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36 Crazyfists - Köln

03.07.2008 | 12:58

21.06.2008, Underground

Das letzte Mal, als man die Alaska-Recken 36 CRAZYFISTS in Deutschland begutachten durfte, war der Abstecher in Form des Supports von ATREYU mit den CHIODOS im Jahre 2006 in der dem Underground sehr nahe gelegenen Live Music Hall. Heute soll aber das Quartett mit ihrer aktuellen Langrille "The Tide And Its Takers" im Mittelpunkt stehen. Hierzu hat man die inzwischen bundesweit bekannten EMIL BULLS, die in dem Namen ihres quasi frisch aus dem Presswerk geschlüpften Machwerks "The Black Path" antreten. Und das vor ausverkauftem Publikum. Kein Wunder bei diesem Billing.

Vorher hat man aber eine lokale Truppe verpflichtet, die auf den Namen SILENT DECAY hört. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Deutschen Bahn AG müssen die Jungs heute aber leider ohne mich und meinen Nebenmann auskommen. Nach Befragungen von Augen- und Ohrenzeugen fiel die Tagesleistung heute irgendwo zwischen "ganz okay", "belanglos" und "sehr gut" aus. Vielmehr gefüllt ist der beschauliche Biergarten vor dem Underground an diesem schwülen, sonnigen Samstagabend. Da die Fußball-Europameisterschaft grade voll im Gange ist, begnügt sich manch einer lieber mit der Viertelfinalbegegnung Russland gegen die Niederlande auf den zahlreich vertretenden Flachbildfernsehern.

Eindeutiger werden da schon die Aussagen, wenn man die Anwesenden nach den EMIL BULLS fragt. Die freuen sich nämlich schon 'nen Sonnenstrahl aus dem Höschen und können die Performance kaum erwarten. Die hungrigen Fans sollen an diesem Abend auch gesättigt werden, als pünktlich wie die Handwerker um 20:45 Uhr die Jungs die geräumige Bühne betreten. Vorwiegend spielt man Songs aus dem aktuellen Album wie 'All In Tune With The Universe', 'Nothingness', die Single 'The Most Evil Spell' oder 'To End All Wars'. Aber auch alte Klassiker wie 'Smells Like Rock 'n' Roll' oder 'Leaving You With This' werden zelebriert und im Speziellen von der vor der Bühne sehr aktiven Crowd abgefeiert. Schmerzlich vermisse ich persönlich 'Newborn' in der Setlist. Ansonsten ist die Bühnenaction im gehoben Niveau, besonders Bassist James Richardson weiß durch seine ellenlangen Dreads und sein Abgespacke mit seinem Bass zu überzeugen. Auch Sänger Christoph von Freydorf zeigt sich sehr aktiv, der Rest verbleibt leider zu stark im Hintergrund.

Setlist:
Intro
Nothingness
To End All Wars
Revenge
Mirror (Me)
All In Tune With The Universe
The Most Evil Spell
Leaving You With This
Smells Like Rock 'n' Roll
Breed (NIRVANA-Cover)
Worlds Apart

Nach einer guten Dreiviertelstunde ist hier auch Feierabend und man verabschiedet sich in den Backstagebereich des übersichtlichen Kölner Clubs. Draußen kühlt's so langsam ab und die Sonne neigt sich langsam in die Dunkelheit. Und trotzdem ist's im Underground immer noch tierrisch stickig und warm, was zu einem ungewollten Wet-T-Shirt-Contest führt. Darauf erstmal'n lecker Kölsch.

36 CRAZYFISTS entern nach doch recht kurzen 15-20 Minuten die Bühne und werden von tosendem Applaus begrüßt. Das Publikum rastet aus und die Hauptriege der Audienz singt jede Textzeile mit. Der Alaska-Vierer hat die Setlist dabei kunterbunt gemischt, Songs aus "A Snow Capped Romance"-Zeiten finden sich genauso wieder wie "Bitterness The Star"- oder "Rest Inside The Flames"-Songs. Natürlich dürfen auch Lieder wie die aktuelle Single 'We Gave It Hell', 'When Distance Is The Closest Reminder' oder 'Waiting On A War' aus dem neuen Scheibchen "The Tide And Its Takers" nicht fehlen. Interessanterweise steht letzteres aber nicht so im Mittelpunkt wie beispielsweise "A Snow Capped Romance" und "Rest Inside The Flames". Aufmerksamen 36 CRAZYFISTS-Fans wird aufgefallen sein, dass eben jene Setlist schon 1:1 von dem Gig im englischen Brighton übernommen wurde und bei der Europa-Tour gleich zu sein scheint. Macht ja nix, denn so kommt man in den Genuss eines kleinen Querschnitts der Diskografie.

Passend zur EM geht der Patriotismus vor 'Destroy The Map' durch den mächtig angeheizten Club mit "Deutschland!"-Rufen und die Band kann sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Einige unterhaltsame Showeinlagen genausowenig, die man von ihrer letzten Headliner-Show 2005 kennt. So wurde ein kleines, zierliches Mädchen vor 'Destroy The Map' mit dem lautstarken, anfeuernden Underground im Rücken auf die Bühne gebeten, die mit Fronthühne Brock Lindow eben jenen Song performen sollte. Stimmlich hört man kaum bis gar nichts von der Guten, nichtsdestotrotz weiß sie anscheinend, wie man Live-Action gestaltet. Die Band ist sichtlich angetan. Und nicht nur die. Das kleine Underground brodelt von Song zu Song immer mehr, jeder Song wird sichtlich abgefeiert und jedes Hook lautstark mitgesungen. Die Leute scheinen der Truppe aus der Hand zu fressen, kleinere Verspieler fallen hier gar nicht mehr auf. Nach zwei routinierten Zugaben inklusive der Übernummer 'Slit Wrist Theory' sagt man nach einer knappen Stunde schon "Bye, bye" in den völlig überhitzten Konzertraum. Schade, hier hätte ich mir trotz einer soliden bis guten Leistung ein wenig mehr vorgestellt. Ausgepowert ist jeder inklusive der ausgeleierten Stimmbänder aber trotzdem.

Setlist:
Intro
I'll Go Until My Heart Stops
At The End Of August
We Gave It Hell
Felt Through A Phone Line
Heart And The Shape
Skin And Atmosphere
Elysium
When Distance Is The Closest Reminder
Great Descent/All Nights Lights
Waiting On A War
Destroy The Map
Installing The Catheter
Bloodwork
---
Midnight Swim
Slit Wrist Theory

Redakteur:
Daniel Schmidt

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