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BEYOND THE BLACK, MISTER MISERY - München

12.10.2019 | 13:16

11.10.2019, Backstage

Zum ersten Mal ist das Backstage für BEYOND THE BLACK ausverkauft. Die jahrelange Arbeit scheint sich auszuzahlen.

Die Parkplatzsituation am Backstage ist immer eine mittelschwere Katastrophe, deswegen treffen wir schon frühzeitig ein, denn neben dem Konzert im größten Saal des Backstage finden auch in den beiden andere Hallen mit dem Pogorausch und CRASH DIET zwei Veranstaltungen statt. Dementsprechend voll ist es auch schon kurz nach 19 Uhr, aber der Einlass ist erstaunlich entspannt und bereits nach wenigen Minuten sind wir in der Halle. In dem Fall können wir erst einmal nach dem Merchandise schauen, das diesmal in einem kleinen Nebenraum untergebracht ist. Dabei treffen wir auch sofort die Musiker der Vorband, MISTER MISERY. Ich bin ja auf die Schweden tatsächlich gespannter als auf Jenny und Co. Erstens habe ich letztere schon ein halbes Dutzend Mal gesehen und zweitens ist "Unalive", das am letzten Freitag erschienene MISTER MISERY-Debütalbum, ein echtes Brett, wie auch Kollege Mahoni in seinem Review sehr treffend ausführt. Ich habe die Vier auf dem SUMMER BREEZE schon mal getroffen, wo wir ein schönes und entspanntes Gespräch bei ohrenbetäubendem Lärm von der SB-Hauptbühne führten, nun bin ich neugierig, wie die Band sich live präsentieren wird. Tatsächlich gehen auch schon vor dem Gig ein paar T-Shirts der Newcomer über den Tresen, auch wenn natürlich der Hauptandrang dem Merchandise von BEYOND THE BLACK gilt. Nicht schlecht, gerade mal sieben Tage nach Veröffentlichung des ersten Albums. Nach einem Handschlag wünsche ich viel Glück, denn kurz darauf müssen die Jungs los.

Kaum eine halbe Stunde später erklingen die ersten Töne von MISTER MISERY und wie erwartet geht es mit den beiden ersten Singles 'The Blood Waltz' und 'My Ghost' los. Im Fotograben ist der Sound grauenhaft. Ich erkenne die Lieder nur schwer und habe echte Bedenken, was die Publikumsresonanz angeht, wenn das so bleibt. Song Nummer drei erkenne ich sogar überhaupt nicht, hier vorne ist das einfach nur Geräusch. Doof, denn die Musiker legen sich mächtig ins Zeug und posen, wann immer sie nicht singen müssen. Die Drei an der Bühnenfront stehen sehr nah an der Bühnenkante und versuchen, die Stimmung auf die ersten Reihen zu übertragen, die anfangs noch etwas skeptisch ob der Bemalten da oben schauen, aber schon bald die melodischen Lieder feiern. Das sehe ich aber erst richtig, als ich aus dem Fotograben nach oben gehe, wo der Sound nicht nur besser, sondern sogar ausgesprochen gut ist. Ja, jetzt macht das Ganze schon viel mehr Spaß und ich kann unten in der Arena viel Bewegung erkennen. Es sieht aus, als ob das BEYOND THE BLACK-Publikum die Vorband mehr als freundlich empfängt, verständlich, denn die Melodien sollten dem Publikum gut reinlaufen und visuell wird ja auch etwas geboten. Sänger Harley macht einen sicheren Job und die Lieder klingen ein wenig härter als auf dem Album. Auch die Chöre klingen überzeugend und servieren dem Backstage die Stücke von "Unalive" ansprechend melodisch, während die Vier sichtlich Spaß an ihren Liedern haben. So macht man Werbung für sein Album, das bis auf ein Lied komplett gespielt wird.

An dieser Stelle vermisse ich das Stück 'Stronger'. Dafür hätte ich ja lieber den Härtebrocken 'Rebels Calling' weggelassen, aber was weiß ich schon. Immerhin sind meine aktuellen Lieblingslieder 'Alive' und 'Tell Me How' im Set, es gibt also nicht viel zu mosern. Insgesamt wird der Applaus mit jedem Lied lauter und auch weiter hinten, ich bin dann mal aus der Menge in den Rückraum gegangen, klatschen zunehmend mehr Musikfans. MISTER MISERY passt gut zur Hauptband und im Anschluss, als die Musiker wieder am Merchandise-Stand sind, gibt es viel Lob, Fotos mit dem Musikern und auch ein paar Shirts wechseln den Besitzer. Ich bin ja mit meiner Tochter hier, die ein großer BEYOND THE BLACK-Fan ist, aber am Ende gern auch ein Shirt der Vorband hätte, sodass ich auch ein Leibchen mitnehme. Die Schweden haben offensichtlich nicht nur bei mir einen guten Eindruck hinterlassen.

Setliste: The Blood Waltz, My Ghost, Legion, You And I, Alive, Dead Valentine, Rebels Calling, Tell Me How, Live While You Can

Die Umbaupause dauert etwas länger also notwendig, habe ich den Eindruck, aber das ist der Location geschuldet. Nach dem Konzert wird es wieder Metal-Disco geben, Aftershow-Party genannt, zu der alle Ticketinhaber freien Eintritt haben, zu der aber auch andere Münchner auf ein bisschen Bier und Kopfwippen hinzustoßen können. Die Party beginnt um 23:00 Uhr, also muss das Konzert möglichst punktgenau enden, damit die Fans nicht weglaufen. Deswegen betreten die Musiker der Hauptband Punkt 21:16 Uhr die Bühne und feuern 'Hysteria' als Einheizer in die Menge. Es ist erst der zweite Gig der Tour für BEYOND THE BLACK und die Band strahlt Spaß aus. Natürlich ist Bandleaderin Jennifer Haben der Mittelpunkt der Show, aber die anderen Musiker lassen sich das nicht anmerken und rocken und posen während des ganzen Auftrittes und können durchaus die Aufmerksamkeit der Fans auch mal auf sich lenken.

Drei Alben hat die Band mittlerweile veröffentlicht und damit, wenn man die Bonustracks der jeweiligen Sondereditionen der Alben zwei und drei mitzählt, eine Veröffentlichungspolitik, die ich immer noch äußerst unangenehm finde, solide 47 Lieder, aus denen die Seitliste zusammengestellt werden kann. Natürlich dominiert das aktuelle Album "Heart Of A Hurricane" den Abend, aber zuerst wird das Publikum warmgerockt mit ein paar bekannten Hymnen wie den beiden Debüt-Krachern 'When Angels Fall' und 'Songs of Love and Death'. So singt sich das Publikum warm und wird auch in den verbleibenden 90 Minuten nicht leiser werden. BEYOND THE BLACK tritt heute, beim sechsten Gig im Backstage in München, vor einer großen Fanschar auf, die den Gig zu einem ziemlichen Triumphzug macht. Zwar ist die Band stark und Jenny gibt sich keine Blöße, aber sie könnte wahrscheinlich auch nur ins Publikum schauen und manchmal ein paar Einsätze geben, den Rest würde die Halle erledigen.

Die Riege der Songs vom aktuellen Album, die erwartungsgemäß nach ein paar weiteren Bandhits folgt, beginnt überraschenderweise mit dem Lied 'Spiderweb of Eyes', das von der Frontfrau mit einer Anekdote eingeleitet wird. Es ist einer der Bonustracks der Touredition des Albums "Heart Of A Hurricane". Auf der letzten Tournee hatte die Band auch aus den Bonustiteln von "Lost In Forever" geschöpft und auch diesmal zeigt sich, dass die Lieder keinesfalls schwächer sind als die Titel auf den Alben. Und dass die meisten im Saal auch mit den zusätzlichen Songs vertraut sind, denn die Stimmung flacht nicht ab.

Was heute Abend allerdings fehlt, sind die starken Balladen der Band. Weder wird das MOTÖRHEAD-Cover 'Love Me Forever', das Jennifer so gekonnt interpretierte, noch der Schmachtfetzen 'Breeze' vom aktuellen Rundling gespielt. Stattdessen gibt es eine überraschende Akustik-Sektion, in der zuerst die beiden Lieder 'Through the Mirror' und 'Song for the Godless' in ein neues Gewand gehüllt werden und danach als Coverversion Michael Patrick Kellys 'Salve Regina' folgt. Jennifer Haben hatte dieses Lied in der RTL-Show "Sing meinen Song" dargeboten und nun für diese Tour in ihre Setliste integriert. Eine Überraschung, sicher, aber auch ein nettes Lied, allerdings muss ich mir erst einmal ein bisschen Nachhilfe bei einem Fan holen, denn ich bin weder mit Herrn Kelly noch mit den RTL-Shows vertraut. Aber ich bin ja zum Glück nicht allein. Nur sind die ganz großen Fans dann wohl doch unten in der Arena, sodass ich kläglich scheitere, als ich versuche, den Titel des danach folgenden Lieds, das auf ein überflüssiges, aber glücklicherweise kurzes Schlagzeugsolo folgt, heraus zu bekommen. Ich gehe davon aus, dass es auch aus der Fernsehshow stammt, und klinke mich wieder ein, als es mit 'Heart of the Hurricane' zurück ins BEYOND THE BLACK-Normalprogramm geht.

Jetzt folgt auch der Endspurt. Die Band hat das Publikum fest in der Hand und bei 'Shine And Shade' und der schnellen Version des Rausschmeißers 'Hallelujah' gibt es kein Halten mehr. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es sicher noch eine Zugabe geben wird und tatsächlich endet der Abend mit einer Rückkehr der Band für 'In The Shadows', an dessen Anschluss vom DJ des weiteren Abends sofort ein POWERWOLF-Song eingespielt wird, um die Menge zu erinnern, dass es hier noch weitergeht und der Freitagabend noch jung ist.

Setliste: Hysteria; When Angels Fall; Songs of Love and Death; Beyond the Mirror; Written in Blood; Unbroken; Spiderweb of Eyes; Running to the Edge; Million Lightyears; Dear Death; Through the Mirror; Song for the Godless; Salve Regina; (unbekannt); Heart of the Hurricane; Lost in Forever; Shine and Shade; Hallelujah; In the Shadows

Die BEYOND THE BLACK-Tour mit den starken MISTER MISERY als Anheizer hat gerade erst begonnen und wird noch bis in den November dauern, allerdings sind zahlreiche Konzerttermine bereits ausverkauft. Es scheint, dass die Arbeit der letzten Jahre nun Früchte trägt, die Band ist bereit, den Schritt in größere Hallen zu gehen. Außerdem erwarte ich im nächsten Jahr ein paar Festivalauftritte, bei der die Band mit längerer Spielzeit einen höheren Platz im Billing einnehmen wird. Was als kleiner Hype des Universal-Labels begonnen hat, nimmt nun die Form eines etablierten Acts an, der noch lange nicht am Ende des Weges angekommen ist. Ich bin gespannt, welche Höhen der Triumphzug noch erklimmen wird.

Redakteur:
Frank Jaeger

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