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XANDRIA: Interview mit Marco Heubaum

04.06.2007 | 22:06

Stefan Kayser:
Ich möchte mit einer etwas provokativen Frage beginnen. Gruppen wie XANDRIA werden dem Gothic Rock zugeordnet. Für mich als Kind der 80er ist Gothic die Art Musik, wie sie die FIELDS OF THE NEPHILIM, die SISTERS OF MERCY oder BAUHAUS gemacht haben. Seht ihr euch selbst als Gothic-Band?

Marco Heubaum:
Das ist exakt das, was ich auch immer sage, wenn ich in Interviews nach dem Thema "Gothic" gefragt werde. Für mich sind das auch die von dir genannten Bands.
Wir sehen uns selbst als Rockband, die viele Einflüsse fantasievoll verarbeitet. Dazu gehören Metal, Folk und durchaus auch Gothic. Wobei gerade Gothic in diesem Zusammenhang weniger etwas mit klar definierbaren musikalischen Merkmalen zu tun hat als vielmehr mit einem Gefühl. Es ist dieses Gefühl für die dunklen Seiten im Menschen, die nicht nur ihre Berechtigungen haben, sondern auch ihre ganz eigene - manchmal bittere - Schönheit. Die findet sich sicher auch in unserer Musik wieder, deshalb ist die Kategorisierung als "Gothic"-Band zwar nicht zutreffend, aber in Ansätzen nachvollziehbar.

Stefan Kayser:
Euer neues Album heißt "Salomé. The Seventh Veil". In der Bibel ist Salomé, auch wenn der Name nicht biblisch ist, ein Mädchen aus der Familie des Herodes, die nach ihrem Schleiertanz den Tod Johannes des Täufers verlangt. Wie kamt ihr auf den Titel?

Marco Heubaum:
Salomé war eine Getriebene ihrer Gefühle für Johannes und der Einflüsterungen ihrer Umgebung, nur deshalb hat sie den Tanz der sieben Schleier getanzt. Wir werden oft gezwungen, Schleier abzulegen, Farbe zu bekennen, um etwas zu erreichen oder uns so präsentieren zu können, wie wir wirklich sind. Diese Symbolik, die in der Geschichte steckt, hat uns fasziniert.

Stefan Kayser:
Neben Lisa ist auf dem Album gelegentlich eine männliche Stimme zu hören. Wer singt da? In meiner CD-Ausgabe ist keiner der übrigen Bandmitglieder als Sänger genannt.

Marco Heubaum:
Das ist Mika Tauriainen von ENTWINE. Wir haben uns 2004 auf der "Ravenheart"-Tour kennengelernt und fanden es einfach passend, ihn zu diesem Song zu fragen. Falls du aber auf die Death-Metal-Growls in 'Firestorm' anspielst, das war Lisa selbst.

Stefan Kayser:
Wie entstehen eure Stücke? Ist erst der Text oder die Musik da oder wechselt das?

Marco Heubaum:
Es ist eigentlich immer zuerst die Musik da. Der Text ist dann von dem Gefühl inspiriert, das die Musik auslöst, zusammen mit den Gefühlen, die wir persönlich gerade mit uns herumtragen.

Stefan Kayser:
"Salomé" ist euer mittlerweile viertes Album. Welche Bedeutung hat die Scheibe in der Entwicklung von XANDRIA?

Marco Heubaum:
Dies ist das Album, das uns als Band sehr stark zusammengeschweißt hat, denn wir haben noch nie soviel in wirklich gemeinsamer Arbeit gemacht und auch noch nie so viele Dinge selber in die Hand genommen, wie z.B. das Artwork usw.

Stefan Kayser:
Hast du ein Lieblingslied auf "Salomé"?

Marco Heubaum:
Das wechselt praktisch täglich, wenn nicht stündlich! Aber als das Album fertig war, kann ich mich erinnern, habe ich mir im Auto immer wieder diese Stelle in 'Sisters Of The Light' angehört, in der vor dem letzten Refrain diese PARADISE-LOST-mäßige Lead Guitar zu hören ist.

Stefan Kayser:
Die Scheibe hat einen ziemlich guten Sound. Wer hat sie produziert?

Marco Heubaum:
Als Produzent stehe ich zusammen mit der Band im Booklet. Wir haben also jetzt unsere Soundvorstellungen zum ersten Mal wirklich hundertprozentig umsetzen können, vor allem, weil wir mit Jörg Umbreit im Principal Studio einen sehr erfahrenen und guten Mann an den Reglern hatten.

Stefan Kayser:
Wie sieht es mit Tourplänen aus?

Marco Heubaum:
Wir kommen gerade von einer Tour! Aber wir werden noch auf ein paar Festivals spielen, z.B. Bochum Total oder das Summer Breeze, und im Herbst geht's dann weiter mit der Tour.

Stefan Kayser:
Ich habe gelesen, dass ihr mittlerweile auch im Ausland für Aufsehen sorgt. In welchen Ländern seid ihr besonders erfolgreich?

Marco Heubaum:
Ich glaube, besonders in Südamerika gehen die Leute ab. Wenn man sich unser Gästebuch auf http://www.xandria.de anschaut, findet man da lauter Leute aus Brasilien, Argentinien usw.

Stefan Kayser:
Wer sind eure Lieblingsbands und vielleicht sogar Vorbilder für eure Musik?

Marco Heubaum:
So richtige Vorbilder haben wir heutzutage gar nicht mehr. Wir lassen uns mehr von unseren momentanen Stimmungen leiten. Lieblingsbands hat jeder andere bei uns, aber wenn IRON MAIDEN im Tourbus läuft, protestiert glaube ich nur noch Philip, der wohl eher was Altes von BLACK LABEL SOCIETY reinlegen würde...

Stefan Kayser:
Habt ihr auch Lieblingsmusik, die man gar nicht von euch erwarten würde? Musik, die ihr zwar gerne hört, die euer Schaffen aber nicht beeinflusst hat?

Marco Heubaum:
Haha, siehe oben, wobei ZAKK WYLDE im Gitarrenspiel bei XANDRIA auch schon mal durchscheint, oder die Melodik von MAIDEN. Die Grenzen sind also verschwimmend. Ich persönlich stehe ja auch auf Bands wie EMPEROR und SATYRICON, und deren spezielle Merkmale in XANDRIA unterzubringen - ohne dass man sie auch anderen Einflüssen zuordnen könnte - ist denke ich nicht wirklich drin. Aber wir werden eher einen Black-Metal-Song schreiben als einen Ska-Song, das kann ich euch sagen...

Stefan Kayser:
Ich mag Livealben sehr gerne. Kannst du mir was empfehlen?

Marco Heubaum:
Hm, wir selber haben ja noch keines herausgebracht, hehe. Ansonsten bin ich da etwas schräg, glaube ich. Ich gehöre ja zu den wenigen, die MOTÖRHEAD auf Studioalbum besser finden als live...

Stefan Kayser:
Danke für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin.

Marco Heubaum:
Ich danke auch und wünsche euch und euren Lesern alles Gute!

Redakteur:
Stefan Kayser

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