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APOCALYPTICA - Tuusula

04.06.2020 | 08:48

14.05.2020, Club

Live at your home - ein "Corona-Wohnzimmerkonzert" mit APOCALYPTICA.

Am 14. Mai lud APOCALYPTICA zu einem Online-Konzert ein, nachdem bereits das Live-Konzert vom 25. April ziemlich gut angekommen war. Im April war es eher ein Wohnzimmerkonzert, jetzt spielen die Finnen in einer Konzertlocation, vermutlich in Tuusula.

Celloklänge und ein kleiner "Rundflug" über die Gegend stimmen auf das Konzert ein. Eine kurze Begrüßung untereinander, dann nehmen die Herren an ihren Instrumenten Platz und es geht auch schon direkt – relativ passend - mit 'Ashes Of A Modern World' los. Natürlich ist es kein wirklicher Ersatz für ein Livekonzert, es fehlt einfach die Live-Atmosphäre, das Gemeinsamkeitsgefühl, trotzdem kann ich dem Ganzen zumindest einige Pluspunkte abgewinnen: Ich sitze quasi in der ersten Reihe, auf Augenhöhe mit APOCALYPTICA. Wann kann man den Herren schon so genau auf die Finger oder ins Gesicht schauen und jede Regung erkennen? Auch die Drummer-Perspektive ist nicht zu verachten, sonst sitzt Mikko ja immer unerreichbar weit weg, meistens bekommt man von ihm so gut wie gar nichts zu sehen. Das ist hier definitiv anders. Auch die Tatsache, dass Mikko ein ziemlich guter Alleinunterhalter ist, ist mir neu.

Ohne Unterbrechung geht es weiter mit 'Path', erst danach begrüßt Eicca das "Publikum" und erklärt, dass die Setliste dieses Abends auf den Fanwünschen basiert. Man konnte nämlich vorher Wünsche per Email einsenden und es sollten die meistgewünschten ausgewählt werden. So kommt er auch darauf zu sprechen, dass viele Wünsche zum neuen Album "Cell-0" eingegangen sind und sie daher jetzt den Titeltrack spielen, den sie bisher nur ein einziges Mal live gespielt haben. Es ist so interessant, die einzelnen Mienenspiele zu beobachten, besonders das von Perttu. Am Ende des Songs sagt er: "Wartet einen Moment, lasst mich hören, oh ja, ich kann sie hören, sie jubeln!" Dann erzählt er noch ein wenig von den Wunschsongs und dass es jetzt einen instrumentalen Klassiker gibt: 'Hope'. Danach ist Mikko ein wenig geschafft, während er versucht zu Atem zu kommen und sein Handy begutachtet, um über den Livechat zu berichten. Die anderen finden es ausgesprochen witzig, dass er erstens außer Atem ist und es zweitens nicht schafft, den Chat zu finden ("Mikko und die Technik!"). Deshalb reicht er die Aufgabe weiter an Perttu, der sich zwar an seinem Handy zu schaffen macht, es aber wohl auch nicht gebacken bekommt.

Es folgt eine etwas kurze, alberne Diskussion über den nächsten Song, der angeblich nur drei Stimmen hatte, zwei davon von Mikko, es aber trotzdem auf die Liste geschafft hat und ab geht die Luzie mit 'Last Hope'. Ich bin auch jetzt wieder verwundert, dass sich Perttus Haare nicht in den Cellosaiten verfangen, so wild lässt er sie fliegen. Danach sind alle ein klein wenig außer Puste, Perttu zieht seine Weste aus und Paavo holt irgendein Ersatzteil für Mikko, dann verschwindet Perttu noch kurz und Eicca kommentiert, dass das in einer Liveshow eben so ist: "Leute verschwinden und Dinge laufen schief. Typisch für uns."

Die Frage, was als nächstes gespielt werden soll, kommentiert Mikko mit "Wir sagen es nicht, wir spielen eine brandneue Version davon, ihr werdet es erkennen!" Ja, das ist natürlich nicht besonders schwer, noch dazu, wo es eines meiner Lieblingsstücke von APOCALYPTICA ist – eine wunderschöne Version von 'Bittersweet'.

Das nachfolgende 'Scream For The Silent' passt hervorragend zu dem melancholischen Vorgänger, nach dem "Schrei" und dem etwas abrupten Ende merkt man diesmal allerdings so richtig den fehlenden Applaus, der jetzt eingesetzt hätte. Eicca nutzt die kleine Pause und erklärt noch einmal ein paar Dinge für diejenigen, die erst später zugeschaltet haben, wird aber mitten in seiner Rede von einem begeisterten Perttu lautstark unterbrochen, der endlich den passenden Livechat gefunden hat. Dasselbe hat endlich auch Mikko mit einem "modernen Handy" geschafft und nun überbieten sich beide mit dem Vorlesen der Einträge. Während Eicca noch einmal kurz erwähnt, dass viele "das ganz, ganz alte Zeugs" hören wollen, sehr viele aber auch "den neuen Kram", folgt mit 'En Route To Mayhem' wieder ein Song von der neuen Platte. Mikko kann es einfach nicht lassen und muss anschließend wieder einige Chateinträge zum Besten gegeben, wobei er sich dabei über einige Songwünsche sehr wundert, bevor 'Quutamo' folgt, ein "uralter Song, den wir schon seit Jahren nicht gespielt haben".

Jetzt ergreift Perttu wieder das Wort und erklärt, dass ihm das alles viel Spaß mache und dass er zum ersten mal die Chance hat, jeden einzelnen Schlag von Mikko zu verfolgen. Und dass es auch sehr unterhaltsam ist, seine Leidensmiene während des Spiels zu verfolgen. Außerdem lässt er sich noch über die Wünsche aus: "Ich habe jeden Wunsch gelesen, den ihr geschickt habt. Es gab Tausende. Ich finde es äußerst interessant, dass jeder Song, den wir je gemacht haben und auch jede Menge Songs, die wir NICHT gemacht haben, auf eurer Liste standen. Eine Anfrage war allerdings ganz besonders. Die kam aus Pennsylvania von einem Steven. Die Frage lautete ja, welche Songs von APOCALYPTICA wollt ihr hören? Seine Antwort war YEAAAAAAAH – mit sieben A! So haben wir uns überlegt, einen Song namens 'Yeah' zu spielen." Und so gibt es heute das ultimative, deathmetallische, apokalyptische 'Yeaaaaaaah' ganz alleine für Steven, während ich als Zuschauer/-hörer mit einem breiten Grinsen in der ersten Reihe sitze und mich köstlich über die sympathischen und völlig verrückten Finnen amüsiere, die ein Yeah! In den Raum stellen, das jeder Black- oder Death-Metal-Band ebenso gut zu Gesicht stehen würde. So sind sie halt, immer für eine Spaß zu haben, auch wenn Perttu noch bemerkt: "This was a once-in-a-lifetime experiment!", während Eicca fragt: "Steven, are you happy now?"

Perttu erzählt dann noch, dass er eigentlich dachte, so ohne Publikum zu spielen, sei schrecklich, aber jetzt finde er es doch nicht so schlimm. "Mal abgesehen davon, dass ich in Mikkos Gessicht sehen kann, stelle ich mir all die Leute vor, die jetzt dem Konzert folgen und das macht mich fröhlich. Also sollten jetzt alle tanzen, egal wo" und er setzt diesen Vorschlag direkt bei 'Grace' um, indem er ein kleines Solotänzchen hinlegt, bevor er sich wieder auf seine Celloarbeit besinnt. Na gut, fast. Das Cello muss dann eben als Tanzpartnerin herhalten. Soviel zu "Finnen sind eher melancholisch". Nachdem sich alle wieder etwas beruhigt haben, spricht Eicca noch einmal über die Anfänge von APOCALYPTICA und dass sie nicht nur METALLICA gecovert haben. "Deshalb folgt jetzt ein Song, den wir schon seit 27 Jahren spielen und es ist nicht 'Nothing Else Matters', sondern 'Inquisition Symphony'." Besonders sehenswert sind dabei wieder Perttu und Eicca, die sich gegenseitig aufstacheln und die Symphonie in Grund und Boden spielen, was durchaus wörtlich zu nehmen ist, spielt doch Perttu den Rest des Stückes auf dem Boden liegend.

Danach sind alle etwas außer Atem, nicht nur Mikko, aber es ist auch schon Zeit für den letzten Song. Eine der meistgewünschten Balladen: 'Farewell'. Leider hat gegen Ende der Livestream einen Aussetzer, deshalb ist das Ende von 'Farewell' nicht komplett zu sehen (allerdings wurde der Song später noch einmal komplett ins Netz gestellt). Auch auf den Anfang von 'Hall Of The Mountain King' müssen wir verzichten, können zum Schluss aber eine völlig abgedrehte Band bewundern, die noch einmal zur Höchstleistung aufläuft, bevor Mikko die Schlussansage macht: "This was APOCALYPTICA, live at your home 2020, thank you for joining us all, it has been a really, really lot of fun, it has been an amazing journey. Thank you everybody, stay awesome, stay stay staying alive, "stayke" me up before you go go and so forth - I think it is better to leave now. Stream will be on youtube, tell your friends, and you perhaps will have no more friends after that – but äh – I think my talkshow is done. Thank you!" (*) Nach einem weiteren gemeinsamen "Thank you!" samt Verbeugungen hat die Band diesen besonderen Auftritt mehr als bravourös gemeistert.

Nun gut, alleine vor dem PC ist es halt ein wenig öde, allerdings kann man sich ja vorstellen, wann und wo Applaus, Jubel und APOCALYPTICA-Rufe zu hören wären. Trotzdem war es eine tolle Idee, hat riesigen Spaß gemacht und, wie schon gesagt, wann erlebt man so ein Konzert schon einmal in der ersten Reihe.

Danke APOCALYPTICA!

Setliste: Ashes Of The Modern World (Cell-0, 2020); Path (Cult, 2000); Cell-0 (Cell-0, 2020); Hope (Cult, 2000); Last Hope (Worlds Collide, 2007); Bittersweet (Apocalyptica 2005); Scream For The Silent (Cell-0, 2020); En Route to Mayhem (Cell-0, 2020); Quutamo (Apocalyptica 2005); Yeah (einmalige Aufführung 2020); Grace (Worlds Collide, 2007); Inquisition Symphony (Inquisition Symphony, SEPULTURA Cover 1998); Farewell (Apocalyptica 2005); Hall of the Mountain King (Cult, 2000)

(*) "Das war APOCALYPTICA, live at your home 2020. Danke an alle, die sich zu uns gesellt haben, wir hatten wirklich jede Menge Spaß, es war eine fantastische Reise. Nochmals danke an alle, bleibt weiterhin so großartig - "stay stay staying alive, "stayke" me up before you go go" - und so weiter. Ich glaube, dass es besser ist, jetzt zu gehen. Der Stream ist weiterhin bei youtube zu sehen, erzählt es euren Freunden, aber vielleicht habt ihr danach keine Freunde mehr – also ich glaube meine Talkshow ist jetzt beendet. Danke!"


Redakteur:
Hannelore Hämmer

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