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ARCHITECTS - Köln

22.03.2015 | 22:59

26.02.2015, Live Music Hall

ARCHITECTS, EVERY TIME I DIE, BLESSTHEFALL, COUNTERPARTS. Das klingt wie ein Klassentreffen der aktuell heißesten Bands der Szene, ist allerdings das Line-Up der ARCHITECTS-Tour, deren Show in Köln sogar vom WDR Rockpalast gefilmt wird.

2009 war "Hollow Crown" eines der Metalcore-Alben des Jahres. Auf Metalcore-Konzerten waren damals unheimlich viele ARCHITECTS-Shirts zu sehen, doch für den großen Durchbruch hat es noch nicht gereicht. Erst das letztjährige sechste Studioalbum der Briten, "Lost Forever // Lost Together" bescherte der Gruppe großen Erfolg. Nachdem man im April 2014 in der Kölner Essigfabrik vor gut 1200 Leuten die größte Headlinershow außerhalb des UKs spielte, kann man diese Leistung nicht mal ein Jahr später toppen. Die Kölner Live Music Hall ist zwar nicht komplett ausverkauft, aber vom Platz her können wohl nur noch 70 bis 100 Karten übrig sein. Die gesamte Show wird übrigens vom WDR Rockpalast gefilmt.

COUNTERPARTS, den Anheizer des Abends, verpasse ich dank einer Vollsperrung auf der A3 leider. Die deutsche Bahn hat sich leider auch etwas Zeit gelassen. Sehr schade, denn live sowie auf Platte kann die melodische Hardcore-Truppe nämlich sehr viel. Ähnliches kann man jedoch ebenso über die Metalcore-Truppe BLESSTHEFALL sagen. Das Quintett startet wie gewohnt mit 'You Wear A Crown, But You're No King' sehr energiegeladen. Sänger Beau Bokan sprintet ordentlich über die Bühne, während Bassist Jared Warth die Strophen ins Mikrofon brüllt. Dieses Wechselspiel wird das gesamte Set über Bestand haben, wodurch Bokan allerdings wie schmückendes Beiwerk wirkt. Einzig beim abschließenden 'Hollow Bodies' wird dem Sänger mehr Platz für Gesang eingeräumt. Dabei hat die Band einige extrem starke Songs, die beinahe nur auf klare Vocals setzen und dennoch als Pitfutter taugen. Insgesamt gibt es sonst aber nichts an der Performance der Gruppe auszusetzen. Das sieben Song starke Set versetzt zumindest das vordere Hallendrittel in Euphorie.

Ich persönlich habe mich im Vorfeld sehr auf die Metalcore-Pioniere EVERY TIME I DIE gefreut, doch war ich mir unsicher, wie das Publikum die Band aufnehmen wird. Bei A DAY TO REMEMBER im Frühjahr 2014 wurde die Truppe gnadenlos unterschätzt und ignoriert. Umso erfreulicher ist es, dass das Publikum EVERY TIME I DIE sogar besser aufnimmt als BLESSTHEFALL, die ich eher in der ARCHITECTS-Zielgruppe verbucht hätte als ETID. Nach dem 80er-Dance-Intro eröffnet der rockige Brecher 'No Son of Mine', welches erstmal noch niemandem wehtun sollte. Die Band rastet von der ersten Note an aus, was auf den Zuschauer natürlich sehr mächtig wirkt. Sänger Keith Buckley brüllt mittlerweile um einiges härter als noch vor drei, vier Jahren. Das passt allerdings sehr gut, da manche Songs auch um einiges härter gespielt werden: Zum Teil werden die Breakdowns sehr langsam gespielt und gestreckt, wie man beim ohnehin schon brutalen 'Underwater Bimbos From Outter Space' eindrucksvoll demonstriert. Einzig 'Decaying With The Boys' und 'The New Black' wirken durch ihre sehr rockige Basis wie kleine Verschnaufspausen. Beendet wird das absolut geniale Set durch das psychedelische 'Moor'. Für mich ist EVERY TIME I DIE die Band des Abends. Dazu später jedoch mehr.

ARCHITECTS ist natürlich der klare Headliner des Abends. Schon beim Opener 'Broken Cross' singt das Publikum jedes Wort lautstark mit. Sänger Sam Carter gibt dem Volk somit öfters die Chance, für ihn das Singen zu übernehmen. Auch der Moshpit ist vom ersten Riff an in Bewegung und wird in den nächsten 70 Minuten auch kaum anhalten. Der Sound ist sehr gut, wenn auch ganz vorne vielleicht ein paar Dezibel zu laut. Ein paar Meter weiter hinten kann sich der Fan über einen glasklaren und druckvollen Klang freuen. Besonders die Details der Gitarrenarbeit kommen sehr gut zum Vorschein.

Wie bereits gesagt halte ich trotz der exzellenten ARCHITECTS-Performance EVERY TIME I DIE für die Band des Abends. Dies liegt daran, dass die Amerikaner ihre Show von der Bühne aus gestalten und nicht unbedingt die Resonanz des Publikums brauchen, um das Prädikat "fett" zu erhalten. ARCHITECTS hingegen lebt schon arg von der Beteiligung des Publikums. Würden die Fans nicht lauthals jede Zeile brüllen, wenn Carter das Mikrofon in die Luft hält, würde man der Show in der B-Note ein paar Punkte abziehen müssen. Aber ich gönn es den Briten. Ich habe die Jungs schon zu Zeiten von "Ruin" gut gefunden und miterlebt, dass das ein oder andere Publikum (noch) nicht ganz so begeistert war.

Sam Carter und Co spielen immerhin zehn der elf "Lost Forever // Lost Together"-Songs, einzig das ruhige 'The Distant Blue' wird ausgelassen. Scheinbar wollen die Fans auch nur diese Lieder hören. Zwar sorgen auch die "Daybreaker"-Nummern wie 'Alpha Omega' für Begeisterungsstürme, doch 'Follow The Water' und 'Day In Day Out', die einzig älteren Tracks, kommen nicht ganz so gut an. Dennoch ist diese "Zurückhaltung" noch immer mehr Publikumsreaktion als bei den beiden Bands davor zusammen. Als alter Fan hätte ich mir natürlich schon noch gerne ein, zwei "Hollow Crown"-Songs mehr gewünscht oder endlich mal wieder was von "Ruin", aber dies spreche ich wohl in jedem Konzertbericht über ARCHITECTS an.

Für ganze 70 Minuten geben Musiker und Fans Vollgas. Und auch wenn ich EVERY TIME I DIE etwas besser fand als ARCHITECTS, gibt es an deren Performance nichts auszusetzen. Es wird einfach nicht langweilig, den Briten zuzugucken. Jetzt nur noch ein, zwei alte Songs mehr ins Set und dann ist es perfekt.

Redakteur:
Sebastian Berning

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