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APOCALYPTICA - Kiel

20.06.2018 | 17:45

17.06.2018, Freilichtbühne Krusenkoppel

Ahoi und Leinen los für "Apocalyptica Plays Metallica By Four Cellos"!

Ein Konzert? Ja, da geht man hin, wenn man die Band sehen möchte. Es ist ein einzelnes Event oder auch ein Auftritt auf einem Musik Festival und danach geht man nach Hause oder ins Zelt und lässt den Abend mit ein paar schönen Erinnerungen ausklingen. So ist es euch und mir schon hunderte Male passiert.

Aber hier und heute, an einem schönen Sonntag in Kiel, finden gleich zwei Dinge auf einmal statt, die wir nicht voneinander trennen können. Das Konzert steht nicht alleine für sich in einem luftleeren Raum, sondern ist Teil eines großen Ensembles von urbanen Installationen die der Besucher taktil und audiovisuell acht Tage lang erleben kann - die Kieler Woche.

Für alle südlich von Hamburg sei kurz erklärt, dass es sich um das größte Segelsport Event der Welt mit ungefähr 2,5 Millionen Besuchern aus allen Ecken des Universums handelt, welches jedes Jahr in der schönen schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt veranstaltet wird. Neben Kleinkünstlern, wassersportlichen Aktivitäten und kulinarischen Angeboten finden auch Konzerte auf den unzähligen Bühnen statt, die schnell mal mehrere Tausend Zuschauer rund um die Kieler Förde anlocken. Doch eine Konzert Location sticht heraus. Es ist die einzige, für die man eine Eintrittskarte braucht, die einzige, die ständig in Kiel ist und nicht extra aufgebaut werden muss, und mit der einzigartigen Lage in einem kleinen Waldstück in Düsternbrook wohl eine der schönsten Bühnen des Nordens ist. Und das einzige Amphitheater.

Keine Angst, das hier wird kein Reiseführer über Kiel, denn jetzt komme ich endlich zum Hauptthema! Leinen los für APOCALYPTICA! Als vor mehr als 6 Monaten bekannt wurde, dass die Finnen über die Ostsee rüber schippern würden, um 2000 ausgewählten Liebhabern der Cello-Musik ein Ereignis der besonderen Art zu bieten, waren die Schlangen an den Vorverkaufskassen lang.

Obwohl ''Apocalyptica Plays Metallica By Four Cellos'' schon im Frühjahr restlos ausverkauft war, sammeln sich am Abend dennoch Hunderte Fans ohne Karten an der kleinen Waldbühne, um durch den Zaun wenigstens einen kleinen Blick zu erhaschen und so die Musik genießen zu können. Die Schlangen am Einlass ziehen sich fast runter bis zum Landtag und wenige Minuten vor der angesetzten Zeit entscheidet die Konzertleitung, den Beginn eine Viertelstunde nach hinten zu verschieben. Dank der großartigen Arbeit aller Angestellten sitzen jedoch schon wenig später alle Besucherinnen und Besucher auf ihren Plätzen und sind gespannt, was Sie nun erwartet.

Die Spannung steigt sowohl bei der heimischen Kuttenträgerin als auch bei einem älteren Segler aus einem weit, weit entfernten Land. Die ersten zarten Töne erklingen und das Publikum fängt verhalten nordisch an zu klatschen und bleibt selbstverständlich brav sitzen. Trinken da etwa einige Nordlichter Tee zu 'Enter Sandman'?

Der erste Teil der Darbietung besteht aus reinen Akustik-Versionen der bekanntesten METALLICA-Songs, welche die vier professionellen Cellisten mit so viel Gefühl und Kunstfertigkeit darbieten, dass sich umgehend eine Gänsehaut bildet. Ich wusste gar nicht, dass 2000 Menschen in einer Freilichtbühne so still sein können, dass man jeden einzelnen Ton dieser zarten Instrumente hören kann, nur unterbrochen vom Vogelgezwitscher in den Bäumen.

Ein perfektes Ambiente und eine andächtige Stimmung verleihen dem Auftritt die Beachtung, die er nur allzu sehr verdient. Wenn allerdings mit so viel Leidenschaft gespielt wird, dann darf auch natürlich mal eine Seite reißen. Dank des professionell eingespielten Teams konnte der kleine Schaden aber sofort behoben werden und zeigt nur wieder einmal, auf welch hohem Niveau die Finnen arbeiten. Ob 'Sad But True', 'The Unforgiven' oder 'Welcome Home (Sanitarium)', kein Wunsch bleibt im ersten Part des Abends unerfüllt. Ruhig, ohne Hektik und zart wie die abendliche Sommerbrise werden die doch eigentlich sehr dynamischen Lieder vertont, ohne jedoch dadurch an Kraft zu verlieren.
Ganz verstohlen muss ich mir ein kleines Tränchen wegwischen, welches durch die Komposition aus Umgebung, Musik, Ausstrahlung und Stimmung hervorgerufen wird. Die unschuldige Verspieltheit der eigentlich brachialen Lieder, wird durch die Reduzierung der ursprünglichen Instrumentenvielfalt herunter auf das Cello erreicht. Und in dieser konzentrierten und schlichten Kraft liegt die überragende Wirkung der Darbietung des Ensembles.

Doch nach 45 Minuten gibt es erst einmal eine Pause. Es gilt, neue Kraft zu sammeln und mit Verstärkung zurück auf die Bühne zu kehren. Schluss ist nun mit dem Akustik-Set und der hinzugewonnene Schlagzeuger deutet an, dass es jetzt eine Spur härter werden könnte.

Gesagt, getan und zu ‚For Whom The Bell Tolls‘ werden dann auch die Menschen auf den leeren Platz vor der Bühne gebeten. Tanzen und sogar singen ist nun angesagt. Die doch recht späte Begrüßung fällt gewohnt charmant aus und man sieht den Herren aus dem benachbarten Ostsee-Staat an, dass sie sich freuen, nach mehr als 20 Jahren wieder in Kiel spielen zu dürfen. In der großen Runde werden alle einmal vorgestellt und ernten tosenden Applaus von den mittlerweile aufgetauten Zuschauern. Viele sind auf ihren Plätzen sogar aufgestanden und singen und tanzen mit.
Wir erfahren, dass 'Battery' wohl früher zu schwer war, aber nun perfekt gespielt werden kann und dass ein kleiner Ausflug in AC/DC-Gefilde wahnsinnig Spaß machen kann. Wie die Jungs es allerdings schaffen mit den riesigen Instrumenten so viel Action und Party auf der Bühne zu veranstalten, bleibt mir ein Rätsel, aber da oben gibt es anscheinend kein Halten mehr.

Mit 'Seek And Destroy' möchte man sich dann auch langsam verabschieden und die Menge gibt noch einmal ihr Bestes. Dieser Enthusiasmus wird auch noch gleich mit zwei Zugaben belohnt: 'Nothing Else Matters' und, als krönender Abschluss, 'One' in all seiner unerbittlichen Brutalität. Wir sollen uns und die Welt schätzen, einander schätzen und das Leben schätzen. Eine passende Ansprache zu einem überragenden Lied. Und darum schätzen wir Euch.
Der Vorhang fällt.

 

 

Der Vorhang fällt und die Künstler verneigen sich.Ein Konzert? Ja, da geht man hin, wenn man die Band sehen möchte. Es ist ein einzelnes Event oder auch ein Auftritt auf einem Musik-Festival und danach geht man nach Hause oder ins Zelt und lässt den Abend mit ein paar schönen Erinnerungen ausklingen. So ist es euch und mir schon hunderte Male passiert.
Aber hier und heute an einem schönen Sonntag in Kiel finden gleich zwei Dinge auf einmal, die wir nicht voneinander trennen können. Das Konzert steht nicht alleine für sich in einem luftleeren Raum, sondern ist Teil eines großen Ensembles von urbanen Installationen die der Besucher taktil und audiovisuell acht Tage lang erleben kann - die Kieler Woche.
Für alle südlich von Hamburg sei kurz erklärt, dass es sich um das größte Segelsport Event der Welt mit ungefähr 2,5 Millionen Besuchern aus allen Ecken des Universums handelt, welches jedes Jahr in der schönen schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gefeiert wird.
Neben Kleinkünstlern, wassersportlichen Aktivitäten und kulinarischen Angeboten finden auch Konzerte auf den unzähligen Bühnen statt, die schnell mal mehrere Tausend Zuschauer rund um die Kieler Förde anlocken.
Doch eine Konzert-Location sticht heraus. Es ist die einzige, für die man eine Eintrittskarte braucht, die einzige, die ständig in Kiel ist und nicht extra aufgebaut werden muss, und mit der einzigartigen Lage in einem kleinen Waldstück in Düsternbrook wohl eine der schönsten Bühnen des Nordens ist. Und das einzige Amphitheater.
Keine Angst, das hier wird kein Reiseführer über Kiel, denn jetzt komme ich endlich zum Hauptthema! Leinen los für APOCALYPTICA.
Als vor mehr als 6 Monaten bekannt wurde, dass die Finnen über die Ostsee rüber schippern werden, um 2000 ausgewählten Liebhabern der Cello-Musik ein Ereignis der besonderen Art zu bieten, waren die Schlangen an den Vorverkaufskassen lang.
Obwohl „Apocalyptica Plays Metallica By Four Cellos“ schon im Frühjahr restlos ausverkauft war, sammeln sich am Abend dennoch hunderte Fans ohne Karten an der kleinen Waldbühne, um durch den Zaun wenigstens einen kleinen Blick zu erhaschen und um die Musik genießen zu können.
Die Schlangen am Einlass ziehen sich fast runter bis zum Landtag und wenige Minuten vor dem angesetzten Beginn entscheidet die Konzertleitung, das Konzert eine viertel Stunde nach hinten zu verschieben. Dank der großartigen Arbeit aller Angestellten sitzen jedoch schon wenig später alle Besucherinnen und Besucher auf ihren Sitzen und sind gespannt, was Sie nun erwartet.
Die Spannung steigt sowohl bei der heimischen Kuttenträgerin als auch bei einem älteren Segler aus einem weit, weit entfernten Land. Und dann erklingen die ersten zarten Töne und das Publikum fängt verhalten nordisch an zu klatschen und bleibt selbstverständlich brav sitzen. Trinken da etwa einige Nordlichter Tee zu ‚Enter Sandman‘?
Der erste Teil der Darbietung besteht aus reinen Akustik-Versionen der bekanntesten METALLICA Songs, welche die vier professionellen Cellisten mit so viel Gefühl und Kunstfertigkeit darbieten, dass sich instantan eine Gänsehaut bildet. Ich wusste gar nicht., dass 2000 Menschen in einer Freilichtbühne so still sein können, dass man jeden einzelnen Ton dieser zarten Instrumente hören kann, nur unterbrochen vom Vogelgezwitscher in den Bäumen.
Ein perfektes Ambiente und eine andächtige Stimmung verleihen dem Auftritt die Beachtung, die er nur allzu sehr verdient. Wenn allerdings mit so viel Leidenschaft gespielt wird, dann darf auch natürlich mal eine Seite reißen. Dank des professionell eingespielten Teams konnte der kleine Schaden aber sofort behoben werden und zeigt nur wieder einmal, auf welch hohem Niveau die Finnen arbeiten. Ob ‚Sad But True‘, ‚The Unforgiven‘ oder ‚Welcome Home (Sanitarium)‘, kein Wunsch blieb im ersten Part des Abends unerfüllt. Ruhig, ohne Hektik und zart wie die abendliche Sommerbrise werden die doch eigentlich sehr dynamischen Lieder vertont, ohne jedoch dadurch an Kraft zu verlieren. Ganz verstohlen muss ich mir ein kleines Tränchen wegwischen, dass durch die Komposition aus Umgebung, Musik, Ausstrahlung und Stimmung erzeugt wird. Die unschuldige Verspieltheit der eigentlich brachialen Lieder wird durch die Reduzierung der ursprünglichen Instrumentenvielfalt auf das Cello erreicht. Und in dieser konzentrierten und schlichten Kraft liegt die überragende Wirkung des Ensembles.
Doch nach 45 Minuten gibt es erst einmal eine Pause. Es gilt neue Kraft zu sammeln und mit Verstärkung zurück auf die Bühne zu kehren. Schluss ist nun mit dem Akustik-Set und der hinzugewonnene Schlagzeuger deutet an, dass es jetzt eine Spur härter werden könnte.
Gesagt, getan und zu ‚For Whom The Bell Tolls‘ werden dann auch die Menschen auf den leeren Platz vor der Bühne gebeten. Tanzen und sogar singen ist nun angesagt.
Die Begrüßung fällt gewohnt charmant aus und an sieht denn Herren aus dem benachbarten Ostsee Staat an, dass sie sich freuen, nach mehr als 20 Jahren wieder in Kiel spielen zu dürfen. In der großem Runde werden alle einmal vorgestellt und ernten tosenden Applaus von den mittlerweile aufgetauten Zuschauern. Viele sind auf ihren Plätzen aufgestanden und singen und tanzen mit.
Wir erfahren, dass ‚Battery‘ wohl früher zu schwer war, aber nun perfekt gespielt werden kann und dass ein kleiner Ausflug in AC/DC Gefilde wahnsinnig Spaß machen kann. Wie die Jungs es schaffen mit den riesigen Instrumenten so viel Action und Party auf der Bühne zu veranstalten bleibt mir ein Rätsel, aber da oben gibt es anscheinend kein Halten mehr. Mit ‚Seek And Destroy‘ möchte man sich dann auch langsam verabschieden und die Menge gibt noch einmal ihr Bestes. Der Enthusiasmus wird dann auch noch gleich mit wie Zugaben belohnt: ‚Nothing Else Matters‘ und als krönender Abschluss ertönt dann ‚One‘ in all seiner unerbittlichen Brutalität. Wir sollen uns und die Welt schätzen, einander schätzen und das Leben schätzen. Eine passende Ansprache zu einem überragenden Lied. Und darum schätzen wir Euch.
Der Vorhang fällt und die Künstler verneigen sich.

Redakteur:
Yvonne Päbst
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