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"10 Jahre Bauhaus Live" mit SOBER TRUTH, DRAGONSFIRE und PURIFY - Troisdorf

22.10.2018 | 17:53

19.10.2018, Bauhaus

Jubiläumsfeier mit leichter Katerstimmung.

Satte 10 Jahre hat die Underground-Konzertreihe "Bauhaus Live" inzwischen auf dem Buckel und genau das soll an diesem lauen Herbstabend in der Troisdorfer Innenstadt eigentlich gebührend gefeiert werden. So richtig ausgelassen ist die Stimmung allerdings zuerst nicht, denn während des Aufbaus am Vortag hat Veranstalter Torsten Schramm erfahren, dass die Zukunft des Jugendzentrums ab dem Jahresende nicht mehr gesichert ist, was leider bedeutet, dass die drei kommenden Konzerte wahrscheinlich auch die letzten Shows im kleinen Club am Pfarrer-Kenntemich-Platz sein werden. Diese Hiobsbotschaft sollte die Feierlichtkeiten am heutigen Abend allerdings nicht trüben, denn das, was der SOBER TRUTH-Fronter hier in den letzten zehn Jahren mit weit über 100 Konzerten für die lokale Nachwuchs-Szene geleistet hat, ist beispiellos. Passend zu dieser mehr als amtlichen Historie werden die zahlreich anwesenden Zuhörer am Einlass auch mit einem kostenlosen Sampler begrüßt, der insgesamt 16 Bands aus der Geschichte von "Bauhaus Live" präsentiert.


Und nicht nur dieses feine Mitbringsel für alle Zuschauer macht den Abend zu etwas besonderem, passend zum feierlich Anlass wird heute auch nicht der kleine Saal sondern die große Turnhalle des Jugendzentrums bespielt. Von größerer Location und entsprechend aufgestockter Soundanlage profititieren als erstes die Mainzer PURIFY, deren Thrash Metal auch Dank der wie immer tadellosen Leistung von Haustechniker Michael "Freio" Haas druckvoll und wuchtig aus den Boxen dröhnt. Wen die schnellen Riffs des Vierers nicht überzeugen, der wird vom eigentümlichen und nicht immer ganz passenden Humor der Truppe schnell abgeholt. Den überraschendsten Anblick gibt dabei wohl Fronter Tobias Mönch ab, der mit einem Wischmopp als Mikrostativ agiert und damit später in der Show kurzerhand auch ein verschüttetes Bier selbst aufwischt. Ähnlich locker wie mit der Showgestaltung halten es die Rheinland-Pfälzer allerdings leider auch mit der musikalischen Darbietung, die heute etwas holprig ausfällt. Den besten Eindruck hinterlässt dabei noch Basser Thomas Glaser, der seinen Viersaiter für Genre-Verhältnisse ungewohnt versiert bedient. Kollege David Becker an den Drums wirkt dagegen oftmals unsicher und sucht nicht selten den Blickkontakt zu Gitarrist Guido Holstein, um sich in den flotten Thrash-Abrissbirnen des Quartetts zu orientieren. Darunter leidet die Durchschlagskraft der einzelnen Tracks merklich, auch wenn sich dieser Punkt noch unter Welpenschutz verbuchen lässt, denn immerhin ist David erst im Laufe diesen Jahres zur Band gestoßen. Die Zuhörer lassen sich jedenfalls von etwaigen Unsicherheiten nicht stören und so dürfen die Mainzer zum Abschluss noch eine Zugabe nachlegen, die gleichzeitig auch den ersten Moshpit des Abends auf den Plan ruft.

Dass bei der Begeisterung allerdings noch deutlich Luft nach oben ist, zeigt sich spätestens, als Hausherr Torsten mit SOBER TRUTH als nächstes die Bühne entert. Zwar wird das Quartett beim Start der Show von ein paar Problemen mit einem nicht ganz stabil positionierten Drumset ausgebremst, doch das überspielen Herr Schramm und seine jungen Mitstreiter routiniert und starten danach mit Vollgas in eine Reise quer durch den reichhaltigen SOBER-Backkatalog. Schnell wird dabei auch klar, für wen die Zuhörer heute angereist sind. Schon die kleinste Handbewegung reicht aus und die inzwischen stattlich gefüllte Turnhalle des Bauhauses singt, klatscht oder reckt die Fäuste im Takt. Doch nicht nur die Show des Vierers ist über jeden Zweifel erhaben, auch musikalisch machen die drei Jungs und ihre Dame am Bass einen unheimlich souveränen Eindruck. Insbesondere im Fall von Gitarrist Aaron und Bassistin Jules ist das überraschend, denn immerhin stehen die Nesthäckchen der Truppe noch gar nicht so lange mit SOBER TRUTH auf der Bühne. Trotzdem wirken die beiden wahrscheinlich auch dank des vollen Terminplans der Groove Metaller wie alte Hasen, die schon ähnlich lange auf der Bühne stehen wie Szene-Urgestein Torsten selbst. Angesichts der guten Stimmung ist es da natürlich kein Wunder, dass auch SOBER TRUTH nach gut vierzig Minuten nicht ohne Zugabe die Bühne verlassen darf. Und hierfür hat sich Torsten mit dem Titelsong des zweiten Albums "Outta Hell" einen ganz besonderen Track ausgesucht, denn immerhin wurde das Video für die Nummer im Jahr 2014 hier im Bauhaus gedreht. Doch nicht nur dank dieser geschichtlichen Verflechtung ist der Track mit seinem treibenden Groove und der zum Mitsingen einladenenden Hookline der perfekte Schlusspunkt für eine wie immer rundum gelungene Show der Hausherren.

Anschließend stellt sich mir nur die Frage, ob wir hier nicht von der Stimmung her den eigentlichen Headliner bereits gesehen haben. Natürlich erfreuen sich die nun folgenden DRAGONSFIRE in der Szene eines deutlich größeren Bekanntheitsgrads, doch nach dem schweißtreibenden SOBER TRUTH-Set verlassen viele Zuhörer den Saal, um entweder draußen frische Luft zu schnappen oder sich am Merchandise-Stand mit einem neuen Shirt einzudecken. Entsprechend haben sich die Reihen im Publikum auch deutlich geleert, als die selbsternannten Äppler-Botschafter als letzte Band des Abends die Bühne entern. Wer hier schon das Weite gesucht hat, der verpasst allerdings einen grandiosen Auftritt der routinierten Truppe aus Südhessen. Angesichts des irgendwo zwischen Power und True Metal angesiedelten Sounds und einigen echten Hymnen wie 'Speed Demon' oder 'The Prophet' ist es wirklich kein Wunder, dass sich die Herren, die inzwischen in bester MAIDEN-Manier mit drei Gitarristen agieren, über die Jahre hinweg einen festen Platz in der deutschen Metalszene erspielt haben. Der musikalische Triumphzug des Sextetts lässt sich dabei auch nicht durch die Problemen von Drummer Jan Müller aufhalten, der in der erste Hälfte schwer mit dem Drumkit kämpft, das inzwischen ein echtes Eigenleben entwickelt hat und sich während der Songs gerne vom Drumpodest schleichen würde. Wen die musikalischen Qualitäten der Jungs bis hierhin nicht überzeugen konnten, der wird spätestens bei der traditionellen Äppler-Verköstigung beim Gassenhauer 'Cider Vicitims' zum DRAGONSFIRE-Fan, denn welche andere Band lädt die Zuhörer während der Show schon zu einer Apfelwein-Probe samt theatralischem Ausschank von der Bühne aus ein? Angesichts der rundum gelungen Performance ist es zum Schluss dann umso ärgerlicher, dass die Jungs ihr Set recht überraschend am Ende der Show zusammenkürzen, obwohl eigentlich noch mehr Spielzeit zur Verfügung gestanden hätte. Entsprechend gibt es zum Finale nur noch die Banhymne 'Dragonsfire Rockxxx', bevor mit dem bereits erwähnten 'Speed Demon' wenigstens noch eine flotte Zugabe folgt.

Alles in allem endet damit ein weiterer großartiger Abend im Bauhaus, bei dem es mal wieder Underground-Metal vom allerfeinsten zu hören gab. Gleichzeitig macht ein solcher Abend die ungewisse Zukunft der Konzertreihe umso trauriger, denn die Szene im Rhein-Sieg-Kreis verliert damit eine wichtige Auftrittsmöglichkeit, die gerade auch jungen Nachwuchsbands zum Sprung auf die Bühne verholfen hat. Bleibt zu hoffen, dass Veranstalter Torsten möglichst bald eine neue Location findet, in der er sein Werk im kommenden Jahr fortsetzen kann. Wir drücken die Daumen!

Redakteur:
Tobias Dahs

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