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Zeitgeister - Portrait eines besonderen Labels

04.11.2012 | 09:44

Das Portrait eines vielseitigen Künstlerkollektivs mit hohem Anspruch an seine Werke.

Als ich über die Band KLABAUTAMANN erstmals auf das Label Zeitgeister Music stieß, dachte ich noch an ein ganz normales Label, das sich wohl vorwiegend dem Black Metal widmen würde. Doch diese voreilige Wahrnehmung war ziemlich trügerisch, erwies sich doch sehr bald, dass es sich weniger um ein Label im eigentlichen Sinne handelt, sondern vielmehr um ein Künstlerkollektiv, das seine eigenen, in verschiedenen Zusammenstellungen produzierten Werke veröffentlicht und vertreibt.

Dass dabei in erster Linie der Idealismus und die Liebe zur Musik im Vordergrund stehen, überrascht da wenig. Zudem gibt es auch keine stilistische Beschränkung, der sich die Macher dieses Projektes unterwerfen würden. Neben allerlei mehr oder weniger extremen, stets jedoch ziemlich tiefgründigen und zu keiner Zeit in kommerzielle Richtungen schielenden metallischen Stilarten, dringen von den Zeitgeister-Releases inzwischen auch entrückte und progressive Klänge ans Ohr, und seit einer Weile sogar deutschsprachiger Hip-Hop.

Jedenfalls handelt es sich um eine qualitätsbewusste Plattenfirma mit Sitz in der einstigen Bundeshauptstadt Bonn, die für eines bürgt: Nämlich dafür, dass unter ihrem Logo nur Veröffentlichungen unters Volk gebracht werden, hinter denen das Label auch zu einhundert Prozent steht, und die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurden. Auch die beteiligten Musiker stammen alle aus der Bonner Gegend, und trotz zahlreicher personeller Überschneidungen hat doch jede der Bands ihren eigenen künstlerischen Ausdruck, ihre spezielle Nische und damit einen besonderen Platz im Roaster der Zeitgeister. Nicht selten eigenwillig und schwer verdaulich, immer jedoch auch mit einer beachtlichen Anmut und einem hohen Anspruch an sich selbst und die eigene Vision.

 

Da ich euch seit einigen Jahren mit einer gewissen Regelmäßigkeit die Alben der Zeitgeister anpreisen darf, ist es nun endlich Zeit für einen Artikel zu diesem aus meiner Sicht ziemlich einzigartigen Label. Zu meiner großen Freude war Florian Toyka (einer der Macher des Labels und als Musiker unter anderem bei KLABAUTAMANN - Foto - und VALBORG aktiv) bereit, uns einiges über die Zeitgeister und ihre Bands zu erzählen. Zunächst stellt er sich und sein Team vor: "Die Zeitgeister sind Patrick, Tim, Jan, Christian und ich. Tim und ich kennen uns seit der 1. Klasse, Patrick, Jan und Christian kannten sich auch schon länger. Die beiden Kreise haben angefangen, sich zu vermischen, als Patrick bei KLABAUTAMANN "eingestiegen" ist (seit 7 Jahren Sessiondrummer) und ich mit Christian und Patrick bei ISLAND gezockt habe. Das hat sich so zwischen 2002 und 2004 ereignet. Seitdem machen wir in verschiedenen Zusammensetzungen Musik. Zuletzt sind noch ein paar nette Menschen dazu gekommen: Richard und Gabor werden bei SKARAB [Foto unten] und ISLAND zu hören sein. Außerdem haben wir kürzlich mit ANGRY TENG ein Rap-Album eines sehr guten Freundes veröffentlicht."

Die Verbindung als "Zeitgeister" dient laut Florian dem Ziel, gestärkt aufzutreten: "Ganz einfach: Gemeinsam ist man stark, und wenn man sich gut leiden kann, macht zusammen alles doppelt so viel Spaß, als wenn man als Einzelkämpfer unterwegs ist. Und man kann Aufgaben bzw Ressorts aufteilen: So habe ich z.B. das Vergnügen, mich um Bestellungen, PR und die Schatzkammer zu kümmern. Dafür muss ich mich nicht mit der visuellen Präsentation, Programmieren und sonstigem Kappes rumschlagen. Konkretere Ziele gibt es aber nicht. Eben gemeinsam Spaß haben und sich mit den Bands wechselseitig zu unterstützen und zu promoten, sodass sich am Ende alles von selber trägt und man keine Privatkohle investieren muss." - Gerade, wo Florian die visuellen Dinge erwähnt, möchte ich auch ganz besonders darauf hinweisen, dass sich viele Veröffentlichungen der Zeitgeister durch großartige Artworks auszeichnen, für die Mit-Geist Jan Buckard verantwortlich ist. So etwa das nachfolgende Artwork der vorletzten KLABAUTAMANN-Scheibe "Merkur".

Dass es sich bei den Zeitgeistern nicht um ein Label im üblichen Sinne handelt, das ist Florian sehr wohl bewusst: "Also ich kenne nichts Vergleichbares, allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mich auch nicht großartig mit sowas auskenne oder danach suche. In sofern ist es gut möglich, dass noch weitere derartige Kollektive existieren. Ich würde es sehr begrüßen, wenn dem so wäre! Für Musiker, denen es nicht um kommerziellen Erfolg, sondern um den Spaß an der Sache, um das Machen an sich geht, für die ist so eine selbstkontrollierte Herangehensweise der Königsweg. Macht zwar Arbeit, dennoch sehr empfehlenswert! Unabhängigkeit ist unbezahlbar." - Er kann die konkreten Unterschiede zu anderen Firmen auch sehr genau festmachen: "Wir unterscheiden uns allein schon daduch von anderen Labels, dass wir wirklich nur unseren eigenen Kram veröffentlichen. Dadurch ist die Release-Frequenz eben vergleichsweise niedrig, aber dafür gibt es meiner Meinung nach eben auch keinen Schrott bei uns. Wer braucht das auch? Wenn ich mir angucke, wie viele CDs andere Labels pro Monat raushauen, da kann mir keiner erzählen, dass die Qualität dabei nicht auf der Strecke bleibt. Und wer soll sich das überhaupt alles anhören? Schlag mal z.B. das Legacy auf und guck dir an, wie viele Neuerscheinungen da besprochen werden. Ich finde das nicht so ganz normal."

Der Entschluss, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, hatte jedoch nicht nur idealistische Gründe, sondern es gab auch bittere Erfahrungen im Business, welche diesen Entschluss förderten: "Allerdings, ja. Wir haben zwar ganz zu Anfang mit Heavy Horses Records (R.I.P.) und dann mit Paradigms Recordings [dort erschien zum Beispiel die erste EKPYROSIS - siehe Foto links - Anm. d. Verf.] sehr gute Erfahrungen gemacht, aber danach sind wir leider an die Falschen geraten. Eigentlich sollte das eine Grundregel sein: Mit keinem Label arbeiten, bei dem man nicht nach spätestens 2h Autofahrt mit nem kruden Schlägertrupp auf der Matte stehen kann, wenn man mal wieder abgezogen wird, haha!" - So entwickelte sich aus einem zunächst für den Vertrieb gedachten Projekt das Label: "Zeitgeister gab es allerdings auch schon als Vertriebsplattform, bevor wir als eigenes Label CDs released haben. Dieser Schritt ist erst mit "Merkur" erfolgt, unter anderem weil ich ein längeres Gespräch mit meinem Cousin hatte, der mir sehr dazu geraten hat. Wir haben es nicht bereut! Es ist zwar schon immer mal wieder Thema, ob es nicht doch gut wäre für diese oder jene Band, ein großes Label im Rücken zu haben. Wenn wir uns aber dann angucken, was teilweise für Schrott veröffentlicht wird, haben wir immer ziemlich schnell keine Lust mehr und machen es doch wieder auf Zeitgeister."

Zu Szenedünkel und Verhaltensregeln der Metalszene hat Florian eine sehr entschiedene Meinung, und daher stellt es für ihn auch gar kein Problem dar, ein Rap-Album zu veröffentlichen. Auf die Frage, wie viel Wert er auf die Anerkennung der Metalszene legt, findet er daher auch deutliche Worte: "Ganz ehrlich: keinen. Dieses Szenedenken ist mir total zuwider. Zum Glück verfolgen wir das auch gar nicht, in sofern keine Ahnung, wie man uns in den eher engstirnigen "Szenen" so sieht. Also nicht falsch verstehen, wir freuen uns über jeden Fan. Ich kriege aber im Einzelnen nur selten mit, was das jeweils für Leute sind. Ich glaube so richtige Szenepolizisten werden z.B. bei KLABAUTAMANN (Bild oben) direkt durch den Bandnamen abgeschreckt, diese Hürde muss man erst mal nehmen. Dies scheint aber vielen zu gelingen, besonders den Amis, denen da gar nichts Komisches dran auffällt! Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mir natürlich wünschen, dass unser Publikum sich ausschließlich aus netten, weltoffenen, toleranten, irgendwie geistig verwandten Menschen zusammensetzt. Die Leute, die ich über ihr "Zeitgeister-Fan-Sein" kennen gelernt habe, geben mir jedenfalls Grund zur Annahme, dass es oft genug so ist."

Bei dem Rap-Album handelt es sich um die neue Scheibe von ANGRY TENG, die ich mir natürlich rein interessehalber angehört habe, auch wenn ich von Rap und Hip-Hop ähnlich viel Ahnung habe wie von Atomphysik. Jedenfalls klang es nicht nach deutschem Hip-Hop von der Stange, und nachdem Herr Teng offenbar auch ein wenig Metal mag und bei SLON mitgearbeitet hat, stellt sich natürlich die Frage, ob es außer der persönlichen Freundschaft auch in der Herangehensweise an die Musik oder in den musikalischen Vorlieben als Fan Parallelen zwischen ANGRY TENG und den Zeitgeistern gibt. Diese sieht Florian durchaus: "Was die Herangehensweise anbelangt: Ich denke mal, uns bewegen alle ähnliche Stimmungen. Bei ihm ist das dann halt durch die Ausdrucksform lyrisch oft konkreter rüber gebracht, also zum Beispiel politischer. Was sich halt dann auch in seinen SLON-Lyrics niederschlägt. Musikalisch gibt es natürlich ohne Ende Überschneidungen, egal ob Metal oder nicht."

Wie Florian (hier im Bild mit VALBORG) weiter oben schon gesagt hat, ist er kein Freund von Labels, die 1000 Bands an die Wand klatschen, um zu schauen, wo etwas hängen bleibt. Daher frage ich ihn, ob er meint, dass es Zeit für eine Art Gesundschrumpfung oder Selbstreinigung der Szene ist, um die Aufmerksamkeit der Hörer wieder mehr auf die intensive Auseinandersetzung mit der Musik als Gesamtkunstwerk zu lenken, als auf das blose Konsumieren und Abhaken von monatlich 30 Scheiben. Und wenn ja: Wer wird einen solchen Prozess
überleben, und wer wird verschwinden? Ist es vielleicht so, dass die überleben werden, die wirklich allein aus Liebe zur Musik am Werk sind, und die verschwinden werden, welche andere Prioritäten haben? - Darauf antwortet Florian sehr  ausführlich: "Hm. Schwere Frage. Ich sehe mich gar nicht als Bestandteil irgendeiner Szene, und schon gar nicht will ich mir herausnehmen zu bestimmen, was für sie gut wäre und was nicht. Natürlich ist es so, das hohe Angebot ist nur da, so lange die Nachfrage das rechtfertigt. Aber warum wollen die Leute so viel? Kann ich gar nicht nachvollziehen. Ich kaufe mir im Jahr keine fünf Neuerscheinungen. Aber vielleicht ist das so eine Art Sport, auf jeden Fall in dem Wust von Releases das eine richtig gute zu finden? Ich habe gar keine Lust, aktiv nach Musik zu suchen, und mein Interesse am aktuellen Geschehen ist gleich null. Wenn man richtig gute Musik hat, kann man sich da eh Jahre bis Jahrzehnte dran erfreuen, wozu also ständig neuen Kram holen? Insofern ist mir dieser Release-Overkill ein Rätsel. Was es auch immer an Prozessen geben wird, ich glaube, dass uns das nicht berühren wird. Wir konzentrieren uns auf ein paar Releases im Jahr, die sind in jeder Hinsicht von hoher Qualität, wer uns kennt, weiß das. Vielleicht geht der Trend dahin, dass man sich solche Adressen wie uns sucht (oder auch Paradigms Recordings und etliche andere), die ein gewisses Profil haben, und dann diese Labels mitverfolgt. Wir machen auf jeden Fall schön entspannt weiter unser Ding und machen das, was wir für richtig halten."

Um langsam den Bogen vom Allgemeinen zum Konkreten zu schlagen, und der Vorstellung der einzelnen Bands im Roaster der Zeitgeister näher zu kommen, frage ich vorab, ob es von Zeitgeister-Bands derzeit Alben gibt, die offiziell nicht mehr erhältlich sind, und ob es davon Neuauflagen geben soll: "Ja, ein paar Sachen sind vergriffen. "Songs For A Year" von VALBORG ist zurzeit nicht erhältlich, gleiches galt für die SLON EP, die aber auf dem aktuellen Release als Bonus enthalten ist. "Songs For A Year" wird zusammen mit einer weiteren Songsammlung aus frühen VALBORG-Tagen ("Radio Valborg") veröffentlicht, wenn es sich das nächste Mal gut anbietet. Und dann wären da noch die beiden KLABAUTAMANN-Demos, die sind natürlich seit Ewigkeiten ausverkauft. Vielleicht kommen die irgendwann noch mal raus, für die Die Hard-Fans, irgendwas Nettes in spezieller Aufmachung, natürlich streng limitiert…"


Nachdem im Interview bereits etliche Namen aufgeblitzt und Bands kurz angesprochen worden sind, ist nun eine kurze und knappe Bandvorstellung angesagt, die euch mit Verweisen zu Rezensionen und Links zu den Bandseiten ein weiteres Stöbern im Katalog der Zeitgeister ermöglichen soll:

KLABAUTAMANN ist die Band, durch deren Album "Der Ort" ich 2005 erstmals in Kontakt mit dem Umfeld der Zeitgeister gekommen bin, ist Gründungsmitglied Florian Toyka doch auch eine der Hauptpersonen hinter dem Label. Die Band begeisterte mich von Anfang an mit eigenständigem Black Metal zwischen Naturmystik, Hintergründigkeit, Extravaganz und dem Drang zur Weiterentwicklung. Über das großartige Werk "Merkur" (2009) mit seinen progressiven, detailverliebten und atmosphärischen Black-Metal-Klängen kommen wir nun zum aktuellen Werk "The Old Chamber", das am 21.11.2011 erschienen ist und das sich klassisch und doch modern, spannend und klischeefrei - und damit essentiell für den anspruchsvollen Blackie der Gegenwart gibt. Dabei wird zugleich den alten, vor allem norwegischen Vorbildern wie ULVER gehuldigt, aber auch der für die Band typische Stil weitergeführt.

Bei uns besprochene Alben:
"Der Ort" (2005)
"Merkur" (2009)
"The Old Chamber" (2011)

 

Dann gibt es da VALBORG, eine Band voller Urkraft, aber auch mit völlig eigenständiger und ungewöhnlicher Orientierung im Bereich des extremen Metals. Das atmosphärische Element ist sehr stark ausgeprägt und reicht von beklemmender Dunkelheit bis in atmosphärische, schwebende Bereiche. Auch hier findet von Album zu Album eine beträchtliche Weiterentwicklung statt, welche das Antlitz jedoch nie entstellt. Zuletzt wirkt die Band songorientierter als auf dem Frühwerk, doch ist die Trilogie aus "Glorification Of Pain", "Crown Of Sorrow" und "Barbarian" ein in sich sehr schlüssiges Dreigestirn, das der Band einen sehr markanten, schroffen und doch unter die Haut gehenden Charakter verleiht. Ganz aktuell zeigt man sich jedoch von einer außerhalb der Stadtgrenzen wohl fast gänzlich unbekannten Bonner Untergrundband namens OBSCURE FUCKUP beeinflusst, die 1991 mit dem Freitod ihres Sängers Diedrich Hünten ihr Ende fand. Dazu gibt es dann sogar einen Hidden-Track zu bewundern, wozu Florian Toyka zu berichten weiß: "Ja, genau. Der Track kam irgendwie ziemlich aus dem Bauch heraus und ist in einem Jam entstanden. Gerade der Gesang und der Text sind eine Hommage an D.H. aus der Widmung, und da der Song etwas aus dem Rahmen fällt, aber eben aufgrund seiner Bedeutung für uns nicht fehlen durfte, ist er jetzt "hidden". Wer will, kann ja nach "Opfer" auf Stop drücken, haha! Das aktuelle VALBORG-Album ist eben sehr von dieser Band, ihrem Sänger Diedrich und der ganzen Atmosphäre darum beeinflusst. Hinter jedem Album steht eine bestimmte Stimmung, in der wir grade waren, Geschichten, die uns gerade begleiten... das kann alles mögliche sein, der Zufall spielt eine große Rolle, ebenso wie die Neugierde, die Offenheit und der Willen, dies auch musikalisch und textlich auszuleben und wachsen zu lassen. Da der Haupteinfluss eben dieses Mal von dieser Band kam, war es nur angemessen, das auch in der Widmung zu erwähnen."

Die Alben:
"Glorification Of Pain" (2009)
"Crown Of Sorrow" (2010)
"Barbarian" (2011)
"Nekrodepression" (2012)

 

Eine noch relativ neue Band aus dem Hause der Zeitgeister wurde 2010 gegründet und hat im Sommer 2012 debütiert. Die Rede ist von SKARAB, einer Band für welche die Zeitgeisterfamilie - wie im Interview von Florian bereits angesprochen - mit Bassist Gabor Shary und Drummer Richard Nagel Zuwachs bekommen hat. Kollege Nils beschreibt die Band in seiner Rezension als manisch-depressive Post-Progger mit Anspruch und Tiefgang. Dieser Einschätzung ist so viel gar nicht hinzuzufügen, außer vielleicht, dass die Band den Verfasser dieser Zeilen mit der Scheibe quasi aus dem Stand ganz massiv beeindruckt hat. Gerade gesanglich zeigt Christian Kolf hier ganz andere Seiten seiner Stimme als wir es von VALBORG oder WOBURN HOUSE gewohnt sind. Getragenes Tempo, eine beschwörende Atmosphäre und unter die Haut gehende Gesangsmelodien in tieferen Lagen aber bei dennoch klarer Stimme sind die Trümpfe, die dafür sorgen, dass auch SKARAB eine ganz eigene und spezielle Rolle im Roaster des Labels spielt. Gerade hier bin ich mir sicher wie selten, dass diese Band auch weite Kreise über die Stammkundschaft der Zeitgeister hinaus ansprechen sollte. Für mich auf jeden Fall ein Kandidat für einen der vorderen Plätze im Jahrespoll.

Das Album:
"Skarab" (2012)

 

Weiter geht es mit ISLAND, und geboten wird uns eine atmosphärisch dichte und spannende Reise durch Klanglandschaften zwischen Post Rock, Metal, Psychedelic und Prog. Sicher kein Easy Listening, aber auch nicht allzu schwer verdaulich, entfaltet sich vor uns spannende, avantgardistische und doch urtümliche Musik zwischen Schwelgerei und Brachialität. Einfach zeitlos schön! Auch dass die Zeitgeister-Gemeinde nicht nur im eigenen Saft schmort, sondern auch große Bands von außerhalb wahrnimmt und sich ihnen widmet, beweist die ISLAND-Vita durch ein wirklich großartiges und eigenwilliges Cover des ENSLAVED-Stücks 'The Sleep', das auf dem entsprechenden Tribute-Sampler "Önd" veröffentlicht wurde.

Die Alben:
"Orakel" (2008)
"Island" (2010)
"Enigma Of The Stars" (2010)
"Önd - A Tribute To Enslaved" (2012)

 

GRUENEWALD umweht ein Hauch von Naturmystik, ohne damit die Bereiche des Pagan Metals auch nur zu streifen. Eher ist es ein warmes Gefühl schamanistischen Zaubers, das erwacht, wenn die Töne von 'Geist' oder 'Zwei Namen' erklingen. Freunde von TENHI oder WARDRUNA könnten sich angesprochen fühlen, auch wenn GRUENEWALD diese sehr ähnliche Stimmung mit ganz anderen Mitteln erreicht.

Bei uns besprochenes Album:
"Gruenewald II" (2009)

Mit EKPYROSIS bewegen wir uns auf den Pfaden schwarzmetallisch orientierter Avantgarde. Die Musik könnte unter euch jene ansprechen, die ihre Favoriten bei Bands wie FEN, BURZUM, TODTGELICHTER, FÄULNIS, TOTENMOND und TRIPTYKON haben. Nicht, weil EKPYROSIS so klänge wie die angesprochenen Bands, sondern weil die Musik die Sinne in ähnlicher Weise anspricht.

Bei uns besprochenes Album:
"Ein ewiges Bild" (2010)


Einmal eingetaucht in die bizarren Klangwelten von WOBURN HOUSE, nehmt ihr viele bekannte Farben und Färbungen wahr. Die dröhnende, bassige Intensität von NEUROSIS taucht auf, die Naturmystik von AGALLOCH, das schwebende, spacige Element von PINK FLOYD. Auch hier kam erst 2011 ein neues Album ins Haus, dessen tolles Artwork Maßstäbe setzt. Ein rundum stimmiges Album, das quer über die Genregrenzen hinweg emotional packt.

Bei uns besprochene Alben:
"Monstrous Maneuvres In The Mushroom Maze" (2009)

"Sleep Summer Storm" (2011)

 

Bei SLON finden sich Elemente aus dem Thrash Metal, dem Grindcore, der Neuen Deutschen Härte und auch aus dem Hip Hop, die im Zusammenspiel mit schonungslosen deutschsprachigen Texten einen ziemlich angewiderten Hassklumpen ergeben, den der Hörer erst einmal verdauen muss.

Die Rundum-Compilation:
"Slon" (2012)

 

Damit geht es dann auch in die letzte Runde der Bandvorstellungen. OWL ist die Death-Metal-Variante aus dem Hause der Zeitgeister. Aber kaum überraschend ist das weitab vom Standard des Genres. Wenn ihr euch ein Klangexperiment vorstellen könnt und wollt, das sich im Schnittfeld zwischen Werken wie "Ordo Ad Chao", DARKTHRONEs Death-Metal-Phase, dem PARADISE LOST-Debüt und einer muffig produzierten, reduzierten Variante der chaotischen Rifforgien MORBID ANGELs bewegt und durch Christian Kolfs prägnante Vocals natürlich auch eine Nähe zu GRUENEWALD und VALBORG mitbringt, dann kommt ihr an OWL nicht vorbei.

Das Album:
"Owl" (2011)

Es wäre schön, wenn ihr euch die eine oder andere Hörprobe gönnen würdet, wenn euch die eine oder andere Beschreibung anspricht. Besonders hinweisen möchte ich an dieser Stelle auch noch auf die meist wirklich großartigen Artworks, besonders bei KLABAUTAMANN und WOBURN HOUSE.

Ebenso ist mir die Information wichtig, dass ihr alle noch erhältlichen Scheiben der genannten Bands für sehr faire Preise direkt beim Label ordern könnt. Neben limitierten Bundle-Aktionen zum Release gibt es Einzel-CDs für in der Regel 12,- Euro, ebenso T-Shirts.

Wenn ihr euch mit Hörproben versorgen möchtet, dann könnt ihr auf dem offiziellen Zeitgeister-YouTube-Kanal Unmengen toller Songs anhören und euch über deren Klangwelten informieren.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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