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ZOO ARMY: Interview mit Tal und Gil Ofarim

08.03.2006 | 21:29

ZOO ARMY? Nie gehört - das mögen sich die meisten von euch denken, und das ist auch nicht weiter verwunderlich, handelt es sich bei der Band doch um einen waschechten Newcomer. Wenn man allerdings einen Blick auf die Liste der Beteiligten wirft, könnte die Sache schon anders aussehen. Bei den Namen Tal und Gil Ofarim dürfte bei einigen im Hinterkopf etwas klingeln. Speziell Letzterer war nämlich in seinem früheren Leben ein gefeierter Teenie-Star. Bevor jetzt aber alle gleich schreien, dass POWERMETAL.de total ausgewhimpt sei, sollte man sich erst mal die am 10.03.2006 erscheinende Platte "507" anhören, die versiert gespielten und phasenweise erfreulich harten Alternative Rock bietet. Zur Einstimmung könnt ihr schon mal lesen, was Tal (b.) und Gil (v., g.) über die Scheibe zu berichten hatten. Im Interview waren beide relaxt, gleichzeitig sehr entschlossen und vor allem entwaffnend ehrlich!


Oliver:
Hi! Wie geht's euch beiden?

Gil:
Danke, sehr gut!

Oliver:
Erzählt doch zum Einstieg mal, wie ihr als ZOO ARMY zusammengefunden habt.

Gil:
Jeder Einzelne kannte sich über zig tausend Ecken schon vorher, weil die Münchener Rockszene leider nicht sehr groß ist. Angefangen hat es mit ZOO ARMY damit, dass Tal aus Israel zurückkam, wo er sich eine kleine Auszeit genommen hatte, und zu Hause so'n bisschen musizierte. Man kam schnell auf den Gedanken: Alter, lass uns was zusammen machen! Dann haben wir dafür jemanden gesucht und über einen guten Freund den Dominik (Scholz, Schlagzeug – Anm. d. Verf.) gefunden. Wir haben ihn spielen hören, schauten uns an und wussten sofort: Das ist er! Wir hatten eigentlich noch 'nen anderen Gitarristen, der aber aus privaten Gründen leider nicht weitermachen konnte. Im Studio haben wir dann Roland (Söns, Gitarre – Anm. d. Verf.) kennen gelernt und wussten: ZOO ARMY ist jetzt perfekt, ZOO ARMY ist vollständig!

Oliver:
Das Cover eures Debüts ziert ein Zebra mit Nietenhalsband. Ist das für euch so eine Art Maskottchen oder einfach nur eine visuelle Umsetzung eures Bandnamens?

Gil:
Ich würde sagen, weniger Maskottchen sondern eher das Zweite. Wir sind einfach eine Newcomerband – egal, wie lange jeder Einzelne schon Musik macht. Und als Newcomer, das kennst du selber, kriegt man Fragen gestellt: "Warum seid ihr das nächste große Ding?", "Warum sollte ich eure CD kaufen?" und Sachen wie "Ihr seid doch nur die Kopie von jemandem!", "Ihr klingt doch wie..." Du hast zig Millionen Klischees und schon einen Stempel auf der Stirn. Du kommst in eine Schublade, in die du gar nicht rein willst. Das habe ich früher gehabt; das hat jeder Einzelne von uns mit mir zusammen sogar noch schlimmer. Und wir kämpfen uns 'n bisschen da raus. Wir fühlen uns wie Tiere, die im Zoo eingesperrt sind, weißt du. Wir sind zwar nur vier Jungs, aber du musst uns live erleben, dann weißt du, warum das ganze Ding ZOO ARMY heißt.

Oliver:
Ihr habt die Platte in den "507 Studios" von Michael Ellwanger aufgenommen. Hattet ihr ein derart gutes Arbeitsklima, dass ihr euer Album gleich genauso getauft habt oder warum heißt die Scheibe "507"?

Tal:
Eigentlich war es mehr die Zahl, die hat es uns angetan. Irgendwie sieht "507" gut aus. Die erste Platte "Zoo Army" zu nennen, ist langweilig. Oder Sachen wie "Zoo Army I", "Zoo Army II" wie irgendwelche Filme…

Gil:
...oder wie Led Zeppelin. Das darfst du auch nicht machen.

Tal:
Das sind einfach wieder Klischees, weißt du. Oder einfach Kopien, die wir nicht machen wollen. Außerdem hatten wir tatsächlich auch ein gutes Klima im Studio und da haben wir gesagt, das passt einfach.

Gil:
Man hatte ein gutes Klima, bis die Deadline des Albums immer näher und näher kam; dann wurde es ein bisschen heiß. Aber ansonsten: Ich finde, es passt einfach. Es gibt genug doofe Plattennamen, die irgendwie nix sagen. Und "507" - keiner kapiert's, aber trotzdem finde ich, sagt es mehr als alles andere. Außerdem sieht's aus wie eine Sträflingsnummer…

Oliver:
Lasst uns ein wenig über die Musik sprechen. Als erste Single wird 'I'm Alive' aus dem Album ausgekoppelt werden. Stilistisch liegt dieser Song meiner Meinung nach genau in der Mitte des musikalischen Spektrums der Platte. Es gibt ein paar softere, aber auch deutlich härtere Nummern. Denkt ihr, dass euch der Track gut repräsentiert?

Gil:
Ganz ehrlich: Ich finde Singles sowieso überflüssig. Singles sind mehr so eine Sache, die Plattenfirmen brauchen und wollen, um Geld zu machen. ZOO ARMY ist auf jeden Fall 'ne Albumband, keine Singleband – ganz und gar nicht. Und welchen Song die auskoppeln und in welcher Version, da sind einem ein bisschen die Hände gebunden. Aber für mich ist nicht 'I'm Alive' die erste Single, sondern 'Change' (einer der härteren Tracks – Anm. d. Verf.). 'Change' war auch das Erste, das rauskam und von dem Promoter aus an alle Radiosender und Zeitungen ging. Und ich finde, da haben wir so 'nen bleibenden Eindruck hinterlassen.
'I'm Alive' repräsentiert uns vielleicht musikalisch nicht so ganz wie der Rest – wie du gesagt hast, es liegt so in der Mitte –, aber textlich. Und ich finde, Musik und Text ist beides ein ganz großer Bestandteil der Band. Textlich geht es darum – und damit kann sich nicht nur jeder in der Band identifizieren sondern auch jeder da draußen –, dass da ein Kerl ist, der die ganze Scheiße durchgemacht hat und jetzt endlich an einen Punkt kommt, an dem er sagt: "Fuck! Ich bin aber am Leben!" Und das ist die Aussage von 'I'm Alive'. Jeder macht Scheiße durch. Das hatte jeder in seinen früheren Bands, und das hatte ich früher in meiner Geschichte. Und man kann einfach sagen: "Fuck! Ich bin am Leben!" Nicht großartig "Danke, danke, danke, lieber Gott!", sondern der Status quo ist: "Ich bin am Leben, ich hab's überlebt und jetzt lebe ich weiter!"

Oliver:
Als "507" bei uns in der Redaktion auftauchte, wusste ich nicht, dass u. a. ihr beide hinter ZOO ARMY steckt. Deshalb war ich doch etwas überrascht, als ich die fetten Riffs in beispielsweise 'Change' und 'Take Me Away' hörte; so etwas kannte man aus eurem Umfeld vorher nicht. War das für euch eine logische Entwicklung?

Gil:
Auf jeden Fall! Ich spreche jetzt für mich! Ich habe angefangen, da war ich vierzehn Jahre alt, das darf man nicht vergessen. Und das war für mich ein ganz anderes Kapitel. Das hat auch alles schön funktioniert, auch so wie es sich die damalige Plattenfirma vorgestellt hat (lacht). Ich wollte mich immer weiterentwickeln, man hat mich aber nie gelassen. Meine letzte Soloplatte "On My Own" (2003 – Anm. d. Verf.) war das Allerallererste, das ich NACH der Teenie-Geschichte gemacht habe. Und die Band ist die logische Weiterentwicklung für mich. Ich habe die meisten Songs auf der Platte geschrieben. ABER: Sie würden nicht so klingen, wie sie klingen, wenn sie nicht noch den Input der anderen Jungs durchgemacht hätten, und da hat auch mein Bruder viel eingebracht. Und diese Riffs - das ist auf jeden Fall ZOO ARMY; das ist das, was uns widerspiegelt. Für mich ist es eine logische Entwicklung; für die Leute da draußen nicht. Aber wenn sie sich das Album anhören und ein wenig darin vertiefen, dann ist es denen auch scheißegal. Einfach live sehen, Musik und Spaß haben. Und darum geht's eigentlich auch.

Oliver:
Absolut! Da du gerade den Input der anderen Bandmitglieder angesprochen hast: Wie viel bringen Tal, Dominik und Roland im Songwriting-Prozess tatsächlich ein?

Gil:
Vielleicht noch mal ganz kurz für mich: Ich habe einen Teil der Songs geschrieben, da war ZOO ARMY noch nicht zusammen. Wenn ich Songs schreibe, muss ich erst mal für mich alleine sein. Aber wenn ich nicht mehr weiter weiß – oder selbst, wenn der Song fertig ist –, möchte ich, dass jeder in der Band etwas einbringt. Es gibt auch Songs, die wir bereits jetzt für die nächste Platte machen; da kommt jeder in der Band. Da kommt der Dominik und sagt: "Hey, ich hab 'n geiles Fill! Ich stell mir das so und so vor, mit irgendwelchen schrägen Rhythmen." Damals hatte ich wahnsinnig viel auf der Seele, was ich sagen wollte und glücklicherweise ist auch das meiste Zeug auf die Platte gekommen.

Tal:
Was Input betrifft, ist es ziemlich lustig. Offiziell war es so, dass wir erst mal ein paar Konzerte hatten – zwar schon als bestehende Band, aber noch unter dem Namen Gil Ofarim –, bis wir dann endgültig am 24. Mai 2005 bekannt gegeben haben, dass wir eine Band sind und zwar ZOO ARMY. Bei den Proben zu den Konzerten haben wir an den ganzen Songs für diese Platte noch rumgefeilt und alles mögliche gemacht. Klar, der Gil hat die Ideen, er hat die Songs geschrieben, aber bei so geilen Ideen bringt am Ende jeder was ein. Das Ergebnis ist "507"

Oliver:
Auf eurer Homepage macht ihr sehr deutlich, dass ihr nicht viel vom Schubladendenken im Musikbusiness haltet. Gibt es eine Schublade, in der ihr auf gar keinen Fall landen wollt?

Tal:
Eigentlich in keiner! Wir wollen, wenn überhaupt, dann 'ne eigene Schublade haben.

Gil:
Ich glaube nicht, dass wir das Rädchen neu erfinden. Ich würde nicht sagen, dass wir auf so einem hohen Ross sitzen – das auf gar keinen Fall! Wir sind einfach vier Jungs, die auf der einen Seite viel Aggression im Körper haben - und die lassen wir musikalisch auch raus-, aber wir haben auch eine Geschichte zu erzählen. Schubladen kommen so oder so, aber wir lassen uns da gar nicht reinstecken, sondern machen unsere Sachen und basta! Wenn man uns nach unserer Musikrichtung fragt, kann ich das nicht beantworten. Ich könnte nicht sagen: Das ist amerikanischer College-Nu-Metal gemixt mit Popsongs und Indie/Alternative-Einflüssen der englischen Achtziger-Phase. Weißt du, ich könnt's echt nicht sagen. Wir haben auf der einen Seite 'Change' und 'Take Me Away', auf der anderen Seite aber auch Balladen wie 'Feel' und 'Fading'. Wir machen einfach Musik, und im Großen und Ganzen ist es für mich einfach Rockmusik, harte Rockmusik und basta! Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen.

Oliver:
Der Begriff ist ja auch vollkommen ausreichend. Abgesehen vom Schubladendenken, was nervt euch am Musikbusiness?

Gil:
Das Lustige ist, dass man den Endkonsumenten begeistern kann, indem man einfach auf die Bühne geht und dann die Hosen runterlässt und zeigt, was man hat. Entweder kannst du spielen, spielst gute Musik und gefällst dem Publikum oder nicht. Wir hatten beim "Rockpalast" einen Gig – ich würde nicht sagen, dass es der beste war, den wir je hatten, weil zwei von uns ziemlich krank waren, mit Fieber und total am Arsch. Aber ist egal: Wir haben also im "Rockpalast" vor CALIBAN gespielt. CALIBAN sagt dir bestimmt was?

Oliver:
Ja, klar!

Gil:
(total enthusiastisch) Fette Band! Hammergeil! Wir sind echt auch Fans von denen. Im Publikum waren viele CALIBAN-Anhänger, gerade weil es auch deren Gegend ist. Das ist aber egal. Die haben nur gesehen, wer da auftritt. ZOO ARMY sagte ihnen nix. Die haben dann mein Gesicht, das Gesicht meines Bruders und ein paar Fans von uns gesehen und waren dann ein bisschen "Öh, ich weiß nicht, öh…". Egal, wie auch immer: Zwei, drei Songs, die Leute waren immer mehr angetan. Und zum Schluss, glaube ich, sind wir mit 'nem sehr positiven Eindruck von der Bühne gegangen; die waren sehr begeistert. Was vor allem gut tat, war, dass nachher Fans von CALIBAN zu uns kamen und sagten: "Hey, geile Sache, gute Musik, ich hole mir das Album, macht weiter so, nicht aufgeben!" Und das macht dir Mut. Also was ich sagen will: Letztendlich ist es nicht so schwer den Endkonsumenten, den Musikfan zu begeistern, was eigentlich das Schwere sein sollte. Das Problem ist die Brücke dahin, die ganzen Radio- und Fernsehleute, die ein bisschen Gott spielen. Und das ist das, was mich an den Machenschaften im Musikbusiness nervt. Die entscheiden, ob du was wirst oder nicht, nicht der Musikfan.

Oliver:
Im Opener 'Tell Me Something' singst du "How many times should I have to prove to you / who I am now". Ist das den Leuten gewidmet, die euch aufgrund deiner Vergangenheit vom Start weg in die substanzlose Teenie-Ecke stellen werden, womöglich ohne die Musik je gehört zu haben?

Gil:
Ja, das ist all denen gewidmet.

Oliver:
Jetzt, da ihr als Rockmusiker wahrgenommen werdet, dürfte euch das öfter aufs Brot geschmiert werden.

Gil:
Es ist nicht leicht… Was mir gefällt, Oliver: Du hast dich mit dem Thema auseinandergesetzt. Wir haben auch viele andere Interviews gegeben, in denen die üblichen Fragen gestellt wurden. Du hast dir auch die Songs angehört, das finde ich cool, danke.

Oliver:
Dafür nicht. Lass uns noch ein bisschen bei diesem Thema bleiben. Du hast dich schon zu "On My Own"-Zeiten von dem ganzen Casting-Show-Kram distanziert. Hast du das getan, weil dein Werdegang ähnlich verlaufen ist, du also weißt, was für eine Maschinerie da in Gang gesetzt wird?

Gil:
Mein Werdegang war eigentlich ein ganz anderer. Ich habe mich nicht großartig irgendwo angestellt und habe Leute über mich entscheiden lassen. Ich wollte das selber machen. Angesprochen wurde ich für eine Foto-Love-Story in der BRAVO.

Oliver:
Das meinte ich.

Gil:
Ja. Nach der Foto-Love-Story kamen Fan-Briefe, und das eine führte zum anderen. Es war ein Zufall. Ich habe immer schon Gitarre gespielt und gesungen. Ich habe auch Songs geschrieben; nur hat die Plattenfirma einen Deal gemacht und letztendlich wurden die Singles nicht Sachen, die ich geschrieben hatte, sondern Sachen, die andere geschrieben hatten und die der Plattenfirma letztlich mehr Geld eingebracht haben, weil die einen eigenen Verlag hatten und die Songwriter mit dem Chef der Plattenfirma fünfzig-fünfzig gemacht haben. Weißt du, so richtige Mafia-Machenschaften!
Ich würde nicht sagen, dass es bei mir ähnlich war wie bei den "Superstars". Ich war einfach gezwungen, etwas zu machen, das ich nicht wollte, und die "Superstars" wollen es selber ja genau so. "On My Own" war einfach das, was ich lange, lange Zeit probiert hatte. Zwei, drei Jahre ging das alles gut in Deutschland; ich habe auch internationale Erfolge in Asien gefeiert. Aber ich wollte mich als Künstler weiterentwickeln, und die Plattenfirma hat mich nicht gelassen. Die haben gesagt:" Nö, nö, nö, nö, wir machen schön brav das, was verkauft wird, und gut is'!" Ich habe den Vertrag dann nicht verlängert und dachte: Haha! Die Welt hat auf mich und meine Rockscheibe gewartet. Ich geh' jetzt zu jeder Plattenfirma, weil alle mich erwarten. Bullshit! Ich glaube, ich war bei jeder FUCKING Firma, von Warner bis Nuclear Blast war ich bei jeder Firma in Deutschland, und da ist viel dazwischen. Alle sagten: "Joah, das ist nett, das ist gut, aber wir machen jetzt erst mal das, was sich verkauft, und in ein paar Jahren kannst du deine Sachen machen." Und das war für mich: Nee, geht nicht! Ich warte so lange, bis ich ein Label gefunden habe, bei dem ich meine Sachen machen kann und basta! Und wenn ich hinter einer Bar arbeiten muss, weil ich Geld verdienen muss: Ich mache meine Sachen! Und das mache ich eifrig seit 2000, und seit sechs Jahren lasse ich mir nix mehr sagen, von NIEMANDEM! Und das ist auch ein großer Bestandteil von ZOO ARMY. Die Band geht ihren eigenen Weg. Und ein großer Grund, warum sich die Jungs gefunden haben, ist der, dass viele solche Erfahrungen gemacht haben. Letztendlich ging's nicht mehr ums Musikmachen sondern ums Musikbusiness, und das ging uns ziemlich auf die Eier. Ich möchte nicht alles schlecht reden, weil ich sonst nicht der wäre, der ich bin, und ZOO ARMY würde es so dann auch nicht geben. Irgendwie musst du auch scheiß Erfahrungen machen, um wieder gute neue zu bekommen.

Oliver:
Du hast eben schon mal den Gig mit CALIBAN im Kölner Underground erwähnt. Vergleiche doch mal deine Eindrücke dieser Show mit den Eindrücken, die du 2003 als Opening-Act für BON JOVI im Münchener Olympiastadion gesammelt hast. Wie war das eine und wie das andere?

Gil:
Beide Sachen waren für mich sehr groß. Das Olympiastadion war immer ein Traum für mich. Und das ist es, was ich vorhin sagen wollte: Den Musikfan zu begeistern, sollte das Schwere, die Herausforderung sein, und nicht die Brücke dahin, die Medien.
Ich finde nach wie vor, dass "On My Own" eine gute Platte ist, und wenn sie einen Typen wie Jon Bon Jovi so begeistert hat, dass er mich persönlich anruft, mich einlädt und sagt, er ist ein Fan der Platte, verstehe ich die Welt nicht mehr.

Oliver:
Das ist schon sehr schräg.

Gil:
Mittlerweile musst du aber die Medien begeistern. (sehr entschlossen) Das ist für mich das absolute No-Go; das geht nicht!
Bei CALIBAN war es so, dass wir da gespielt haben, wo diese Musik auch eigentlich hingehört. CALIBAN sind im Vergleich zu ZOO ARMY schon noch eine Ecke härter. Aber wer weiß, was wir in ein paar Jahren machen. Vielleicht staut sich bei uns noch mehr Frust auf und wir wollen noch härter werden, ich weiß es nicht. Für uns war der Gig so 'ne Art Feuertaufe, weil wir sofort mit dem Publikum konfrontiert wurden, das diese Musik letztendlich hört. Und für uns alle war das der Test: Funktioniert's, funktioniert's nicht? Und meiner Meinung nach hat's funktioniert. Die meisten machen sofort dicht und sagen: "Hey, Moment, den kenn' ich von früher! Nee, nee, das kaufe ich mir niemals im Leben!" Letztlich waren sie trotzdem begeistert, auch wenn sie ein bisschen gebraucht haben. Weißt du, unter Kumpels will man nicht sofort 'ne Reaktion zeigen und sagen, dass man's doch ganz cool findet. Man wartet halt bis einer anfängt. Und es wurde immer mehr und mehr – genau wie im Olympiastadion auch. Zum Schluss haben die Leute "Zugabe!" geschrien, und die eigentliche Vorgruppe LIVE hat kaum noch Beachtung bekommen.
Diese zwei Zeichen in den sechs Jahren haben mir gesagt: Nicht aufgeben, weitermachen! Und das mache ich auch; das macht jeder in der Band. Dominik hat früher in zig Bands gespielt, auch für Joachim Deutschland, und ist letztendlich dann da ausgestiegen, weil er bei ZOO ARMY mitmachen wollte. Auch der Roland ist bei all seinen Projekten ausgestiegen und hat gesagt, das ist sein Baby. Und auch Tal will das unbedingt machen. Jeder lebt für diese Band.

Oliver:
War es eigentlich etwas Besonderes für euch, im Rahmen der "Rockpalast"-Sendung aufzutreten? Immerhin ist das eine absolute Institution des deutschen Musikfernsehens.

Gil:
Es war wahnsinnig aufregend! Aber ich muss auch sagen, wir waren ziemlich platt. Wir waren noch mitten in den Albumaufnahmen, waren gestresst, weil es noch hier und da Probleme gab, dann noch die Fahrt nach Köln, und zwei von uns mit Fieber auf der Bühne. Unser Auftritt war ein Erfolg, aber wir sind sehr selbstkritisch, und es geht auch noch 'n Tick besser. Aber es war auf jeden Fall eine große Erfahrung und deswegen für uns schon ein großer Erfolg. Und was man nicht vergessen darf: "Rockpalast" ist das Größte, was es in Deutschland gibt! Ich weiß noch, wie ich als kleiner Junge viele Bands im "Rockpalast" gesehen und mir gewünscht habe, dass ich irgendwann auch da spielen werde. Und schwuppdiwupp ist es schon passiert (lacht).

Oliver:
Gibt es eigentlich für kommende ZOO ARMY-Veröffentlichungen irgendwelche musikalischen Grenzen, die ihr euch auferlegt?

Gil:
ZOO ARMY kennt keine Grenzen! Du wirst uns bestimmt nicht topgestylt mit weiten Klamotten auf der Bühne tanzen sehen. Es sei denn, wir sind rotzbesoffen, und es ist der letzte Gig der Tour, den wir feiern. Ich glaube, jede Band entwickelt sich. "Kill 'Em All" ist nicht gleich "Master Of Puppets"; METALLICA mussten sich da weiterentwickeln. Ich glaube, dafür, dass wir gerade unsere erste Platte aufgenommen haben, ist es erst mal ein ganz guter Anfang.

Oliver:
Kann man durchaus so sagen. Demnächst steht auch eure erste, von POWERMETAL.de präsentierte Tour an. Nach dem, was ihr bisher erzählt habt, dürftet ihr ziemlich heiß auf die Gigs sein, oder?

Tal:
Auf jeden Fall! Die Vorfreude ist sehr groß. Der Band macht es im Endeffekt doch am meisten Spaß, auf der Bühne zu stehen. Die Sachen im Studio einspielen und dann darauf hinzuarbeiten, wie sich die Platte hinterher anhört, ist cool. Und wenn der Stress mit der Deadline kommt, kann man sich auch mal streiten. Aber mir macht's am meisten Spaß, rumzutouren, zu spielen, einfach nur auf der Bühne zu sein.

Gil:
Das ist für uns auch ein ganz aufregender Anfang gerade. Das ist keine richtig große Tour, sondern eher so eine "Hallo, da sind wir, schaut uns mal an!"-Sache. Viele sagen, es ist mutig, schon gleich am Anfang eine Tour mit acht Gigs zu machen. Aber mir ist das egal. Wir wollen spielen, spielen, spielen.
Wir versuchen, in jeder Stadt Presse- und Medienleute einzuladen, damit die uns auch mal persönlich kennen lernen. Bei einer Newcomerband ist es sehr unwahrscheinlich, dass zur Release-Party in München (08.03.2006, Muffatwerk – Anm. d. Verf.) Leute aus Berlin oder Hamburg kommen; es sei denn, du zahlst First-Class-Tickets und Champagner – haben wir alles nicht. Deswegen machen wir auch diese Promotour, um bei jedem in der Stadt zu sein und zu sagen: Komm vorbei, hör dir das mal an, und mach dir live ein Bild.

Oliver:
Einen Besuch der Shows sollte man auch ruhig in Angriff nehmen. Tal, Gil, danke fürs Interview, es war sehr nett!

Gil:
Oliver, wir bedanken uns auch!

Tal:
Danke schön!

Redakteur:
Oliver Schneider

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