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XANDRIA: Interview mit Marco Heubaum

03.10.2005 | 19:03

XANDRIA haben mit "India" ein heißes Gothic-Metal-Eisen ins Feuer gelegt. Da dachten wir, fragen wir mal nach. XANDRIA-Gitarrist Marco Heubaum stand mir Rede und Antwort.


Martin Schneider:
Herzlichen Glückwunsch zum neuen Album. Ich finde es echt klasse!

Marco Heubaum:
Danke schön, freut mich, dass es dir gefällt!

Martin:
Worauf habt ihr bei der Entstehung von "India" besonderen Wert gelegt?

Marco:
Wir wollten vor allem die Gitarren lauter haben als auf "Ravenheart". Da bot es sich natürlich auch gleich an, Drums und Bass lauter zu machen. Dadurch ist die Band mehr im Vordergrund als letztes Mal. Die Atmosphäre kam dabei aber interessanterweise nicht zu kurz, es fügt sich nur alles sehr viel besser ineinander als beim letzten Mal. Dabei spielt es sicherlich eine Rolle, dass wir statt Syntheziser diesmal viel echte Instrumente benutzt haben, wie z.B. den Einsatz des Babelsberger Filmorchesters, Musiker einer Irish-Folk-Band mit authentischen Instrumenten und einige Mitglieder der Band LYRIEL für zusätzlichen Stimmeinsatz und Cello-Klänge.

Martin:
Die Songs 'India' und 'Return To India' bilden den Rahmen des Albums. Erklärt uns das doch bitte...

Marco:
Uns ist mitten im Schreiben der Stücke aufgefallen, dass es viel um Punkte im Leben geht, die man bereist, auf der Suche nach einem Ziel. Es hat dann alles mit dem Song 'India' angefangen, als Lisa meinte, der Refrain verlangt irgendwie nach fernen, sagenumwobenen Ländern – das hatte ich auch schon so gedacht und mir fiel daraufhin die Geschichte von Christoph Columbus ein, der nach einem fernen Land gesucht hat: Indien. Ich benutzte das dann als Sinnbild für die Suche im Leben, auf der man aber oft nicht da landet, wo man ursprünglich hinwollte, sondern ganz woanders – und es ist dann auch oft gut so. Das passte, wie eingangs erwähnt, ganz gut zu den anderen Songs, und so wurde mit 'Return To India' noch ein Song geschrieben, um das ganze abschliessend einzurahmen.
Es geht jetzt allerdings nicht darum, dass dies ein Konzeptalbum sein soll, die Songs sollen auf jeden Fall eigenständig wahrgenommen werden. Es war nur interessant, einen Bogen zu spannen – wir haben so etwas ja vorher noch nie ausprobiert!

Martin:
Mir gefällt der Song 'Like A Rose On The Grave Of Love' besonders. Gibt es dazu eine Geschichte?

Marco:
Also, der Song ist ja von Lisa geschrieben worden, ich hoffe, ich sag deshalb jetzt nichts Falsches. Von der Entstehung her gab es da eine Zeit um das "Ravenheart"-Album, als Lisa und ich beide viel irischen und schottischen Folk gehört haben und der Meinung waren, wir müssten so etwas auf dem nächsten Album mal einbauen. Lisa wollte das sehr authentisch haben, also nicht so bombastisch wie es manche Bands machen, und so hat sie diesen Song geschrieben, bei dem wir dann auch versucht haben, ihn mit den Gastmusikern der Irish-Folk-Band SCEAL EILE möglichst authentisch umzusetzen.
Die Story hinter dem Text ist auch sehr typisch irisch - irische Balladen handeln oft von unglücklicher Liebe oder Sehnsüchten. Hier geht es darum, dass man begreift, dass man mit der geliebten Person nie zusammenkommen kann, weil diese einfach nicht für die Zweisamkeit geschaffen ist. Deshalb hat die Rose im Song ja auch Dornen...

Martin:
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit LYRIEL, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und SCEAL EILE?

Marco:
Das hat sich alles während der Aufnahmen ergeben. Die Sängerin von LYRIEL hatte Backing Vocals bei einem Song einer anderen Band gesungen, den José gerade produzierte, da kamen wir schnell auf die Idee, die tolle Stimme auch bei uns einzusetzen – wir haben sie dann gefragt, und am Ende haben sogar drei Mitglieder der Band bei uns mitgewirkt. Das Orchester kam auch über einen Kontakt von José zu Stande, den er nach Berlin hat. SCEAL EILE war das Ende einer kleinen Suche durch die Irish Pubs, die wir abends nach den Aufnahmen enterten, um Kontakte zu Musikern aus dieser Szene zu knüpfen. Irgendwo hing dann ein Plakat von denen und wir haben sie einfach angesprochen.

Martin:
Themawechsel: Wie fühlt man sich, wenn man ein starkes Album wie "India" abliefert, und dann von den Printmedien mit Kommentaren wie: "Was NIGHTWISH macht, macht XANDRIA auch" oder ihr würdet euch wie ein Fähnchen im Wind drehen? Wie sehr nerven euch die Vergleiche mit NIGHTWISH und WITHIN TEMPTATION?

Marco:
Manchmal schon ziemlich, wenn der Kopievorwurf kommt. Natürlich machen wir schon irgendwo die gleiche Richtung, aber wir haben ja unsere ganz eigenen Facetten. Jeder, der nicht nur oberflächlich von dem, was er irgendwo gehört oder gelesen hat, auf uns insgesamt schließt, sondern auch mal wirklich unsere Alben gehört hat, wird das schon merken. Eine Sache, die mir übrigens besonders auffällt bei vielen Diskussionen: Warum glauben eigentlich so viele Leute, dass Bands Dinge immer nur aus Erfolgs- oder Geldgier tun? Vielleicht macht man die Sache ja vor allem aus Spaß daran. Und es hat uns schon Spaß gemacht, z.B. mit dem Titelsong 'India' auch mal so ein Bombast-Metalstück zu schreiben. Aber wir probieren ja vieles aus, es klingt ja nie ein ganzes Album wie ein einzelner Song. Und das machen wir einfach, weil wir Spaß daran haben, Dinge auszuprobieren. Klar lässt man sich hier und da mal inspirieren, weil man irgendetwas total geil findet, aber das ist dann eher so eine kindische Freude daran und nicht strategisches Kalkül.

Martin:
Für mich ist die Kritik nicht angebracht, da die Änderungen zu "Ravenheart" für jeden, der euch live auf Tour gesehen hat, zu 100% nachvollziehbar sind, da ihr live tatsächlich um einiges heavier rüberkamt als auf Platte.

Marco:
Das stimmt. Wobei ich jetzt überrascht bin, dass der etwas härtere Sound von "India" in der Kritik steht, davon habe ich bisher noch nicht gehört. Ich habe den Eindruck, manche Leute werden immer etwas auszusetzen haben oder etwas finden, um einem etwas vorzuwerfen. Und am Ende machen wir Gitarrenmusik mit einer Sängerin und viel Atmosphäre, das allein wird für Vergleiche ausreichen, egal, was wir tun und wann wir es tun. Man sollte das alles, denke ich mal, ignorieren und einfach das machen, was einem Spaß macht. Und das werden wir auch, wie schon immer...

Martin:
Ist die Kritik von Liv Kristine berechtigt, dass diese Rezensenten diese Art der Musik einfach nicht mögen?

Marco:
Es gibt immer Leute, die einen mögen und welche, die einen nicht mögen. Ansonsten wäre es ja auch langweilig. Aber es gibt hier und da schon Polemik, die darauf schließen lässt, dass da eventuell jemand seine persönlichen Kreuzzüge führt.

Martin:
Wann sehen wir euch wieder on tour?

Marco:
Ich hoffe, 2006 viel unterwegs zu sein. Wir fangen gerade erst mit der Planung an!

Martin:
Wird LYRIEL eventuell mit euch auf Tour gehen?

Marco:
Ich persönlich fände das sehr schön! Da werden wir bestimmt drüber reden.

Martin:
Wie waren eure Eindrücke vom Busan Rock Festival?

Marco:
Das war ein gigantisches Festival, und wir hatten eine Wahnsinnsshow mit Pyroeffekten und das alles. Wir haben das alle als unvergessliches Erlebnis mitgenommen.

Martin:
Habt ihr schon Ideen für den Nachfolger von "India"?

Marco:
Ich habe hin und wieder schon neue Songideen im Kopf (man schreibt ja potenziell immer, und nicht nur direkt für ein neues Album), aber inwiefern die das Bild des nächsten Albums bestimmen werden, kann ich noch nicht sagen, auch wenn Bombast darin weniger eine Rolle spielt. Erstmal schreiben ja auch die anderen – und ich habe keine Ahnung, was bei denen gerade für Ideen im Kopf herumschwirren – und dann ergibt sich das ja auch alles erst im weiteren Verlauf.
Wir haben bisher ja immer versucht, neue Horizonte auszuloten, neues Terrain zu betreten, so wird es bestimmt auch nächstesmal wieder sein. Da wir ja auch bisher nie dasselbe nochmal gemacht haben, wird das bestimmt auch nächstes Mal keiner von uns erwarten... und das ist ja auch eine gewisse Freiheit. Mal schauen, wie wir sie nutzen...

Martin:
Vielen Dank für das Interview, ich hoffe ich seh euch bald wieder auf Tour und wir können dann ein face-to-face-Interview machen.

Marco:
Das wäre doch schön! Und viele Grüsse an alle Leser von Powermetal.de!

Redakteur:
Martin Schneider

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