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ANNIHILATOR - Bochum

02.11.2019 | 08:36

20.10.2019, Zeche

Top-Show trotz Erkältung!

Dieser Abend riecht nach Power - die Zeche in Bochum ist für Abende wie dieser wie gemalt. Mit "Ballistic, Sadistic" steht bereits das neue ANNIHILATOR-Album in den Startlöchern, doch zunächst muss noch die "For The Demented"-Show im Ruhrpott nachgeholt werden. Für diesen Abend hat sich der etwas gebeutelte Jeff Waters auch Unterstützung aus Kalifornien geholt, doch dazu später mehr.

Und so neigt sich das Wochenende langsam dem Ende zu: Am heutigen Sonntag schlief ich aus, frühstückte ausgiebig und lümmelte beim ungemütlichsten Herbstwetter auf der Couch. Doch wie von der Tarantel gestochen springe ich auf, schlüpfe in Jeans und Shirt und mache mich auf den Weg nach Bochum Rock City. Denn heute gibt sich der Honigkuchengrinser und Gesichtsakrobat Jeff Waters mit seiner ANNIHILATOR-Spielmannstruppe die Ehre. Und wie jeder ANNIHILATOR-Show darf man sich auf ein unterhaltsames Riff- und Hit-Feuerwerk gefasst machen.

Bevor das kanadische Flaggschiff jedoch die Bühne betritt, ist es Aufgabe von ARCHER NATION, der ordentlich besuchten Zeche schon einmal einzuheizen. Und viele Anwesende blicken neugierig Richtung Bühne, denn die Jungs aus den Staaten bewältigen ihre Aufgabe mit Bravour und einer angenehm knackigen Mischung aus Power und Thrash. Ihr aktuelles Album "Beneath The Dream" hat zwar schon einige Monate auf dem Buckel, doch speziell live kommen die Songs äußerst druckvoll rüber. Die Zeche wird angesteckt vom Feuer der Amis, die schon nach einer halben Stunde ihren letzten Song anstimmen und sicherlich den einen oder anderen Fan heute dazugewonnen haben.

Apropos "angesteckt": Unser herzensguter Herr Waters scheint eine dicke Erkältung zu haben. Doch wie es sich für den nimmermüden Klampfenkamerad gehört, brettert er lieber mit seinen Jungs auf die Bühne anstatt daheim in Kanada das Bett zu hüten. Das Publikum dankt es ihm gleich zu Beginn, denn als ANNIHILATOR die Bühne betritt, ist es vor dieser muckelig eng, die Vorfreude immens und das Jubeln laut. Mit 'Betrayed' wird die Show eröffnet und das folgende 'King Of The Kill' sorgt schon gleich zu Beginn für den ersten Höhenflug bei Band, Publikum und Verfasser dieser Zeilen. Obwohl Jeffs Stimme selbstverständlich ordentlich unter der Erkältung leidet, ist er bei bester Laune und um einige flotte Sprüche nicht zu schade.

So liegt es eben in der Zeche, ihn in Sachen Texte lautstark zu unterstützen, was bei eben 'King Of The Kill' oder im weiteren Verlauf 'No Way Out' und 'Set The World On Fire' bestens funktioniert. Ich vermisse zwar noch immer Herrn Padden, der jahrelang an Jeffs Seite für die Vocals zuständig war. Doch selbst ein heiserer Herr Waters macht seine Sache ordentlich, zumal man ihm an der Klampfe auch heute nicht das Wasser reichen kann.

Und die Songauswahl? Altes und Rares mischt sich mit Neuem und Knackigem, so kommen 'Twisted Lobotomy' und 'One To Kill' ebenso zum Zug wie 'Tricks And Traps', 'Ultraparanoia' und 'Knight Jumps Queen'. Gerade diese doch überraschende Mixtur macht den heutigen Abend ebenso unterhaltsam wie eine kleine Kostprobe vom kommenden "Ballistic, Sadistic". Und obwohl 'Psycho Ward' gänzlich ohne Text vorgetragen wird, ist die Zeche durchaus angetan und darf sich zurecht auf das neue Album freuen. Davor haut uns Jeff aber noch den Demo-Klassiker und Nackenbrecher 'Phantasmagoria' um die Ohren und die Zeche verwandelt sich in ein Tollhaus.

Die Stimmung wird auch vom zwar netten, aber recht überflüssigen Drum-Solo nicht schlechter und bleibt auch beim Zugabenteil, auf den sich Jeff und seine Mannen sichtlich freuen, weit oben auf der Richterskala. Die Reaktionen des Publikums lassen keine Wünsche übrig, als 'Burns Like a Buzzsaw Blade' und 'W.T.Y.D.' zum Besten gegeben werden und da das finale 'Alison Hell' – Jeffs heimliche Hassliebe, wie er uns verrät – rein instrumental vorgetragen wird, bittet Jeff kurzerhand noch einmal die Anwesenden zur Unterstützung. Gesagt, getan und mit einem ordentlichen Hall in der Bude wird ANNIHILATOR unter lautem Applaus und vor vielen zufriedenen Gesichtern in den Feierabend entlassen.

Man kann es also drehen und wenden, wie man will, aber selbst ein angeschlagener Jeff Waters ist mit ANNIHILATOR unschlagbar und ein absoluter Garant für tolle Konzerterlebnisse. Der Sound war einwandfrei, die Songauswahl dank einigen Überraschungen mehr als gelungen und die Vorfreude auf "Ballistic, Sadistic" steigt und steigt. Ein toller Abend!

Setliste: Betrayed, King Of The Kill, No Way Out, One To Kill, Set The World On Fire, Ultraparanoia, The Trend (Nur Intro), Schizos (Are Never Alone) Parts I & II, Drum Solo, Knight Jumps Queen, Twisted Lobotomy, Psycho Ward (Instrumental), Tricks And Traps, Phantasmagoria, Burns Like A Buzzsaw Blade, W.T.Y.D., Alison Hell

Redakteur:
Marcel Rapp

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