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ARCH ENEMY, THE CHARM THE FURY und DAWN OF DISEASE - Köln

15.07.2018 | 11:30

09.07.2018, E-Werk

Fortsetzung des schwedischen Höhenflugs oder doch Melo-Death-Übersättigung?

ARCH ENEMY ist überall - das dürften sich zumindest viele Metalheads in den letzten Monaten gedacht haben, denn seit dem Einstieg von Alissa White-Gluz zeigt die Erfolgskurve der schwedischen Melo-Deather ganz steil nach oben. Mit "War Eternal" hat das Quintett immerhin das erfolgreichste Album der eigenen Bandgeschichte abgeliefert und auch der Nachfolger "Will To Power" schaffte es wieder häufig auf das Cover und die Bestenlisten der einschlägigen Metal-Magazine. In Kombination mit dem schier unermüdlichen Tour-Pensum könnte man meinen, dass sich irgendwann doch eine gewisse ARCH ENEMY-Müdigkeit einstellen könnte. Ob das wirklich so ist, davon überzeugt man sich aber am besten persönlich, und wo würde das besser gehen als bei der Headlinershow in Köln an diesem heißen Montagabend, mit der Michael Amott und seine Mitstreiter die Pause zwischen den großen Sommerfestivals füllen.

Doch bevor der Headliner die sowieso schon stickige Luft im E-Werk zum Brennen bringt, dürfen erst einmal die Death-Metaller DAWN OF DISEASE dem Publikum einheizen. Leider wird die Truppe aus Osnabrück dabei aber so zeitig auf die Bühne geschickt, dass wir Dank des abendlichen Berufsverkehrs die ersten beiden Nummern des Sets verpassen. Viele andere Besucher haben aber den Weg in die Halle im Kölner Stadteil Mühlheim rechtzeitig gefunden und so darf sich der Fünfer über eine ordentliche Anzahl von Zuschauern freuen, die den Mix aus tonnenschweren Riffs und melodischem Todesstahl zu schätzen weiß. Ganz besonders positiv fällt dabei der extrem gute Sound auf, mit dem die Jungs ihre Kompositionen heute servieren dürfen. Das Schlagzeug pumpt ordentlich, die Gitarren-Wände halten dagegen und auch der Gesang von Fronter Tomasz Wisniewski ist gut zu verstehen, was gerade bei einer Vorband nicht selbstverständlich ist. In Kombination mit dem feinen Songmaterial sorgt das schlussendlich dafür, dass sich die Truppe nach einer halben Stunde und dem Rausschmeißer 'Ashes' einen mehr als ordentlich Schlussapplaus abholen darf und heute sicher einige neue Fans dazugewonnen haben wird.

Bei den extremen Temperaturen im E-Werk hätten die Zuhörer im Anschluss eigentlich keine weiteren Aufwärmübungen nötig, trotzdem gibt es mit THE CHARM THE FURY einen weiteren Support. Die Auswahl der Amsterdamer als Anheizer erschließt sich mir dabei allerdings nicht so richtig, denn mit ihrer Mischung aus Hardcore und Metalcore passen die Niederländer eigentlich überhaupt nicht zum heutigen Headliner. Das hindert das Quintett aber nicht daran, mit Vollgas loszulegen und Fronterin Caroline Westendorp schafft es auch prompt, die ersten Reihen zum Mitmachen zu animieren. Selbst ihre Aufrufe zu einem Circle-Pit werden im vorderen Teil der Halle trotz der Hitze dankend angenommen. Entsprechend ist in Sachen Energie bei den Holländern auch alles in bester Ordnung, was man vom Sound leider nicht behaupten kann. Ganz im Gegensatz zu DAWN OF DISEASE versinken die Feinheiten der Songs diesmal in einem dumpfen Soundbrei, aus dem eigentlich nur die Stimme von Caroline herausragt, und so teilt sich die Rückmeldung auf das gut 40-minütige Set auch in zwei Hälften. Während ein Großteil der Zuschauer die von der Bühne abgefeuerten Metalcore-Salven ordentlich abfeiert, nutzen die Übrigen den Raucherbereich, um noch einmal ein wenig frische Luft zu tanken. Trotzdem können die Herren und ihre Fronterin den Auftritt sicher als Erfolg für sich verbuchen, das lässt zumindest das Interesse am Merchandise der Truppe im Anschluss an die Show vermuten.

Eine flotte Umbaupause später ist dann endlich alles bereit für die schwedischen Melo-Deather. Der laut aus dem Boxen dröhnende MOTÖRHEAD-Klassiker 'Ace Of Spades' kündigt ARCH ENEMY standesgemäß an und lockt auch die letzten Besucher aus der kühlen Abendluft wieder ins stickige E-Werk. Unbeeindruckt von den tropischen klimatischen Bedingungen legen die Herrschaften um Bandkopf Michael Amott sofort mit 'The World Is Yours' vom aktuellen Album "Will To Power" los, bevor mit dem kantigen 'Ravenous' und 'War Eternal' direkt ein Doppelpack vom überaus erfolgreichen Vorgänger hinterher gefeuert wird. Die Stimmung ist dabei von Anfang an am Siedepunkt, was nicht zuletzt an Shootingstar Alissa liegt, die wie immer wie ein Derwisch über die Bühne fegt und das Publikum praktisch pausenlos zum Mitmachen animiert, ohne dabei den nötigen Druck in ihren Growls und keifenden Screams vermissen zu lassen. Entsprechend bleibe ich bei meiner Meinung, dass der Wechsel der Fronterin das Beste war, was ARCH ENEMY passieren konnte, denn gerade bei älteren Songs wie 'My Apocalypse' oder 'Blood On Our Hands' macht Alissa in meinen Ohren eine deutlich bessere Figur als ihre Vorgängerin Angela Gossow.

Wer jetzt aber denkt, dass sich der Rest der Band auf den optischen Vorzügen und dem charismatischen Auftritt der Fronterin ausruht, der liegt weit daneben. Auch in Sachen Bühnenbild haben die Schweden nämlich zur vorherigen Tour noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt und fahren neben feinen Lichteffekten auch ein komplett wandelbares Bühnenbild auf, das eines Headliners mehr als würdig ist. Über die Leistung der übrigen Bandmitglieder muss man an dieser Stelle eigentlich kein Wort mehr verlieren, immerhin hat der Fünfer mit Michael Amott wohl einen der genialsten Gitarristen der gesamten Metalszene in seinen Reihen, dessen Melodien immer direkt ins Ohr gehen. Gemeinsam mit Jeff Loomis, der selbst bei langjährigen Fans den schmerzlichen Abgang von Christopher Amott vergessen machen dürfte, bildet das ARCH ENEMY-Mastermind außerdem wohl das beste Gitarren-Duo im gesamten härteren Metal-Sektor, das von Sharlee D’Angelo am Bass und Daniel Erlandsson an den Drums mit einem nahezu unfehlbaren Rhythmusfundament unterlegt wird.

Ganz so unfehlbar ist die Songauswahl am heutigen Abend allerdings nicht, denn außer dem bereits erwähnten 'The World Is Yours' und 'First Day In Hell' lassen die neueren Songs vom aktuellen Silberlings doch teilweise die hymnischen Qualitäten des älteren Materials vermissen. Insbesondere 'The Eagle Flies Alone' und 'The Race' entpuppen sich eher als graue Mäuse im direkten Vergleich zu Klassikern wie 'Dead Eyes See No Future' oder 'Bloodstained Cross'. Doch auch das bleibt Meckern auf allerhöchstem Niveau, denn zum Ende des regulären Sets hin gibt es mit 'As The Pages Burn', 'Dead Bury Their Dead' und 'We Will Rise' drei Abrissbirnen zu hören, die das E-Werk noch einmal so richtig zum Kochen bringen. Dementsprechend denkt auch keiner der Zuschauer daran, die Schweden einfach ziehen zu lassen und so werden die Rufe nach einer Zugabe auch umgehend mit dem bärenstarken "War Eternal"-Track 'Avalanche' beantwortet. Im Anschluss bekommt dann auch Jeff Loomis die Gelegenheit, sein Können bei einem kleinen Gitarrensolo zu demonstrieren, bevor das Dreierpack aus dem instrumentalen 'Snow Bound', dem unvermeindlichen Klassiker 'Nemesis' und 'Fields Of Desolation' schließlich einen triumphalen Auftritt mit Stil beendet.

Um schlussendlich auf meine eingangs gestellte Frage zurückzukommen, kann ich abschließend nur festhalten, dass weder bei Fans noch Band eine ARCH ENEMY-Übersättigung festzustellen war. Ganz im Gegenteil hatte ich sogar das Gefühl, dass Amott, White-Gluz und Co noch einmal ordentlich zugelegt haben im Vergleich zur vergangenen Tour. Und auch die ordentlichen Besucherzahlen sprechen in dieser Hinsicht Bände, denn gerade während der Festivalsaison und bei solch tropischen Temperaturen haben Hallenkonzerte eigentlich immer einen schweren Stand. Entsprechend kann das Fazit auch nur lauten, dass ihr euch ARCH ENEMY auf keinen Fall entgehen lassen solltet, wenn der Fünfer auf dem Festival eurer Wahl in diesem Sommer aufspielt!

Redakteur:
Tobias Dahs

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