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Anthrax/Beyond Fear - Saarbrücken

19.05.2006 | 23:32

25.04.2006, Garage

Sollte an diesem Abend wirklich das Konzertereignis des Jahres oder einfach nur eine weitere sinnlose und nur aus Habgier stattfindende Reunion-Show folgen? Für ANTHRAX-Fans der ersten Stunde, zu denen ich mich auch zähle, trifft sicherlich das Erstgenannte zu, auch wenn ein wenig Skepsis angebracht sein sollte. Abgesehen davon, wie diese Reunion zustande gekommen ist und wie lange diese noch anhalten wird. In der ursprünglichen und somit auch verkaufstechnisch erfolgreichsten Besetzung habe ich ANTHRAX zuletzt auf der "State Of Euphoria"-Tour im Jahre 1989 gesehen und da hat man ordentlich abgeräumt.

Doch bevor es so weit war, dürfen zunächst BEYOND FEAR, die neue Band bzw. das neue Projekt von Tim "Ripper" Owens (ICED EARTH/ex-JUDAS PRIEST), auf die Bühne um ihr Können unter Beweis stellen. Schon nach wenigen Takten wird deutlich wo der Hase lang läuft: Eine Mischung aus FIGHT und JUDAS PRIEST zu "Painkiller"-Zeiten schlägt den Anwesenden entgegen, wobei gerade der Ripper mir persönlich viel zu sehr in den hohen Tonlagen unterwegs ist und nach den ersten drei Nummern Tristesse angesagt ist. Warum muss der Typ eigentlich immer beweisen, dass er höher als Rob Halford singen kann? Hat er das nicht schon bei PRIEST bewiesen? Getreu dem Motto "Höher, schneller, weiter" holzen BEYOND FEAR in 40 Minuten nahezu ihr gesamtes Debütalbum durch. Ein paar entspanntere Momente hätten den Kompositionen sicherlich auch gut getan. Leider zu wenig Material, das wirklich auf Anhieb im Ohr hängen bleibt.

Setliste:
And You Will Die
Save Me
Words Of Widsom
My Last Words
Your Time Has Come
The Human Race
Coming At You/Telling Lies (Medley)
Scream Machine

Die Saarbrücker Garage ist nahezu ausverkauft und entsprechend hoch sind die Temperaturen in der Halle, als es an der Zeit ist für die Helden des Abends, die nach einem kurzen "Blues Brothers"-Intro die Bühne betreten. Die einstigen Mosh-Könige starten mit 'Among The Living' gleich voll durch, ohne Rücksicht auf Verluste. Natürlich mustern meine Blicke erstmal die beiden Rückkehrer Dan Spitz und Joey Belladonna, Frank Bello war ja nicht allzu lang weg. Der kleine Gitarerro fällt in erster Linie durch sein modisches Kinnbärtchen und lässigen, schon fast gelangweilten Posen auf. Wäre er Stunden zuvor an mir vorbeigelaufen, hätte ich ihn wohl nicht erkannt. Anders sieht es da bei Fronter Joey Belladonna aus. Der zwar etwas in die Jahre gekommene Barde hat sich optisch nur wenig verändert und ist zudem immer noch gut bei Stimme. Nach wie vor tobt der "Gute Joey" (nein nicht der von MANOWAR, der ist "Der Böse" ;-)) von links nach rechts über die Bretter um die Fans anzustacheln, was ihm stellenweise auch ganz gut gelingt, auch wenn die ein oder andere Ansage heutzutage sehr antiquiert ist. Mittendrin steht natürlich ein wie ein Honigkuchenpferd grinsender Scott Ian, dem wohl größten Befürworter der Reunion. Wer das Geschehen auf der Bühne etwas intensiver verfolgt, sieht genau wer bei ANTHRAX die Fäden zieht. Erfreulicherweise erweist sich Frank Bello erneut als äußert spielfreudig und scheint kaum zu bändigen zu sein. Wie vom Affen gebissen turnt der Basser über die Bretter.

Das Programm ist wie erwartet eine Best-Of-Compilation, die jegliches Material der Prä-Belladonne-Ära vermissen lässt, irgendwie aber auch selbstverständlich. Die Zeitreise durch die frühen Jahre der Bandgeschichte lässt so manchen in Nostalgie dahin schwelgen. Nur bei dem Versuch zu 'Metal Thrashing Mad', 'Caught In A Mosh' oder 'Medusa' das Haupthaar zu schütteln und wild bangend durch die Halle zu flippen, holt einem die Realität wieder ein. Wenigstens braucht man sich heutzutage keine Gedanken mehr bezüglich Haarspliss oder Dauerwellen zu machen. Das waren noch Zeiten, wo jeder Gang zum Frisör einer Kriegserklärung gleich kam...
Neben den Akteuren in der ersten Reihe sei auch noch Drummer Charlie Benante zu erwähnen, der gewohnt präzise und energetisch sein Kit bearbeit, so dass sich so manch eine Double-Bass-Attacke fies in der Magengegend eingräbt.

Gerade als die Hitze in der Halle fast unerträglich erscheint, kippt mir mein Nachbar ein offenbar volles - glücklicherweise aber noch kaltes - Bier über, so dass bei mir rechtzeitig für Abkühlung gesorgt wird, ehe das Schlussdrittel mit 'Indians' - leider ohne den traditionellen indianischen Kopfschmuck bei Belladonna - eingeläutet wird. Die folgenden Stücke 'Madhouse', 'I'm The Man' und 'I Am The Law' rauben den Anwesenden die letzten Kraftreserven, so dass die meisten nach gut 90 Minuten gar nicht traurig darüber sind, das die Zeitreise durch die 80er ein verhältnismäßig frühes Ende gefunden hat. Zusammenfassend bleibt nur zu erwähnen, dass es schön war, mal wieder die ollen Kamellen in der Originalversion zu hören, mehr aber auch nicht. Zu abgeklärt ging man hier zu Werke und ließ zumeist nur wenig Freiraum für etwas Spontanität. Das sah vor ein, zwei Jahren mit John Bush noch anders aus. Ich denke mal der auf der Ersatzbank sitzende Fronter braucht sich bezüglich seiner Rückkehr keine Gedanken machen, es sei dem Scott Ian entschließt sich dazu, sich gänzlich in Altersteilzeit zu verabschieden.

Setliste:
Among The Living
Metal Thrashing Mad
Got The Time
Caught In A Mosh
A.I.R.
Skeletons In A Closet
Antisocial
N.F.L. (Nice Fuckin' Life)
Medusa
Indians
Be All, End All
Madhouse
I'm The Man
I Am The Law

Redakteur:
Frank Hameister

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