WOLF: Interview mit Johannes Losbäck

03.03.2009 | 14:37

Wie kommt man nur ins Vorprogramm von METALLICA? Wie true sind denn nun PRIMORDIAL? Und beten die Old-School-Metaller von WOLF eigentlich den Teufel an? Fragen über Fragen...

Die schwedischen Edelstahl-Gießer von WOLF haben mit ihrem fünften Studio-Album "Ravenous" mal wieder eindrucksvoll bewiesen, dass sie tradtionellen Heavy Metal meisterhaft und mit gnadenlos rockender Power zu zelebrieren verstehen wie sonst kaum jemand auf diesem seltsamen Planeten. Auf dieser äußerst kurzweiligen CD treffen erneut gigantische Riffwände auf unter die Haut gehenden Sirenengesang und Hooklines für die Ewigkeit. Gitarrist Johannes "Axe" Losbäck gewährt uns einige Einblicke in das Innenleben des Rudels.

Martin:
Johannes, Gratulation zu "Ravenous". Was mich betrifft, habt ihr mit Album Nummer fünf alles richtig gemacht. Die Hit-Dichte ist jedenfalls phänomenal. Ich gehe mal davon aus, dass ihr verdammt stolz auf eure Arbeit seid. Beschreibe doch bitte mal die Entstehungsgeschichte des Albums?

Johannes:
In der Tat, wir sind sehr zufrieden mit "Ravenous". Wir haben uns musikalisch frei entfalten können und uns sehr wohl gefühlt während der Arbeiten an der Platte. Immer wenn ein Album fertig ist, fangen wir schon mit dem Songwriting für das nächste an. Wir komponieren halt eher langsam. Es gibt da einige Songs auf "Ravenous", an denen wir bereits zu Zeiten von "The Black Flame" gearbeitet haben, die aber nicht rechtzeitig fertig wurden für die damalige Aufnahmesession. Als das neue Line-up endlich stand, ging uns die Arbeit dann auch wieder viel leichter von der Hand.

Martin:
Gutes Stichwort. Zwei Bandmitglieder musstet ihr seit "The Black Flame" ersetzen, Bassist Mikael Goding und Drummer Tobias Kellgren haben WOLF verlassen. Wie kam es dazu und wie seid ihr auf die neuen, Anders Modd und Richard Holmgren, gestoßen?

Johannes:
Mikael und Tobias mussten die Band verlassen, weil sie nicht mehr bereit waren 110% für WOLF zu geben. Man kann einfach keine Leute im Team haben, die nicht wirklich von ganzem Herzen mit dabei sein wollen. Anders dürften einige von euch kennen aus seiner Zeit als Bassist von TAD MOROSE. Er ist ein großartigen Musiker und war unsere erste Wahl, als sich abzeichnete, dass Mikael gehen würde. Richard kann erst sehr spät zu uns, da waren die Arbeiten an "Ravenous" schon weit fortgeschritten. Er hat WOLF den Groove zurückgegeben, den wir schon einmal hatten, als Daniel Bergkvist unser Schlagzeuger war. Richard ist ein echter Profi und verfügt über sehr viel musikalische Erfahrung.

Martin:
Ihr habt dieses Mal im Studio mit Produzenten-Legende Roy Z zusammen gearbeitet. Das muss eine tolle Erfahrung gewesen sein!

Johannes:
Roy ist einfach nur fantastisch, und obwohl er ein wahrhaft Großer seines Faches ist, ein so herzlicher, offener und bodenständiger Mensch geblieben. So einen Produzenten kann man jeder Band nur wünschen. Wir haben immer irgendwann am späten Vormittag mit ein paar Bierchen angefangen und dann einfach nur drauflos gerockt, es einfach nur mächtig krachen lassen. Wir haben selten so frei und entspannt aufgespielt im Studio, die Atmosphäre war einfach so. Keine Hetze, keine Quälerei, kein Druck, einfach nur Rock'n'Roll, Baby! Roy hat eine ganze Woche lang mit uns geprobt, bevor wir überhaupt angefangen haben aufzunehmen. Wir hatten das Album also schon mehrfach komplett gespielt und gehört, als es richtig los ging. Das hat sehr viel geholfen.

Martin:
Inwiefern hört man diese neue Spielfreude der Scheibe denn deiner Meinung nach an? Wo liegen die Verbesserungen gegenüber früher auf "Ravenous"?

Johannes:
So genau kann ich das nur schwer sagen, das wird wohl erst mit etwas mehr Abstand möglich sein. Mich selbst beeindruckt einfach die unwiderstehliche Energie und Frische von "Ravenous", ich glaube kaum, dass es uns schon einmal gelungen ist diese Vibes so frisch und klar einzufangen.

Martin:
Ihr benutzt für eure Musik öfter den Begriff "Working Class Metal". Was muss ich mir eigentlich darunter vorstellen?

Johannes:
Der Begriff steht für Ehrlichkeit und Natürlichkeit. Wir haben diese Art von Musik einfach im Blut, da ist nichts gestellt oder gekünstelt. Alles ist bei uns echt und real, Dude, reiner purer Metal!

Martin:
Für das Artwork habt ihr wieder mit Thomas Holm zusammen gearbeitet. So mancher hat sich schon über die trashigen Bilder früherer Cover lustig gemacht und das neue wird wohl auch wieder in den "Klischeehaftestes, beklopptestes Artwork des Jahres"-Listen ganz vorne mit dabei sein. Macht euch diese Häme gar nichts aus.

Johannes:
Nein.

Martin:
Klare, einfache Antwort. Dann frage ich lieber noch mal was über die Musik selbst. Der Song 'Secrets We Keep' erinnert mich total an KING DIAMOND. Zufall oder bewusste Hommage.

Johannes:
Oh, der Vergleich ist ein Kompliment. Aber was soll ich das groß kommentieren, gestern erst hat mir ein Journalist gesagt, eine ganz bestimmte Strophe klinge stark nach IRON MAIDEN, ein anderer meinte vor kurzem, er habe da ein altes ACCEPT-Riff entdeckt. Wir empfinden es vor allem als Ehre mit all diesen tollen Bands verglichen zu werden. Wir machen schlicht und ergreifend die Musik, die wir selbst lieben, und all diesen genannten Band fühlen wir uns sehr nah. Keiner von uns will den Metal revolutionieren oder ein neues Genre erfinden. Natürlich bleibt es dabei nicht aus, dass dem einen oder anderen vielleicht mal eine Passage bekannt vorkommt. Heavy Metal gibt es nun schon seit über dreißig Jahren, da ist es schwer, innerhalb dieses Genres etwas völlig Neues zu machen.

Martin:
Es war zu lesen, dass Hank Sherman und Mark Boals als Gäste auf dem Album mitgemischt haben. Schlag mich, aber ich muss gestehen, dass ich die beiden nicht rausgehört habe. Was haben sie eigentlich gemacht?

Johannes:
Hank hat zum Titeltrack ein Solo beigesteuert. Ich hatte ihn darum gebeten, er ist ein langjähriger Freund der Band und so etwas wie ein Vorbild zugleich. Ich war ganz schön nervös im Studio als ich direkt nach ihm meine Leadgitarren-Parts einspielen sollte. Mark Boals hat Backing Vocals zu 'Love At First Bite' abgeliefert. Mark ist ein Idol von unserem Sänger Niklas. Wir waren noch nicht ganz zufrieden mit dem Song, ihm fehlte noch ein Nuance. Als Roy dann nach L.A. zurück gekehrt war, um sich um das Mixing zu kümmern, hat er Mark noch hinzu geholt und ihn ein paar Spuren einsingen lassen. Ich finde, es klingt jetzt grandios. Es ist eine große Freude und ein Glück für uns, dass zwei so exzellente Musiker etwas zu "Ravenous" beigetragen haben.

Martin:
Energiegeladene Live-Shows waren schon immer ein wichtiges Markenzeichen von WOLF. Wie funktioniert denn das neue Line-up on stage? Was können wir von den kommenden WOLF-Shows erwarten? Ich habe bisher noch gar nichts von einer Europa-Tour oder so gehört...

Johannes:
Ich auch nicht, hahaha. Aber es tut sich was. Es gibt schon Termine für Gigs in Schweden und Großbritannien, der Rest ist in der Mache. Aber ihr dürft euch auf das kompakteste und energetischste WOLF-Line-up aller Zeit freuen! Da werden vier verrückte Metalheads auf der Bühne stehen, die jede Nacht 666% geben!

Martin:
Irgendwann hieß es mal, WOLF kämen jetzt als Support von METALLICA richtig groß raus. Was aber wohl leider eine Ente war, diese Meldung, wie!?

Johannes:
Irgendwann kriegten wir mal eine Mail von einem schwedischen Booker, dass wir für zehn Gigs der METALLICA-Tour als Support bestätigt wären. Keiner hatte uns vorher gefragt und wir hatten auch mit dem Booker noch nie zusammen gearbeitet, also haben wir uns nicht weiter drum gekümmert. Auf einmal kriegten wir aber ständig Post und Anrufe von Fans und Freunden, die uns zu der fantastischen Support-Tour gratulieren wollten, weil die Nachricht wohl schon in irgendwelchen Foren verbreitet worden war. Jedenfalls war wirklich alles nur ein Gerücht. Aber ein cooles, hahaha!

Martin:
Wie stehst du denn zu "Death Magnetic"?

Johannes:
Die neue METALLICA ist eine ganze Ecke besser als "St. Anger", "Load" und "Re-Load". Ich finde "Death Magnetic" richtig klasse!

Martin:
Es gibt da einen ziemlich coolen Video-Clip zum Song 'Voodoo', in dem Niklas viele eklige Dinge mit riesigen Spinnen und Kakerlaken tun muss. Wie habt ihr ihn denn dazu gekriegt? Habt ihr ihm gedroht das Bier wegzunehmen?

Johannes:
Niklas ist ein wahrer Künstler, er tut, was immer er tun muss, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen. Wir brauchten diese Szenen einfach für ein richtig geiles Video, Niklas hatte auch nicht wirklich Probleme mit diesen niedlichen Kreaturen.

Martin:
Eine eurer Lieblingsbands soll PRIMORDIAL sein. Hätte ich nicht erwartet, eine True-Metal-Band ist das nicht gerade...

Johannes:
Was meinst du mit True Metal? PRIMORDIAL treten jedenfalls ganz mächtig Popo. So einfach ist das. Eigentlich bin ich ja der einzige richtige PRIMORDIAL-Fan bei uns, ich liebe diese Band schon seit Jahren. Ihre Musik lebt und erzählt Geschichten, ich kenne kaum eine andere Band, die so viel Ausdruck und Tiefe in ihre Songs legt. Das finde ich verdammt true!

Martin:
Nehmen wir mal an, du dürftest in deiner Heimatstadt ein Heavy-Metal-Festival organisieren - Geld spielt keine Rolle. Wen würdest du einladen?

Johannes:
PRIMORDIAL natürlich! Dazu IN SOLITUDE, BULLET, GRAND MAGUS, MORBID ANGEL, FORBIDDEN, DESTRUCTION, HIRAX und SAVATAGE.

Martin:
Cooles Billing. In den letzten Jahren haben viele Bands der Achtziger ihr Comeback gefeiert. Nicht unbedingt alle davon waren wirklich essentiell, aber von dir möchte ich gerne wissen, welches Comeback denn noch fehlt? Welche Band sähest du gerne auch wieder vereinigt?

Johannes:
Ich bin ziemlich traurig darüber, dass CELTIC FROST die Brocken schon wieder hingeworfen haben. Ich bin mir ganz sicher, dass sie noch ein brillantes Album machen könnten, wenn sie es nur wirklich wollten!

Martin:
Wäre es zumindest musikalisch nicht besser für dich, du wärest 25 Jahre eher geboren worden?

Johannes:
No way, dann wäre ich ja jetzt schon 50!

Martin:
Wenn du ein WOLF-Interview machen müsstest, welche Frage würdest du dieser Band unbedingt noch stellen?

Johannes:
Betet ihr eigentlich den Teufel an?

Martin:
Und?

Johannes:
Öhem ... tjaaa ... alsooo ...

Redakteur:
Martin van der Laan

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