AT THE GATES, TRIPTYKON, MORBUS CHRON - München

03.01.2015 | 13:57

17.12.2014, Backstage Werk

Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für alle traditionsbewussten Metalheads - oder für Leute wie mich, die auf Weihnachten pfeifen, ein genialer Ausklang eines tollen Konzertjahres 2014.

Ein starkes Package auf dem Papier ist es ja, was die Tour verspricht. Ob die Jungspunde von MORBUS CHRON mit ihrem sehr vielschichtigen, atmosphärischen Extreme Metal im Oldschool-Gewand zu AT THE GATES passen wie die meist im Midtempo dröhnenden CELTIC FROST-Nachfolger TRIPTYKON, gilt es an diesem unangenehm regnerischen Mittwochabend einer genaueren Probe zu unterziehen.

Das Ticketkontingent im Vorverkauf ist bereits lange vor der Show restlos vergriffen. Die Metalheads, die den Stempel an der Abendkasse auf die Hand gedrückt bekommen, dürfen sich zu den glücklichen Zeitzeugen eines Konzertabends schätzen, der dem Verfasser dieser Zeilen Titel wie "Show des Jahres" entlocken.

Pünktlich um 20:30 Uhr entern die schwedischen Jungspunde MORBUS CHRON die geräumige Bühne des Backstage Werks. Robert, der kleine Bruder von Multiinstrumentalist und -genie Nicke Andersson (IMPERIAL STATE ELECTRIC, Ex-ENTOMBED/-THE HELLACOPTERS), führt die Band von der ersten Sekunde an souverän an: Er tollt zwar nicht wie wild über die Bühne, besticht aber durch coole Posen, wirbelt seine Lockenpracht mit größter Leidenschaft und überlässt bei den teils langgezogenen Instrumentalpassagen seinen Mitstreitern die Show und zieht sich dezent Richtung Bühnenrand zurück. Der Sound ist etwas basslastig und fällt daher dumpfer aus als auf den Veröffentlichungen der Stockholmer. Das tut dem Genuss aber keinen Abbruch. MORBUS CHRON gehört zu jenen Bands, die nicht des Frickelns wegen frickeln. Die Mucker ordnen ihre beeindruckenden technischen Fertigkeiten stets dem unter, um was es schließlich geht: dem Song. Im Publikum tummeln sich einige Oldschool-Fans, die den eigenwilligen Sound von MORBUS CHRON abfeiern. Aber auch sonst gibt es nach den Songs vom Debüt "Sleepers In The Rift", der 2012er EP "A Saunter Through The Shroud" und dem aktuellen Meisterwerk progressiven Oldschool-Death-Metals "Sweven" mehr als Höflichkeitsapplaus. Man sollte möglichst beide Augen auf die weitere Entwicklung der Schweden werfen - da steht uns Großes bevor.

Setlist: Ripening Life; Aurora In The Offing; Hymns To A Stiff; Black Orb Reverence; Towards A Dark Sky; Terminus (Outro).

Wenige Musiker sind mir bekannt, die sich auf der Bühne kaum bewegen, das Publikum aber mit ihrer stoischen Erhabenheit und mystischen Ausstrahlung dermaßen in ihren Bann ziehen, wie dies bei Thomas Gabriel Fischer der Fall ist. Der gestandene und begnadete Künstler darf finster drein schauen, seine Mitstreiter mit diabolischer Zufriedenheit angrinsen oder auch nur einen Schluck trinken: Auf der Bühne umgibt den Schweizer eine mystische Aura, die der düstere, zähe Sound von TRIPTYKON in vollkommener Weise untermalt. Nach obligatorischem Intro geht es los mit 'Goetia', dem Opener des Debüts "Eparistera Daimones", und das Publikum strömt in Scharen von der Zigarettenpause vor die Bühne. Der Song ist eine clevere Wahl für die Position im Set, denn in Form des düsteren Intros, der schnellen Strophe und der sehr groovigen Bridge findet jeder der Anwesenden etwas, um die Nackenmuskulatur einer Härteprobe zu unterziehen. Ganz wunderbar fügen sich die CELTIC FROST-Coverversionen von 'Circle Of The Tyrants' (mit Gastsänger Tompa Lindberg) und 'The Usurper' zwischen die TRIPTYKON-Nummern ein. Da merkt man, was für ein Genie Herr Fischer bereits in jungen Jahren gewesen ist. Die grundehrliche Verbeugung vor dem Publikum nach Ablauf des Sets kauft der Band jeder ab und die Dame und die Herren sammeln damit Sympathiepunkte bei dem einen oder anderen Zuschauer, auch wenn er ausschließlich des Headliner wegen da ist.

Setlist: Goetia; Altar Of Deceit; Circle Of The Tyrants; The Usurper; The Prolonging.

Ob AT THE GATES ihres Headlinerstatus gerecht werden, wird nach den ersten Takten von 'Death And The Labyrinth' recht schnell und explizit beantwortet: Ja! Die Urväter des melodischen Todesstahls sind eingespielt wie der FC Bayern, eben nur bodenständiger und sympathischer. Sänger Tompa zählt sowohl stimmlich als auch als Entertainer ohne jeden Zweifel zu einem der besten zehn Death-Metal-Frontmänner. Er dirigiert das Münchner Publikum souverän und als Dank erhält er eine beachtliche Menge an Fäusten und Hörnern entgegengereckt. Auffällig ist, dass sich die neuen Songs nahtlos neben die Klassiker von "Slaughter Of The Soul" reihen, ohne qualitativ abzufallen, wie Kollege Paßgang in seinem Review befürchtete. Teilweise werden sie sogar noch begeisterter aufgenommen als die durchweg schnellen Titel des Vorgängeralbums, aber erst recht als die sperrigen Songs von "With Fear I Kiss The Burning Darkness" und "The Red In The Sky Is Ours". Ebenso auffällig ist, dass das Publikum von sich aus etwas müde wirkt und nur richtig mitgeht, wenn sich Tompa um sie "kümmert" - das war noch vor knapp zwei Monaten bei der verhältnismäßig schwachen und routinierten Show von MORGOTH noch ganz anders. Ähnlich war es bei den beiden Bands davor. Daher schiebe ich das einfach auf eine Formschwäche der Münchner. Was gibt es sonst noch zu berichten? Anders als angenommen geht auch AT THE GATES auf Nummer sicher und packt Songs ins Set, die die Schweden schon seit Jahren spielen. Etwas mehr Mut wäre bei dem starken Backkatalog schon angebracht gewesen. 'Night Eternal', das Lindberg als 'Nacht unendlich' ankündigt, schließt diesen saustarken Konzertabend würdig ab und verlässt das Münchner Publikum in die nicht ganz so unendliche Nacht.

Setlist: Death And The Labyrinth; Slaughter Of The Soul; Cold; At War With Reality; Terminal Spirit Disease; Raped By The Light Of Christ; The Circular Ruins; Under A Serpent Sun; Windows; City Of Mirrors; Suicide Nation; Heroes And Tombs; Nausea; World Of Lies; The Burning Darkness; The Book Of Sand (The Abomination); Blinded By Fear; Kingdom Gone; The Night Eternal.

Redakteur:
Haris Durakovic

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