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WOLFCHANT: Interview mit Lokhi

08.04.2021 | 10:55

WOLFCHANT ist zurück: Nachdem 2017 die letzte Platte veröffentlicht wurde, kehren die Jungs um Nortwind und Skaahl nun mit "Omega : Bestia" zurück und zeigen sich zielstrebiger und vehementer denn je. Wir sprachen mit Lokhi, der bei den Epic-Pagan-Metallern den Bass schwingt, über das aktuelle Monster, schauten auf den Entstehungsprozess sowie auf die Bedeutung der Songs und wagten auch einen vorsichtigen Blick in die Zukunft. Viel Vergnügen!

Lokhi, "Bloodwinter" wurde vor fast viereinhalb Jahren veröffentlicht. Magst du mir ein kleines Update geben, was in der Zwischenzeit bei WOLFCHANT so passiert ist?

Wir haben direkt nach der Veröffentlichung von "Bloodwinter" sehr viele Festivals und Touren gespielt. Mitte 2017 ist dann unser Gitarrist Eddy leider an seinem Krebsleiden verstorben. Dies war auch einer der Gründe, warum wir uns 2019 für eine Auszeit entschieden haben. Zu der Zeit hat auch unser Drummer Lug aus zeitlichen Gründen seinen Ausstieg verkündet. Mit Ghust und Seehb haben wir dann 2019 auch wieder zwei neue Mitglieder in die Band mit aufgenommen. Seehb hat bereits direkt nach Eddies Tod bei uns an der Gitarre ausgeholfen und musste seine Feuertaufe gleich beim Wacken Open Air geben. Des Weiteren haben wir natürlich sehr viel Musik komponiert und aufgenommen, was man an den verschiedenen Versionen von "Omega : Bestia" gut erkennen kann.

Wie konnten sich die beiden Neuen denn in den Songwriting-Prozess zum neuen Album einbringen?

Wir kennen die Beiden ohnehin schon sehr lange und wussten, dass wir nicht nur persönlich gut miteinander klar kommen würden, sondern dass auch Beide hervorragende Musiker sind. Seehb hat von Anfang an sehr viele Ideen mit eingebracht und sich als exzellenter Songwriter erwiesen. Da sind die Songs nur so herausgesprudelt. Und Ghust hat mit seinem Schlagzeugspiel den Sound perfekt abgerundet.

Wie lange haben die Arbeiten zu "Omega : Bestia" gedauert und inwieweit hat euch die Corona-Pandemie dahingehend beeinflusst?

Insgesamt haben wir mit all den Pausen ungefähr drei Jahre am Album gearbeitet. Die Corona-Pandemie hatte dahingehend Einfluss, dass wir den Release des Albums verschoben haben. Aber was die Songs oder den Sound angeht, hat uns Corona eher kalt gelassen.

Würde das Album also nicht anders klingen, wenn wir nicht eine derart schwierige Pandemie-Situation hätten?

Es würde nicht anders klingen, aber es wären mit Sicherheit nicht so viele Songs entstanden. In der Deluxe Box befinden sich ja dann drei CDs. Wir arbeiten so lange an einer CD bis wir denken, dass diese fertig ist und wir alle zufrieden sind. Da ist es völlig egal, ob gerade eine Pandemie ist oder nicht, hehe.

Worin liegen eurer Meinung nach die Hauptunterschiede zwischen der kommenden Scheibe und dem Vorgänger "Bloodwinter"?

Der Hauptunterschied ist, dass wir den Härtegrad erhöht haben. Das heißt, wir haben Keys und Orchester zurückgenommen und die Gitarren und das Riffing in den Vordergrund gestellt. Die Geschwindigkeit der Riffs und deren Komplexität wollten wir erhöhen und dem Bass viel Raum geben. Das Ganze sollte dann aber mit sehr epischen und eingängigen Refrains abgerundet werden. Ich denke, das ist uns gut gelungen.

Steckt ein spezielles Konzept hinter der Scheibe oder den einzelnen Songs? Eine Art roter Faden, der sich thematisch durch die Songs zieht?

Ein wirkliches Konzept steckt nicht dahinter, aber ein roter Faden sehr wohl. Es geht um die verschiedenen Arten von wildem Leben und die unterschiedlichen Sichtweisen, die dahinterstecken. Tötet ein Tier meist aus Hunger oder um sich zu verteidigen ('Der Geist und die Dunkelheit'), tut es der Mensch immer aus Gier, Macht oder um sich sonst irgendwie einen Vorteil zu erhaschen ('Komet', 'Bestie'). Die Songs handeln also sehr stark von den dunklen und zerstörerischen Seiten des Lebens und der Natur an sich. Wildes Leben kann aber auch einfach Freiheit bedeuten, oder seine Grenzen auszuloten. Damit spielen wir auch ganz bewusst auf die letzten Jahre der Band an, wir hatten ein sehr wildes Leben wenn wir zurückblicken, und WOLFCHANT hat uns an sehr viele tolle Orte überall auf der Welt gebracht und wir haben tolle Leute kennengelernt. Das ist mittlerweile in der Musikszene ein großes Privileg. Darum heißt die Bonus-CD in der Box auch "Das wilde Leben".

Du hast ihn gerade kurz angesprochen: Inwieweit steht 'Komet', der erste von euch präsentierte Song des Albums, stellvertretend für die komplette Scheibe?

Der Song handelt von der Gier der Menschen, es geht um eine Sekte die einen Kometen herbeibeschwört, weil sie sich Gold und damit Macht verspricht. Der Komet hat aber einen eigenen Willen und nutzt die schwachen Geister nur aus, um seine Ziele zu erreichen. Bis die Protagonisten erkennen, dass sie ihren eigenen Untergang heraufbeschworen haben, ist es schon zu spät. Das kann man alles im Video sehr gut sehen, müsst ihr euch unbedingt mal ansehen.

Auf euren Alben wechselt ihr zwischen der deutschen und englischen Sprache hin und her. Worin liegen eurer Meinung nach die Reize darin?

Zu manchen Songs passt Deutsch besser, zu anderen wiederum Englisch. Es kommt durchaus vor, dass wir einen Song in beiden Sprachen aufnehmen und uns dann für die Variante entscheiden, die besser klingt. Das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters.

Wie wichtig ist für euch dahingehend der Abwechslungsreichtum generell in eurer Musik?

Sehr wichtig! Wir toben uns sehr gerne aus und das Etikett Pagan Metal, das man uns irgendwann mal verpasst hat, bietet uns dazu alle Möglichkeiten, da hier die Grenzen nicht so klar abgesteckt sind wie bei anderen Stilrichtungen im Metal.

Das Artwork zur neuen Scheibe ist der Wahnsinn geworden. Wer war dafür zuständig und wie steht es im Verhältnis zu den Songs auf "Omega : Bestia"?

Für das Artwork ist mittlerweile zum dritten Mal hintereinander Peter Salei verantwortlich. Der macht auch die Artworks für unter anderem SABATON und POWERWOLF. Auf dem Cover kann man ein Beschwörungsritual sehen, aus dem eine Bestie hervorgeht und im Hintergrund sieht man groß den Kometen eintauchen. Wir waren ebenfalls alle schwer begeistert!

Mit 'Komet', 'Into Eternal Darkness' und 'Bestie' gehen meine Lieblingssongs auch gleich sehr gut ins Ohr, wirken kräftig und verspielt zugleich, tolle Songs! Mit welcher Intention oder Zielsetzung seid ihr an die Arbeiten zu den neuen Stücken herangetreten?

Wie ich oben schon erwähnt habe wollten wir eingängige, aber gleichzeitig auch rasante Hymnen schreiben. Gitarrenlastige Metal-Songs, die man gut mitsingen kann, die aber nicht weichgespült sind. Wichtig waren uns auch schnelle und abwechslungsreiche Soli sowie viele kleine Spielereien zwischendurch.

Michael Seifert sorgt sowohl bei euch als auch bei REBELLION für die sehr markanten, kräftigen Vocals. Worin liegen weitere Gemeinsamkeiten der Bands?

Außer, dass wir immer ordentlich einen heben wenn es die Gelegenheit gibt, eigentlich gar keine. Ich schätze REBELLION seit der ersten Scheibe und das hat sich bis heute nicht geändert. "Determined Damnation" haben wir 2009 bei Uwe Lulis im Black Solaris Studio in Frankfurt aufgenommen. Der hat dann auch ein paar Konzerte als Gast-Gitarrist mit uns gespielt. Das war richtig großartig und hat total viel Spaß gemacht. Den Tomi kenne ich natürlich auch schon viele Jahre und der ist ein wahnsinnig netter Kerl. Wir wollten mal zusammen ein paar Gigs spielen, aber das hatte dann oft zeitlich nicht geklappt, vielleicht schaffen wir es ja jetzt bald mal.

Generell wurde eure Musik im Laufe der Jahre und Alben noch melodischer, hymnischer und bisweilen auch epischer. Wie denkt ihr über die musikalische Entwicklung WOLFCHANTs? Habt ihr sogar dieselbe Sicht wie ich?

Die Antwort wird jetzt sehr kurz: Ja! Ich sehe das genauso wie du. Das war ein natürlicher Prozess, der sich so ergeben hat, weil man irgendwann die Instrumente immer besser beherrscht hat und auch wusste auf was es beim Songwriting ankommt.

Wie wird das restliche Jahr 2021 bei WOLFCHANT aussehen? Wir haben von vielen Bands gehört, dass sie inmitten der konzertfreien Zeit ihren Fokus voll und ganz auf das Songwriting legen. Sieht das bei euch ähnlich aus?

Wir haben einige Festivals und auch eine Tour geplant und hoffen, dass das alles stattfinden wird. Tatsächlich arbeiten wir bereits an einer weiteren, speziellen CD, die eventuell sogar noch dieses Jahr erscheinen wird, so wäre es auf jeden Fall geplant.

Lokhi, vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Was möchtest du noch loswerden?

Wir bedanken uns bei dir, Powermetal.de und den Lesern für das Interview. Vielen Dank auch an alle, unsere Fans, die uns immer unterstützen und gerade jetzt in der schwierigen Zeit unsere Musik und das Merch kaufen, ihr seid alle großartig! Ich kann jedem nur raten, mal in unser neues Material reinzuhören. Ich bin sicher, für viele ist da was dabei! Ansonsten hoffe ich, dass wir uns bald wieder auf Festivals und Konzerten treffen. Passt auf euch auf!

Redakteur:
Marcel Rapp

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