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AURORA FEST - Nürnberg

09.04.2018 | 17:09

01.04.2018, Der Cult

Ostern mit der mittelalterlichen Dreifaltigkeit: In Nürnberg feiern TROLLFAUST, VERA LUX und FUCHSTEUFELSWILD Bandjubiläum und CD-Release.

Nein, ein Aprilscherz war das bei Weitem nicht: Wo sonst wilde Fetischpartys geschmissen werden, luden am Ostersonntag die fränkische Dreifaltigkeit der Mittelaltermusik zum Tanze und warf mit Anlässen zum Feiern nur so um sich. So zelebrierte VERA LUX auf dem Aurora Fest das fünfjährige Bandbestehen, TROLLFAUST veröffentlichte die neue CD Totenkult. Flankiert wurden die Jubilare von den Regensburger Durchstartern FUCHSTEUFELSWILD. Man sollte meinen, dass ein kleines Festival am höchsten Festtag des Christentums zum Scheitern verdammt ist. Ganz Deutschland mummelt sich in heimischer Wohligkeit ein, sucht morgens mit den Kindern Ostereier und verabredet sich schließlich mit Freunde und Familie zum sonntäglichen Brunch. Ganz Deutschland? Nein! Drei tapfere Bands mittelalterlicher Musik trotzen den Traditionen und laden zu einer eigenen Sause im Nürnberger Cult. Dass ihrer Einladung zahlreiche Fans und Sympathisanten gefolgt sind, zeigt sich bereits kurz nach Einlass. Schon zur ersten Band des Abends füllt sich der Konzertraum beachtlich. Dabei ist allerdings auch zu erwähnen, dass die Reihenfolge des Lineups an diesem Abend bewusst nichts über die Wertigkeit der auftretenden Gruppen aussagte. Um allen Musikern gerecht zu werden, entschieden sich die befreundeten Bands daher, auch die Spielzeit für alle gleich zu halten.

Und so startet FUCHSTEUFELSWILD mit jede Menge Dampf unter der Haube als Erstes in die Spielzeit und sorgt bereits nach wenigen Songs für Bewegung auf dem Tanzparkett. Denn den treibenden Rhythmen und leichtfüßigen Melodien von Titeln wie 'Till' können sich die Tänzer unter den Gekommenen genauso wenig entziehen wie die Headbanger den brachialen Riffs von 'Eisenhans'. Charismatisch und gute Laune versprühend ziehen die sieben Füchse aus Regensburg das Publikum ohne große Probleme in ihren Bann – das gewaltige Repertoire an Instrumenten und der Leichtfertigkeit, mit der beispielsweise die beiden Frontsänger Basti und Ella zwischen Gesangsrolle und Instrumenten wechseln, tun dabei ihr Übriges. FUCHSTEUFELSWILD hängt mit dem Auftritt der Mittelalter-Rocker bereits zu Beginn des Abends den Maßstab für Livepräsenz und Professionalitätbesonders hoch.

Da müssen die Jubilare VERA LUX das Tempo von Anfang an anziehen, um den Schwung mitzunehmen. Das gelingt den Musikern jedoch mit 'König aller Lügen' problemlos. Mit ihrer starken Saitenfraktion und der gedoppelten Position an den Gitarren zeichnet sich die Band vor allem durch ihre Anleihen in paganen und schwarzmetallischen Gefilden aus, hörbar etwa in Titeln wie 'Vampir'. Als Zweiergespann harmonieren Inara und Arved nicht nur in den Ansagen hervorragend: So wirbelt die rothaarige Frontsängerin einem Derwisch gleich mit derart viel guter Laune über die Bühne, dass es auf die vorderen Reihen vor der Bühne überschwappt. Mit Arved mit der Drehleier, präsent in den Mittelpunkt gestellt, nimmt das Gespann VERA LUX nach und nach immer mehr Fahrt und Dynamik auf. Spätestens zum Titel 'Purgatorium' bekommen die Gäste im Cult tatsächlich das Gefühl, gekocht zu werden. Die Temperaturen haben inzwischen beinahe sommerliches Niveau erreicht, der dichte Dampf, der im Raum steht, ist vom Bühnennebel nicht mehr zu unterscheiden. Als VERA LUX das Set schließlich unter lautem Beifall beendet, hat sich jedoch auch der Eindruck von der Gruppe verdichtet: Noch weitere fünf Jahre für die Mittelalter-Metaler und sie werden hoffentlich ganz andere Bühnen bespielen als die Nürnberger Cult-Location.

Der krönende Abschluss des Abends gebührt schließlich TROLLFAUST: Denn schließlich feiern die Herren an diesem Ostersonntag mitnichten die Wiederauferstehung, sondern zelebrieren den "Totenkult"! So lautet der Titel der neuen CD, welche die Spielleute am 1. April auf den Markt werfen. Imposante Dudelsack-Melodien treffen auf den dominanten Rhythmus des eindrucksvollen Schlagwerks. Was auf Scheibe schon überwältigend klingt, untermalt TROLLFAUST live nicht nur mit den entsprechenden Bühnenkostümen, sondern auch der dazugehörenden Show! Mit ihren neuen Songs peitschen sie ihre Zuschauer derart auf, dass aus den schweißtreibenden sechzig Minuten, welche das Quintett für das Set veranlagt hatte, immer mehr werden – so ungerne lassen die Nürnberger TROLLFAUST wieder von der Bühne! Das verwundert kaum, schließlich machen sich die Mittelaltermarkt-Musiker in Clubs sonst eher rar. Wild, archaisch und brachial; doch auf der anderen Seite mit wortwitzigen Ansagen und tanzbaren Titeln so nahbar und echt, dass sie den Abend im Cult mit ihrer unvergleichlichen Art gebührend beenden. Ein Osterfest mit drei Bands, die einander glänzend ergänzen, das Aurora Fest erweist sich als echter Geheimtipp, dessen Besuch sich Liebhaber unkonventioneller Mittelaltermusik dringend für das kommende Jahr einplanen sollten.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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