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AUGUST BURNS RED, BLESSTHEFALL und COUNTERPARTS - Köln

15.10.2013 | 22:58

01.10.2013, Essigfabrik

Ein guter Konzertabend. Nicht mehr, nicht weniger.

Ein Konzertabend mit lediglich drei Bands ist in diesem Genre nicht gewöhnlich und ein Beginn um 20 Uhr mutet schon fast spät an. Umso schöner, dass AUGUST BURNS RED auf der Tour zu ihrem aktuellen Album "Rescue & Restore" ganz besucherfreundlich nur COUNTERPARTS und BLESSTHEFALL mit dabei haben. Wir schauen und hören in der gut gefüllten Kölner Essigfabrik genauer hin, was dieser Metalcore-Abend zu bieten hat.

COUNTERPARTS, die erste Band des Abends, scheint besonders dem jüngeren Publikum kein Begriff zu sein. Irgendwo zwischen düsterem Hardcore, kleinen Indie-Rock-Passagen und ein paar Breakdowns ist der Stil der Truppe anzusiedeln. 'Compass' eröffnet das Set der Band, welches eher kurz ausfallen soll. Im Publikum passiert relativ wenig und so singen nur ein paar Nasen die eine oder andere Zeile mit. Auch auf der Bühne passiert keine allzu wilde Show, dafür wird die Musik aber mehr als präzise dargeboten. Als Sänger Brendan Murphy das Publikum fragt, ob er und seine Band heute Nacht bei irgendeinem Fan schlafen könnten, fragt man sich schon, warum die Jungs keinen Platz im großen Tourbus der beiden mitreisenden Bands bekommen haben. Irgendwie wirkt das Ganze schon recht traurig, dass sich diese kleine Band nicht mal einen Schlafplatz leisten kann, während die beiden anderen Truppen schön bequem mit den Nightliner durch die Gegend kutschiert werden. COUNTERPARTS lässt sich aber nicht die Stimmung vermiesen und spielt sein Set weiter. Beim letzten Song, dem starken 'The Disconnect', kommt dann endlich etwas Stimmung im Publikum auf, als Murphy vorne an die Absperrung kommt und mit den paar Fans, die sie schon vor dem Auftritt hatten, ein paar Textzeilen zum Besten gibt. Nach nicht einmal ganz 25 Minuten verabschiedet man sich dann.
[Sebastian Berning]

Dass es BLESSTHEFALL bei weitem besser geht als COUNTERPARTS macht nicht nur das headlinerwürdige Backdrop deutlich. Ihr aktuelles Werk "Hollow Bodies" war in den USA ziemlich erfolgreich und das mit Abstand am höchsten eingestiegene Werk der Truppe um Sänger Beau Bokan. Was einst als mehr als durchschnittliche Emo-/Screamo-Kapelle mit Craig Mabbit (heute ESCAPE THE FATE) am Mikro begann, ist seit Bokan dabei ist, eine mehr als amtliche Metalcore-Kapelle geworden. Mit der ersten "Hollow Bodies"-Single 'You Wear A Crown, But You're No King' eröffnet das Quintett mehr als knackig ihren zehn Song starken Auftritt. Besonders das weibliche Publikum scheint sich auf BLESSTHEFALL gefreut zu haben. Die Band präsentiert Songs ihrer letzten drei Alben, also glücklicherweise keinen Song vom Debütwerk "His Last Walk". Sänger Bokan hat viel Zeit sich zu bewegen, denn das Gebrüll übernimmt Bassist Jared Warth. Beide Vokalisten machen eine mehr als gute Figur am heutigen Abend und besonders Bokan beweist, dass er eine ziemliche Rampensau ist, der mit dem Publikum spielt - insofern er es nicht gerade mit Wasser bespritzt. Neben älteren Nummern wie 'The Reign', 'Bottomfeeder' oder 'What's Left Of Me' kommen auch die "Hollow Bodies"-Tracks mehr als gut beim Publikum an. Etwas schade ist, dass die melodischeren Nummern heute etwas zu kurz kommen, denn auch die von Boken alleine gesungenen Tracks haben Hitpotenzial. Nach mehr als 40 Minuten und einer sehr gelungen Show verabschiedet sich BLESSTHEFALL mit dem Gassenhauer 'Promised Ones'.
[Sebastian Berning]

Vor ziemlich genau einem Jahr war AUGUST BURNS RED bereits an gleicher Stelle zugegen und hat mich damals zu einer euphorischen Jubelorgie animiert, welche ich 2013 leider nicht in gleichem Maße wiederholen kann. Dabei macht die Band nicht viel grundlegend anders: Die Songs stimmen nach wie vor, die Sammlung wurde im laufenden Jahr sogar um einige richtig gute Nummern der neuen Platte "Rescue & Restore" erweitert. Die Setlist kann entsprechend als guter Mix dieser zumeist ganz speziellen, intensiven und vor allem von positiver Stimmung geprägten Metalcore-Hymnen bezeichnet werden, die einen Klang innehaben, den man nicht an jeder Clubecke hört. Auf die Glocke gibt es trotz allem dem natürlich immer noch zu Genüge, so dass es auch an Moshpit-Action niemals mangelt. Die Ansagen sind wie immer teils trashig, großteils sympathisch und die musikalische Performance als solche ist auch alles andere als verkehrt, technisch macht den Jungs eh niemand etwas vor. Selbst die Stimmung im Publikum ist eigentlich gut.

Irgendwie fehlt heute jedoch dieses gewisse Etwas, was mich bei der Band bisher sonst immer so zuverlässig umgehauen hat. Das mag am mäßigen Sound liegen, der viele Melodieläufe einfach verschluckt. Und dass diese essentiell für die Stimmung von AUGUST BURNS RED sind, weiß jeder, der sich auch nur einmal von "Constellations" hat verzaubern lassen. Das Konzert heute ist das letzte der Tour und wenn man mich fragt, merkt man das der Band auch an. Lustlos geht definitiv anders, aber diese letzte Energie, hier einen denkwürdigen Abend aufs Parkett zu legen, die vermisse ich. 'Marianas Trench', 'Internal Cannon', 'The Truth Of A Liar' oder 'Composure': Es gibt zweifelsohne Höhepunkte in der Essigfabrik auf die Ohren, die die Anwesenden auch entsprechend zu zelebrieren wissen. Die Frage, die ich mir selbst häufig gestellt habe, warum AUGUST BURNS RED mittlerweile nicht zur gleichen Größe wie PARKWAY DRIVE aufgeschlossen hat, wird an diesem Abend jedoch indirekt beantwortet: Da fehlt einfach noch eine Stufe. Das Konzert verlasse ich aber trotz allem nicht unzufrieden und bin mir sicher, dass die Amerikaner mich in Zukunft auch wieder vollends begeistern werden. Es kann eben nicht jeder Gig genial sein; manche sind Abende halt auch einfach mal "nur gut".
[Oliver Paßgang]

Redakteur:
Oliver Paßgang

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