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ALICE COOPER "Theatre Of Death" live - Schwerin

11.12.2009 | 14:01

10.12.2009, Sport- und Kongresshalle

Am Mittwoch, dem 9. Dezember, gab ALICE COOPER auf der Durchreise in Richtung Skandinavien, wo er ausgedehnt touren wird, sein einziges Deutschlandkonzert im Rahmen der "Theatre Of Death"-Tour in Schwerin.

Und um es vorweg zu nehmen: Es wurde erwartungsgemäß ein fulminantes Spektakel. Die Sport- und Kongresshalle in der Mecklenburg-Vorpommerschen Landeshauptstadt war nach Veranstalterangaben mit 3000 Besuchern erwartungsgemäß ausverkauft.

Der 61-jährige Superstar des Schockrocks zeigt auch im circa vierzigsten Jahr seiner Mission keine Schwächen, ganz im Gegenteil! 28 Songs seiner nicht enden wollenden Karriere werden in einem messerscharfen hart-metallischen Sound in die Menge gefeuert, wobei die gesamte ALICE-Maschinerie perfekt wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert und keine Gefangenen macht. Das Set beginnt und endet mit dem Uralt-Klassiker "Schools Out" – wie im richtigen Leben schließt sich der Kreis.

Leben? "Theatre Of Death" heißt doch das Motto? Und das wird auf dieser Tour richtig ausgekostet. Noch nie ist Vincent Damon Furnier, wie der 1948 in Detroit, Michigan, USA geborene Meister im wahren Leben heißt, so oft auf der Bühne exekutiert worden. Gleich viermal muss Furniers alter ego ALICE für seine Missetaten fürchterlich büßen. Der Tod durch die Giftspritze ist ja gerade in letzter Zeit wieder ein traurig aktuelles Thema in seiner Heimat – so also auch bei ihm. Die alten Fans brauchen natürlich auch nicht lange auf die geliebte Guillotine zu warten, die den Wiederauferstandenen einen Kopf kürzer macht. Am Galgen darf er in eine Zwangsjacke gefesselt noch minutenlang herzerweichend singen, bevor die Klappe fällt und das Genick kracht – nein, was haben wir uns da alle gefreut! Nicht weniger allerdings auch, als er zu guter Letzt in der Eisernen Jungfrau von dutzenden Stahlstacheln durchbohrt sein Leben auszuckt. Ganz großes Kino für alle Filmfreunde der "Freitag der 13."- oder "Saw"-Reihe.Alice Cooper, 9.12.2009, Schwerin

Verdient hat dieser Amerikanische Alptraum dies alles natürlich, denn böser als ALICE ist bekanntlich keiner. Niemand erdrosselt mit soviel Hingabe junge unschuldige Mädels mit Ihren eigenen Seidenstrümpfen oder köpft diabolisch grinsend mit sichtlicher Begeisterung das "Billion Dollar Baby", um mit dessen auf ein Schwert gespießtes Haupt noch allerhand Schabernack zu treiben. Wem jetzt schön schlecht geworden ist beim Lesen, dem sei Entwarnung gegeben, denn das alles wird vom Meister der Provokation und maßlosen Übertreibung so comichaft überzeichnet, dass der nackte Horror in Grenzen bleibt, aber das Entertainment ist unschlagbar.

Doch nicht nur optisch, sondern auch musikalisch gibt es wie immer nur allerfeinste Kost. Die Songauswahl ist eine gelungene Mischung aus Brandaktuellem und jeder Menge alter Hits, wobei der größte, "Poison", textfest und lauthals von der ganzen Halle mitgesungen wird. Der Sound ist fett und stets transparent. Selbstredend spielen COOPERS Mitmusiker in der Champions League. Die Gitarrenfraktion soliert mit enormem Freiraum und der Bass kommt wuchtig. Für "Stamm-Schlagzeuger" Eric Singer musste offensichtlich Ersatz gefunden werden, da dieser vermutlich schon mit seinen Haupt-Brötchengebern KISS am Proben sein wird für deren anstehende Welttournee. Mit Ex-MEGADETH und Ex-SUICIDAL TENDENCIES-Schlagwerker Jimmy de Grasso sitzt allerdings zurzeit auch eine geradezu geniale Timing-Maschine hinter den Kesseln bei ALICE COOPER.

Zu guter Letzt soll aber auch der Support-Act des Abends nicht unerwähnt bleiben, denn die Italiener THE FIRE zogen sich mehr als gut aus der schwierigen Affäre, für die Legende eröffnen zu dürfen. Als Punk-Band angekündigt, boten die fünf aus Mailand wesentlich mehr. Ihr Rock erinnerte hin und wieder an alte BEATSTEAKS, aber metallische (AC/DC-)Riffs und gekonnte Soli in abwechslungsreichen Songs kombiniert mit den ausgesprochenen Entertainer-Qualitäten des quirligen Sängers bewiesen, dass diese gut gelaunten Südländer viel mehr drauf haben. Der größte Beleg dafür war die fast schon geniale Interpretation des alten Frank Sinatra-Evergreens "New York, New York", der vom Publikum herzlich abgefeiert wurde.

Alles in Allem war diese Rocknacht ein absolutes Highlight in diesem Konzertjahr!

Redakteur:
Martin Rudolph

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