann kann es im Januar und Februar ins Studio gehen. Dann sollte das Album vermutlich im Juni erscheinen können. Ich gehe davon aus, dass es ein gutes Album wird.

Rüdiger:
Wie würdest du einem Außenstehenden euren Stil beschreiben?

Bjørnar:
Ich glaube es ist einfacher, das zu wiederholen, was andere Leute über uns sagen.

Rüdiger:
Vor der Tour kannte ich euch nur vom Namen her, und deshalb hab ich zur Vorbereitung mal bei MySpace in ein paar eurer Stücke rein gehört, drum würd ich schon gerne hören, was du meinst. Ich bin kein Experte für VULTURE INDUSTRIES.

Bjørnar:
Nun, die meisten Leute beschreiben uns als Avantgarde Black Metal mit progressivem Touch. Doom-Einflüsse gibt es auch. Wirklich alles Mögliche. Wir versuchen einfach, uns nicht zu limitieren und Grenzen zu überschreiten. Wir gehen einfach nach dem Gefühl, ob etwas passt oder nicht. Wenn ja, dann ist es gut, wenn nicht: scheiß drauf!

Rüdiger:
Ich glaube, dass es nur so sein sollte. Viel zu viele Leute schauen auf Trends und wollen in ein Schema passen, um sich besser verkaufen zu lassen. Das ist irgendwie seelenlos.

Bjørnar:
Ja. Die leihen sich einfach die Seele von jemand anderem.

Rüdiger:
Wird dir das auch langweilig?

Bjørnar:
Ja. Es gibt so viele Kopisten, die einfach so klingen wie eine andere Band. Und manche klingen sogar wie die Kopie der Kopie einer anderen Band.

Rüdiger:
Das ist ja in den Black- und Pagan-Metal-Kreisen gerade auch ein ziemliches Problem, wenn ich an all die Humppa-Jungs denke, die gerade herum hüpfen.

Bjørnar:
Das stimmt schon. Ich habe zwar kein Problem mit dem Stil, die Leute sollen spielen, was sie wollen, aber ich habe halt keine Lust, Bands anzuhören, die genau gleich klingen wie fünfzehn andere Truppen. Das gibt mir überhaupt nichts.

Rüdiger:
Zu deinem Label Dark Essence: Was wird dort als nächstes erscheinen?

Bjørnar:
Lass mich nachdenken ... In ein paar Tagen kommt in Europa die neue TAAKE raus. Das ist die nächste offizielle Veröffentlichung. In Norwegen ist sie allerdings schon erhältlich. Die nächste komplett neue Veröffentlichung wird SKALDIC CURSE sein. Eine richtig gute Black-Metal-Band aus dem Vereinigten Königreich. Leicht avantgardistisch. Gleichzeitig werden wir TYRANN veröffentlichen. Auch eine Black-Metal-Band. Etwas thrashigeres Material. Da spielen einige Leute von 1349 mit, und von einigen anderen guten norwegischen Bands. Das wird eine gute Scheibe, nach der die Leute Ausschau halten sollten.

Rüdiger:
Auch hier sieht man, dass viele Musiker in noch mehr Projekten involviert sind.

Bjørnar:
Ja. Ganz besonders in Norwegen. Das ist extrem.

Rüdiger:
Hab ich gemerkt, in all den Jahren in denen ich den norwegischen Black Metal schon verfolge. Es wird immer mehr. Von etwa 1992-1995 hab ich es noch geschafft, alle norwegischen Releases zu sammeln, aber irgendwann ging es nicht mehr.

Bjørnar:
Stimmt schon. Wenn du zum Beispiel in Bergen fünfzehn verschiedene Black-Metal-Musiker einlädst, dann sind vermutlich zirka achtzehn bis neunzehn Bands anwesend. (lacht) Da aber das meiste Material der Bands gut ist, geht das schon in Ordnung.

Rüdiger:
Ja. Das ist das Erstaunliche. Trotz all der Veröffentlichungen sind es doch meistens sehr gute Alben, die aus Norwegen kommen. Weißt du, was der Grund dafür ist, dass das Qualitätslevel für Black Metal und andere extreme Stile bei euch so hoch ist?

Bjørnar:
Ich glaube die Szene ist sehr selbstbewusst und sich ihrer selbst bewusst. Man hat immer den Drang, etwas Einzigartiges machen zu wollen. Sein eigenes Ding durch zu ziehen. Es ist mehr ein Hang zum Individualismus, als dorthin woher der Wind weht und was bei anderen klappt. Aber auch in Norwegen gibt es viele Bands, die klingen wie viele andere Bands. Aber dafür gibt es eben noch mehr Bands, die einfach nur wie sie selbst klingen und wie niemand anderes. Die Szene in Norwegen ist einfach gesünder, oder wie immer man es auch nennen mag, wenn es darum geht, eine eigene Ausdrucksform zu finden und sich selbst treu zu sein. Das zu machen, was man machen will: Musik mit Seele.

Rüdiger:
Welche norwegischen Alben der letzten paar Jahre hältst du für die inspiriertesten und inspirierendsten?

Bjørnar:
Ich glaube, darauf muss ich später mal zurück kommen. Mir fällt dazu gerade nichts ein.

Rüdiger:
Gut, dann klären wir das halt mal per E-Mail.

Bjørnar:
Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren nicht so viele neue Scheiben aus der norwegischen Black-Metal-Szene angehört habe. Ich arbeite so viel im Studio und habe dort meistens mit Black-Metal-Bands und anderen extremen Sachen zu tun, auch mit etwas Hardrock und Progressive. Deshalb höre ich dann zu Hause nur selten extremere Sachen an. Da läuft dann eher sowas wie die DEVIL DOLLS. Ich mag auch Tom Waits sehr gerne. Oder einige 70er-Prog-Sachen.

Rüdiger:
Sowas wie RUSH und HAWKWIND? Oder obskureres Zeug?

Bjørnar:
Nein, weder speziell diese Bands noch allzu obskure Sachen. Ich bin ein großer Fan von CAMEL. Außerdem mag ich auch JETHRO TULL sehr gern. Und GENESIS hatte auch ein paar tolle Alben. Also GENESIS bevor Phil Collins das Heft übernommen hat.

Rüdiger:
Das ist dir dann doch etwas zu kitschig, oder?

Bjørnar:
Ja. Heute ist das fürchterlich. Außerdem gibt es auch ein paar tolle italienische Progrocker aus den 70ern.

Rüdiger:
Zurück zum Hier und Jetzt: Wie gefällt es dir bisher in Aalen?

Bjørnar:
Nun, bisher war es vorwiegend Stress. Die ganzen Vorbereitungen, das Arrangieren. Ich musste eben noch die Mietwagen abgeben. Aber so langsam tauche ich in die Atmosphäre ab. Jetzt muss ich einfach losgehen und einen guten Gig abliefern. Danach kann ich mich entspannen, mir ein paar Bierchen genehmigen und Spaß haben.

Rüdiger:
Okay, dann will ich dich mal entlassen und den offiziellen Teil des Interviews beenden.

Trotz eines genialen Auftritts taten sich VULTURE INDUSTRIES im Anschluss recht schwer, das müde Aalener Publikum in Bewegung zu versetzen, doch dazu könnt ihr alle Details im Konzertbericht nachlesen.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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