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Bang Your Head - Revisited - Albstadt

05.11.2003 | 13:27

13.09.2003, Zollern-Alb-Halle

Stau und zwei komplett orientierungslose Redakteure können wirklich eine Plage sein - zumindest, wenn man eines schönen Samstagabends ein Konzert besuchen möchte. Kein normales Konzert noch dazu, sondern den kleinen Bruder des allseits bekannten BANG YOUR HEAD-Festivals.
Dieses Mal hatten sich für die Hallenversion des vom "Heavy, oder was?!"-Magazins ausgerichteten Events GODDESS OF DESIRE, RAWHEAD REXX, CIRCLE II CIRCLE und KROKUS angekündigt - die vormals ebenfalls auf dem Billing stehenden SHAKRA mussten ihre Teilnahme aufgrund eines akuten Asthmaanfalls ihres Sängers absagen.
Wie bereits angedeutet, trudelten Kollege Martin und meine Wenigkeit zwar mit etwas Verspätung, aber trotzdem noch halbwegs rechtzeitig zum Auftakt der ersten Lärmkapelle, GODDESS OF DESIRE, in der gemütlichen Zollern-Alb-Halle zu Albstadt ein, um gemeinsam mit etwa (leider nur mageren) 300 weiteren Besuchern - die sich wahlweise in der Halle oder im Foyer bei den dort aufgebauten Ständen tummelten - "Fuckin' Heavy Metal" zu zelebrieren...
[Kathy Schütte]


GODDESS OF DESIRE

Als Kathy und ich die spärlich gefüllte Zollern-Alb-Halle mit etwas Verspätung betraten, waren GODDESS OF DESIRE bereits ordentlich zu Gange. Doch wie sich im Nachhinein herausstellte, hatten wir gerade mal eineinhalb Songs verpasst. Ab der zweiten Hälfte von 'Symbol Of Triumph', das zwar so heißt wie die zweite Scheibe, aber auf dem aktuellen Output "Conquerors Divine" zu finden ist, waren wir dann auch mit von der Party, und das war gut so. Die Holländer ließen nämlich gleich mit 'Scream For Metal' einen nagelneuen, bislang noch unveröffentlichten und zum ersten Mal live gespielten Song folgen, der eigentlich nur in der Schublade für Nackenbrecher einzuordnen ist. GODDESS OF DESIRE boten - wie gewohnt - einen soliden Auftritt, und damit meine ich nicht nur die musikalische Komponente. Auch an Show-Elementen geizten sie wieder nicht, und diese waren nicht selten vor allem für das männliche Auge sehenswert. So hatten GODDESS OF DESIRE dieses Mal drei Mädels dabei, die sich abwechselnd mehr oder weniger - meist eher weniger - bekleidet zeigten. Doch sie präsentierten nicht nur viel Haut, sondern auch einige Feuerspuck-Einlagen. Aber zurück zur Musik, denn diese stand ja trotz allem immer noch im Vordergrund...
Bei 'Ride', einem Song vom Zweitling "Symbol Of Triumph", musste ich schon zweimal auf die Bühne gucken, und zwar um sicherzugehen, dass sich Lemmy nicht dazwischengemogelt hat. Das Stück klingt ja schon auf CD sehr MOTÖRHEAD-lastig, aber sogar live bekommt Grev Drake - bei GODDESS OF DESIRE teilt sich bekanntlich die gesamte Saitenfraktion (Count August, Lord Arydon, Grev Drake) den Gesang - die Stimme von Lemmy perfekt hin.
Weiter ging es mit 'War Of The Crusade' vom Debüt "Let Us Win This War", das vom Titelsong der aktuellen Scheibe, 'Conquerors Divine' gefolgt wurde. Natürlich durfte auch die GODDESS OF DESIRE-Hymne schlechthin nicht fehlen, nämlich 'Metal Forever'. Ganz in KISS-Manier feuerte Count August Pyros aus seiner Bass-Gitarre ab, und so langsam taute auch der Großteil des Publikums auf. Leider zu spät, denn mit 'The Battleground' (ebenfalls vom Debüt) war nach etwa 45 Minuten bereits Schluss.
Auch wenn die Begeisterung im Publikum ein wenig zu wünschen übrig ließ - allzu bekannt sind die Holländer wohl doch noch nicht -, so boten GODDESS OF DESIRE wieder mal einen sehr kurzweiligen Auftritt. Ich hoffe, sie verirren sich bald mal wieder in den süddeutschen Raum...
[Martin Schaich]


SHAKRA

SHAKRA konnten - wie eingangs bereits kurz erwähnt - nicht spielen, da ihr Sänger gegen Mittag einen schweren Asthma-Anfall hatte. Er musste daraufhin ins Krankenhaus gebracht werden, und dort hat man ihm irgend etwas gespritzt, das er nicht vertragen hat. Die Folge war ein allergischer Schock, der alles noch verschlimmerte. Sowohl Band als auch Veranstalter haben zwar noch gehofft, dass er wieder rechtzeitig auf die Beine kommt, aber eine halbe Stunde vor dem gelanten Auftritt kam dann die endgültige Absage. Der Veranstalter hat sich nach eigenen Angaben parallel auch um einen möglichen Ersatz bemüht und bei einigen lokalen Bands angefargt, aber keine hätte so kurzfristig komplett erscheinen können... Tja, schade!
[Martin Schaich]


RAWHEAD REXX

Nachdem SHAKRA also nicht spielen konnten, durften RAWHEAD REXX etwas früher auf die Bühne, um der Zuhängerschar ihre Art von Power Metal um die Ohren zu blasen. Für BANG YOUR HEAD-Stammgäste ist der Vierer aus deutschen Landen ja keine unbekannte Größe, da er sowohl 2000 als auch im letzten Jahr beim Open Air aufspielte. RAWHEAD REXX stiegen mit 'Return Of The Dragon' vom aktuellen Zweitwerk "Diary In Black" in ihr Programm ein, und ließen gleich auch noch den Titeltrack dieser Scheibe folgen. Das Publikum gab sich zwar zunächst etwas abwartend, ging mit der Zeit aber dann doch immer begeisterter mit. Daran hatten sicherlich auch die locker-lässigen Ansagen von Frontmann Jürgen Volk (Ex-GLENMORE), der beim Stageacting eine gewissen Ähnlichkeit zu GRAVE DIGGER-Chris nicht leugnen kann, ihren Anteil. Weiter ging es Im Programm mit 'Evil In Man', bevor nach einer herzlichen Einladung von Jürgen - "Alle Headbanger: Kopfschütteln!" - mit dem absoluten Nackenbrecher 'Town Of Skulls' der erste Song vom Debütalbum "Rawhead Rexx" kam. Mit dem Midtempo-Stampfer 'Sons Of Mayhem' folgte ein weiterer Song dieses Silberlings, bevor die bei Live-Konzerten fast schon obligatorische BLACK SABBATH-Cover-Version 'Heaven And Hell' gespielt wurde. RAWHEAD REXX zogen sich dabei im Großen und Ganzen sehr ordentlich aus der Affäre, doch an das Original und auch an die beim diesjährigen BANG YOUR HEAD gehörte DIO-Version kamen sie nicht heran.
Danach ging es wieder mit eigenem Material weiter, und zwar mit der Bandhymne 'Rawhead Rexx'. Jürgen & Co. ließen es sich dabei nicht nehmen, wieder einmal ihr Maskottchen Rexx zu aktivieren, das dem IRON MAIDEN'schen Eddie nicht ganz unähnlich ist und dementsprechend schwerfällig über die Bühne torkelte. Anschließend gingen RAWHEAD REXX - nachdem Jürgen mal wieder das Publikum motivierte - wieder zu ihrem aktuellen Output über, der selbstverständlich den Schwerpunkt bei der Songauswahl bildete, und so folgte 'The Machine', und nach einem sehr ordentlichen Schlagzeugsolo von Dany Löble auch noch 'Brothers In Arms' und 'Metal War'. Mit der Ballade 'Six Feet From The Edge' wollten RAWHEAD REXX dann eigentlich ihren Auftritt beenden, doch da hatten sie die Rechnung ohne das Publikum gemacht, das sichtlich Gefallen an der Band gefunden hatte. Die Band packte also kurzer Hand mit 'The Scream' noch einen älteren Song aus, bei dem sie noch einmal alles gaben. Jürgen hatte zwar ein paar Probleme mit seiner Gitarre, aber dies fiel nicht weiter ins Gewicht, da er dadurch sehr viel mehr Freiheiten hatte und erst recht über die Bühne wirbeln konnte.
Unter dem Strich konnten RAWHEAD REXX auf der ganzen Linie überzeugen, und ich bin mir sicher, dass sie mit diesem Auftritt einige neue Fans dazugewonnen haben.
[Martin Schaich]


CIRCLE II CIRCLE

Die Band um den Ex-SAVATAGE-Sänger Zak Stevens war der eigentliche Hauptgrund meiner Fahrt zum BANG YOUR HEAD - REVISITED gewesen - und meine großen Hoffnungen in CIRCLE II CIRCLE wurden nicht enttäuscht. Auch wenn das Publikum zu Anfang mehr als verhalten auf den hochmelodischen Schmacht-Metal reagierte, so ließen sich Zak, Matt LaPorte (Gitarre), Shane French (Gitarre), John Zahner (Keyboards), Kevin Rothney (Bass) und Chris Kinder (Drums) nicht beirren: In punkto Stageacting legte der Sechser von Anfang an eine astreine Show hin, wobei vor allem Stevens und LaPorte häufig den kleinen, gen Publikum reichenden Steg in der Bühnenmitte nutzten, um den Leuten näher zu sein und sie entsprechend anzufeuern. Zaks theatralische Gesten und natürlich seine geschmeidige Gänsehautstimme taten ihr übriges - spätestens zu 'Forgiven' und dem grandiosen Titeltrack des aktuellen Albums "Watching In Silence" brach endlich Gott sei Dank das Eis zwischen Band und Zuschauern. Endlich begannen eifriges Klatschen und Mitsingen der Refrains in den vorderen Reihen, was der Atmosphäre des Konzerts - obwohl schon allein durch die hervorragende Leistung der Musiker einfach magisch - nochmal eine Steigerung auf der Stimmungsskala bescherte. A propos Stimmung: Das Einflechten der SAVATAGE-Klassiker 'Taunting Cobras', 'Turns To Me' und besonders 'Edge Of Thorns' gaben dem Gig den letzten finalen Kick. Da wippte dann wirklich jeder mit und glänzende Augen ringsum verrieten, wie sehr die emotionalen Stücke die Gemüter berührten.
Zum Abschluss gab's - wie schon von weiteren Sommerfestival-Auftritten der Band gewohnt - das METALLICA-Cover 'Welcome Home (Sanitarium)' auf die Ohren, welches dem Gig von CIRCLE II CIRCLE ein "highlightiges" Ende setzte. Leider hatte man die Spielzeit bereits überzogen, weshalb geforderte Zugaben nicht berücksichtigt werden konnten - als kleine Entschädigung entschloss sich die Band jedoch spontan, im Anschluss an das Konzert eine kleine Autogrammstunde im hinteren Teil der Halle abzuhalten. Zufriedenheit somit auf allen Seiten und das BANG YOUR HEAD - REVISITED konnte mit seinem Programm fortfahren - auch wenn für mich mit dem Auftritt von CIRCLE II CIRCLE der Abend bereits seinen definitiven Höhepunkt erreicht hatte.
[Kathy Schütte]

Setlist CIRCLE II CIRCLE:

Out Of Reach
Lies
The Circle
Forgiven
Watching In Silence
Face To Face
Into The Wind
Follow Me
Taunting Cobras
Edge Of Thorns
Turns To Me
Sea Of White
Welcome Home (Sanitarium)


KROKUS

Aufgrund des Ausfalls von SHAKRA lag es ganz allein an KROKUS, die eidgenössische Flagge hochzuhalten. Doch wer die Schweizer ein paar Wochen zuvor auf dem SUMMER BREEZE gesehen hatte, der wusste sicherlich, dass da eigentlich nicht viel schief gehen konnte. Und so war es dann auch...
Erfreulicherweise hatten die Schweizer Hard-Rocker die Setlist im Vergleich zu Abtsgmünd komplett über den Haufen geworfen, und so starteten sie dieses Mal mit 'Long Stick Goes Boom'. KROKUS ließen keinen Zweifel daran, dass sie der Meute vor der Bühne zeigen wollten, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Mit 'Mad World' ließen sie sogleich einen Song vom aktuellen Output "Rock The Block" folgen, ehe sich Sänger Marc Storace - mit einem unüberhörbaren schweizerische Akzent - erstmal erkundigte, ob denn alle wohlauf seien ("You feel alright?"). Natürlich war das nur eine rein rhetorische Frage, denn die Stimmung war eigentlich vom ersten bis zum letzten Song ziemlich klasse. Dafür sorgte vor allem natürlich die Band selbst, die sich erneut äußert gut gelaunt präsentierte und auch sehr beweglich war. Es ging mit dem GUESS WHO-Cover 'American Woman' weiter, bei dem die Gitarristen den Bühnensteg immer wieder für sich beanspruchten, bevor es Zeit für eine Reihe von KROKUS-Klassikern wurde, wie zum Beispiel 'Fire' und 'Bad Boys, Rag Dolls'. Danach lud Marc zu einem "free ride to Tokyo" ein ('Tokyo Nights'), bei dem er immer wieder seine Späßchen mit den ersten Reihen machte. Nach 'Down The Drain' wurde es mit 'Screaming In The Night' kurzfristig etwas ruhiger - eine Ballade ist ja schließlich erlaubt -, doch schon bei 'Stayed Awake All Night' wurde bereits wieder ordentlich gerockt - insbesondere während des ausladenden Instrumentalteils, bei dem sich zunächst Bass und Schlagzeug duellierten, ehe die Gitarren dazukamen (sehr geil!). Anschließend kam die obligatorische Frage von Marc, ob denn Albstadt wohl die Rock-Hauptstadt sei, auf die er zunächst nur sehr zögerlich eine Antwort bekam. Beim zweiten Anlauf klappte das aber dann besser, und es konnte 'Rock City' - was denn sonst? - folgen. Nachdem die Band ausführlich vorgestellt wurde - zu KROKUS' Hochzeiten legte man darauf noch sehr viel Wert -, gab es 'Rock 'n' Roll Tonight' zu hören, das dem Publikum mal wieder die Gelegenheit gab, in die typischen Singspielchen einzustimmen, und die Leute ließen sich auch gar nicht lange bitten. Danach war es dann aber schon Zeit für den Endspurt, den die Schweizer mit ihrem Klassiker schlechthin, 'Easy Rocker', anzogen - direkt gefolgt von 'Backseat Rock 'n' Roll' und 'Heatstrokes'. Mit dem aktuellen Titel-Song 'Rock The Block' wollten es KROKUS dann eigentlich bewenden lassen, doch das wollte sich das Publikum nicht gefallen lassen.
Allzu lange ließen sich KROKUS aber nicht bitten, bevor sie noch einmal auf die Bühne zurückkehrten. Mit 'Headhunter' und 'Eat The Rich', bei dem es zu einer regelrechten Handtuch-Prügelei auf der Bühne kam (sehr amüsant!), gab es erneut wohlbekanntes Liedgut auf die Ohren, bevor KROKUS mit 'Bedside Radio' den endgültigen Schlusspunkt setzten.
Marc Storace, Fernando von Arb & Co. befinden sich zur Zeit in bestechlicher Form und sind live eine absolute Macht. Wer sich davon in diesem Jahr nicht selbst überzeugt hat, ist wirklich bedauernswert. Oder - um es mit den ROLLING STONES zu sagen: "It's only Rock 'n' Roll, but I like it!"
[Martin Schaich]

Setlist KROKUS:

Long Stick Goes Boom
Mad World
American Woman
Fire
Bad Boys, Rag Dolls
Tokyo Nights
Down The Drain
Screaming In The Night
Stayed Awake All Night
Rock City
Rock 'n' Roll Tonight
Easy Rocker
Backseat Rock 'n' Roll
Heatstrokes
Rock The Block
---
Headhunter
Eat The Rich
Bedside Radio


Insgesamt kann das BANG YOUR HEAD - REVISITED auch dieses Mal als Erfolg gewertet werden - zumindest für die Besucher. Die Veranstalter hatten ja leider etwas Pech, da zum einen mit SHAKRA eine Band nicht auftreten konnte, und zum anderen war auch der Publikumszuspruch weitaus geringer war als noch bei der Erstauflage im April. Ob das nun am Billing lag - hm, eigentlich war keine schlechte Band dabei?!? - oder eben an der Übersättigung nach einer langen Festivalsaison, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Wie auch immer - diejenigen, die dem zweiten BANG YOUR HEAD - REVISITED beiwohnten, werden es sicherlich nicht bereut haben.
Auch im nächsten Jahr wird es wieder ein BANG YOUR HEAD - REVISITED geben, und der Termin steht auch bereits fest (24.04.2004), nur auf das Billing darf man noch gespannt sein...
[Martin Schaich]

Redakteur:
Martin Schaich

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