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BLACK SABBATH und UNCLE ACID AND THE DEADBEATS - Dortmund

05.12.2013 | 12:29

30.11.2013, Westfalenhalle

Die Urgesteine des Heavy Metal legen jeden Zweifel in Schutt und Asche.

Der Dortmunder Weihnachtsmarkt lockt an diesem Samstag viele Besucher in die Ruhrmetropole und die Borussia holt auswärts in Mainz drei Punkte. Doch die eigentliche Sensation ist heute das Konzert von BLACK SABBATH. Zunächst als einzige Deutschland-Show geplant, waren die über 13.000 Tickets schneller verkauft als warme Semmeln. Pilger aus ganz Deutschland und den Niederlanden machen sich also auf, um der heiligsten aller Heavy-Metal-Messen beizuwohnen.

Als Support Act wurden die Psychedelic Rocker von UNCLE ACID AND THE DEADBEATS gebucht, die unter spärlichem Licht um Punkt 20 Uhr die Bühne entern. Wenn man mal auf die Lobeshymnen von Presse und Fans blickt, müsste das gut 40-minütige Set eigentlich zum Triumphzug werden. Schließlich haben die Briten die Musik von SABBATHs Ozzy-Ära mit der Muttermilch aufgesogen, eine Prise ELECTRIC WIZARD hinzugefügt und das Ganze bis an die Grenzen des Drone Doom getrieben. So zäh wie sich die Beschreibung liest klingt es auch. Der Sound ist suboptimal, aber die ausgewählten Songs auch. Ziemlich introvertiert ergeht sich das Quartett in ultraschweren Riffs, die aber nach einigen Minuten drohen, ihren Reiz zu verlieren. Im ewig gleichen Midtempo ist man selbst als Fan des Genres nach den ersten beiden Songs 'Mt. Abraxas' und 'Mind Crawler' ausreichend bedient. Der Autor sieht das aber vermutlich kritischer als die bereits anwesenden SABBATH-Jünger, denn die Senkrechtstarter ernten viel Applaus und werden für meine Begriffe viel zu sehr abgefeiert. Ich bin jedenfalls froh, als der letzte Akkord aus der P.A. tröpfelt und jetzt nur noch 15 Minuten zwischen uns und BLACK SABBATH stehen.

Ich habe mir dieses Jahr schon viele Konzerte angesehen, aber was gerade in der Westfalenhalle bei den ersten Tönen von BLACK SABBATH abgeht, das entzieht sich jeglichem Vergleich. Die imposante Projektionsfläche wird von roten Sabbath-Engeln geschmückt, die Sirene ertönt und scheinbar jeder Mensch in unmittelbarer Umgebung befindet sich kurz vor oder schon jenseits der Schwelle zum totalen Ausrasten. 'War Pigs' markiert einen fantastischen Anfang, Ozzy lässt sich vom lautstark singenden Publikum unterstützen, während Tony und Geezer sich um die Riffkeule kümmern. Aus dem anfänglichen Staunen über die stimmlichen Qualitäten des Madman wird pure Begeisterung, die Menge tobt im wahrsten Sinne des Wortes. Wer nach 'War Pigs' gleich eine Hammer-Nummer wie 'Into The Void' "verbraten" kann, muss sich um mangelnde Begeisterungsfähigkeit aber ohnehin keine Gedanken machen. Und das, liebe Leser, muss ich an dieser Stelle einmal festhalten: Die Riffs von 'Into The Void' sind tausend Mal mehr Metal als das eierlose Geschwurbel, das so viele Labels gerne als die wahre Kost anpreisen. Tony Iommi hat bereits mit den ersten SABBATH-Platten so viele Riffs für die Ewigkeit geschrieben, dass man daraus hätte ein Dutzend Musikerkarrieren stricken können.

Das ist auch dem Publikum bewusst, das neben vielen Metalheads auch aus zahlreichen Event-Besuchern besteht. Bei 'War Pigs' konnten sie alle noch mitsingen, aber als das tragisch verkannte 'Under The Sun/Every Day Comes And Goes' angekündigt wird, ist es in der großen Halle beinahe still. Asche auf die Häupter der Anwesenden, denn ohne dieses Album würden Nachahmer und Thronfolger wie unsere heutige Vorband noch heute vergeblich an ihren Orange-Amps rumdrehen auf der Suche nach DEM Fuzz-Sound. Nach 'Snowblind' folgt mit 'Age Of Reason' der erste Song des Comeback-Albums "13", von dem wir heute lediglich drei Nummern auf die Ohren bekommen. Im Kontext kann das neue Material erwartungsgemäß nicht ganz mit Über-Klassikern wie 'Black Sabbath', 'Behind The Wall Of Sleep' oder 'Fairies Wear Boots' mithalten, dennoch schlagen sich 'End Of The Beginning' und 'God Is Dead?' hervorragend. Bei zuletzt genannter Nummer fängt übrigens das Organ Ozzys langsam an nachzugeben, viel mehr als eine Stunde kann unser Prince Of Darkness sein Anfangsniveau leider nicht halten. Macht aber nichts, denn 'Dirty Women' und 'Children of the Grave' kann das anwesende Volk im Halbschlaf mitgröhlen. Unter der Leitung des kürzlich zum Doktor ernannten Tony Iommi präsentiert sich das Muttertier aller Metal-Bands in einer absolut bestechenden Form! Auch Aushilfs-Drummer Tommy Clufetos spielt solide, kommt aber dem Original nicht ansatzweise nach. Es macht eben einen großen Unterschied, ob ein Jazz-Schlagzeuger wie Bill Ward den Heavy Metal erfindet, oder ob ein Heavy-Metal-Drummer wie Tommy Clufetos BLACK SABBATH spielt. Doch das ist an diesem Abend lediglich eine Randnotiz wert.

Dass nach 'Children Of The Grave' noch nicht Schluss ist, sondern mit 'Paranoid' noch einmal richtig die Halle abgerissen wird, hatte man gehofft und erwartet. Und so gibt es den wohl am häufigsten gespielten Song der Band als 16. Nummer nach über 100 Minuten. Nach knapp zwei Stunden fällt der Vorhang dann aber leider endgültig und die 'Planet Caravan'-Hommage 'Zeitgeist' bittet zum Ausgang. Zwei wahnsinnige Stunden machen diesen Abend zum wahrscheinlich besten Konzert des Jahres 2013. Nirgendwo sonst mischt sich Ehrfurcht mit Gänsehaut und Freudentränen wie heute bei BLACK SABBATH. Man spürt irgendwie, etwas ganz Großes erlebt zu haben. Immer wenn ich an das diebische Grinsen im Gesicht von Ozzy denke, wenn die Fans seine Gesänge erwidern, werde ich mich an dieses Gefühl zurückerinnern können.

Setlist UNCLE ACID AND THE DEADBEATS: Mt. Abraxas, Mind Crawler, I'll Cut You Down, Death's Door, Valley Of The Dolls, Over And Over Again, Desert Ceremony

Setlist BLACK SABBATH: War Pigs, Into The Void, Under The Sun/Every Day Comes And Goes, Snowblind, Age Of Reason, Black Sabbath, Behind The Wall Of Sleep, N.I.B., End Of The Beginning, Fairies Wear Boots, Rat Salad, Iron Man, God Is Dead?, Dirty Women, Children Of The Grave, Paranoid

Einen weiteren Bericht von dieser Tour gibt es vom Konzert in Noblesville, USA.

Redakteur:
Nils Macher

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